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Grenzenloser Spaß: Darf Humor alles? | 13 Fragen | unbubble

ZDF-unbubble-Diskussion über Humorgrenzen: Comedians und Gäste streiten, ob Witze über Minderheiten legitim sind, wie sich Comedy verändert hat und welche moralische Verantwortung Künstler tragen.

Key Takeaways

  • Humor ist rechtlich meist erlaubt, die Frage der Legitimität bleibt aber umstritten.
  • Stereotype-Witze über marginalisierte Gruppen werden von vielen als unlustig und schädlich bewertet.
  • Die Meinungen darüber, wer über Witze entscheiden darf (Betroffene vs. Außenstehende), gehen stark auseinander.
  • Comedians mit großer Reichweite tragen nach Ansicht einiger eine moralische Verantwortung.
  • Satire muss klar von persönlichen Angriffen und unwahren Behauptungen abgegrenzt werden.

What the video covers

  • Die Sendung fragt, ob Humor Grenzen haben sollte, und lädt das Publikum zur Positionierung (Team Grün vs. Team Gelb) ein.
  • Comedians berichten, dass sich das Humorumfeld verändert hat: Man muss vorsichtiger sein, alte Aussagen können gegen einen verwendet werden.
  • Diskutiert wird, ob Witze über Minderheiten zwar legal, aber auch legitim sind; Stereotype werden als unlustig und schädlich kritisiert.
  • Ein Gast erzählt, dass Betroffene bei Witzen über sich oft lachen, während Außenstehende Kritik üben – das wird als Bevormundung empfunden.
  • Kontrovers wird über Beispielwitze gesprochen, etwa ein Witz über Araber und Schach, und die Frage, ob er rassistisch oder satirisch ist.
  • Es geht um die Frage, ob Comedians eine moralische Vorbildfunktion haben, besonders wenn sie große Reichweite besitzen.
  • Oliver Pocher und seine Kritik an Influencern/der 'Bildschirm-Kontrolle' wird als Beispiel für die Grenzen zwischen Satire und persönlichem Angriff diskutiert.
  • Ein schwuler Gast schildert eigene Erfahrungen mit Anfeindungen und reflektiert, wie sich Humor über queere Themen gewandelt hat.
  • Böhmermann und die Satire über Fynn Kliemann dienen als Beispiel für die Grenze zwischen Satire und unwahren Tatsachenbehauptungen.
  • Insgesamt zeigt die Diskussion keinen vollständigen Konsens, sondern das Ringen um eine Faustformel für Humorgrenzen.

Answers

Questions about this video

Welche Position vertreten die Gäste zur Frage, ob Humor Grenzen haben sollte?

Die Gäste sind sich uneins. Einige halten Stereotype-Witze für unlustig und schädlich, andere betonen die Kunstfreiheit und wehren sich gegen Bevormundung durch Außenstehende.

Warum wird über die Veränderung der Humorlandschaft gesprochen?

Comedians berichten, dass heute alles schneller kritisiert wird und alte Aussagen gegen sie verwendet werden können. Dadurch müssen sie vorsichtiger formulieren.

Welches Beispiel wird für die Diskussion über Satire und Grenzen genannt?

Unter anderem Oliver Pocher und seine Kritik an Influencern sowie Böhmermanns Satire über Fynn Kliemann, bei der die Grenze zu unwahren Tatsachenbehauptungen diskutiert wird.

Full Transcript — Download SRT & Markdown

00:00
Speaker A
Soll es nicht unser aller Ziel als Künstler:innen sein, als Comedians, was auch immer wir machen? Dass wir Orte schaffen, an denen sich vielleicht alle wohlfühlen?
00:09
Speaker A
Ja, viel Spaß dabei. Sollte Humor Grenzen haben? Wenn ihr sagt eher ja, dann bitte auf die grüne Seite gehen. Und wenn ihr sagt nee, wenn etwas frei ist, dann doch bitte Humor.
00:34
Speaker A
Dann bitte auf die gelbe Seite gehen, und bitte. Da hört der Spaß aber auf.
00:43
Speaker A
Ja, gute Frage. Wo hört der Spaß auf? Sind zum Beispiel Witze über Schwule, über Behinderte, über Ausländer oder überhaupt über Minderheiten legal?
00:52
Speaker A
Meistens ja. Sind sie auch legitim? Das ist eine ganz andere Frage. Spätestens seit Böhmermann und Erdogan, seit Dieter Nuhr und Lisa Eckart werden wir diese Diskussion ja nicht mehr los.
01:02
Speaker A
Und natürlich erzählen wir uns heute auch andere Witze als vor 50 Jahren. Wenn also jemand sagt, hier ist eine Grenze überschritten, dann sollten wir schon ungefähr wissen, welche Grenze meint er oder sie eigentlich?
01:13
Speaker A
Meine Gäste sind sich in dieser Frage einigermaßen uneins. Umso spannender herauszufinden, ob wir uns annähern könnten.
01:18
Speaker A
Vielleicht dann doch was eingrenzen können, eine Faustformel, ein Kriterium definieren können. Ich bin gespannt, ob das klappt.
01:24
Speaker A
Jetzt erst mal die Frage an euch: Wo würdet ihr euch positionieren? Team Grün? Natürlich hat Humor auch Grenzen.
01:30
Speaker A
Oder Team Gelb. Kunst ist frei. Schreibt uns gerne in die Kommentare. Drei und zehn Fragen. Hier kommt Frage Nummer zwei, und die geht an Olli.
01:39
Speaker A
Wie steht es denn um die deutsche Humorlandschaft? Du bist ja auch schon seit etlichen Jahren dabei. Was hat sich verändert?
01:44
Speaker A
Comedy funktioniert auf jeden Fall gut. Man sieht ja, die Leute gehen hin. Die Hallen werden oder wurden eine Zeit lang immer größer.
01:50
Speaker A
Jetzt, durch die Coronazeit, ist es ein bisschen schwieriger geworden. Aber natürlich hat sich das Humorumfeld deutlich verändert.
01:57
Speaker A
Aktuell fühlt sich jeder getriggert, und jede Randgruppe muss jetzt Recht bekommen. Und das ist ein bisschen schwierig für den einen oder anderen Comedian. Gerade Leute, die nicht so bekannt sind oder gerade hochkommen, die müssen aufpassen, was sie sagen.
02:08
Speaker A
Und die, die schon länger dabei sind, müssen wissen, was sie vor 24 Jahren gepostet haben oder vor zwölf Jahren in einem anderen Zusammenhang gesagt haben, weil das wird gegen sie verwendet.
02:17
Speaker A
Fühlst du dich unfreier? Hmm, unfreier, es ist schwer zu sagen. Es schafft ja auch ein großes Humorpotenzial, weil man ja viele Sachen angeblich nicht mehr so machen kann, sollte, dürfte.
02:31
Speaker A
Aber es ist schon anders. Sagen wir mal so: Man macht nicht mehr alles einfach so vorneweg. Jetzt kann man bei jedem Satz so auslegen, dass irgendjemand sauer sein könnte und sagen könnte: Aber das kannst du jetzt so aber nun wirklich
02:44
Speaker A
nicht mehr sagen. Philipp, wie siehst du das? Also ich sehe die Entwicklung auf jeden Fall positiv, dass es sich dahin gewandt hat, dass man überlegen sollte, was man sagt. Ich glaube auch nicht, dass du vielleicht bei jedem Satz
02:54
Speaker A
überlegen musst, was du sagen kannst und darfst. Und wenn dem so ist, dann ist vielleicht das, was du sagen willst, auch einfach echt nicht richtig.
03:01
Speaker A
Also worüber ich einfach keine Witze machen wollen würde: Sind Menschen aus marginalisierten Gruppen diskriminiert, sowieso schon von der Gesellschaft diskriminierte Gruppen, und ich verstehe auch nicht, wieso ich darüber Witze machen sollte.
03:17
Speaker A
Wie siehst du das? Also ich glaube, dass die Qualität von Witzen, die einfach sagen: Keine Ahnung, Polen klauen Autos, Türken stinken nach Döner, dass das einfach total unlustig ist und bestimmte Stereotype festschreibt und weiterschreibt, die wir in der
03:32
Speaker A
Gesellschaft ja eigentlich bekämpfen wollen. Ich persönlich habe ein sehr gespaltenes Verhältnis zur Comedy. Auf der einen Seite liebe ich es, also wer liebt Comedy nicht, wer liebt Lachen nicht?
03:41
Speaker A
Auf der anderen Seite wurde ich halt auch oft durch mit sehr klischeehaften Witzen so gemobbt in der Kindheit.
03:47
Speaker A
Wir reden ja auch so ein bisschen über genau das, was in diesen Diskussionen immer vorkommt, nämlich zum Beispiel Witze über Minderheiten oder vermeintliche Minderheiten oder vermeintlich diskriminierte oder wahrhaftig diskriminierte Minderheiten. Hast du den Eindruck, der Umgang mit Witzen, wo man sagt, ah, weiß nicht genau, hat sich das verändert im deutschsprachigen Raum? Definitiv. Ich meine, vor vier, fünf Jahren
04:01
Speaker A
wusste ich nicht mal, was es bedeutet. Und heute ist es ein Begriff, der mich tagtäglich begleitet. Also.
04:06
Speaker A
Daher schon. Meiner Meinung nach kommt die Kritik überwiegend von Leuten, die selbst nicht betroffen sind.
04:13
Speaker A
Und ich habe die Erfahrung stark gemacht, weil ich da so eine Reihe habe, wo ich zu Betroffenen gehe und denen einen Witz über sie erzähle, also zu einem Schwarzen und erzähle einen Schwarzen-Witz, zu einem Albaner und erzähle einen Albaner-Witz.
04:18
Speaker A
Diese Leute lachen, und wir haben dann nicht Betroffene, die darunter sozusagen Kritik üben. Und das ist so eine Art von Bevormundung.
04:30
Speaker A
Und das ist eher problematisch, finde ich. Jetzt musst du vielleicht, ich weiß es, der Kontext ist wirklich King in dem Fall, und man muss das ganze Video sehen, damit man das Gesamte vielleicht versteht. Aber sag mal ein Beispielwitz, bitte.
04:39
Speaker A
Dann kannst du dieses Video nicht senden. Das sage ich dir jetzt schon. Versuch's! Lieber nicht.
04:50
Speaker A
Und wofür hast du Kritik bekommen? Vielleicht kannst du das irgendwie rauskitzeln. Also das Lustigste war wirklich so ein Witz, wo ich so einen Araber-Joke rausgehauen habe, da sind die nicht mal von mir.
04:55
Speaker A
Es geht ja nicht um den Witz, es geht wirklich um dieses Miteinander. Und der Witz war: Warum spielen Araber kein Schach?
05:04
Speaker A
Weil sie die Dame nur einmal schlagen dürfen. Und ich kann darüber lachen. Natürlich. Hier sind noch mehrere Faktoren, Sexismus.
05:10
Speaker A
Wahrscheinlich, dass ich ein bisschen aufrege in diesem Job. Aber ich hatte dann wirklich einen Schweizer darunter, der meinte, das sei rassistisch, und dann denke ich so: Okay, du willst mir verbieten, über meine eigene Nationalität und Klischees zu
05:16
Speaker A
lachen. Das ist ein bisschen so, das ist bevormundend, und das ist rassistisch, wenn man davon ausgeht, dass ich nicht selber für mich denken kann.
05:29
Speaker A
Aber das ist ja schon genau das, was dann so verkopft ist. Dann kommen Leute und sagen: Aha, man macht sich also über häusliche Gewalt lustig.
05:35
Speaker A
Findest du das wirklich lustig? Plus, du bist Araber, du kannst das machen. Wer keinen Stress mit Arabern haben möchte, sollte lieber solche Witze nicht machen.
05:42
Speaker A
Das ist ja wiederum auch das Nächste. Dann gibt es viele, die das gar nicht verstehen wollen.
05:49
Speaker A
Und ein Punkt ist es einfach: Wer hat eigentlich jemals gesagt, dass Comedians in irgendeiner Art und Weise eine moralische Instanz sein müssen?
05:53
Speaker A
Also ich finde, das ist auch so total lächerlich, dieses: Ja, du bist in der Öffentlichkeit, du hast auch eine Vorbildfunktion. Wer sagt das?
05:58
Speaker A
Also ich finde, jeder Mensch hat eine Vorbildfunktion. Aber das muss nicht dabei sein.
06:05
Speaker A
Aber wir können es. Warum nutzen wir es dann nicht? Ich denke, jeder mit Reichweite hat eine moralische Verpflichtung.
06:10
Speaker A
Da müssen wir ganz kurz, David ist nach hinten gegangen. Warum? Ganz klar, weil mich bei Oliver Pocher massiv gestört hat, in den letzten Jahren.
06:14
Speaker A
Jahren sogar okay. In den letzten Jahren, in der Coronazeit, da ist er massiv aufgefallen, bist du aufgefallen mit deiner neu ins Leben gerufenen Bildschirm-Kontrolle.
06:23
Speaker A
Die habe ich selber mit Interesse natürlich verfolgt, auch wieder als Betroffenen-Anwalt, der natürlich auch Influencer vertritt.
06:32
Speaker A
Und auf die hast du dich natürlich gestürzt. Ich habe gesehen, dass du natürlich ein dahinterstehendes Interesse hast, dass sie ihre Kinder in die Kamera halten. Und so weiter.
06:38
Speaker A
Da bin ich ganz bei dir an dieser Stelle. Aber wie es passiert ist, war für mich dann eben nicht mehr im moralisch zulässigen Rahmen.
06:45
Speaker A
Obwohl man in Deutschland aus meiner Sicht im Land der Dichter und Denker viel ertragen muss, weil einfach Kunst eine große Rolle spielt un
06:52
Speaker A
Obwohl man in Deutschland aus meiner Sicht im Land der Dichter und Denker viel ertragen muss, weil einfach Kunst eine große Rolle spielt und auch Kreativität.
06:59
Speaker A
Und man gewöhnt, dass das überspitzt übertrieben eben auch Kritik an Politikern, Personen des öffentlichen Lebens oder anderen Leuten geübt wird, finde ich, dass Persönlichkeitsrecht teilweise in der Rechtssprechung zu kurz kommt.
07:12
Speaker A
Jetzt wird natürlich Oliver sagen warum habe ich diese Verantwortung? Aber er muss eben seiner Verantwortung gerecht werden.
07:17
Speaker A
Und viele andere, nicht nur Comedians, sondern eben auch Personen des öffentlichen Lebens müssen überschauen, was hat das für Auswirkungen? Möglicherweise, wenn ich 2 Millionen Follower habe, von denen einige einfach oder sehr viele dazu bereit sind, dann andere - einen Shitstorm
07:31
Speaker A
auszulösen, andere Leute anonym zu bedrohen anzuschreiben wo Oliver natürlich dann gesagt hat: Pass auf, ist doch nicht mein Problem, ich habe die doch nicht angestachelt.
07:39
Speaker A
Ich habe doch einfach nur im Rahmen des Zulässigen was geäußert, habe mich kritisch damit auseinandergesetzt, was Influencer tun.
07:46
Speaker A
Die täuschen also Andere aus seiner Sicht und hat dann einzelne in die Kamera gehalten, sich damit auseinandergesetzt und obwohl die dann in der Öffentlichkeit gezeigt haben okay, das belastet mich, ich bin jetzt angefasst, ich habe wirklich auch psychische
07:58
Speaker A
Probleme, hat er das verteidigt und das finde ich halt, fällt unter Verantwortung der Medien und auch Verantwortung von Personen des öffentlichen Lebens.
08:06
Speaker A
Überraschenderweise darfst du darauf antworten. Ich sehe es komplett gar nicht so, weil ich kann halt einfach nicht für 2 Millionen Leute verantworten, was die schreiben, was die sagen, was die machen.
08:16
Speaker A
Da kann ich wirklich nichts dafür. Und wenn er dann sagt, ja, dann muss er genau mir sagen jetzt, wen darf ich denn dann nicht nehmen?
08:22
Speaker A
Dann gibt es, wo gibt es dann die Grenzen? Also erst mal, ich sehe mich in Anführungsstriche, habe ich mich als eine Art TV Total des Internets in der Coronazeit aus Langeweile mehr oder weniger gesehen. Und wenn Leute irgendein
08:33
Speaker A
Bullshit aus meinen Augen im Netz posten und ich mich darüber lustig mache, soll ich es dann einfach lassen, weil gegebenenfalls ein paar Leute da irgendwie was machen?
08:41
Speaker A
Also ich finde das sehr sehr schwierig und dann wird immer aufgeteilt in die Guten oder in die Bösen. Wer sind die guten Comedians, wer sind die Bösen?
08:48
Speaker A
Jan Böhmermann ist ja auch schon gefallen. Also da sehe ich zum Beispiel so ein Fall wie bei Fynn Kliemann, der dann auch in alle Einzelteile zerlegt wird, aus einer vielleicht auch persönlichen Geschichte, wo am Ende rechtlich nichts bei rauskommt und wo jemand
09:02
Speaker A
auch persönlich fertiggemacht wird, finde ich teilweise viel extremer als das, was ich persönlich gemacht habe. Nur um das klar zu kriegen. Das heißt dieses teilweise explizit persönliche Leid, was unter anderem auch durch dich verursacht wurde, das nimmst du
09:13
Speaker A
einfach in Kauf. Was heißt durch mich persönliches Leid, das wird so groß aufgehangen, dann kann ich einfach gar nichts sagen, also dann darf ich keine Person erwähnen.
09:21
Speaker A
Vielleicht gibt auch eine Grauzone, das ist die Frage. Aber ich finde, ich finde, da vergleicht Oliver oder du vergleichst da Äpfel mit Birnen, gewissermaßen. Wenn du dich jetzt mit dem Kliemann oder mit dem Video auseinandersetzt, was ich gesehen
09:30
Speaker A
habe 27 Minuten von Jan Böhmermann, das war zum einen investigativ Recherche, die hatte auch einen ganz anderen Anspruch. Das heißt.
09:37
Speaker A
Ja, aber was ist dabei rausgekommen? Nein, nein, es geht darum, dass investigativ eben recherchiert wurde und sehr viele Dinge offengelegt wurden, die er falsch gemacht hat.
09:46
Speaker A
So, das Problem ist, er hat dort die Masken-Affäre gehabt. Er hat andere Dinge, die offengelegt wurden, die man dann aber auch so sagen darf.
09:53
Speaker A
Und das war eben eine Form von sachlich vernünftig aufbereitete Satire. Was ich dir vorwerfe ist, dass deine Follower, die nicht alle den Horizont haben, wo man sagen kann okay, die verstehen vielleicht, dass du auch damit Kritik nur äußern willst.
10:07
Speaker A
Die verstehen das teilweise als persönlichen Angriff, weil wenn man dir zugeschaut hat, täglich in der Bildschirm-Kontrolle hast, du dir irgendwann wahllos Influencer rausgesucht, hast die gezeigt und hast dich massiv über die nicht nur lustig gemacht, sondern man dachte, es ist ernst.
10:19
Speaker A
Man dachte, es ist deine persönliche Meinung ohne irgendeine satirische Kritik, sondern wirklich, dass du das auf die abgesehen hast.
10:26
Speaker A
Und wenn die in der Story noch mal eine Reaktion gezeigt haben, dann hast du sie erst recht fertiggemacht.
10:30
Speaker A
Und das ist dann von mir, wo ich dann sage, du hast es im rechtlich zulässigen Rahmen gemacht.
10:35
Speaker A
Du bist ja auch rechtlich gut beraten, das hast du auch mehrfach gesagt, in Ordnung, aber da hast du aus meiner Sicht eine Schwelle überschritten, einfach moralisch, wo man sagt okay, die liegen am Boden, du hast die Macht, du hast zwei
10:45
Speaker A
Millionen Follower, du bist eine Person des öffentlichen. - falsch -. Du bist eloquenter und die sind an der Stelle labil, haben es auch noch offengelegt und du hast trotzdem weiter draufgehauen.
10:53
Speaker A
Das gerechtfertigt. Und das ist ein Riesenunterschied. Minh Thu Und Hamza würden gerne differenzieren. Du bist gleich noch mal dran, Olli Also sorry Olli. Sag!
11:00
Speaker A
Du widersprichst ja auch, weil du sagst hier ja, wir haben keine Vorbildfunktion. Aber dann attackiert du Menschen bezüglich ihrer Vorbildfunktion.
11:07
Speaker A
Und das Ding ist auch ich mach unter anderem auch nicht nur diese Witze, diese rassistischen Witze, sondern auch so Kommentar Videos, wo ich gesellschaftliche Phänomene auseinander nehme, wo ich auch Menschen kritisiere.
11:17
Speaker A
Aber bei mir ist immer so der Endpunkt: es muss am Ende eine positive Endnote geben.
11:21
Speaker A
Nicht einfach nur du machst das falsch, sondern hey, wie können wir es besser machen?
11:25
Speaker A
Und ich hatte auch das Gefühl, bei dir war es einfach nur Bashing und die Tonalität war ein bisschen so sehr destruktiv.
11:33
Speaker A
Darf ich auch noch kurz was dazu sagen? Oliver, ich, also ich frag mich, ich finde deine Kritik ja berechtigt.
11:37
Speaker A
Kindern in Kameras zu halten ist nicht okay. Darum gehts doch nicht nur. Ich mache doch nicht nur die Kindernummer.
11:42
Speaker A
Was hat dich daran gehindert, einfach eine Parodie von so Influencer:innen zu machen und die einfach zu spielen und nicht diese Leute in die Kamera zu halten und die dann den Leuten zum Fraß vorzuwerfen?
11:50
Speaker A
Das hätte für dich auch eine Art und Weise gegeben, diese Art von Comedy zu machen, ohne dass Leute darunter negative Konsequenzen zu fürchten haben.
11:57
Speaker A
Ich weiß gar nicht, was du jetzt erzählst, weil ich habe mich selber doch auch in Oceansapart-Klamotten oder irgendwelchen anderen Sachen auch hingestellt.
12:03
Speaker A
Jetzt aus 100 Videos zu sagen, na ja, da hast du da einmal und da einmal. Das mit den Kindern fand ich ja gut.
12:08
Speaker A
Dieses Cherry picking funktioniert ja auch nicht. Ich habe einfach ein Unterhaltungs Format gemacht, was Leute gut oder auch weniger gut finden und die können auch nicht alles gut finden und auch nicht jeden Gag.
12:18
Speaker A
Und das ist ja in Ordnung. Ich sage nur Hast du Problem als Comedian, vor allem als Comedian wie du. Du bist einer der größten Comedians in Deutschland.
12:24
Speaker A
Millionen Menschen schauen dir zu, dass ich das einfach nicht gut finde. Persönlich, wenn du Leute in deine Videos vor die einblendet und dann deinen Followern zum Fraß wirfst.
12:34
Speaker A
Das ist das, was ich kritisiere. Aber du musst doch den Leuten ein Beispiel zeigen.
12:38
Speaker A
Das ist doch. Aber da kommen wir vielleicht zu nem- weil du kriegst hier ganz schön viel ab und.- Ich kann das. Ich kann es ab.
12:45
Speaker A
Ich bin das sowieso gewohnt. Das ist auch okay. Die Kritik ist ja klar aber, was dahinter steht, ist ja die Frage: Welchen Unterschied macht zum Beispiel das Ziel der Attacke? Also ist das ist, dass jemand, der auf gleicher
12:55
Speaker A
Augenhöhe ist? Hat das was mit Machtgefälle zu tun? Also der Kontext hat damit zu tun.
12:59
Speaker A
Also das ist die Frage, frage ich noch mal Kerstin, ist denn Humor Comedy, die vergleichsweise im Reichweiten mäßig nach unten tritt, weniger legitim als die andere Richtung?
13:11
Speaker A
Es ist natürlich so, dass es häufiger vorkommt, dass von unten nach oben getreten wird, also das sozusagen das das Lachen, der Humor ja etwas Gefährliches ist für die, die oben sitzen.
13:24
Speaker A
Ich möchte es aber auch nicht so haben. Das ist, das ist die, weil du vorhin sagtest die Moral.
13:30
Speaker A
Ein Satiriker sollte auch meiner Meinung nach nicht der Inbegriff des moralischen Menschens sein, der hier sagt: Ich zeig euch jetzt was und dann häng ich noch ein versöhnliches Ende daran und mache es noch mal gut und platt und belehre euch noch mal
13:48
Speaker A
darüber, dass ich jetzt gerade einen Witz gemacht habe und dass man darüber zwar lachen darf, dieses Ganze, diese ganze Übervorsicht, die ich heute sehe, nicht nur, nicht nur im Comedy, das ist was, was mich sehr beengt und auch ärgert und
14:05
Speaker A
auch traurig macht. Ich glaube, ein bestimmter Teil der Gesellschaft ist empfindlicher geworden für eine bestimmte Art von.
14:12
Speaker A
Humor oder Satire, weil sie natürlich verletzen kann. Aber genau das wäre ja meiner Meinung nach der Sinn von Satire, dass sie auch mal verletzt und dass man damit leben muss und es auch mal aushalten muss.
14:29
Speaker A
Was mich interessiert, ist das, was wir hier gerade diskutieren. Ihr habt ja im vorgeworfen: Du attackierst Menschen und die fühlen sich richtig, richtig schlecht.
14:37
Speaker A
Ich attackiere niemanden. Also das ist einfach. Ich mache mir gut, ich mache mich drüber lustig. Ja, aber jetzt heißt es Attacke.
14:43
Speaker A
Anders, du machst dich über Leute lustig und manche haben danach psychische Folgen. Wie auch immer, du sagst, dafür kann ich ja nicht verantwortlich sein. Entschuldigung.
14:50
Speaker A
Spielt das für dich eine Rolle? Satire ist nie wohlfühlen. Also, am Ende fühlt sich der Angegriffene nicht wohl.
14:58
Speaker A
Dann wäre es ja keine Satire, wenn er das machen würde. Gibt es da eine Grenze?
15:01
Speaker A
Das ist ja die Frage, die wir gerade diskutieren. Für mich wäre die Grenze eigentlich die Qualität.
15:06
Speaker A
Es gibt schlichtweg gute Qualität in der Comedy, in allem, was das komische Genre belangt.
15:13
Speaker A
Und es gibt flache, dumme, langweilige Qualität. Und das wäre für mich eine Grenze, aber nicht eine Grenze.
15:20
Speaker A
Dass irgendetwas nicht gesagt werden darf, der irgendjemand ausgeschlossen würde. In dem, wo jemand zugespitzt parodieren würde, in irgendetwas, das wäre für mich das.
15:31
Speaker A
Ich möchte nur einfach meine Intention. Grundsätzlich ist, auch wenn es manchmal nicht so rüberkommt, eine komplett positive.
15:39
Speaker A
Also ich reiche auch jedem grundsätzlich die Hand, also jeder, der mit mir Kontakt haben will.
15:44
Speaker A
Oder ich sage bei keinen Sendungen, wer ist denn da, wer kommt denn da hin oder so? Mir ist das wirklich egal. Es gibt niemanden von dieser Bildschirm Kontrolle, den ich persönlich so fertigmachen wollte, dass er keinen Job mehr bekommt,
15:54
Speaker A
dass er danach nicht mehr arbeiten kann, dass er psychisch kaputt ist. Aber ich kann es auch teilweise nicht verhindern.
16:01
Speaker A
Ganz kurz jetzt müssen wir kurz Philipp reinholen. Die Frage ist ja ist die Grüne, dich frage ich auch gleich, warum du hin und her läufst. Aber das machen wir gleich.
16:07
Speaker A
Ich stand da so im Abseits. Ich wollt wieder dazugehören. Ich weiß nichts. Du kannst auch rüberkommen.
16:12
Speaker A
Ich geh auch einfach mal nach vorne, damit ich näher an euch dran bin, um euch zu sehen.
16:15
Speaker A
Das ist ja eine lustige psychische Gruppendynamik hier. Okay, alles klar. Die Frage, die dahinter steckt, ist ja ein bisschen, seid ihr ihr Grüne?
16:20
Speaker A
Seid ihr hypermoralisch? Wollt ihr den Humor kaputtmachen? Was heißt hypermoralisch? Ich wollte auch noch was zu dem, zu dem übersensibel und übervorsichtig sagen.
16:27
Speaker A
Ich finde, das sind so Worte. Und auch, dass wir davon reden, woke zu sein.
16:31
Speaker A
Hypersensibel über Moral, hypermoralisch, was du gesagt hast. Es geht doch einfach nur darum, dass wir uns alle überlegen mit dem, was wir sagen, wen wir verletzen.
16:42
Speaker A
Ich weiß nicht. Für mich ist es kein Problem irgendwie, dass ich darauf achte, nichts Verletzendes zu sagen.
16:47
Speaker A
Es schränkt mich in meiner Kreativität - Mission Impossible. - gar nicht ein. Geht nicht.
16:51
Speaker A
Und ich finde, bei Satire zum Beispiel ist es halt auch so, natürlich kommt es darauf an, mache ich mich lustig über Politiker:innen, mache ich mich über die Politik lustig oder oder gehe ich halt - Oder Leute, die gendern?
17:02
Speaker A
Absolut ja. Also ja, Großartiger Beitrag. Sehr lustig. Ja, Siehste. Guck mal, findest du halt nicht lustig.
17:09
Speaker A
Ist... Finden super viele können sich da wiederfinden. Weil haben wir genau die Diskussion. Aber jetzt da war lass mich doch ausreden. Sagt aber auch mehr über die, die's lustig finden aus als alles andere.
17:18
Speaker A
Warum? Aber warum machst du da ne moralische Nummer draus? Lass mich doch kurz ausreden.
17:21
Speaker A
Und ich finde es super wichtig, wenn ich Satire... Heißt nicht, dass ich mich auch...
17:25
Speaker A
Warum muss ich mich über marginalisierte Gruppen lustig machen, die eh schon mit einer ständigen täglichen Diskriminierung durchs Leben gehen? Was muss ich...
17:33
Speaker A
Verstehe nicht was, warum? Was ist die Intention dahinter? Was ist deine? Ganz kurz noch mal was deine Intention auch mit diesen Videos, wo du vorhin selbst gesagt das sind nicht mal deine Witze.
17:42
Speaker A
Weil du ihnen beibringst- Du benutzt also für dein Format. Witze, die nicht mal deine eigenen sind. Du bist also als als Comedian, als Künstler nicht mal in der Lage, eigenes Material zu schreiben? Ne ist eine Frage, warum?
17:55
Speaker A
Ich erkläre dir, warum also für dieses Videoformat. Nachdem du mir in den Rücken gefallen bist wirst du jetzt mal angekackt hier.
18:03
Speaker A
Es geht darum, es geht nicht um die Witze, es geht um die Energie und die Liebe, die in diesem Video ausgestrahlt wird.
18:09
Speaker A
Also darum, ich habe sehr, sehr viel anderes Material. Ich mache Stand up Comedy. Wenn ich da keine eigenen Witze verwenden würde, das würde schnell rauskommen.
18:15
Speaker A
Aber in diesem Format, weil das so viele Witze sind, das kann ich gar nicht selbst produzieren.
18:19
Speaker A
Und es geht mir auch nicht darum, sondern es geht darum, miteinander zu lachen. Und was du diesen Menschen beibringst, ist, wie man mit einer schwierigen Situation umgeht.
18:27
Speaker A
Und das ist das. Wenn du so einen Witz hörst, kannst du über dich selber lachen, kannst du eine schwierige Situation mit Humor verarbeiten und das lernt man. Plus, wie schwierig ist es, wenn ich mit einer Person zusammen bin? Und ich muss Angst haben, dass
18:39
Speaker A
jedes Wort, was ich sage, irgendwie falsch interpretiert werden kann. Und dann gibt es immer diese Mauer.
18:44
Speaker A
Aber wenn du über dich selber, ich meine wir Araber, wir haben sowieso so einen strengen Ruf und wenn ich als Araber über mich selber lachen kann und so Witze machen kann, dann strahle ich ja aus: Hey, du musst keine Angst
18:53
Speaker A
haben oder dich unwohl fühlen, nicht wohlfühlen in meiner Nähe. Da wird es nach vorne gegangen.
18:58
Speaker A
Gerade. Warum? Genau darum geht es ja. Ich habe da ganz gespannt zugehört. Also auf der einen Seite bin ich...
19:03
Speaker A
natürlich sehe ich das problematisch und man muss da sensibler an das Thema gehen, wie man über Randgruppen spricht, auch als als Comedian, aber.
19:10
Speaker A
Ich finde, das ist auch noch mal ein Riesenunterschied, ob ich selber irgendwie in irgendeiner Form, also quasi ein Hintergrund, einen Background habe und sage okay, ich mache mich sogar über meine eigenen Landsleute lustig und stelle einfach lustig nur die Dinger
19:24
Speaker A
raus, die so im Volksmund man irgendwie mit der Nationalität, mit der Kultur verbindet. Ich will eigentlich eher dazu was sagen, was Hamza ja gerade gesagt.
19:30
Speaker A
Das fand ich total interessant, ohne dass ich jetzt dein Format kenne. Deswegen kann ich gar nicht spezifisches zu deinem Format sagen- Man müsste es schon sehen.
19:36
Speaker A
Aber ich habe einen Podcast gemacht, der hieß Rise and Shine. Das ist ein viet-deutscher Podcast gewesen, wo wir einfach Geschichten, Perspektiven und Reportagen über die viet-deutsche Community gemacht haben.
19:46
Speaker A
Und wir hatten ein Format, das hieß "Die Klischee Frage - frage einen Asiaten". Und da haben wir uns auch humorvoll über Klischees, über Asians, über vietnamesische Menschen lustig gemacht. Und das ist ein total wichtiger Punkt, weil als Community,
20:03
Speaker A
wenn man eben die ganze Zeit mit irgendwelchen Klischees konfrontiert wird, natürlich macht man sich auch mal darüber lustig als Coping-Mechanismus und deswegen ist das bei mir auch irgendwie ein...
20:14
Speaker A
Ich gehe mit einer anderen Haltung ran, wenn irgendwie ein Araber zu mir kommt und mich fragt: "Was für eine Landsfrau bist du?
20:19
Speaker A
Ich mache einen Witz über Asiaten", gehe ich anders da ran, als wenn eine weiße Person auf mich zugeht und das gleiche macht.
20:25
Speaker A
Weil eben von- Warum? Das ist aber rassistisch. Von der weißen Mehrheitsgesellschaft einfach viel Rassismus kommt- Aber dann schließt du-.
20:33
Speaker A
auf eine bestimmte Minderheit, stop! Und ich einfach dann mir wünsche, dass man, man darf das machen, aber zumindest mit einer kleinen reflexiven Note, dass man dass man merkt, okay, wenn es eine weiße Person macht, bleibt anderen ein bisschen das Lachen im Mund
20:48
Speaker A
stecken oder macht es einfach nur um auf andere runter zu treten. Okay, ich fasse zusammen ihr dürft gleich antworten. Ich fasse zusammen, wenn ich dich richtig verstanden habe, geht es dir darum: es kommt sehr wohl auf die Sprecher-Position
20:58
Speaker A
an und das hat wiederum was mit Machtgefälle zu tun. Das hat total was mit Machtgefälle zu tun.
21:01
Speaker A
Du sagst Mehrheitsgesellschaft versus vulnerable Gruppe, potenziell vulnerable Gruppe? Und da gibt es einen Unterschied, wer was wann spricht.
21:08
Speaker A
Habe ich die richtig verstanden? Genau. Es gibt auch einen Unterschied einfach, es ist ein anderer Kontext.
21:13
Speaker A
Es ist für mich ein anderer Kontext, wenn ich einfach unter meinen Freunden bin und wir sind alle keine Ahnung, schwarz, asian, türkisch, Araber, was weiß ich und lachen uns schlapp über bestimmte Witze, die uns einfach entgegengeworfen werden.
21:27
Speaker A
Oder ein Kind mobbt mich aus meiner Schulzeit und sagt alle Asiaten haben solche Augen, dann finde ich es nicht lustig.
21:33
Speaker A
Aber das macht ja keiner auf der Bühne. Gab es jemals so einen Gag? Aber ganz kurz Hamza war zuerst dran, du darfst gleich.
21:38
Speaker A
Ja, das ist ja rassistisch, weil du weißt ja nicht, du sagst es einfach nur anhand von seiner Farbe kannst du das nicht verarbeiten.
21:43
Speaker A
Du weißt ja nicht, vielleicht ist der Araber der Rassist und der Weiße ist der.
21:47
Speaker A
Kann natürlich auch passieren. Das kann natürlich auch passieren. Der Kontext ist sehr, sehr wichtig.
21:50
Speaker A
Und dieses Ausschließen, also ich muss auch sagen, ich habe auch Jokes über Schweizer, über Deutsche, also meine Witze. Ich versuche die wirklich in alle Richtungen zu, zu verbreiten. Das ist sehr, sehr wichtig, weil wir sind alle eins und
22:00
Speaker A
nicht kategorisiert, aber so, dass du sagst ja, die Weißen, die dürfen nicht. So schließt man die ja aus.
22:04
Speaker A
Ich sage nicht, die Weißen dürfen nicht. Ich sage, die Weißen müssen sich überlegen, wie sie den Witz machen und warum.
22:09
Speaker A
Ja, aber dann spielt die Farbe keine Rolle. Ihr kommt doch nie zueinander, wenn wir darüber reden, immer noch darüber...
22:16
Speaker A
oder ständig darüber reden. Wer darf welche, ob weiße Mehrheitsgesellschaft und nicht, Witze machen... da kommen wir nie wirklich aufeinander.
22:25
Speaker A
Und außerdem, was du vorhin gesagt hast, das sagt mir der Kleene da so, du mit deinen Schlitzaugen.
22:30
Speaker A
Also das ist ja keine Satire, keine Ironie, das ist ja einfach blöd. Aber Leute finden das witzig.
22:35
Speaker A
Leute finden, das ist ein Witz. Aber wer denn auch? Natürlich. Und das wird auch heutzutage immer noch auf Comedy Bühnen in Deutschland gesagt, natürlich.
22:42
Speaker A
Sag mir dochmal, wer hat denn jemals so einen Witz gemacht? Ich bin auf mindestens fünf Stand up Comedy Bühnen in Deutschland in der Woche und es wird ja, du hast es vielleicht schon eine Weile nicht gehört, aber klar ist das noch der
22:52
Speaker A
Fall. Natürlich hört man das noch. Aber da geht doch keiner hin und macht dann- Aber da muss man es nicht konsumieren. Das ist der Punkt.
22:56
Speaker A
Aber es ist doch das Schöne, Wir haben, wir haben eine seltene Einigkeit. Ihr seid euch alle einig, dass solche Witze Witze in Anführungszeichen nicht gehen, richtig?
23:02
Speaker A
Nein, das stimmt- Es ist einfach so, wenn ein Witz, nee wenn ein Witz. Es gibt zwei Sachen. Zum einen- Kommt drauf an wo und wie man es meint.
23:09
Speaker A
Ja genau, ich kenne das auch Jetzt ist. Es gibt sehr viele mit Migrationshintergrund, Comedians und so was. Und die machen sich dann auch nur darüber lustig, weil die dürfen es ja machen. Langweilt mich persönlich zum Beispiel, aber weil
23:18
Speaker A
sie dann halt die Zielgruppe bedienen, dürfen sie die halt machen. Ich finde, wenn ich dann zum Beispiel als Weißer, weil ich darf, ich bin ja eh weißer Cis-Mann, privilegiert ich da eigentlich sowieso gar nichts mehr. Ich muss einfach
23:26
Speaker A
nur dasitzen und da sein und dann muss der Gag halt irgendwie gut sein. Ich weiß, er atmet so schwer aus, aber es ist aber genau diese Situation haben wir ja. Es gibt nun mal Klischees und die sind halt nun mal auch
23:38
Speaker A
witzig. Und es ist nun mal, ich mache, also ich zum Beispiel, auch dieser Ansatz, sich über sich selbst lustig zu machen. Bin ich der erste, der vorweg geht. Also es gibt von mir wirklich bauchfrei.
23:50
Speaker A
Es gibt kein Outfit, was ich auch nicht angehabt habe. Ich habe noch nichts gemacht, ich habe über meine persönliche Situation eins...
23:55
Speaker A
ich bin am selben Tag, wo die Scheidung rausgekommen ist, ich mache mich lustig. Ich sage, ich mache mich über meine Kinder, meine Exfrau, mich selber, meine Religion, meine Herkunft, ich mache mich über alles lustig.
24:05
Speaker A
Aber dann muss es auch möglich sein, auf einer Bühne auch 90 Minuten über jeden Anderen zu lachen.
24:11
Speaker A
Entschuldigung ich gucke zu dir Phillip, weil ich habe das Gefühl, du bist nicht zufrieden.
24:14
Speaker A
Ja, ich weiß weil ich wollte noch was sagen. Ich weiß nicht, ob das. Ob das noch passt. Ich finde es halt so, auch für mich als als schwuler Mann.
24:19
Speaker A
Ich. Ich. Ich sage auch nicht, dass heterosexuelle Männer auf der Bühne keine Witze über Schwulsein machen dürfen. Aber es ist nun mal der Fakt, dass gerade in Deutschland in solcher Comedy dann meistens die Witze mit einer Punchline enden, die irgendwas mit einem
24:35
Speaker A
Blowjob ist. Und dann denke ich mir, das ist halt- Aber ganz ehrlich. Aber dann findest du es nicht lustig aber aber Andere schon.
24:40
Speaker A
Aber ganz ehrlich, ich sehe so viele Comedians, die homosexuell sind und die nur dann die Witze machen.
24:45
Speaker A
Also auch ich, auch wenn ich so bei Viva la Viva oder irgendwelchen Ja weiß davon. Da kommt immer nur Hallöchen! Na also, dich würde ich auf jeden Fall vernaschen.
24:52
Speaker A
Ja aber ist das, worüber wir die ganze Zeit reden , das ist aus einer ganz anderen Position und Kontext.
24:58
Speaker A
Ja wenn du das dann machst, warum machst du das? Ja aber warum machst du es dann? Also das ist dann lustig. Du kannst auf die Bühne gehen und sagen "Hallo?
25:03
Speaker A
Na kleiner, süßer? aber geile dich sehen wir noch hier Knicki. Knacki." Wenn ich es mache, ist es sexistisch.
25:09
Speaker A
Ja, weil ich als schwuler Mann durchs Leben gehe. Dann bist du gar kein Mann.
25:11
Speaker A
Das wissen wir alle nicht. Ja, aber jetzt lass ihn mal, lass ich mal einen Punkt machen.
25:15
Speaker A
Weil ich als schwuler Mann durchs Leben gehe und weiß, was es bedeutet. Und ich bin auch sehr, sehr privilegiert als Weißer, lass mich zu Ende reden.
25:20
Speaker A
Sehr gerne. Durchs Leben gehen und weiß, dass es so viel mehr ist als Blowjobs.
25:25
Speaker A
Und weiß ich nicht über keine Ahnung-. Ich hoffe es ist mehr. Ja, es ist so viel mehr.
25:29
Speaker A
Selbst ich, der sehr privilegiert ist, meistens auf der Straße, nicht mal als schwul gelesen wird, war schon in Konfrontationen.
25:34
Speaker A
Gerade letztes Jahr wurde ich vor meiner Haustür im Prenzlauer Berg von einer Gruppe von fünf Männern mit ihren Kindern angemacht, weil ich chic angezogen war.
25:42
Speaker A
Und das hat mich aus einer Blase rausgerissen und mir bewusst gemacht, dass es selbst, also das ist, das einfach mir als privilegierte Person passiert.
25:50
Speaker A
Und was, weil ich selbst, ich als schwuler weißer Cis-Mann einfach oft vergesse, was es heißt, Teil der Community zu sein und wie sehr es ich glaube, 3 bis 4 queere Menschen werden in Deutschland pro Tag verbal und physisch angegriffen.
26:05
Speaker A
Und dann kann es einfach nicht sein, dass du denkst, dass du auf die Bühne gehen kannst und dich über Schwule lustig machen kannst und das dann irgendwie- Es ist nicht über sie lustig machen, es ist Nähe ausstrahlen.
26:14
Speaker A
Ich meine, wenn ich zum Beispiel jetzt ich- Das ist doch-. Darf ich noch kurz ausreden ?
26:18
Speaker A
Sorry, wenn Oliver das macht, ist es nicht, dass er Nähe ausstrahlt. Weil du, erstmal kennst du ja vielleicht jetzt gar keine Nummer.
26:23
Speaker A
Ich habe so viele Sachen gemacht, auch als also auch mit Thomas Hermanns mit so vielen Sachen in unterschiedlichsten Sachen Frauen, Männer, Kostüm und das ganze Drumherum.
26:32
Speaker A
Und es ist, ich sage dir wirklich die Punchline, wenn es irgendwas mit Köln zu tun hat oder so, die langweilen mich auch.
26:38
Speaker A
Aber grundsätzlich zu sagen, es darf kein Gag über jemand homosexuelles oder geben, finde ich - Hatte ich auch nicht gesagt. Ich- So hat das ja eingeleitet- Ich habe angefangen.
26:47
Speaker A
Aber er entscheidet ja, ob er es gut findet oder nicht. Ja aber ob er es gut findet, das darf er ja entscheiden.
26:52
Speaker A
Ich weiß, aber ich darf- Ja das habt ihr doch beide vorhin gesagt Aber ich darf ihn dann ja auch machen.
26:56
Speaker A
Ganz kurz, dass er seinen Punkt macht, dass wir das besser verstehen können. Bitte mal ganz kurz nicht dazwischen reden.
27:00
Speaker A
Also in welcher du... Vielleicht machst du seit dem Beispiel klar, an welcher Situation oder in welcher Situation findest du es total legitim und total akzeptabel und vielleicht sogar lustig, wenn ein heterosexueller Mensch Schwulen-Witze macht?
27:12
Speaker A
In welcher Situation kann das? Möglicherweise-. Ja vielleicht wenn wenn der Witz, wenn die, wenn die Punchline sich einfach nicht auf irgendwelche super dummen Klischees bezieht, sondern wenn man sich damit befasst hat.
27:22
Speaker A
Ich habe zum Beispiel vor kurzem von einem amerikanischen Comedian was gesehen, der hat Crowdworking, macht improvisiert mit einem schwulen Pärchen dann. Und es lief darauf hinaus, dass die Witze über Being in the Closet, also Coming out und es war so smart und er hat es
27:35
Speaker A
improvisiert. Es ist ein heterosexueller Comedian und es war einfach gut, weil es er hat sich nicht über die lustig gemacht, sondern mit den über ein super wichtiges Thema Coming out, was heute immer noch so ein wichtiges Thema ist.
27:46
Speaker A
Und das war einfach gut. Also es kommt auf die Art und Weise an? Ja und was das Thema und einfach, wenn man halt einfach nur denkt, Ja, ja, ich will mich nicht wiederholen, aber es ist oft halt einfach so, es
27:57
Speaker A
sind so simple Sachen wie Blowjobs und jeder mit jedem. Hier geht es um die Verarbeitung billigster Klischees.
28:02
Speaker A
Ja verstehe. Aber ganz ehrlich, die höre ich oft auch aus der Richtung. Du magst billige Klischees auch nicht. Ich glaube, da bist du sogar dabei. Du sagst ja auch ich will eine gewisse Qualität und nicht die, die die Witze, die unten auf dem
28:12
Speaker A
Boden rumliegen, aufgesammelt haben. Ja, natürlich, Aber Klischees gehören dazu. Also man arbeitet sich immer an Klischees ab.
28:18
Speaker A
Wenn es der subjektive Geschmack von jedem Individuum, die Messlatte für das, was man darf.
28:22
Speaker A
Das stimmt auch wieder nicht. Aber hast du nicht manchmal das Gefühl, es gibt ja sogar Studien dazu, die sagen, wenn man Klischees immer wieder wiederholt, dann verfestigen sie sich auch oder brichst du sie auf?
28:31
Speaker A
Also Humor hat ja die wunderschöne Eigenschaft, dass man sozusagen auch Klischees so sehr ins Lächerliche ziehen kann, dass man ihnen ihre Gültigkeit entzieht. Und daran glaube ich das nicht, dass man einfach sagt, wir perpetuieren diese Klischees.
28:45
Speaker A
Und das ist ja so ein Vorwurf ständig von der linken Seite, den man, wenn man den Humoristen vorwirft.
28:52
Speaker A
Aber ich glaube, man kann Klischees so sehr ins Lächerliche ziehen, dass die Leute das dann verstehen.
28:56
Speaker A
Okay, ist das Bullshit. Ich will auch noch mal so eine Beobachtung, die ich mache, wenn ich die Comedy Szene so angucke, wie sie war, als ich ein Kind war, da war Michael Bully Herbig das Ding.
29:09
Speaker A
Er hat die Pop.. Die Gegenwartskultur dominiert. Jeder ist in seine Filme gegangen. Schuh des Manitu.
29:15
Speaker A
Schuh des Manitu, Traumschiff Surprise. Da hat er eigentlich auch nichts anderes gemacht, als sich pinke Dinger anzuziehen und den Klischee-Schwulen zu spielen.
29:25
Speaker A
Heute würde er das gar nicht mehr machen, hat er selber gesagt in Interviews. Dass sich die Gesellschaft fortentwickelt und auch, dass man sich auch selbst fortentwickelt.
29:32
Speaker A
Und das ist dann einfach ein bisschen anderer zeitgeist ist, und das ist ja okay.
29:37
Speaker A
Jetzt die Frage an euch, was glaubt ihr? Ihr habt die Diskussion verfolgt? Welche Rolle spielt, wer wann welche Witze macht?
29:42
Speaker A
Vor welchem Publikum, in welchem Kontext? Was habt ihr erlebt? Habt ihr vielleicht schon mal einen Witz gehört, den ihr wahnsinnig lustig fandet in diesem Zusammenhang und denselben Witz in einem ganz anderen Zusammenhang ganz unpassend fandet? Schreibt uns gerne
29:53
Speaker A
mal die Kommentare, das wissen ja auch viele nicht. Also man darf in Deutschland wirklich sehr, sehr, sehr viel sagen.
29:59
Speaker A
Die Grenzen der Meinungs und Kunstfreiheit sind weit. Auch wenn das ständig diskutiert und manchmal auch torpediert wird.
30:05
Speaker A
Aber welcher Witz geht denn nicht? Ich meine, woher denn der Spaß wirklich auf, juristisch?
30:11
Speaker A
Genau, also wenn man jetzt über Satire spricht und meistens geht es bei Comedy ja auch um Satire, na, da wird dann irgendeine Kritik und ein Aussagekern, ein Aussagegehalt transportiert.
30:19
Speaker A
Da muss man ganz ehrlich sagen, da gibt es ein ganz gutes Beispiel von, ich glaube 1987, wo das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, dass ein bayrischer Minister nicht korpulierendes Schwein dort abgebildet sein darf mit anderen Schweinen und seinem Gesicht drauf.
30:33
Speaker A
Denn da geht es dann zu weit. Da hat man die Kunstfreiheit auf der einen Seite und das Persönlichkeitsrecht, mit dem ich mich ja täglich in der anwaltlichen Praxis auseinandersetzen muss.
30:42
Speaker A
Das muss man in Abwägung bringen. Und da, wo die Menschenwürde einfach angegriffen wird und der Mensch der Achtungsanspruch, der sich aus Artikel eins des Grundgesetzes dann ergibt, wenn der quasi angegriffen wird, dann kann man sagen: Okay, jetzt haben wir
30:55
Speaker A
hier eine schwerwiegende Persönlichkeits Rechtsverletzung. Was hat denn diese Aussagegehalt? Man muss das satirische Gewand entkleiden, die Stilmittel wie Verzerrung, Übertreibung usw.
31:03
Speaker A
Und wenn das alles wegfällt, was ist denn eigentlich der Inhalt der Aussage, der transportiert werden soll? Und wenn der einfach nur rein diffamierender Natur ist, das heißt sexualisiert Intimsphäreverletzung und dann habe ich eine Persönlichkeits-Rechtsverletzung und dann habe ich, was Satire
31:18
Speaker A
betrifft zum Beispiel eben die Grenzen überschritten. Aber Äußerungen. Das ist ähnlich, wenn ich Tatsachenbehauptungen habe.
31:24
Speaker A
Beispiel Böhmermann Der macht sein Satireformat und zum Beispiel über Fynn Kliemann und hat jetzt Äußerungen, wo er die Wahrheit nicht nachweisen kann und sehr ernst rübergebracht. Aber wenn da unwahre Tatsachenbehauptungen drin sind, weil natürlich sehr viele Nachweise von ihm gebracht werden, dann hat er
31:37
Speaker A
eine Persönlichkeits-Rechtsverletzung trotz der grundsätzlich möglicherweise zulässigen Satire begangen. Es geht darum, dass letztendlich rechtlich gibt es sowieso wird auch fast nie geklagt.
31:46
Speaker A
Es geht darum, was man machen kann oder nicht. Und der Klassiker ist ja heute, wenn man irgendwas nicht mag.
31:52
Speaker A
Dann zu sagen also wenn ich jetzt einen Witz machen würde, von dem du dich jetzt angegriffen fühlst, dass du dann irgendwie auf Twitter sagst ah, wirklich lustig, Oliver Pocher was haltet ihr davon?
32:01
Speaker A
At RTL, at was weiß ich, bei wem du gerade bist oder so. Das ist der Klassiker, der heutzutage so passiert.
32:06
Speaker A
Und dass man Leute auf diese Weise dann diskreditiert und sagt irgendwie das, dass die dann nicht auftreten sollten, dass man sagt, warum darf der denn jetzt noch auftreten und darf da überhaupt in einer Mixed-Show sein oder solche Sachen? Das ist das, was wir heute
32:18
Speaker A
eher als Problem haben, als dass man wirklich rechtlich angegriffen wird, weil da läuft fast alles ins Niemandsland.
32:24
Speaker A
Wo bist du schon mal angeklagt wegen eines Witzes, angezeigt und angeklagt? Ja, es gibt schon Leute, die versucht haben über Persönlichkeitsrechte oder irgendwas, was man gehabt hat.
32:33
Speaker A
Also da gibt es Leute, die es versucht haben. Im Regelfall werden 90 bis 95 % dieser Dinger werden abgewiesen oder es ist ein langer Prozess oder das geht schon.
32:45
Speaker A
Recht haben und Recht bekommen ist heutzutage wirklich. Also vor Gerichten habe ich wirklich sehr viel schon erlebt.
32:51
Speaker A
Philipp, ich weiß, ihr werdet euch in Teilen bei manchen Dingen nicht einig, aber vielleicht-.
32:56
Speaker A
Einfach fürs Gefühl nach vorne. Vielleicht gibt es ja auch gerade Zuschauer und Zuschauerinnen, die sich fragen Was meint der eigentlich damit? Ich mache Comedy, die möglichst nicht verletzend daherkommt.
33:06
Speaker A
Also wie machst du das? Was ist der Rahmen und wie bereitest du dich darauf vor? Wie passiert was bei deiner Comedy Bühne zum Beispiel?
33:12
Speaker A
Na ja, wenn du das jetzt so, wenn du die Frage so stellst, klingt das so, als ob das für mich krass viel Arbeit wäre, das vorzubereiten, zu schreiben.
33:18
Speaker A
Offenbar gibt es ja hier so Dissens, dass man mal sagen kann. Ja, klar, ich weiß, das klingt danach, dass du es nicht so meinst.
33:24
Speaker A
Aber es ist halt keine Ahnung, dass vielleicht einfach mein, mein moralischer Kompass, der mir gleich schon beim Schreiben auch zeigt, was es falsch und was es was ist, was richtig, was, was kann man sagen oder nicht.
33:36
Speaker A
Also für mich ist es keine Arbeit. Ich schreibe nicht und das kann ich nicht so sagen.
33:39
Speaker A
Ist es dann noch lustig? Ja, das ist jetzt wieder eine Geschmackssache. Vielleicht findest du halt Sachen von mir absolut nicht lustig so.
33:45
Speaker A
Ich kenne es nicht. Aber ich habe halt mit meiner, mit meiner eigenen Show, mit meinem Format, was ich, was ich auf die Beine gestellt habe, was super erfolgreich läuft, einfach immer volles Haus und alle Leute sind super froh, dass es dieses Format
33:57
Speaker A
gibt, dass es diese Bühne gibt, sowohl auf der Bühne als auch das Publikum, Weil es das einfach vorher nicht gab, weil, weil das gab es nicht eine queere Bühne oder nicht...
34:06
Speaker A
nicht wirklich vieles, nicht mal in Berlin gab es irgendwie für queere Comedians, aber auch für queeres Publikum.
34:12
Speaker A
Ein Ort, an dem sie sein konnten, ohne irgendwie die Angst zu haben, im Comedy Kontext verletzt zu werden oder?
34:18
Speaker A
Irgendwie weiß ich nicht. Ja. So sollte es auch sein. Aber das Ding ist ja die Leute, die diese Comedy konsumieren.
34:25
Speaker A
Schön und gut, aber das Ding ist ja, man will andere Bühnen verbieten. Und das Ding ist du musst ja nicht hingehen, du musst es nicht konsumieren.
34:32
Speaker A
Ich gehe nicht zu dir nach Hause, dreht die Tür ein und erzähle einen Witz.
34:36
Speaker A
Erzwungen, dass ist der Punkt. Man will bevormunden, man will verbieten. Du darfst gleich Olli.
34:41
Speaker A
Aber soll es nicht so unser aller Ziel als Künstler:innen sein, als Comedians? Was auch immer wir machen, dass wir Orte schaffen, an denen sich vielleicht alle wohlfühlen können.
34:49
Speaker A
Viel Spaß dabei. Ich habe mal Witze gemacht über ein Baby auf dem Boden, eine Frau, irgendjemand, ein Baby verloren. Ich habe das in Instagram gepostet und Witze darüber gemacht.
34:58
Speaker A
Ich hab zwei Nachrichten bekommen. Ja, das ist wirklich nicht lustig. Hatte diese Situation auch schon was. Es gibt wirklich Beispiele, wo man einfach sagen muss, es wird sich immer jemand aufregen, kommen auch noch mal ein Schritt nach vorne, egal was, das wird immer
35:10
Speaker A
jemand sagen. Ich will unbedingt was sagen, ich habe zwei Punkte zudem um das noch abzurunden.
35:15
Speaker A
Genau. Was ich aber schon finde ist ja, wir sind ja eine Gesellschaft, die sich gerade rasant wandelt.
35:21
Speaker A
Wir haben in manchen Schulklassen Migrationsanteil von über 90 % in den Großstädten und dann muss man sich als Gesellschaft schon fragen okay, wie wollen wir miteinander zusammenleben?
35:31
Speaker A
Was finden wir okay jetzt auch abseits des Strafbaren? Das ist ja perfekt für mich, dann bin ich ja ne Randgruppe.
35:35
Speaker A
Wie wollen wir miteinander umgehen? Wollen wir... Wen wollen wir zum Lachen bringen? Wollen wir alle zusammen lachen? Und so weiter.
35:41
Speaker A
Und dann muss man sich Kritik auch gefallen lassen. Ich sage nicht, dass Verbote man sich gefallen lassen muss, aber Kritik muss man sich gefallen lassen.
35:48
Speaker A
Ich finde Kunst generell, die dazu dient, dass alle sich wohlfühlen. Das geht überhaupt... das wäre das Gegenteil von dem, was ich mache.
35:58
Speaker A
Das nun mal so. Dann natürlich gibt es Humor, wo man sich wohlfühlt in der Gemeinschaft, weil die für die Gemeinschaft ist.
36:06
Speaker A
Aber schon bei der Ironie oder bei der Satire und noch weiter raus ist es das Gegenteil der Fall.
36:14
Speaker A
Es heißt ja nicht, dass man sich schlecht fühlen, sondern es hat.... Es ist eine völlig andere Funktionsweise und deswegen könnte ich mit dir in diesem Punkt überhaupt nicht mitgehen.
36:24
Speaker A
Und ich sage auch, wer sich in die Öffentlichkeit traut, auch als Influencer oder als jemand, der in der Öffentlichkeit steht, das gilt für uns alle.
36:31
Speaker A
Der muss auch mit dem Gegenwind rechnen. Das ist heute leider so, nicht alle finden es gut.
36:34
Speaker A
Jeder ist in der Öffentlichkeit, alle haben Instagram-Profile aller TikTok-Profile. Leider ja. Deswegen würde ich das Argument so nicht gelten lassen, weil ich einfach.
36:41
Speaker A
Doch, doch, weil zu viele Menschen machen, was sie wollen. Wenn du es nicht machen möchtest, musst du ja nicht online gehen.
36:45
Speaker A
Ich würde jetzt trotzdem noch graduelle Unterschiede zwischen verschiedenen Öffentlichkeiten und Verantwortungen-. Bei der wievielten Frage sind wir?
36:50
Speaker A
Wir können jetzt in die Kompromiss Runde hinein. Ich versuche mal das, was ich aus der Diskussion rausgehört habe.
36:55
Speaker A
Ich weiß, da werden vielleicht auch nicht alle nach vorne gehen, aber ich habe das Gefühl, vielleicht erwischen viele.
36:59
Speaker A
Vielleicht müssen wir nach hinten gehen. Nein, nein, ich bleibt jetzt da, wo ihr seid.
37:03
Speaker A
Ihr müsst die Grenze überschreiten, hier. Also. Grundsätzlich sind wir uns auch einig gewesen, ist Humor und Satire und Kunst frei.
37:14
Speaker A
Potenziell darf man über alles und alle Witze machen. Bei marginalisierten Gruppen erfordert es aber ein gewisses Fingerspitzengefühl, wenn man diese Witze macht. Das wäre der Zusatz, den ich mache. Wenn ihr sagt Ja, dieser diesem Satz stimme ich zu,
37:28
Speaker A
Geht den Schritt nach vorne, wenn ihr sagt Doof geht 1234 Menschen sind nach vorne gegangen und ihr beiden seid stehen geblieben.
37:36
Speaker A
Warum? Ist klar, die Argumente waren schon ausgetauscht, aber ich habe mir gedacht, dass ich einige von euch dazu bringe.
37:42
Speaker A
Jetzt merkt euch euren Platz, steckt die Köpfe zusammen und kommt mit einem anderen Satz hervor, wo die andere Gruppe euch sagt Ja, super, finde ich klasse!
37:49
Speaker A
Gehe ich noch weiter. Okay. Team Gelb Team Grün beraten sich. Ich prophezeie es wird eher hakelig.
38:04
Speaker A
Gar nicht so einfach. Aber vielleicht habt ihr einen super Vorschlag. Wie könnten diese beiden Gruppen näher zusammenkommen?
38:10
Speaker A
Es gibt ja ein paar Gemeinsamkeiten und es gibt auch massive Unterschiede. Was würdet ihr vorschlagen? Schreibt uns mal die Kommentare.
38:16
Speaker A
Bin sehr gespannt. Also auf jeden Fall, was man sagen kann. Team Gelb ist sehr eng zusammengewachsen, also rein äußerlich.
38:29
Speaker A
Es war einfach. Wir sind- Weil wir keine Antwort gefunden haben. Es ist doch super spannend, weil jemand ganz nahe.
38:34
Speaker A
Ihr habt keine Antwort, aber ihr seid euch sehr nah gekommen. Ja, ja, die kommen jetzt, die anderen auch zu euch.
38:39
Speaker A
Aber wir haben. Wir haben so ein bisschen gesagt, Also er war- Nee sag! Also, ich glaube, wir haben so ein bisschen definiert, dass der Kontext sehr wichtig ist.
38:47
Speaker A
Und das war auch, was man damit bezweckt, auch beachten muss, da es ja irgendwann so einen Zweck haben muss. Also das ist jetzt bei mir vor allem so, bei dir ich auch.
38:56
Speaker A
Einfach den Humor auch wir bewahren müssen untereinander, dass wir nicht über Humor sprechen, als sei es die gefährlichste, schlimmste Katastrophe der Sache, sondern dass wir die Lockerheit bewahren sollten, auch Unterschiede auszuhalten.
39:14
Speaker A
Was sagt ihr? Unser Vorschlag ist-. Nee, was sagt ihr? Sagt ihr: finde ich gut, gehe ich vor oder sagt ihr :ist mir egal oder- .
39:20
Speaker A
Also ich geh auf jeden Fall vor, wenn es darum geht, dass der Kontext wichtig ist.
39:23
Speaker A
Kontext und Humor bewahren beim Humor. Ja. Okay. Was? Euer Vorschlag? Eigentlich haben wir gesagt, klar, grundsätzlich darf Humor alles.
39:31
Speaker A
Aber vor allem, wenn es um diskriminierte Gruppen geht, dann sollte man sich vorher schon ein bisschen auch selbstkritisch überlegen: Was für Sprache verwende ich und was bezwecke ich damit?
39:40
Speaker A
Also wenn ich einfach nur Humor das als definiere, jemanden zu diskriminieren, sollte man vielleicht das nicht machen.
39:48
Speaker A
Also insbesondere die Sprache. Also ob man bewusst diskriminiert oder ob man sich zumindest Gedanken macht, wie man gerade bei Randgruppen eben die die Sprache wählt.
39:56
Speaker A
Der Ton macht die Musik. Das ist mir zu lang. Dann kann Diskriminierung verdammt lustig sein.
40:01
Speaker A
Ich finde das. Also gehe ich nicht. Mit. Mein Lieblingssatz ist- ich möchte sagen, mein Lieblingssatz ist Humor darf alles, aber.
40:10
Speaker A
Und dann kommt eine ganze Liste an Sachen, was das erfüllen muss. Also ich wünsche mir für die Zukunft der Debatte, dass dieses Schwarz Weiß Denken abgelegt wird und dass man nicht mit dem Ego diskutiert, sondern auch versucht, die
40:23
Speaker A
Gegenseite zu verstehen, weil dann findet man einen Konsens und das hat heute wunderbar funktioniert, teilweise.
40:29
Speaker A
Ich weiß, du hast eine sehr festgefahrene Meinung, aber es vielleicht ganz, ganz gut, wenn wir alle hin und wieder mal Sachen reflektieren, die wir vielleicht auch für hundert Prozent legitim und richtig halten, uns aber trotzdem.
40:40
Speaker A
Vor allem, wenn Menschen, die betroffen sind, sagen irgendwie das ist nicht so gut, dass man einfach einfach weiß.
40:46
Speaker A
Nicht reflektieren ist ein gutes Ding. Reflektieren ist immer gut. Deswegen bin ich zweimal verheiratet.
40:57
Speaker A
Ihr seid ehrlicherweise in meinen Augen völlig überraschend relativ weit vorne. Ich weiß nicht, ob das die Diskussion so wiederspiegelt.
41:03
Speaker A
Wir möchten, näher dran sein. Aber. Aber im Ernst ich freue mich darüber, weil bei allen Differenzen, die wir hier hatten, auf dem Feld es gab dann doch einige grundsätzliche Gemeinsamkeiten, auch wenn euch das vielleicht teilweise gar nicht aufgefallen ist.
41:15
Speaker A
Aber so war es. Und deswegen sage ich ganz herzlichen Dank. Das waren 13 Fragen zu den Grenzen des Humors.
41:19
Speaker A
Danke schön. Ich danke auch. Ich glaube, die Regel ist ganz einfach Du darfst Witze über fast alles und fast alle machen.
41:29
Speaker A
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