Celeste Headlee gibt 10 praktische Tipps für bessere Gespräche und zeigt, wie Zuhören und echtes Interesse zu mehr Verständnis führen.
Key Takeaways
- Präsenz und echtes Zuhören sind essenziell für gute Gespräche.
- Offene Fragen und Lernbereitschaft fördern Verständnis und Vertrauen.
- Multitasking und Eigenwerbung schaden der Gesprächsqualität.
- Jede Erfahrung ist individuell und sollte respektiert werden.
- Zuhören ist eine der wichtigsten Fähigkeiten im 21. Jahrhundert.
What the video covers
- Gespräche sind heute oft polarisiert und von fehlendem Zuhören geprägt.
- Technologie und Multitasking beeinträchtigen die Gesprächsqualität.
- Wichtig ist, präsent zu sein und sich voll auf das Gespräch zu konzentrieren.
- Meinungen sollten nicht dozieren, sondern offen und lernbereit sein.
- Offene Fragen fördern tiefere und interessantere Antworten.
- Man muss zuhören und nicht nur auf die eigene nächste Frage warten.
- Eigene Wissenslücken ehrlich zugeben schafft Vertrauen.
- Eigene Erfahrungen nicht mit denen anderer gleichsetzen.
- Wiederholungen und unnötige Details vermeiden, um Langeweile zu verhindern.
- Zuhören ist die wichtigste Fähigkeit für gelingende Gespräche.
Chapters
- 00:00Einleitung und Problem der heutigen Gesprächskultur
- 00:40Herausforderungen durch polarisierte Themen
- 01:15Auswirkungen von Technik und fehlendem Zuhören
- 02:48Wichtigkeit von Gesprächsführung im 21. Jahrhundert
- 03:35Vorstellung der 10 Grundregeln für bessere Gespräche
- 04:35Regel 1 und 2: Präsenz und nicht dozieren
- 05:27Regel 3 und 4: Offene Fragen stellen und zuhören
- 07:26Regel 5 bis 8: Ehrlichkeit, Respekt und Klarheit
- 09:13Regel 9 und 10: Wiederholungen vermeiden und Interesse zeigen
- 11:01Abschluss und persönliche Erfahrungen der Sprecherin
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Speaker A
Übersetzung: Lisbeth Wild. Lektorat: Nadine Hennig. Heben Sie bitte die Hand. Wer hat schon mal jemanden auf Facebook geblockt, weil er etwas Falsches über Politik, Religion, Kindererziehung oder Essen gesagt hat?
Speaker A
(Gelächter) Wie viele von Ihnen meiden mindestens eine Person, weil Sie nicht mit ihr sprechen möchten?
Speaker A
(Gelächter) Für ein höfliches Gespräch befolgten wir früher den Rat von Henry Higgins aus “My Fair Lady”: Rede übers Wetter und deine Gesundheit.
Speaker A
Aber heute, mit Klimawandel und Impfgegnern, sind diese Themen ... (Gelächter) auch nicht mehr sicher.
Speaker A
Die Welt, in der wir leben, eine Welt, in der sich jedes Gespräch zu einem Streit entwickeln kann, in der Politiker nicht kommunizieren können und selbst die banalsten Themen Fürsprecher und Gegner auf den Plan rufen, diese Welt ist nicht normal.
Speaker A
Pew Research hat 10.000 erwachsene Amerikaner befragt und es zeigt sich, dass wir heute stärker polarisieren und gespaltener sind als je zuvor.
Speaker A
Wir gehen weniger Kompromisse ein, wir hören einander also nicht zu. Wir treffen Entscheidungen über Wohnort, Ehepartner und sogar Freunde aufgrund unserer Überzeugungen.
Speaker A
Auch das heißt: Wir hören einander nicht zu. Bei einem Gespräch müssen sich Reden und Zuhören die Waage halten.
Speaker A
Diese Balance haben wir irgendwann verloren. Das liegt zum Teil an der Technik, an den Smartphones, die Sie alle in der Hand oder zumindest griffbereit haben.
Speaker A
Laut Pew Research verschickt ein Drittel der US-Teenager am Tag mehr als hundert Nachrichten. Viele von ihnen, fast die meisten, texten ihren Freunden lieber, als persönlich mit ihnen zu sprechen.
Speaker A
“The Atlantic” brachte einen tollen Artikel von High-School-Lehrer Paul Barnwell. Er startete ein Kommunikationsprojekt: Die Schüler sollten ohne Notizen einen Vortrag halten.
Speaker A
Und er sagte: “Ich habe erkannt ... (Gelächter) Ich habe erkannt, dass Gesprächsführung die am meisten unterschätzte Fähigkeit ist, die wir nicht unterrichten.” Kinder verbringen Stunden voller Ideen mit Freunden vor dem Bildschirm, haben jedoch selten Gelegenheit, zwischenmenschliche Kommunikation zu üben.
Speaker A
Es mag seltsam klingen, aber wir müssen uns fragen: Gibt es im 21. Jahrhundert eine wichtigere Fähigkeit, als ein stimmiges, vertrauensvolles Gespräch zu führen?
Speaker A
Es ist mein Beruf, mit Menschen zu reden: mit Nobelpreisträgern, LKW-Fahrern, Milliardären, Kindergärtnerinnen, Staatsoberhäuptern, Installateuren.
Speaker A
Ich spreche mit Leuten, die ich mag oder auch nicht mag, auch mit Menschen, deren Meinung ich persönlich überhaupt nicht teile.
Speaker A
Aber wir unterhalten uns trotzdem blendend. Ich zeige Ihnen also in den nächsten zehn Minuten, wie man spricht und wie man zuhört.
Speaker A
Viele von Ihnen haben schon einige Tipps bekommen: dem anderen in die Augen schauen, sich vorab interessante Gesprächsthemen überlegen, als Zeichen der Aufmerksamkeit schauen, nicken und lächeln, das Gesagte wiederholen oder zusammenfassen.
Speaker A
Vergessen Sie all das. Das ist Mist. (Gelächter) Man muss nicht lernen, aufmerksam zu wirken, wenn man tatsächlich aufmerksam ist.
Speaker A
(Gelächter) (Applaus) Bei professionellen Interviews benutze ich genau dieselben Fertigkeiten wie im normalen Leben. Also zeige ich Ihnen, wie man Menschen interviewt, und das wird Sie zu einem besseren Gesprächspartner machen.
Speaker A
Lernen Sie Gesprächsführung ohne Zeitverschwendung oder Langeweile und -- bitte! -- ohne jemanden zu beleidigen.
Speaker A
Wir hatten alle schon richtig gute Gespräche. Wir wissen, wie das ist. Ein Gespräch, das einen belebt und inspiriert, bei dem eine Beziehung entsteht oder man sich verstanden fühlt.
Speaker A
Es gibt keinen Grund, warum nicht fast alle Gespräche so sein sollten. Ich gebe Ihnen jetzt zehn Grundregeln.
Speaker A
Selbst wenn Sie nur eine wählen und perfekt beherrschen, werden Sie schon bessere Gespräche führen.
Speaker A
Nummer eins: Kein Multitasking. Es reicht nicht, das Handy wegzulegen, das Tablet, die Autoschlüssel oder was auch immer.
Speaker A
Seien Sie präsent. Erleben Sie den Moment. Denken Sie nicht an den Streit mit Ihrem Chef.
Speaker A
Überlegen Sie nicht, was Sie zu Abend essen. Wenn Sie das Gespräch beenden wollen, beenden Sie es, aber bleiben Sie nicht halbherzig dabei.
Speaker A
Nummer zwei: Dozieren Sie nicht. Wenn Sie Ihre Meinung äußern möchten, ohne dass jemand reagiert, argumentiert, protestiert oder Sie verunsichert, schreiben Sie einen Blog.
Speaker A
(Gelächter) Aus gutem Grund lade ich keine Experten in meine Show ein: Weil sie echt langweilig sind.
Speaker A
Die Konservativen hassen Obama, Essensmarken und Abtreibung. Die Liberalen hassen Großbanken, Ölfirmen und Dick Cheney.
Speaker A
Völlig vorhersehbar. So wollen Sie nicht sein. Beginnen Sie jedes Gespräch mit dem Wunsch, etwas lernen zu wollen.
Speaker A
Der berühmte Therapeut M. Scott Peck sagte: “Um aufmerksam zuzuhören, muss man sich völlig zurücknehmen.” Das bedeutet manchmal, seine persönliche Meinung zurückzunehmen.
Speaker A
Wenn der Sprecher laut Peck diese Akzeptanz spürt, fühlt er sich weit weniger verletzlich und öffnet dem Zuhörer immer mehr sein Inneres.
Speaker A
Nehmen Sie also an, es gibt etwas zu lernen. Bill Nye: “Jeder, dem Sie begegnen, weiß etwas, was Sie nicht wissen.” Anders gesagt: Jeder ist Experte auf irgendeinem Gebiet.
Speaker A
Nummer drei: Stellen Sie offene Fragen. Machen Sie es wie die Journalisten. Beginnen Sie Fragen mit Wer, Was, Wann, Wo oder Wie.
Speaker A
Bei komplizierten Fragen bekommen Sie eine einfache Antwort. Wenn ich Sie frage: “Hatten Sie Angst?”, werden Sie auf das stärkste Wort reagieren, also “Angst”, und die Antwort lautet “Ja” oder “Nein”.
Speaker A
“Waren Sie wütend?” -- “Ja, sehr wütend.” Lassen Sie es die Leute beschreiben. Die wissen, wovon sie sprechen.
Speaker A
Fragen Sie etwa: “Wie war das für Sie? Wie fühlte sich das an?” Dann muss Ihr Gegenüber nämlich innehalten und nachdenken und Sie bekommen eine viel interessantere Antwort.
Speaker A
Nummer vier: Lassen Sie sich treiben. Das heißt, dass Ihnen Dinge einfallen werden, die Sie wieder loslassen müssen.
Speaker A
Wir alle haben schon Interviews gehört, in denen der Gast mehrere Minuten spricht und dann der Moderator eine Frage stellt, die scheinbar aus dem Nichts kommt oder schon beantwortet wurde.
Speaker A
Der Moderator hat also vor zwei Minuten aufgehört zuzuhören, da ihm eine äußerst intelligente Frage einfiel und er nur noch darauf wartete, sie stellen zu können.
Speaker A
Wir tun genau dasselbe. Wir sitzen da, unterhalten uns und denken an die Begegnung mit Hugh Jackman damals in einem Café.
Speaker A
(Gelächter) Und wir hören nicht mehr zu. Ihnen fallen Geschichten und Ideen ein. Sie müssen sie kommen und gehen lassen.
Speaker A
Nummer fünf: Wenn Sie etwas nicht wissen, sagen Sie es auch. Menschen im Radio, vor allem auf NPR, sind sich bewusst, dass sie auf Sendung sind.
Speaker A
Sie sind daher vorsichtig damit, sich als Experten auszugeben oder zu behaupten, etwas genau zu wissen.
Speaker A
Tun Sie das. Gehen Sie auf Nummer sicher. Hüten Sie sich vor leerem Geschwätz. Nummer sechs: Setzen Sie Ihre Erfahrungen nie mit denen anderer gleich.
Speaker A
Spricht jemand vom Verlust eines Familienmitglieds, sprechen Sie nicht davon, wen Sie verloren haben. Spricht jemand von Problemen im Job, sagen Sie nicht, wie Sie Ihren Job hassen.
Speaker A
Es ist nicht dasselbe. Es ist nie dasselbe. Jede Erfahrung ist individuell. Was noch wichtiger ist: Es geht nicht um Sie.
Speaker A
Es geht jetzt nicht darum, zu beweisen, wie toll Sie sind oder wie sehr Sie gelitten haben.
Speaker A
Auf die Frage nach seinem IQ sagte Stephen Hawking einmal: “Keine Ahnung. Nur Verlierer prahlen mit ihrem IQ.” (Gelächter) Gespräche sind kein Anlass zur Eigenwerbung.
Speaker A
Nummer sieben: Wiederholen Sie sich nicht. Es ist herablassend, total langweilig und wir tun es viel zu oft.
Speaker A
Vor allem in Gesprächen am Arbeitsplatz oder mit unseren Kindern wollen wir etwas klarstellen und daher formulieren wir es immer wieder um.
Speaker A
Tun Sie das nicht. Nummer acht: Keine unnötigen Details. Ganz ehrlich, es interessiert niemanden, ob Sie sich an Jahreszahlen, Namen, Daten oder andere Details erinnern können oder nicht.
Speaker A
Das ist den Leuten egal. Sie interessieren sich für Sie. Sie wollen wissen, wie Sie sind, was Sie gemeinsam haben.
Speaker A
Also vergessen Sie Details. Lassen Sie sie weg. Nummer neun: Das
Speaker A
Hören Sie zu. Unzählige wirklich wichtige Menschen haben gesagt, dass Zuhören die vermutlich wichtigste Fähigkeit ist, die Sie sich aneignen sollten.
Speaker A
Buddha sagte, frei übertragen: “Wenn dein Mund offen ist, lernst du nichts.” Calvin Coolidge sagte: "Kein Mensch hat je durch Zuhören seinen Job verloren." (Gelächter) Warum hören wir einander nicht zu?
Speaker A
Erstens, weil wir lieber reden. Wenn ich rede, habe ich das Sagen. Ich muss nichts hören, was mich nicht interessiert.
Speaker A
Ich stehe im Mittelpunkt. Ich kann mein Ego stärken. Es gibt aber noch einen Grund: Wir werden abgelenkt.
Speaker A
Im Durchschnitt sagt eine Person 225 Wörter pro Minute, doch wir können bis zu 500 Wörter pro Minute verarbeiten.
Speaker A
Also ergänzen wir im Kopf die fehlenden 275 Wörter. Ich weiß, es kostet Mühe und Energie, jemandem Aufmerksamkeit zu schenken, aber sonst kommen Sie nicht ins Gespräch.
Speaker A
Sie sind nur zwei Personen am selbem Ort, die zusammenhanglose Sätze äußern. (Gelächter) Sie müssen einander zuhören.
Speaker A
Stephen Covey hat es schön formuliert. Er sagte: “Die meisten hören nicht zu, um zu verstehen.
Speaker A
Sie hören zu, um zu antworten.” Eine Regel noch, Nummer zehn: Fassen Sie sich kurz.
Speaker A
Zeigen Sie Interesse an anderen Menschen. Ich wuchs mit einem berühmten Großvater auf und zu Hause gab es eine Art Ritual.
Speaker A
Leute kamen, um meine Großeltern zu sprechen, und wenn sie gingen, kam meine Mutter und fragte: “Wisst ihr, wer das war?
Speaker A
Sie war Vize-Miss-Amerika. Er war Bürgermeister von Sacramento. Sie bekam den Pulitzer-Preis. Er ist russischer Balletttänzer.” Ich wuchs in der Annahme auf, dass jeder eine verborgene tolle Eigenschaft hat.
Speaker A
Das macht mich wohl zu einer besseren Moderatorin. Ich halte den Mund, so oft ich kann, ich bleibe offen für Neues, mache mich immer auf Überraschungen gefasst und ich werde nie enttäuscht.
Speaker A
Tun Sie das auch. Gehen Sie und reden Sie mit den Leuten, hören Sie ihnen zu, und, ganz wichtig, machen Sie sich auf Überraschungen gefasst.
Speaker A
Danke. (Applaus)
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