Dokumentation über den Aufstieg Hitlers und das Scheitern der Weimarer Demokratie in den 1920er und 1930er Jahren.
Key Takeaways
- Die Weimarer Demokratie war von Anfang an durch politische und wirtschaftliche Krisen gefährdet.
- Hitlers NSDAP nutzte die soziale Notlage und die Unzufriedenheit mit der Demokratie für ihren Aufstieg.
- Wirtschaftliche Eliten unterstützten Hitler aus Angst vor sozialer Revolution und wirtschaftlicher Instabilität.
- Die Spaltung der linken Parteien schwächte den demokratischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten.
- Die Demokratie scheiterte letztlich an internen Konflikten, wirtschaftlicher Not und dem Aufstieg autoritärer Kräfte.
What the video covers
- Die 1920er Jahre markieren den Beginn der Demokratie in Deutschland nach jahrhundertelanger Adelsherrschaft.
- Die Weimarer Republik durchlebt schwere Krisen, darunter einen Börsencrash und hohe Arbeitslosigkeit.
- Rechtsextreme und Monarchisten formieren sich in der Harzburger Front mit dem Ziel, die Demokratie abzuschaffen.
- Hitler und die NSDAP gewinnen durch soziale Not und wirtschaftliche Probleme an Einfluss.
- Industrielle und Wirtschaftsführer unterstützen Hitler finanziell und politisch.
- Die Monarchie versucht Einfluss zu behalten, Kronprinz Wilhelm kandidiert jedoch nicht für das Präsidentenamt.
- Paul von Hindenburg wird als letzter demokratischer Bollwerk gegen Hitler wiedergewählt.
- Die deutsche Linke ist gespalten, insbesondere zwischen SPD und KPD, was die Demokratie schwächt.
- Die politische Instabilität in Deutschland spiegelt sich in ganz Europa wider, viele Demokratien scheitern.
- Hitlers Aufstieg wird durch gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Faktoren begünstigt.
Chapters
- 00:00Die 20er Jahre: Deutschlands erster Schritt zur Demokratie
- 01:54Die Harzburger Front und das Ende der Demokratie
- 04:38Wirtschaftskrise und Unterstützung der NSDAP durch Industrielle
- 07:11Politische Spannungen und Hindenburgs Kandidatur
- 09:32Die gespaltene Linke und der Einfluss der KPD
- 11:26Europäische Instabilität und der Aufstieg autoritärer Systeme
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Speaker A
Die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts, Deutschland lernt Demokratie. Nach mehr als einem Jahrtausend Herrschaft des Adels.
Speaker A
Jetzt keimt im Land die Hoffnung, es könnten gute Jahre kommen. Eine bessere Zukunft für Deutschland.
Speaker A
Die Demokratie übersteht schwere Krisen, doch die goldenen 20er sind nur kurz. Es gab schon viele Demokraten in dem Staat, aber sie konnten sich nicht durchsetzen.
Speaker A
Ein Börsencrash bringt die nächste Krise. Profiteure sind die Feinde der Demokratie. Am Ende stehen Diktatur und Terror.
Speaker A
Hitler hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass er diesen Staat, diese Demokratie wieder abschaffen möchte.
Speaker A
Warum lassen die Deutschen ihre erste Demokratie zugrunde gehen? Wer hat versagt? Wer hat sich verführen lassen? Wer trägt die Schuld am Sturz in die Diktatur?
Speaker A
Anfang Oktober 1931, Bad Harzburg am Nordrand des Harzes. Massenversammlung radikaler Demokratiefeinde. Die sogenannte Harzburger Front.
Speaker A
Mit dabei auch Hitlers NSDAP. Mehr als 10.000 Rechtsextreme haben ein gemeinsames Ziel: die Abschaffung der Demokratie.
Speaker A
Die Gründung der Harzburger Front zeigte vor allem eins: diese Demokratie ist am Ende. Und das war ja etwas, worauf die [Musik] Nationalsozialisten immer bauten, zu zeigen, diese Demokratie ist ein Fehlschlag, sie ist keine Lösung, sie ist das Problem, sie muss
Speaker A
abgeschafft werden und wir sind stark. Das Bild, das transportiert wird, ist, dass diese Bewegung mächtig ist, dass es wahrscheinlich schon eine Mehrheit der Deutschen ist, die sich hinter diese NS-Bewegung, hinter Hitler stellen und dass im Grunde die Demokratie eigentlich
Speaker A
schon fast abgeschafft ist. Rechtsextreme und Monarchisten sehen sich kurz vor dem Ziel. Die nächsten Wahlen sollen den Durchbruch bringen und die Feinde der Demokratie endlich an die Macht.
Speaker A
Ein halbes [Musik] Jahr später, Frühjahr 1932, Kameramann Wilfried Basse dreht in Hamburg [Musik] seinen Film Deutschland zwischen gestern und heute und zeigt Alltagsszenen im Gängeviertel der Hansestadt.
Speaker A
Arbeitslose prägen das Bild. Jeder Dritte Erwerbsfähige hat keinen Job. 1932 war ja die Krise perfekt. Also, man wusste ja wirklich nicht mehr, wie es weitergehen sollte. Diese Zahl an Arbeitslosigkeit, diese wirtschaftliche Not, das Elend auf den Straßen, in den Familien war
Speaker A
unbeschreiblich, das ist auch mit den bisherigen Erfahrungen nicht mehr zu greifen gewesen. Und dann gibt es eine sehr eingeschränkte Auswahl an politischen Optionen. Was soll man denn machen? Soll man einer Demokratie vertrauen, die schon seit Jahren nicht funktioniert? Wir haben schon
Speaker A
Präsidialkabinette und in diesem Moment propagieren ja die Nationalsozialisten einen tatsächlichen Rettungsplan, nämlich diesen Hitler als Erlöser, als Messias. Er würde mit einem Schlag alles beseitigen und die gesamte Not lindern.
Speaker A
Das war jetzt nicht viel mehr als ein Versprechen, aber dieses große soziale Elend, das ist eben das Wasser auf den Mühlen der NSDAP.
Speaker A
Hitler und seine Partei zeigen offen ihre Verachtung für die Weimarer Republik. Allen Restriktionen zum Trotz marschieren mehrfach tausende [Musik] SA- und SS-Männer auf, wie hier in München. Kampfansage an die Demokratie.
Speaker A
Auch viele deutsche Firmenchefs wollen die Demokratie abschaffen. In der Schwerindustrie unterstützen Stahlbarone wie Emil Kirdorf, aber auch Großindustrielle wie Fritz Thyssen die Nazis. Vor allem mit Geld, [Musik] aber auch mit Kontakten, die Macht und Einfluss sichern.
Speaker A
Fritz Thyssen ist es, der es Hitler ermöglichte, im Januar 1932 vor dem Industrieklub Düsseldorf seine Programmatik, seine Ideen für die Wirtschaft vorzustellen. Hier sieht man auch schon wieder, wie desperat im Grunde die Wirtschaft in Deutschland war, wie problematisch die ganze Ökonomie in
Speaker A
Deutschland war, wegen der Reparationszahlungen, aber auch natürlich ab 1930 wegen der Weltwirtschaftskrise. Also Hitler wird, das ist ganz deutlich, hier auch von Industriellen mittlerweile als eine Lösung angesehen. Man vertraut der Demokratie nicht mehr.
Speaker A
Auch der eingefleischte Monarchist und Vorsitzende des Industrieverbands Gustav Krupp [Musik] von Bohlen und Halbach spendet an die NSDAP. Doch noch verhält er sich abwartend. Am 26. Januar 1932 spricht [Musik] Hitler zu den Spitzen der Ruhrindustrie.
Speaker A
Die Rede vor dem Düsseldorfer Industrieklub ist ein Angebot oder eine Versicherung gegenüber den führenden Wirtschaftskreisen, dass man eben auf keinen Fall revolutionär agieren wird. Das ist ein Bündnisangebot, weil man natürlich auch in der NSDAP weiß, dass dort ein Misstrauen herrscht
Speaker A
gegenüber allen Massenbewegungen, weil man die Massendynamik mit der Linken eben verbindet und dass die Neigungen eher deutschnational sind.
Speaker A
Kronprinz Wilhelm will bei der bevorstehenden Wahl des [Musik] Reichspräsidenten kandidieren. Hitler soll sein Reichskanzler werden.
Speaker A
Wilhelm der Zweite geht dazwischen. Wenn du diesen Posten übernimmst, so musst du den Eid auf die Republik schwören. Tust du das, [Musik] so bist du für mich erledigt. Ich enterbe dich und schließe dich aus meinem Hause aus.
Speaker A
Die Hohenzollern sahen sich halt als rechtmäßige Inhaber des Throns. Man hat eigentlich versucht, auf verschiedenen Ebenen die Bewegung, von denen man sich irgendwann eine Restauration der Monarchie erhoffte, zu kultivieren. Und das Ganze steht ja eigentlich eher auch für die Zerrissenheit, würde ich sagen,
Speaker A
der nationalkonservativen Kreise in der Weimarer Republik. Der Kronprinz gehorcht. Nach seinem [Musik] Rückzug überredet das Umfeld Paul von Hindenburgs den 84-jährigen Feldmarschall, [Musik] doch noch einmal zu kandidieren. Der alte Herr erfreut sich ungebrochener Beliebtheit bei [Musik] den Deutschen und pflegt sein
Speaker A
Bild als Großvater der Nation. Ich erkläre Ihnen daher mein Einverständnis dazu, dass mein Name auf dem von Ihnen vorbereiteten Wahlvorschlag für die Reichspräsidentenwahl gesetzt wird und ich hoffe, so mit meiner letzten Kraft dem dienen zu können, was mir in
Speaker A
meinem langen Leben stets hoch und heilig war, dem Vaterlande. Eigentlich wollte er sowieso nur antreten, wenn seine Amtszeit einfach verlängert wird. Also er wollte sich eigentlich überhaupt keinem Wahlkampf aussetzen. Weil Wahlkampf immer auch Parteienstreit bedeutete und Parteienstreit, der zur Demokratie
Speaker A
dazugehört, war ihm zuwider. Also er wollte eigentlich per Akklamation sozusagen aufgefordert werden, auf seinem Posten zu bleiben.
Speaker A
Hitler will selbst für das höchste Amt im Staat [Musik] kandidieren. Die SPD stellt keinen eigenen Kandidaten auf. Gemeinsam mit den letzten republiktreuen Kräften wirbt sie dafür, Hitler zu verhindern.
Speaker A
Ausgerechnet der Demokratieverächter [Musik] Hindenburg wird so zum letzten Bollwerk der Demokraten. Auch Kanzler Brüning stellt sich hinter ihn. Hitler hofft auf die Stimmen von Millionen Enttäuschten, die der Republik nichts mehr zutrauen.
Speaker A
Es gab und das ist das Entscheidende am Wahlkampf 1932 keinen republikanischen Kandidaten auf diesem Wahlzettel. Thälmann stand für die KPD noch drauf, sondern wer die Republik unterstützen wollte, sollte Hindenburg ausgerechnet wählen.
Speaker A
Revolutionsstimmung liegt in der Luft. Die KPD sieht sich im finalen Kampf gegen [Musik] den Kapitalismus.
Speaker A
Auch die Kommunisten sind Feinde der Republik. Doch sie sehen ihren Hauptfeind nicht in den Nationalsozialisten, sondern in der anderen großen Arbeiterpartei, der SPD.
Speaker A
Der Bruderkampf der deutschen Linken wird so einer der Särgnägel [Musik] der ersten deutschen Demokratie.
Speaker A
Die Direktiven der KPD kommen aus Moskau. Dort hat Josef Stalin die Macht an sich gerissen. Seine Maifeier 1932 soll zeigen, wie die glücklichen Völker der Sowjetunion entschlossen den Sozialismus aufbauen. In Wahrheit herrscht vor allem in der Ukraine eine
Speaker A
verheerende Hungersnot, die Millionen das Leben kosten wird. Ganz Europa scheint instabil, von Krisen geschüttelt. Mehr als [Musik] die Hälfte der europäischen Demokratien überstehen die zwei Jahrzehnte nach dem Ersten Weltkrieg nicht. Vor allem in Süd-, Mittel- und Osteuropa werden sie durch
Speaker A
autoritäre oder faschistische Systeme ersetzt. Im deutschen Reichstag wir
Speaker A
Vor einer Parlamentssitzung laufen Reichskanzler Heinrich Brüning und Medienzar Alfred Hugenberg wortlos [musik] an den Kameras vorbei.
Speaker A
Der Einzige, der die Gelegenheit nur zu gern nutzt, mit den wartenden Journalisten zu sprechen, ist der NSDAP-Abgeordnete Joseph Goebbels.
Speaker A
Herr Dr. Goebbels, ein paar Worte ins Mikrofon bitte. Hier, Herr Dr. Goebbels, ein paar Worte sprechen ja?
Speaker A
Wie beurteilen Sie die Lage? Ja, wo wollen Sie denn reinreden? Hier, bitte. Herr Dr. Goebbels.
Speaker A
Ich halte diesen Reichstag für vollkommen überfällig und bin der Überzeugung, dass er aufgelöst werden muss, weil er nicht mehr dem Willen des Volkes entspricht.
Speaker A
In der Reichstagssitzung vom 23. Februar 1932 greift Goebbels die SPD und den von ihr unterstützten Hindenburg frontal an.
Speaker A
Macht sowohl die Sozialdemokraten als auch den Reichspräsidenten verächtlich. Sage mir, wer dich lobt und ich sage dir, wer du bist.
Speaker A
Gelobt von der Berliner Presse, gelobt von der Geister der Saboteure. Der SPD-Abgeordnete Kurt Schumacher hält in seiner ersten und letzten Rede im Reichstag dagegen.
Speaker A
Und wenn wir irgendetwas beim Nationalsozialismus anerkennen, dann ist es die Anerkennung, dass ihm zum ersten Mal in der deutschen Politik die rechtlose Mobilisierung der menschlichen Dummheit gelungen ist.
Speaker A
Hitler ist noch immer nicht deutscher Staatsbürger. Das aber ist Voraussetzung für eine Kandidatur zur Präsidentenwahl.
Speaker A
Nach gescheiterten Versuchen in Thüringen und Bayern öffnet ihm [räuspern] der Freistaat Braunschweig den Weg zur Staatsbürgerschaft.
Speaker A
Das Wahlergebnis vom 13. März 1932: Hindenburg 49,5 %. Hitler etwas mehr als 30, Thälmann 13,2, zwei weitere Kandidaten kommen zusammen auf gut 7 %.
Speaker A
Ein zweiter Wahlgang ist notwendig. Die NSDAP verstärkt noch einmal ihre Wahlkampfanstrengungen. Im Berliner Lustgarten versammeln sich am 4. April Zehntausende Zuhörer.
Speaker A
Hitler gibt sich volksnah, sucht das Bad in der Menge und stilisiert sich zum Retter eines Volkes, das durch andere in Leid und Verzweiflung gestürzt worden sei.
Speaker A
Sie reden nicht von den Zehntausenden, die für Jahr den Gashahn aufdrehen. Nicht, weil es ihnen zu gut geht.
Speaker A
Können uns unterdrücken. Sie können uns meinetwegen töten. Kapitulieren werden wir nicht. 1932 im Wahlkampf um das Amt des Reichspräsidenten unterliegt Hitler Paul von Hindenburg.
Speaker A
Er kann im Grunde gegen diesen Weltkriegshelden nichts ausrichten. Er hat noch nicht das Standing. Er ist bereits eine Marke, das ist wahr, so wird er auch von Göbbels inszeniert. Für dieses Amt des Reichspräsidenten zieht das nicht, er verliert. Das ist für die
Speaker A
Nationalsozialisten wieder einmal eine bittere Niederlage. Und sie merken, dass es gar nicht so einfach ist, bei Wahlen zu bestehen und sich wirklich gegen starke potenzielle Konkurrenten durchzusetzen.
Speaker A
Das Ergebnis des zweiten Wahlgangs [musik] am 10. April 1932 ist eindeutig. Hindenburg bleibt Präsident.
Speaker A
Wenige Tage später muss Hitler einen weiteren Rückschlag einstecken. Die Reichsregierung lässt die SA verbieten.
Speaker A
Hitlers Weggefährte Ernst Röhm [musik] hat die Schlägertruppe zu einer Art Parteiarmee ausgebaut, mit mehreren hunderttausend Männern.
Speaker A
Offiziell ist die SA unbewaffnet. Tatsächlich verfügt sie über illegale Waffenbestände. Otto Braun, der SPD-Ministerpräsident [musik] von Preußen, fürchtet einen Bürgerkrieg.
Speaker A
Dieses absolut stichhaltige Material beweist hinreichend, dass die Nationalsozialisten immer mehr einsehen, dass sie durch Wahlen, also auf gesetzlichem Wege nicht zur Macht kommen können, versuchen wollen, durch ein Meer von Blut, durch einen Bürgerkrieg, in dem Deutsche gegen Deutsche kämpfen müssen, das Heft in die
Speaker A
Hand zu bekommen. Das wäre das Letzte, was unser schwer geprüftes Land noch ertragen könnte.
Speaker A
Wäre gleichbedeutend mit dem Zusammenbruch unserer Wirtschaft, mit Hunger, Not und Tod für große Massen unserer Volksgenossen.
Speaker A
Die liberale Vossische Zeitung veröffentlicht belastendes Material über die SA. Die NSDAP war gewarnt. Sie wusste, dass dieser Schritt kommt. Sie konnte sich vorbereiten, wobei der Schritt zum Verbot aus Sicht einer Demokratie ja nur folgerichtig war. Nun gab es ja die
Speaker A
Demokratie gar nicht mehr, so wie wir sie uns vorstellen für eine Weimarer Republik, aber das Verbot der SA war im Grunde genommen völlig überfällig und hätte sehr viel früher und sehr viel konsequenter umgesetzt werden müssen.
Speaker A
Die SA umgeht das Verbot und wechselt einfach das Hemd. Aufmärsche und öffentliche Auftritte werden bis auf Weiteres in weißen Oberhemden abgehalten.
Speaker A
Der Freistaat Preußen ist das größte Land des Deutschen Reiches. Es reicht von Sigmaringen bis Königsberg.
Speaker A
In der Weimarer Republik wird Preußen fast durchgehend von republiktreuen Parteien regiert und gilt deshalb als Rückgrat der Demokratie. Sehr zum Ärger von Rechtsextremisten und Monarchisten.
Speaker A
Die preußischen Landtagswahlen im April 1932 finden unter starken Polizeischutz statt. Die SA ist offiziell verboten, aber die politische Gewalt von rechts wie von links bleibt weiter präsent.
Speaker A
Die SPD muss eine herbe Niederlage einstecken. Ministerpräsident Braun bleibt aber geschäftsführend im Amt. Wahlsieger ist die NSDAP, die auf fast 37 % kommt.
Speaker A
Doch sie kann keine [musik] Regierung bilden. Goebbels notiert ins Tagebuch: Die Rechte hat neun Mandate zu wenig.
Speaker A
Was nun? Es muss etwas geschehen. Wir müssen Macht bekommen, sonst siegen [musik] wir uns noch tot.
Speaker A
Mitte 1932 sind in Deutschland etwa 5,6 Millionen Menschen arbeitslos. Nahezu jeder dritte Erwerbstätige ist ohne Job.
Speaker A
Das Vertrauen in den Staat und seine Organe [musik] schwindet weiter. Die Künstlerin Käthe Kollwitz schreibt in ihr Tagebuch: Die unsagbare schwere allgemeine Lage, die Not, das Heruntersinken der Menschen in dunkle Not, die politische widerwärtige Verhetzung.
Speaker A
Erschöpften die Menschen vor allem durch die Not des Alltags zunächst einmal, weil sie sagen, ihr Leben gestalten müssen, weil sie leben und überleben müssen. Und sie müssen sich selbst und ihre Familie irgendwie durch die Zeiten bringen. Verdrossen sind sie vielleicht,
Speaker A
unglücklich sind sie bestimmt. Ähm, aber viele setzen auch auf eine völlige Erneuerung Deutschlands. Am 30. Mai 1932 entzieht Reichspräsident Hindenburg Kanzler Heinrich Brüning sein Vertrauen und macht den konservativen Franz von Papen zum Nachfolger.
Speaker A
Das Parlament wird nicht gefragt. Hindenburg war, nachdem man ihn zum Präsidenten gewählt hatte, schwer enttäuscht darüber, dass ihn die Linke oder die, die er für die Linke hielt, gewählt hatten. Das wollte er korrigieren, vor sich selber, vor der
Speaker A
Öffentlichkeit und vor der Geschichte dieses Bild. Er war wirklich enttäuscht darüber. Und er hat Franz von Papen zum Kanzler gemacht, als einen, mit dem er gut klar kam, als einen, der alle kannte, als einen, der seit Jahren Netzwerk-Arbeit
Speaker A
in republikfeindlichen Kreisen betrieb. Nicht als Parteimann, sondern als Deutscher bin ich seinem Rufe gefolgt.
Speaker A
Gemeinsam mit einer Gruppe parteiloser Minister bildet Franz von Papen [musik] das sogenannte Kabinett der Barone.
Speaker A
Ohne demokratische Legitimation [musik] sollen sie dafür sorgen, dass aus Deutschland dauerhaft ein autoritär geführter, präsidialer Staat wird.
Speaker A
Zwei Wochen nach seinem Amtsantritt reist der neue Kanzler nach Lausanne, [musik] um weitere Erleichterungen in der Reparationsfrage zu erreichen.
Speaker A
Tatsächlich werden angesichts der Krise in Deutschland [musik] die Reparationen auf eine Restzahlung von 3 Milliarden Goldmark reduziert.
Speaker A
Er war anfangs sehr erfolgreich. Er wollte die Republik zerstören, das hat er geschafft, und zwar relativ zügig. Eine seiner ersten Amtshandlungen ist ja dann, dass er die SA wieder zulässt. Und dann gibt es wirklich so etwas wie bürgerkriegsähnliche Zustände auf den
Speaker A
Straßen. 17. Juli 1932. 7000 SA-Männer marschieren durch das kommunistisch geprägte Altona. Schüsse fallen. Am Ende sind 18 Menschen tot. Die meisten werden von Polizeikugeln getroffen.
Speaker A
Kanzler Papen nutzt das Blutbad als Vorwand, die preußische Regierung unter SPD-Mann Otto Braun abzusetzen.
Speaker A
Die stärkste Bastion der Demokratie [musik] wird geschleift. Man entscheidet sich eben dafür, quasi über die Reichsregierung, über Notstandsrecht, die preußische Regierung abzusetzen. Und das Land Preußen unter Reichsverwaltung zu stellen.
Speaker A
Das ist ein Putsch, das ist ein Staatsstreich. In diesem Moment ist Preußen als sozialdemokratischer Einflussbereich und als Garantie gewissermaßen überhaupt der Weimarer Demokratie ausgeschaltet. Und davon profitieren werden auch wieder die Nationalsozialisten. Der Altonaer Blutsonntag hat diesen Staatsstreich nicht gerechtfertigt, der da
Speaker A
stattgefunden hat. Der Sinn war tatsächlich die endgültige Ausschaltung der Sozialdemokratie. In diesen Sommertagen 1932 dreht Wilfried Basse für seinen Film Deutschland zwischen gestern und heute Szenen, die an die goldenen Zwanziger [musik] erinnern.
Speaker A
Doch das politische Drama nimmt kein Ende. Hindenburg löst erneut den Reichstag auf. Wieder stehen Wahlen an.
Speaker A
Die Weimarer Wähler haben relativ eifrig gewählt, die ganze Zeit in der Weimarer Republik. Sie mögen den demokratischen Parteien nicht mehr geglaubt haben, dass die ihre Probleme lösen oder so. Und sie mögen vielleicht auch an diese Republik nicht mehr geglaubt haben, aber sie
Speaker A
haben nicht daran geglaubt, dass sie plötzlich nicht mehr wählen sollten oder dass ihre politischen Rechte eingeschränkt werden sollten. Also, wir haben eine Wahl Schnitt für Reichstagswahlen bei 75 % Politische Informationen entnehmen die Deutschen damals vor allem Zeitungen. Es
Speaker A
gibt linke Arbeiterzeitungen, kirchliche Blätter und Parteiorgane wie den Völkischen Beobachter der NSDAP. [musik] Größte Mediengruppe ist der Hugenberg-Konzern mit Agenturen, Zeitungen und Filmen.
Speaker A
Und ganz wesentlich sind natürlich Besitzer von Zeitungen und anderen Massenkommunikationsmitteln. Das ist [musik] der Grund, wieso Alfred Hugenberg, der wohl wichtigste [musik] Medienzar der Zwischenkriegszeit in Deutschland, wieso er all seine Mittel einsetzt, um diese Demokratie zu zerstören mit der
Speaker A
Macht seines Medienkonzerns. Aber er ist, wie so häufig in solchen Fällen, er [musik] ist im Zerstören viel besser als im Kreieren etwas Positiven.
Speaker A
Hugenberg's Mediengruppe erreicht große Teile der Bevölkerung und macht Stimmung gegen die Demokratie. Noch extremer sind die Manipulationsstrategien der Nazis. Hitler und Goebbels setzen auf Lüge und Hass.
Speaker A
Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse [musik] ist nur sehr beschränkt. Jede wirkungsvolle Propaganda hat sich auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig so [musik] lange zu verwerten, bis auch bestimmt der Letzte das Gewollte sich vorzustellen vermag.
Speaker A
Goebbels versucht, das so modern wie möglich zu machen. Sie versuchen auch eine sehr spezifische Ansprache der Zielgruppen, also für Frauen, für Studenten, für Arbeiter, äh für Beamte. Das Hauptmittel ist aber Massierung.
Speaker A
Das geht soweit, dass Josef Goebbels ein Flugzeug engagiert und im Wahlkampf 1932 Hitler einfliegen lässt. Also, diese Deutschlandflüge, Hitler über Deutschland, unten das Land von Not und Elend geschüttelt, äh [musik] verzweifelte Menschen und dann kommt das Flugzeug herbei und wer steigt aus? Der
Speaker A
Retter, der Erlöser, der Messias. Diese Modernität des Wahlkampfes führt dazu, dass Hitler, naja, für damalige Verhältnisse fast omnipräsent ist. Heute hier, dann fliegt er wieder am Nachmittag dahin, ist abends schon wieder am dritten Ort. Das ist natürlich eine Präsenz, die die anderen Politiker
Speaker A
mit traditionellen Fortbewegungsmitteln äh so nicht leisten können. Und so wird dieser Wahlkampf von Goebbels effektiver, es werden immer mehr Menschen erreicht, die anders nicht erreicht werden könnten und zwar auch in Regionen, wo sonst berühmte Politiker einfach nicht hinkommen.
Speaker A
Hunderttausende lassen sich bereitwillig von Nazi-Inszenierungen und antidemokratischen Parolen verführen. 40.000 Anhänger erwarten Hitler allein in Eberswalde, nordöstlich [musik] von Berlin.
Speaker A
Sie haben da natürlich Parteien gewählt, die mit der Republik nicht mehr viel am Hut hatten. Das hat unter anderem mit der Enttäuschung in die existierenden Parteien zu tun. Das hat aber auch damit zu tun, dass die Nationalsozialisten nicht nur bei der Problemlösung
Speaker A
ähm überzeugend waren, aber auch bei diesem Versprechen einer sehr viel einfacheren Gesellschaft. Die Gegner werfen uns Nationalsozialisten vor, und mir insbesonders, dass wir intolerante, unverträgliche Menschen sein. Wir wollten sagen sie mit anderen Parteien nicht arbeiten.
Speaker A
Und der Nationalpolitiker verschärft das noch, indem er sagt, die Nationalsozialisten sind überhaupt nicht deutsch, denn sie lehnen die Arbeit mit anderen Parteien ab.
Speaker A
Also ist es typisch deutsch, 30 Parteien zu besitzen. Ich habe hier eines zu erklären. Die Herren haben ganz recht.
Speaker A
Wir sind intolerant. Ich habe mir ein Ziel gestellt, nämlich die 30 Parteien aus Deutschland herauszufegen.
Speaker A
Am 31. Juli ist Wahltag. Die britische Wochenschau berichtet. Der letzte Schliff von Adolf Hitlers energischer Wahlkampagne war die Abgabe seiner Stimme. Hier sehen Sie den NS-Führer, wie er die Wahlkabine betritt, beobachtet von einer kleinen, aber begeisterten Menschenmenge. Ebenso
Speaker A
besucht hier von Papen, der deutsche Reichskanzler, die Wahlurne. Beim Betreten passiert er eine Reihe von Wahlplakaten. Er erklärt sich bereit, Movietone ein paar Worte zur wirtschaftlichen Lage zu sagen.
Speaker A
Am 31. Juli 1932 [musik] wird die NSDAP mit 37,3 % stärkste Kraft im Reichstag.
Speaker A
Mehr als 13,7 Millionen Deutsche entscheiden sich für Hitler. Besonders hoch sind erneut die Ergebnisse in ländlichen [musik] und protestantischen Regionen.
Speaker A
Dieses Ergebnis führte natürlich zu Bestürzung, gerade bei denjenigen, die von den Nazis als Feinde bezeichnet wurden. Wenn wir schauen, viele jüdische Deutsche schrieben jetzt in ihre Tagebücher, um Gottes Willen, was soll jetzt kommen? Ist das der Schritt in die Katastrophe?
Speaker A
Sozialdemokraten waren entsetzt. Die Kommunisten sahen sich sagen nur noch bestätigt. Die NSDAP konnte in dem Moment vor Kraft kaum gehen. Das war nun wirklich eine Stunde des Erfolgs.
Speaker A
230 NSDAP-Abgeordnete ziehen in den Reichstag ein. Hitlers Vertrauter Hermann Göring wird Reichstagspräsident. Göbbels schreibt ins Tagebuch: "Nun geht es an den Ausbau unserer Stellungen. Wir müssen an die Macht und regieren, zeigen, was wir können. Nur nicht zu bescheiden sein. Entweder
Speaker A
schärfste Opposition oder die Macht. Tolerieren macht tot. Das ist auch Hitlers Meinung." Reichspräsident Hindenburg aber vertraut den Nazis nicht. Und deren Führer schon gar nicht. Vier Regierungsposten bietet Kanzler Papen der [musik] NSDAP an.
Speaker A
Hitler lehnt ab. Hindenburg ist empört über den böhmischen Gefreiten, wie er ihn nennt, weil er dessen Geburtsort Braunau am Inn mit Braunau in Böhmen verwechselt.
Speaker A
Der alte Feldmarschall sieht im Parteichef der NSDAP einen überschätzten [musik] Emporkömmling mit schlechten Manieren.
Speaker A
Hitler hat eine Maximalstrategie verfolgt danach dem Juli 32 als die Nazis dann ja stärkste Kraft waren und hat verlangt dass er zum Kanzler gemacht wird und da hat sich Hindenburg eben dagegen ausgesprochen Hitler ist halt zu forsch aufgetreten hat zu viele
Speaker A
Bedingungen gestellt und hat so die Autorität angegriffen untergraben und das hat ihm nicht gepasst.
Speaker A
September 1932 in Berlin kommen gut 150.000 Mitglieder des Stahlhelm auf dem Tempelhofer Feld zusammen am Reichsfront Soldatentag leisten sie einen öffentlichen Treueschwur auf die Regierung Papen noch ohne die Unterstützung der Nazis im Reichstag [musik] ist die Regierung handlungsunfähig
Speaker A
Hindenburg ordnet die erneute Auflösung des Reichstags an im November soll schon wieder gewählt werden ein Nazi Werbeblatt zeigt die Stempelkarte eines Arbeitslosen stürzt das System lautet die Parole Göbbels setzt auch auf moderne Technik und nutzt den neuen Tonfilm um in Kinos
Speaker A
direkt zu den Wählern zu sprechen wir glauben daran dass das Volk nur insgesamt wieder zusammen Ballung all deiner Kräfte die Not überwinden das Unglück wenden kann und darum appellieren wir an das Volk Bauern Arbeiter Bürger und Soldaten marschieren heute hinter den Bahnen
Speaker A
Adolf Hitlers ein ganzes Volk legt das feierliche Gelöbnis ab bis hierher und nicht weiter ein ganzes Volk ist entschlossen, das System zu brechen.
Speaker A
Ein ganzes Volk will weg mit den Männern des Systems und weg mit den furchtbaren Folgen ihrer Politik.
Speaker A
Am 3. November, drei Tage vor den erneuten Reichstagswahlen, demonstrieren die Demokratiefeinde von rechts und links, wie weit sie zu gehen bereit sind, um die Republik zu stürzen.
Speaker A
Tagelang legen Kommunisten und Nazis gemeinsam die öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin lahm. Bei einer Kundgebung sind KPD-Funktionär Walter Ulbricht und Goebbels nebeneinander auf der Rednertribüne zu sehen. Goebbels schreibt ins Tagebuch: "Die ganze Presse schimpft toll auf uns.
Speaker A
Sie nennt das Bolschewismus und dabei bleibt uns gar nichts anderes übrig. Viele bürgerliche Kreise werden durch unsere Teilnahme am Streik abgeschreckt." Es gibt da unterschiedliche Stadtteile, in denen die aktiv werden. Das war aber damals angesichts der verbreiteten Furcht vor einem bolschewistischen
Speaker A
Aufstand äh ein ungeheurer beunruhigender Faktor, gerade für viele äh, die sich selbst für bürgerlich hielten und mit den Nationalsozialisten liebäugelten.
Speaker A
Diese revolutionäre im Phase, auch dieses betont antikapitalistische, was die Nationalsozialisten immer wieder herausstrichen, "Oh, die gehen doch in Richtung Bolschewismus", war dann äh äh der Eindruck, den manche gewonnen haben.
Speaker A
Um die Stimmen möglichst vieler Arbeiter zu gewinnen, nehmen die Nazis den Verlust konservativer bürgerlicher Wähler [musik] in Kauf.
Speaker A
Die Strategie [musik] kostet mehr als sie einbringt. Gut 4 % weniger wählen die NSDAP, die dennoch stärkste [musik] Kraft bleibt.
Speaker A
Eine realistische Mehrheitsbildung im Reichstag ist auch nach dieser Wahl nicht in Sicht. Während Deutschlands Zukunft ungewiss erscheint, siegen auf der anderen Seite des Atlantiks die Demokraten.
Speaker A
Am 7. November 1932 wird Franklin D. Roosevelt zum 32. Präsidenten der USA gewählt. Der Mann, der in wenigen Jahren Hitlers stärkster Gegner werden wird, ist mit einem großen Versprechen angetreten. Ein New Deal soll die Wirtschaftskrise beseitigen, die auch
Speaker A
die USA seit dem Börsencrash fest im Griff hat. [schreien] Schon als Gouverneur von New York hatte Roosevelt erfolgreiche Reformen eingeleitet.
Speaker A
Ein Hoffnungsträger, der von vielen enttäuschten Amerikanern [musik] herbeigesehnt wird. Der Kontrast zwischen Roosevelt und Hitlers [musik] 1932 ist ein sehr interessanter.
Speaker A
Da es sowohl Parallelen als auch ganz wesentliche Unterschiede gibt. Es ist sowohl damals in Deutschland bei den Nazis als auch bei den bei Roosevelt ein Glauben an einen starken Staat, der die Krise meistern kann durch staatlichen Eingriff. Aber wo
Speaker A
der Unterschied liegt, ist natürlich in der Art des staatlichen Eingriffs. Innerhalb von Demokratie, die Nationalsozialisten stellen sich als die eigentlichen Demokraten dar, als diejenigen, die wirklich den Volkswillen durchsetzen werden.
Speaker A
In Deutschland dreht der Amateurfilmer Wilfried Basse Bilder des [musik] Elends. Die Krise hat ganze Stadtviertel fest im Griff. Fünfeinhalb Millionen sind arbeitslos.
Speaker A
Ende 1932, als sich die Situation in Deutschland immer mehr verschärfte, die wirtschaftliche Situation, die Arbeitslosenzahlen immer weiter nach oben gingen, gab es vielfältige Kreise, die den Hindenburg bearbeiteten, daraufhin eine Regierung Hitler zuzulassen. Das waren Industriekreise, aber auch in der Landwirtschaft und auch
Speaker A
enge Berater, Franz von Papen beispielsweise, aber auch Oskar von Hindenburg. Das waren wichtige Berater, um einen ja schon gereisen Reichspräsidenten herum, die ihn bearbeiteten, jetzt Hitler zu ernennen.
Speaker A
Und zwar sahen sie Hitler schon lange nicht als Problem, sondern als Lösung. Doch noch will Hindenburg von einer Ernennung Hitlers nichts wissen.
Speaker A
Der Reichspräsident lässt den glücklosen Papen fallen und ernennt seinen langjährigen Vertrauten, Kurt von Schleicher, zum neuen Reichskanzler.
Speaker A
Der altgediente Offizier war Wehrminister im Kabinett Papen und sorgt seit Jahren als graue Eminenz im Hintergrund für Zusammensetzung und Sturz der Präsidialkabinette.
Speaker A
Nun hofft Schleicher, mit einer sogenannten Querfront der Republikfeinde regieren zu können. Auf demokratische Mehrheiten kann er sich nicht stützen, aber immerhin auf Rückhalt in der Reichswehr.
Speaker A
Ich werde meine Kraft daran setzen, dass die Reichswehr dazu befähigt wird, ihre Berufsaufgabe zu erfüllen, Deutschlands Grenzen zu schützen und seine nationale Sicherheit zu gewährleisten.
Speaker A
Kurt von Schleicher hat eigentlich die Strategie verfolgt, diese rechte parlamentarische Mehrheit dadurch auf die Beine zu stellen, dass er die nationalsozialistische Bewegung spaltet.
Speaker A
Und die Sorge war eben, dass wenn man weiter ein Präsidialkabinett hat, ohne parlamentarische Mehrheit, wo die Nazis nicht beteiligt sind, dass die gemeinsam mit den Kommunisten irgendwie in den Bürgerkrieg gegen die Reichswehr ziehen. Und das waren eben genau diese
Speaker A
chaotischen Zustände mit dem Straßenkampf, die Hindenburg überhaupt nicht wollte. Schleicher hofft vergeblich, Hitlers innerparteilichen Rivalen Gregor Strasser zur Kooperation bewegen zu können. Doch die Nazis [musik] wollen die ganze Macht für sich.
Speaker A
Gregor Strasser wollte auch, dass die NSDAP an die Macht kommt, aber er hatte die Vorstellung, dass man vielleicht in eine Koalitionsregierung gehen könne.
Speaker A
Und es kommt zu Absprachen mit Kurt von Schleicher, dem Reichskanzler. Das ist etwas, was Hitler ihm nie vergeben hat. Denn für Hitler und seine Unterstützer war klar, wir wollen eine Führerpartei, wir wollen einen Führerstaat, und da kann es nur einen geben. Und auf gar
Speaker A
keinen Fall gehen wir in eine Koalition und machen Kompromisse. Hinter den Kulissen [musik] konspiriert Reichstagspräsident Göring mit Franz von Papen. Der sieht den [musik] Zeitpunkt gekommen, sich für seinen eigenen Sturz an Schleicher zu rächen. Gemeinsam betreiben sie dessen Absetzung. [musik]
Speaker A
Hitler, der Führer der stärksten Fraktion im Reichstag, soll jetzt doch Kanzler werden. Papen [räuspern] glaubt, [musik] er könne die Nazis für seine eigenen Ambitionen benutzen. Hitler soll von seinen Gnaden Regierungschef werden.
Speaker A
Kontrolliert von Konservativen, [musik] wie dem Medienmogul Alfred Hugenberg. Hitler akzeptiert [musik] Papens Bedingungen. Den Posten des Reichskanzlers und zwei weitere Ministerposten [musik] für seine Partei. Wilhelm Frick soll Innenminister und Göring Minister ohne Geschäftsbereich werden. Am Nachmittag des 28. Januar [musik]
Speaker A
tritt Kurt von Schleicher zurück. Tags darauf meldet Göring: Alles perfekt. Am 30. Januar 1933 um 11:00 Uhr verlässt Hitler das Hotel Kaiserhof und fährt zu Hindenburg, um die Ernennung zum Reichskanzler entgegenzunehmen.
Speaker A
Die NS-Propaganda wird diese Ernennung später zur Machtergreifung umdeuten. Also inwiefern wurde die NSDAP gewählt bzw. hat sie die Macht ergriffen? Das ist eine klassische Frage. Sie waren die stärkste Partei ab Juli '32, haben aber dann im November ja
Speaker A
einige Millionen Stimmen verloren, waren immer noch stärkste Partei, aber schienen auf dem absteigenden Ast zu sein. Und wenn es jetzt um den Erhalt der Republik ging, kann man natürlich das Argument machen zu sagen, in dieser Situation sollte man dann alles dafür
Speaker A
tun, diesen Abwärtstrend eher zu verstärken und nicht genau in dem Moment dann Hitler zum Kanzler zu machen. Aber das war wahrscheinlich genau das, was es letztendlich ermöglicht hat. Also, die Vorstellung, die werden eigentlich gerade schwächer und jetzt können wir
Speaker A
sie doch einbinden mit nur ein ganz paar Kabinettsposten. Papen glaubt, die Nazis in Schach halten zu können. Einem, der ihn warnt, er habe sich in Hitlers Hände begeben, entgegnet er: Sie irren sich. Wir haben ihn uns engagiert.
Speaker A
Eine Illusion mit verheerenden Folgen. Hitler will die ganze Macht und aus Deutschland eine Diktatur machen.
Speaker A
Das erste Kabinett Hitler schien ja zunächst einmal eine Präsidialregierung, ein Präsidialkabinett zu sein, wie alle anderen auch.
Speaker A
Viele dachten auch 1933, dass sich das bald erledigt haben würde, dass auch er nicht lange an der Regierung bleiben würde.
Speaker A
Für viele war nicht absehbar, was jetzt passieren würde, obwohl es auch viele gab, die das erkannten.
Speaker A
Am Abend lässt Göbbels die SA durch Berlin marschieren. Der französische Botschafter beschreibt die Szene so: Diese Fackeln bilden einen einzigen Feuerstrom und die [musik] Wellen dieses Stroms treffen mit großer Wucht auf das Herz der Hauptstadt.
Speaker A
Die Journalistin Bella Fromm notiert: Ein Meer von Braun, eine Nacht des Schreckens, ein Ungeheuer in Gestalt von 20.000 Fackeln.
Speaker A
Papen hat angeblich gesagt, er wollte mich gleich in die Ecke drücken, bis er quietscht.
Speaker A
Aber er hat ihm nicht mal die Ecke gezeigt, in die er ihn hätte drücken können oder wollen. Hindenburg sah, dass ihm die Zeit davon läuft, weil er älter wurde. Und er wollte irgendwie sein politisches Lebenswerk mit einer [musik]
Speaker A
Regierung der nationalen Einigung und Einigkeit krönen. Hitler hat ihn in Gesprächen davon überzeugen können, dass er der richtige Mann dafür sei. Also, Hindenburg fasste Vertrauen, hat Hitler auch mehr zugestanden als allen anderen vorherigen Kanzlern.
Speaker A
Trotz der Gewalt dieser Jahre, trotz der offenen Bekenntnisse zu Unrecht und zu Gewalt, haben viele noch gesagt, na ja, das wird nicht so schlimm werden. Das ist erstmal eine stabile kulturelle Fehlleistung, die man sich erlauben muss. Also, es gibt keine guten Gründe,
Speaker A
zu glauben, das wird schon nicht so schlimm. Ähm, das Gegenteil war zu erwarten und genau das Gegenteil ist dann ja auch eingetreten.
Speaker A
Der Schriftsteller Klaus Mann schreibt: [musik] Eine Nation, die sich sonst viel auf ihre Dichter und Denker zugute getan hatte, [musik] akzeptierte eine Wanze als Mann des Schicksals. Die Deutschen, ich verstand sie nicht. [musik]
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