Die Geschichte der Vereinten Nationen (UNO) — Transcript

Die Geschichte, Funktionen und Herausforderungen der Vereinten Nationen werden erklärt, inklusive Sicherheitsrat, Mitgliedsstaaten und Reformbedarf.

Key Takeaways

  • Die UNO ist eine wichtige internationale Organisation zur Friedenssicherung und globalen Zusammenarbeit.
  • Der Sicherheitsrat hat große Macht, aber das Vetorecht der fünf ständigen Mitglieder kann Entscheidungen blockieren.
  • Die UNO hat trotz Herausforderungen positive Beiträge in Friedensmissionen und humanitärer Hilfe geleistet.
  • Reformen der UNO werden diskutiert, um sie effektiver und gerechter zu machen.
  • Die Geschichte der UNO ist eng mit den Weltmächten und historischen Ereignissen wie dem Kalten Krieg verbunden.

Summary

  • Die Vereinten Nationen (UNO) wurden 1945 von 51 Staaten gegründet, um den Weltfrieden zu sichern und aus den Fehlern des Völkerbundes zu lernen.
  • Die UNO verfolgt Ziele wie Friedenssicherung, internationale Sicherheit, Förderung der Menschenrechte und Zusammenarbeit in sozialen, wirtschaftlichen und humanitären Bereichen.
  • Die Vollversammlung ist das oberste Gremium, in dem alle Mitgliedsstaaten gleichberechtigt eine Stimme haben.
  • Der Sicherheitsrat hat die Hauptverantwortung für den Weltfrieden und kann Sanktionen verhängen oder Streitkräfte entsenden.
  • Fünf ständige Mitglieder des Sicherheitsrates (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich) besitzen ein Vetorecht, was oft zu Blockaden führt.
  • Der Kalte Krieg führte zu einer Blockade des Sicherheitsrates, die bis heute in Konflikten wie Syrien spürbar ist.
  • Die UNO engagiert sich in Friedensmissionen, Flüchtlingshilfe, globalen Gesundheitsfragen und Entwicklungszielen.
  • Deutschland wurde 1973 Mitglied und beteiligt sich seit der Wiedervereinigung aktiv an UNO-Friedensmissionen.
  • Die Rolle des Generalsekretärs ist zentral für die Arbeit der UNO, mit António Guterres als aktuellem Amtsinhaber.
  • Es gibt weiterhin Diskussionen und Kritik an der UNO, insbesondere bezüglich Reformen und der Machtverteilung im Sicherheitsrat.

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00:03
Speaker A
Treffen sich mindestens einmal im Jahr Vertreter von fast allen Ländern der Welt mit keinem geringeren Ziel als vor allem dem Weltfrieden am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York.
00:13
Speaker A
Obwohl das Gelände mit eigener Postleitzahl diplomatisches Gebiet ist und keinem gehört. 2020 feiert die UNO das 75-jährige Jubiläum.
00:23
Speaker A
Wir schauen uns an, wie sind die Vereinten Nationen entstanden? Wie funktionieren sie? Und: Ist es an der Zeit, sie zu reformieren?
00:31
Speaker A
Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2020) Die Idee, dass sich die Staaten der Erde in einer gemeinsamen Organisation treffen, um Regeln festzulegen, wie sie Konflikte lösen und wie ein Krieg verhindert werden kann, ist ziemlich alt.
00:44
Speaker A
Nach dem 1. Weltkrieg setzt sich vor allem der US-Präsident Woodrow Wilson durch, dass der Völkerbund gegründet wird.
00:51
Speaker A
Dazu gibt es ein Video. Klickt oben auf das "i". Dieser Völkerbund scheitert daran, Frieden zu schaffen.
00:57
Speaker A
Das zeigt der 2. Weltkrieg. Noch bevor Nazi-Deutschland und das Kaiserreich Japan niedergerungen sind, starten die USA und Großbritannien mit einem neuen Anlauf.
01:07
Speaker A
Ihre Idee: ein System kollektiver, also gemeinsamer Sicherheit. Mit den Weltmächten als eine Art Weltpolizei.
01:14
Speaker A
Die beiden Partner gewinnen viele Unterstützer, darunter auch die Sowjetunion und China. Noch im Juni 1945, als der 2. Weltkrieg noch nicht überall auf der Welt vorbei ist, aber in Europa beendet, gründen 51 Staaten die Organisation der Vereinten Nationen.
01:30
Speaker A
Sie berufen sich auf den Völkerbund. Gedanklich stehen die Vereinten Nationen deshalb in der Tradition des Völkerbundes.
01:37
Speaker A
Aber man versucht etwas zu tun, was die Menschen leider sehr selten tun, man versucht aus der Geschichte zu lernen.
01:44
Speaker A
Die Fehler, die beim Aufbau des Völkerbundes gemacht wurden, sollen diesmal vermieden werden. Also dass die Nationen zum Beispiel nicht in der Lage waren, internationale Aggressoren in die Schranken zu weisen und feindliche Handlungen zu verhindern.
01:58
Speaker A
Aber was soll jetzt besser werden? Zunächst stellt sich US-Präsident Franklin Delano Roosevelt vor, dass die USA und Großbritannien, damals noch eine Weltmacht mit riesigen Kolonialgebieten, die Rolle einer Art Weltpolizei übernehmen.
02:13
Speaker A
Als sich die Sowjetunion nach dem 2. Weltkrieg als weitere Supermacht etabliert, soll sie auch Weltpolizist werden.
02:20
Speaker A
Die Idee ist einfach, dass es Staaten gibt, die Aggressoren in die Schranken weisen können, die Maßnahmen zur Sicherung des Friedens unternehmen können.
02:28
Speaker A
Die Vereinten Nationen sollen kein zahnloser Tiger sein. Ziel 1 ist es, den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren.
02:36
Speaker A
Um das zu schaffen, hat die UN einige Instrumente, die im Kern Kollektivmaßnahmen sind. Es sind vor allem friedliche Mittel, um Streitigkeiten beizulegen.
02:45
Speaker A
Angriffskriege sollen verhindert werden und vor allem gemeinsam globale Probleme gelöst werden. So wollen die Vereinten Nationen auch im wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und humanitären Bereich zusammenarbeiten.
02:58
Speaker A
Die Achtung der universellen Menschenrechte sowie der Grundfreiheiten soll dabei gefördert und gefestigt werden. Das offiziell oberste Gremium ist die Vollversammlung.
03:08
Speaker A
Jeder Staat, der Mitglied der Vereinten Nationen ist, der seinen Mitgliedsbeitrag gezahlt hat, hat in dieser Weltversammlung eine Stimme. Alle sind gleich.
03:17
Speaker A
Alle beschließen mit, jede Stimme wird gehört. Theoretisch ist das absolut richtig. Der Zwergstaat Liechtenstein mit seinen nicht mal 39.000 Einwohnern hat natürlich die gleichen Rechte wie die Vereinigten Staaten von Amerika mit ihren 330 Millionen Einwohnern.
03:35
Speaker A
Aber, wie das auch in der politischen Realität so ist, einige sind eben gleicher als andere und vor allem mächtiger.
03:42
Speaker A
Und da kommt noch ein anderes Gremium ins Spiel, das eine herausgehobene Bedeutung hat: der Weltsicherheitsrat, wie der Name schon vermuten lässt.
03:52
Speaker A
Diesem Sicherheitsrat überträgt die Vollversammlung die Hauptverantwortung für den Weltfrieden, so steht es in der Charta, dem Gründungsvertrag der Vereinten Nationen von 1945.
04:03
Speaker A
Dort bekennen sich die Mitglieder zur gemeinsamen Sicherung des Weltfriedens. Der Sicherheitsrat hat, und das ist vielleicht das Entscheidende, vor allem die Macht zu handeln.
04:13
Speaker A
Wenn Staaten ihre Konflikte nicht beilegen können, wenn sie den Weltfrieden bedrohen, kann der Sicherheitsrat beschließen, dass Sanktionen verhängt werden.
04:22
Speaker A
Ich zitiere mal aus der Charta: Und wenn ihnen der Abbruch von Funkverbindungen oder diplomatischen Beziehungen nicht weit genug geht, können sie eben auch Streitkräfte schicken.
04:48
Speaker A
Ein Beispiel: Als 1990 der Irak sein Nachbarland Kuwait überfällt, beschließt der Sicherheitsrat, dass eine Armee aufgestellt wird, um den Irak aus Kuwait zu vertreiben.
04:58
Speaker A
22 Länder schicken insgesamt fast 1 Million Soldaten, die auf Anordnung des Sicherheitsrats kämpfen. Der Sicherheitsrat ist also kein zahnloser Tiger.
05:07
Speaker A
Die Staaten mit der größten Verantwortung sitzen im Sicherheitsrat. 15 Länder haben dort einen Sitz, 10 werden alle 2 Jahre gewählt.
05:15
Speaker A
Fünf Länder sind ständige Mitglieder des Sicherheitsrates. Diese Länder gelten als die mächtigsten Länder der Welt.
05:21
Speaker A
Na ja, zumindest galten sie 1945 als die mächtigsten Länder. Die USA, die Sowjetunion, Großbritannien, China, Frankreich.
05:29
Speaker A
Alle fünf sind auch heute noch Atommächte. Statt der Sowjetunion sitzt heute Russland im Sicherheitsrat.
05:35
Speaker A
Und den Sitz Chinas nimmt bis 1971 die Republik Taiwan ein. Erst seit 1971 ist die Volksrepublik China im Sicherheitsrat.
05:44
Speaker A
Ich hatte ja gesagt, der Sicherheitsrat hat die Macht zum Handeln. Aber da gibt es ein Problem: Jedes dieser ständigen Mitglieder hat die Möglichkeit, Beschlüsse des Sicherheitsrates zu blockieren oder zu verhindern, indem das Mitglied ein Veto einlegt.
06:00
Speaker A
Veto ist lateinisch und bedeutet: Ich verbiete. Jetzt merkt ihr schon, diese fünf Länder haben mehr Macht als die anderen 188 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen.
06:11
Speaker A
Jetzt könnt ihr euch vorstellen, wie das in der Zeit des Kalten Kriegs läuft. Da stehen sich die USA, Großbritannien und Frankreich auf der einen Seite sowie die Sowjetunion auf der anderen Seite gegenüber.
06:23
Speaker A
Wenn die eine Seite einen Beschluss fassen will, der ihren Interessen dient, legt die andere Seite ein Veto ein.
06:29
Speaker A
Damit ist der Sicherheitsrat von 1945 bis 1990 praktisch blockiert. Doch auch mit dem Ende des Kalten Kriegs endet das Blockieren von Beschlüssen nicht komplett, wie wir am Beispiel Syrien heute noch gut sehen können.
06:42
Speaker A
Trotzdem leistet er einen Beitrag für den Weltfrieden. Denn im Sicherheitsrat treffen sich die beiden Supermächte jeden Tag.
06:50
Speaker A
Sie ringen auf dem diplomatischen Parkett miteinander. Besser, als wenn sie mit Raketen aufeinander schießen würden.
06:57
Speaker A
Man kooperiert, trotz aller Gegensätze in einigen Dingen, auch tatsächlich gemeinsam. Die Weltgesundheitsorganisation greift ein, wenn es zu Epidemien und Katastrophen kommt.
07:09
Speaker A
Man einigt sich auf weltweite Regeln, wie man miteinander Handel treiben will. Es gibt das Kinderhilfswerk Unicef, Blauhelmmissionen, die Konfliktparteien trennen.
07:18
Speaker A
Und nicht nur heute wichtig: Die Vereinten Nationen setzen sich für Flüchtlinge auf der Welt ein.
07:24
Speaker A
Sie bringen weltweite Entwicklungsziele auf den Weg. Und, bei aller Kritik, kann man sagen, es hat sich einiges verbessert.
07:31
Speaker A
Die Deutschen sind nach dem 2. Weltkrieg erst mal nicht zugelassen. Die Bundesrepublik Deutschland und die DDR werden erst am 18. September 1973 Mitglieder der Vereinten Nationen.
07:41
Speaker A
Aber sie können sich nicht so einbringen wie alle anderen, denn es gibt Militär-Beschränkungen. Das endet erst mit der Wiedervereinigung.
07:49
Speaker A
Seitdem beteiligt sich Deutschland auch an Friedensmissionen der Vereinten Nationen. Fünfmal wurde die Bundesrepublik in den Weltsicherheitsrat gewählt.
07:58
Speaker A
Und: Sie ist einer der wichtigsten Geldgeber, auch wenn das mit den Mitgliedsbeiträgen eine ganz andere, große Diskussion ist.
08:05
Speaker A
Die Vereinten Nationen begleiten auch den Prozess der Dekolonialisierung seit 1945. Das ist ein wichtiges Thema, was aber sehr komplex ist und ein eigenes Thema für sich wäre.
08:15
Speaker A
Da gibt es vielleicht mal ein Video dazu. Ihr könnt mir glauben, wenn ich sage, hitzige Debatten wurden darum auch.
08:25
Speaker A
Wenn ihr online nach Nikita Chruschtschow sucht, ehemaliger sowjetischer Staatschef, dann taucht direkt daneben der Begriff "Schuh" auf.
08:33
Speaker A
Aus gutem Grund: Auf der UNO-Vollversammlung 1960 brüllte Chruschtschow durch den Saal. Er beschimpfte Delegierte als Speichellecker oder Imperialistenknechte.
08:44
Speaker A
Da seht ihr schon, was ich meinte, wenn ich gesagt hab, dass in der UNO auch gestritten wird.
08:49
Speaker A
Aber es ging noch viel weiter: Chruschtschow hat dann sogar seinen Schuh ausgezogen und ...
08:54
Speaker A
Ja, was dann passierte, ob er tatsächlich mit dem Schuh auf den Tisch einschlug oder ihn nur in der Hand hielt, darüber wird bis heute gestritten.
09:02
Speaker A
Für mich ist das Letztere eher wahrscheinlich. Und die Vereinten Nationen sorgen auch dafür, dass ein Dialog von reichen und armen Ländern in Gang kommt.
09:11
Speaker A
Da geht es um fairen Handel. Oder: Heute reden die Nationen über Maßnahmen gegen den menschengemachten Klimawandel.
09:19
Speaker A
Wie immer sind das sehr langwierige Prozesse. Es dauert und dauert. Aber: Die Alternative ist nur, dass gar nichts vorwärtsgeht.
09:27
Speaker A
Oder dass sich die einen gegen die anderen mit Gewalt durchsetzen. Heute arbeiten, ohne die Blauhelmsoldaten, die Truppen der Vereinten Nationen, die meist als Puffer eingesetzt werden, knapp 60.000 Menschen für die Vereinte Nationen.
09:40
Speaker A
Der wichtigste Mitarbeiter ist der Generalsekretär. Bisher übten 9 Männer dieses Amt aus. Der erste offizielle Generalsekretär war Trygve Halvdan Lie, der bekannteste ist vermutlich Kofi Annan, und der aktuelle António Guterres.
09:55
Speaker A
Die Vereinten Nationen haben inzwischen eine lange Geschichte. Sind sie in ihrer Form noch zeitgemäß oder muss die Organisation reformiert werden?
10:05
Speaker A
Klar, der Ruf nach Reform der UNO erschallt sozusagen schon seit dem Tag ihrer Gründung.
10:11
Speaker A
Es gibt vieles, was nicht richtig läuft. Ich zähle nur mal ein paar Fragen auf, damit ihr seht, worüber da diskutiert wird: Ihr seht, Fragen über Fragen. Wie die Fragen beantwortet werden, entscheidet über die Zukunft unserer Welt.
10:59
Speaker A
Es sind die ganz großen Fragen der internationalen Politik. Vielleicht habt ihr Antworten darauf? Wenn ja, schreibt sie in die Kommentare.
11:07
Speaker A
Vielleicht könnt ihr der UNO etwas weiterhelfen. Über den Völkerbund könnt ihr euch hier informieren.
11:13
Speaker A
Direkt darunter gibt es ein Video von meinem Kanal über die NATO. Auch die wird in dem Zusammenhang gerne genannt.
11:19
Speaker A
Mehr Geschichte gibt es bei Instagram. Account unten verlinkt in der Infobox. Vielen Dank fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.
Topics:Vereinte NationenUNOWeltfriedenSicherheitsratVetoFriedensmissionenMenschenrechteGeneralsekretärDeutsche Mitgliedschaftinternationale Zusammenarbeit

Frequently Asked Questions

Wann und warum wurden die Vereinten Nationen gegründet?

Die Vereinten Nationen wurden 1945 von 51 Staaten gegründet, um den Weltfrieden zu sichern und aus den Fehlern des Völkerbundes zu lernen, der den Zweiten Weltkrieg nicht verhindern konnte.

Welche Rolle spielt der Sicherheitsrat der UNO?

Der Sicherheitsrat hat die Hauptverantwortung für den Weltfrieden und kann Sanktionen verhängen oder Streitkräfte entsenden. Er besteht aus 15 Mitgliedern, davon fünf ständige mit Vetorecht.

Warum ist das Vetorecht im Sicherheitsrat problematisch?

Das Vetorecht erlaubt es den fünf ständigen Mitgliedern, Beschlüsse zu blockieren, was oft zu politischen Blockaden führt, insbesondere während des Kalten Kriegs und bei aktuellen Konflikten wie in Syrien.

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