Speaker A
Hallo und herzlich willkommen zum Kurs Physiologie der Niere und zum Vortrag Aufbau und Funktion. Was erwartet uns im kommenden Vortrag? Wir werden uns mit den globalen Funktionen, welche die Niere erfüllt, vertraut machen. Wir werden uns mit dem groben anatomischen Aufbau und den einzelnen Bestandteilen der Niere beschäftigen. Danach werden wir uns näher beschäftigen mit dem Aufbau des Nierenkörperchens und näher eingehen auf die Gefäßarchitektur. Am Schluss werden wir noch einmal näher zu sprechen kommen auf das Tubulussystem der Niere. Beginnen wir also mit der Funktion der Niere. Was sind denn die Aufgaben, welche die Niere im menschlichen Körper erfüllt? Die Niere liegt im Retroperitonealraum und ist paarig angelegt. Sie ist essentiell für den Wasser- und Elektrolythaushalt im menschlichen Körper. Sie reguliert die vermehrte oder verminderte Ausscheidung von Flüssigkeit und die vermehrte oder verminderte Ausscheidung einzelner Elektrolyte, sodass die Homöostase im Körper erhalten bleibt. Darüber hinaus ist die Niere extrem wichtig bei der Ausscheidung von Endprodukten des Stoffwechsels. Hier sei zum einen der Harnstoff genannt oder die Harnsäure, welche wichtig sind, um Stickstoff zu eliminieren, und zum anderen ist die Niere äußerst wichtig bei der Elimination von körperfremden Stoffen, also von Medikamenten beispielsweise, welche im Körper mehr oder weniger metabolisiert werden und häufig renal über den Harn ausgeschieden werden müssen. Zusätzlich hat die Niere eine Kernfunktion im Säure-Basen-Haushalt, denn über die Niere können vermehrt oder vermindert Säuren bzw. Basen ausgeschieden werden. Damit kann die Niere aktiv in den Säure-Basen-Haushalt einerseits eingreifen und auf eine Azidose oder Alkalose im anderen Fall reagieren. Daneben ist die Niere auch nicht nur ein Filtrationsorgan, sondern auch noch ein endokrines Organ. Endokrin bedeutet in diesem Fall ein hormonbildendes Organ, denn in der Niere werden einerseits das Erythropoetin (EPO) und zum anderen das Calzitriol, das 1,25-Dihydroxy-Vitamin D3, gebildet. Beide haben systemische Auswirkungen. Schauen wir uns also nun anatomisch den Aufbau etwas näher an. In der Abbildung sehen wir sie schematisch dargestellt. Die Niere gliedert sich in eine äußere Rinde, hier im hellen Grauton, und in ein inneres, innengelegenes Nierenmark. Das Mark wiederum können wir einteilen in ein inneres Mark und in ein äußeres Mark. Dieses nennt man auch Innenzone bzw. Außenzone. Die Außenzone wiederum können wir unterteilen in einen innengelegenen Innenstreifen und in einen außengelegenen Außenstreifen. Im Nierenmark findet vornehmlich anaerober Stoffwechsel statt und in der Nierenrinde im Gegensatz dazu vornehmlich aerober Stoffwechsel. Sich an das Nierenmark nach innen hin anschließend haben wir den sogenannten Sinus renalis. Dieser Sinus renalis liegt genau am Nierenhilus und er beinhaltet einerseits das Nierenbecken, das Pelvis renalis genannt wird, und dieses Nierenbecken verengt sich dann nachher zum Ureter, welcher nachher den Harn zur Harnblase transportiert. Zum anderen ist eben dieser Nierenhilus und Sinus renalis die Eintrittsstelle für die Arteria renalis, welche die Niere mit Blut versorgt, und die Austrittsstelle der Vena renalis zum anderen, welche das venöse Blut aus der Niere abführt. Die Niere ist insgesamt sehr stark durchblutet. Der renale Blutfluss beträgt zwischen einem und 1,2 Litern pro Minute. Dies macht etwa 20 bis 25 % des Herzzeitvolumens aus. Also ein erheblicher Teil des Herzzeitvolumens wird durch die Nieren gepumpt. Wichtig zu differenzieren vom Blutfluss ist der renale Plasmafluss. Der ergibt sich aus dem Blutfluss minus dem Hämatokrit, also minus die zellulären Bestandteile des Blutes von etwa 0,4, und damit kommen wir auf einen renalen Plasmafluss von etwa 600 ml pro Minute. Die kleinste Baueinheit der Niere ist das sogenannte Nephron. Hier sind zwei Nephrone exemplarisch in dieser Abbildung dargestellt. Das Nephron wiederum gliedert sich in ein Nierenkörperchen, das sind die kleinen Kreise in der Abbildung, und das Nierenkörperchen ist hier auch vergrößert in dem Rechteck dargestellt. Dieses besteht zum einen aus einem zuführenden Gefäß, welches am Kapillar, am Gefäß in das Nierenkörperchen eintritt und dort ein Kapillarknäuel bildet. Nachdem das Blut dieses Kapillarknäuel durchlaufen hat, verlässt es durch ein abführendes Gefäß, durch ein Vas efferens am Gefäßpol eben das Nierenkörperchen. Dieses Gefäßknäuel nennt man auf Englisch auch Tuft oder ursprünglich auch Glomerulus. Glomerulus war ursprünglich eben die Bezeichnung nur für dieses Gefäßknäuel, ist aber mittlerweile auch eine Bezeichnung geworden für das Nierenkörperchen, also für das gesamte Nierenkörperchen, denn dieses besteht nicht nur aus dem Gefäßknäuel, sondern auch noch aus der sogenannten Baumannschen Kapsel. Diese Baumannsche Kapsel kann man sich vorstellen wie eine Art Luftballon, in den sich das Gefäßknäuel eingestößt hat, also wie eine Art Stein, der sich in einen Luftballon hineindrückt. Dadurch ergibt sich zum einen eine Membran der Baumannschen Kapsel nach außen hin, eine Abgrenzung nach außen zum Interstitium hin, und zum anderen eine Membran, eine Abgrenzung zum Gefäßknäuel selber hin, eine Art doppelte Membran. Zwischen diesen Membranen befindet sich der Baumannsche Kapselraum und am Harnpol geht dieser Baumannsche Kapselraum über in das Tubulussystem der Niere. Der eigentliche Filtrationsprozess findet nun statt von diesem Gefäßknäuel in den Baumannschen Kapselraum und von dort in das Tubulussystem. Das Tubulussystem ist der zweite große Teil des Nephrons und man kann sich dieses Tubulussystem eigentlich vorstellen als einen ganz lang gezogenen Schlauch, welcher durch Nierenrinde und Nierenmark in einer ganz bestimmten Anatomie läuft. Und zwar bildet er zunächst eine Art Schleife ins Nierenmark, die sogenannte Henle-Schleife, steigt wieder in die Nierenrinde auf und mündet dort in ein sogenanntes Sammelrohr, in das mehrere verschiedene Nephrone mit ihren Tubulussystemen münden. Und diese Sammelrohre verlaufen zum Nierenmark und geben dann den Harn in den Ureter, ins Nierenbecken und dann später in den Ureter ab, sodass er ausgeschieden werden kann. Im Tubulussystem, das ist eben nicht ganz so einfach wie ein Schlauch, finden komplexe Resorptions- und Sekretionsmechanismen statt. Das heißt, das ursprüngliche Filtrat wird stark verändert. Es gibt verschiedene Arten von Nephronen. Es gibt oberflächliche und tiefe Nephrone. Oberflächliche Nephrone haben ihre Nierenkörperchen subkapsulär und ihre Henle-Schleife geht kaum in das Nierenmark hinein und geht nur bis zur Rinden-Mark-Grenze oder nur bis ins äußere Mark. Die tiefen Nephrone hingegen besitzen Henle-Schleifen, die bis ganz nach unten zur Papille, also bis ganz nach unten hin ins Nierenmark verlaufen, und ihre Nierenkörperchen sitzen auch am Nierenmark, also weiter, also etwas tiefer als die der oberflächlichen. Deswegen nennt man sie auch juxtamedulläre Nierenkörperchen. Von den 600 ml an Plasmafluss, die pro Minute durch die Niere fließen, werden etwa 125 ml filtriert. Den Anteil des Filtrats an dem renalen Plasmafluss bezeichnet man auch als Filtrationsfraktion und die beträgt etwa 20 %. Rechnen wir das nun auf einen gesamten Tag hoch, so filtriert die Niere 180 Liter Primärharn pro Tag. Wir scheiden aber ja nicht 180 Liter an Urin am Tag aus, sondern im Tubulussystem werden 99 % dieser 180 Liter wieder rückresorbiert, sodass nur in etwa 1 ml pro Minute an Harn gebildet wird. Wenn man dies wieder auf einen Tag hochrechnet, so kommen wir auf eine Harnausscheidung von 1,5 bis 2 Litern pro Tag. Werfen wir nun einen näheren Blick auf die Gefäßarchitektur der Niere. Wie wir bereits festgestellt haben, tritt am Nierenhilus die Arteria renalis in die Niere ein. Dort spaltet sie sich auf in Arteriae interlobares, sogenannte Lappenarterien. Hiervon abgehend haben wir kleinere Arteriae arcuatae, also bogenförmige Arterien, welche an der Grenze zwischen Rinde und Mark verlaufen. Hier sehen wir sie an der Grenze zwischen Außenstreifen und Rinde abgehend von dies...