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Queer Theory ist Kulturmarxismus

Das Video erklärt Queer Theory als aktivistische Politik, die Normalität und gesellschaftliche Normen radikal hinterfragt und mit Marxismus verbunden wird.

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Key Takeaways

  • Queer ist eine politische Position, keine angeborene Identität.
  • Queer Theory basiert auf der radikalen Infragestellung gesellschaftlicher Normen und Kategorien.
  • Die Bewegung unterscheidet sich fundamental von liberalen Bürgerrechtsbewegungen.
  • Queer Theory ist eng mit feministischer und postmoderner Philosophie sowie marxistischen Ideen verbunden.
  • Das Ziel ist nicht Integration in bestehende Normen, sondern deren Dekonstruktion und Überwindung.

What the video covers

  • Queer ist keine angeborene Identität, sondern eine aktivistische Politik, die sich gegen gesellschaftliche Normen richtet.
  • Der Begriff queer wurde historisch mehrfach umgedeutet: von Schimpfwort über positive Selbstbezeichnung bis hin zur heutigen queer-theoretischen Bedeutung.
  • Queer Theory unterscheidet sich grundlegend von homosexuellen Identitäten, da queer keine positive Wahrheit oder stabile Realität benötigt.
  • Queer ist eine oppositionelle Positionalität gegenüber dem Normalen, Legitimierten und Dominanten, insbesondere Heterosexualität und Cisnormativität.
  • Die Queer Theory baut auf feministischen und postmodernen Philosophien auf, insbesondere auf Simone de Beauvoirs Unterscheidung von biologischem und sozialem Geschlecht.
  • Judith Butler radikalisierte Beauvoirs Ansatz und verband ihn mit Foucaults Machttheorie, um Geschlechterrollen als gesellschaftliche Konstrukte zu dekonstruieren.
  • Queer Theory zielt darauf ab, die bestehende Ordnung und Kategorien wie Mann/Frau oder hetero/homosexuell aufzulösen und gesellschaftliche Normen zu bekämpfen.
  • Das Video stellt Queer Theory als neomarxistischen Kult dar, der die gesellschaftliche Normalität als Problem definiert und revolutionäre Veränderungen fordert.
  • Die Verbindung von Queer Theory mit Marxismus wird erläutert, insbesondere wie Bewusstsein und gesellschaftliche Strukturen transformiert werden sollen.
  • Queer Theory wird als radikale politische Bewegung beschrieben, die nicht nur Rechte fordert, sondern die gesamte gesellschaftliche Ordnung infrage stellt.

Answers

Questions about this video

Was bedeutet Queer Theory laut diesem Video?

Queer Theory ist eine aktivistische Politik, die gesellschaftliche Normen und Kategorien wie Geschlecht und Sexualität radikal hinterfragt und dekonstruiert.

Wie unterscheidet sich Queer Theory von der klassischen Lesben- und Schwulenbewegung?

Während die klassische Bewegung auf Integration und Akzeptanz innerhalb der bestehenden Ordnung abzielt, will Queer Theory die Ordnung selbst infrage stellen und auflösen.

Welche philosophischen Grundlagen hat die Queer Theory?

Queer Theory baut auf Simone de Beauvoirs Unterscheidung von biologischem und sozialem Geschlecht sowie Judith Butlers radikaler Weiterentwicklung und Foucaults Machttheorie auf.

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Speaker A
Queer ist keine Identität. Niemand wird queer geboren, sondern queer ist eine aktivistische Politik, die mit homosexuellen Menschen absolut nichts zu tun hat und sogar deren Akzeptanz diametral entgegensteht. Und das denke ich mir nicht etwa aus, [Musik] das sagen ihre Vertreter selbst. Und
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Speaker A
trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, herrscht heute über kaum ein Thema so viel Verwirrung wie über die Queer-Vivi. [Musik] Daher geht es in diesem Video darum, einmal wirklich zu verstehen, was Queer-Vivi im Kern eigentlich ist, [Musik] welche Ziele sie verfolgt und
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Speaker A
vor allem, warum wir es hier mit einem neomarxistischen Kult zu tun haben. [Musik] Denn nur wenn wir verstehen, dass das, was heute in Verbindung mit Gender und Sexualität passiert, Marxismus in einem neuen Gewand ist, dann können wir dieses politische
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Speaker A
Konstrukt richtig angehen und auch final stoppen. Und damit hallo und herzlich willkommen im Literaturcafé.
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Speaker A
Die Verwirrung darüber, was queer überhaupt bedeutet, entsteht schon allein deshalb, weil [Musik] der Begriff im Laufe der Zeit dreimal umgedeutet wurde. Ursprünglich bedeutete das englische Wort queer [Musik] sowas wie seltsam oder merkwürdig und wurde über Jahrzehnte als Schimpfwort [Musik] gegen
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Speaker A
Homosexuelle verwendet. Später im Zuge der liberalen Lesben- und Schwulenbewegung eigneten [Musik] sich Bürgerrechtler den Begriff jedoch wieder an und machten aus dem Schimpfwort dann eine positive Selbstbezeichnung. Und eben in jenem Kontext verstehen auch viele, bzw. wohl auch die allermeisten
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Speaker A
Menschen queer umgangssprachlich als eben jenen relativ harmlosen Sammelbegriff für alle, die nicht heterosexuell sind.
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Speaker A
Doch dann kommt eben diese dritte Ebene, diese dritte Bedeutung hinzu. Denn heute hat die Queer-Vivi gewissermaßen diese begriffliche Dominanz gekapert und die hat wiederum eine völlig neue Bedeutung von queer, die heute die queere Pädagogik an unseren Schulen sowie die
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Speaker A
queere Politik bestimmt. Doch, was ist jetzt diese ominöse Queer Theory eigentlich? Also, als akademische Disziplin hat sie ihre Wurzeln in feministischen und auch postmodernen Philosophien. Der Begriff selbst wurde zwar zuerst von Teresa de Lauretis geprägt, doch die am wohl häufigsten
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Speaker A
zitierte Standarddefinition innerhalb der Queer Theory, also gewissermaßen das Manifest dessen, was queer eigentlich ist, lieferte dann der Queer-Theoretiker David Halperin 1995 in seinem Werk Saint Foucault, Towards a Gay Hagiography.
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Speaker A
Und sehr interessant sind hier bereits die allerersten drei Worte des relevanten Absatzes. Die lauten nämlich in Großbuchstaben geschrieben "Unlike gay identity", also auf Deutsch im Gegensatz zur schwulen Identität. Also, schon von Beginn an legt Halperin großen Wert darauf, deutlich zu machen, wir
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Speaker A
haben es hier mit zwei verschiedenen Sachen zu tun. Er schreibt: "Im Gegensatz zu schwuler Identität, die, obwohl sie in einem Akt der Affirmation bewusst proklamiert wird, dennoch in der positiven Tatsache der homosexuellen Objektwahl verwurzelt ist, muss queere Identität nicht in irgendeiner positiven
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Speaker A
Wahrheit oder in irgendeiner stabilen Realität verankert sein." Also, was Halperin hier sagt, ist, dass der entscheidende Unterschied zwischen homosexuellen Identitäten darin liegt, dass diese eine positive Tatsache haben, also, dass sie in einer positiven Tatsache gegründet sind. Und positiv bedeutet in diesem Zusammenhang
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Speaker A
jetzt nicht etwa positiv im moralischen Sinne, also etwa, dass etwas gut oder schlecht ist, sondern dass etwas tatsächlich vorhanden ist.
03:46
Speaker A
Das, ähm, etwas also eine konkrete Realität besitzt, z. B., dass ja ein Mann sich real zu einem anderen Mann hingezogen fühlt oder eine Frau zu einer anderen Frau.
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Speaker A
Also es ist eine Realität gegründet. Und genau [schnauben] diese positive Tatsache, die kontrastiert dann Halperin nun mit der queeren Identität, die eben auf keinerlei positiven Wahrheit basieren muss. Also es gibt nichts Bestimmtes in der Natur, worauf sich queer bezieht, sondern es ist eine
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Speaker A
Position. Es ist eine Position, die immer in einem reinen Abhängigkeitsverhältnis zu etwas Anderem steht. Und was dieses Andere ist, also wozu man sich hier eigentlich in Beziehung setzt, das erklärt er dann direkt im Folgenden.
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Speaker A
Wie das Wort selbst andeutet, bezeichnet queer keine natürliche Art oder verweist auf ein bestimmtes Objekt. Es gewinnt seine Bedeutung aus seiner oppositionellen Beziehung zur Norm. Queer ist per Definition alles, was im Widerspruch zu dem Normalen, dem Legitimierten, dem Dominanten steht. Es
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Speaker A
gibt nichts Bestimmtes, worauf es sich notwendigerweise bezieht. Es ist eine Identität ohne Essenz. [schnauben] Queer bezeichnet demnach keine Positivität, sondern eine Positionalität gegenüber dem Normativen. Eine Positionalität, die sich nicht auf Lesben oder Schwule beschränkt, sondern tatsächlich jedem offen steht, der
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Speaker A
aufgrund seiner sexuellen Praktiken marginalisiert ist oder sich so fühlt. Und das ist jetzt wirklich ein entscheidender Punkt. Also queer ist eine Identität ohne Essenz und bezeichnet eine Positionalität. Also eine Positionalität, die sich per Definition oppositionell gegen das Normale, gegen
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Speaker A
das Legitime und gegen das Dominante richtet. Also eben vor allem heutzutage eben, was dominant ist, was normal ist, und das ist halt in dem Kontext Heterosexualität und Cisnormativität. Es ist vielmehr eben ein Akt, eine Tätigkeit als ein Sein. Genauer gesagt,
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Speaker A
das ist ein Akt der Negation, weil es aus sich heraus gar nicht sagen kann, was es eigentlich ist. Es gibt kein Queer in einem luftleeren Raum, sondern Queer kann immer nur sagen, was es nicht ist bzw. eben, wogegen es gerichtet ist,
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Speaker A
und je nachdem, was in einer Gesellschaft eben das Normale ist, was das Legitimierte ist, so definiert sich Queer immer in Bezug darauf und darauf in radikaler Opposition, ähm, radikale Opposition.
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Speaker A
Und hier sieht man auch eben den fundamentalen Unterschied im Vergleich zur liberalen Bürgerrechtsbewegung, denn während etwa die klassische Lesben- und Schwulenbewegung dafür kämpfte, dass ja Homosexuelle einfach in den Kreis der Normalität aufgenommen werden und innerhalb der bestehenden Ordnung
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Speaker A
dieselben Rechte und auch dieselbe Akzeptanz erfahren, ähm, geht es Queer fundamental um etwas anderes, denn ihr geht es darum, die bestehende Ordnung selbst in Frage zu stellen und diese zu bekämpfen. Also Kategorien wie homosexuell, heterosexuell oder auch
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Speaker A
fundamentale Kategorien wie Mann oder Frau grundsätzlich sollen aufgelöst und dekonstruiert werden. Also es geht wirklich um die Vorstellung der Normalität selbst. Und das ist, glaube ich, wirklich an dieser Stelle die absolut wichtigste Erkenntnis. Also Queer ist eben in diesem theoretischen
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Speaker A
Verständnis per Definition gegen Normalität und gegen gesellschaftliche Normen gerichtet. Stellt sich natürlich auch die Frage, ähm, wie kommt man überhaupt darauf, dass man Normalität selbst zum Problem erklärt? Und dafür müssen wir uns erstmal anschauen, wo denn dieses Denken philosophisch gesehen
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Speaker A
erstmal herkommt. Die Feministin Simone de Beauvoir war diejenige, die mit ihrem Satz "Man wird nicht als Frau geboren, man wird es" in die Philosophiegeschichte eingegangen ist und damit einen entscheidenden theoretischen Baustein für die spätere Queer Theory lieferte.
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Speaker A
Denn Beauvoir machte die fundamentale Trennung zwischen dem biologischen Geschlecht und dem sozialen Geschlecht, also Gender, und argumentierte, dass dieses gesellschaftlich konstruiert werde. Das heißt, nur weil man etwa als Frau geboren wird, folgt daraus für Beauvoir nicht automatisch, dass man
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Speaker A
aufgrund seines Geschlechts bestimmte weibliche Verhaltensweisen haben muss. Diese seien ausschließlich auf Geschlechterrollen und gesellschaftliche Erwartungen zurückzuführen. Und genau das war der theoretische Baustein, auf dem Jahrzehnte später die Schlüsselperson der Queer Theory, nämlich Judith Butler, aufbaute. Butler übernahm Beauvoirs Ansatz,
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Speaker A
radikalisierte ihn jedoch, indem sie ihn vor allem mit der postmodernistischen Machttheorie von Michel Foucault verknüpfte. Und
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Speaker A
biologische Geschlecht selbst, bzw. unsere gesellschaftliche Einteilung und Wahrnehmung davon, durch gesellschaftliche Machtverhältnisse hervorgebracht werden.
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Speaker A
body, it's not a fact. Und jetzt könnte man natürlich auch sagen, was haben Beauvoir, Foucault und Butler eigentlich miteinander zu tun?
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Speaker A
Das sind ja erstmal drei völlig unterschiedliche Intellektuelle aus unterschiedlichen philosophischen Traditionen. Aber genau hier wird es eben auch interessant, denn so unterschiedlich diese drei Intellektuellen waren, sie alle teilen im Grunde ein tiefer liegendes philosophisches Rahmenwerk, nämlich sie bauen ihre Ideen zu Geschlecht, Gender
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Speaker A
und sexuelle Identität auf dem marxistischen Betriebssystem auf. Und damit meine ich jetzt natürlich nicht, dass diese drei Intellektuellen einfach klassisch orthodoxe Marxisten waren, nämlich das waren sie nicht, sondern es sie übernahmen bzw. transformieren in die Hegelsche Dialektik, Marx binäres
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Speaker A
Konfliktmodell von Unterdrücker und gegen Unterdrückte und vor allem Marx fundamentale Ideologiekritik weiter auf eben ihre Theorien zu Geschlecht, Gender und Sexualität. Und genau diese Struktur, nur eben mit teilweise ausgetauschten Variablen, die finden wir dann eben auch später in dem queeren
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Speaker A
Marxismus wieder. Doch bevor es überhaupt Sinn macht, da jetzt tiefer einzusteigen, müssen wir erst einmal einen ziemlich ausführlichen Exkurs zum klassischen Marxismus machen, denn sonst versteht man überhaupt nicht, was hier eigentlich später übernommen wird und auch verändert wird. Und dafür
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Speaker A
müssen wir tatsächlich ganz von vorne anfangen, um zu verstehen, warum es sich beim Marxismus vielmehr um eine säkulare Theologie handelt. Und so kommen wir zu Marx Anthropologie, der Mensch als sein Schöpfer. Die meisten werden beim Marxismus wohl zu allererst an eine
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Speaker A
Wirtschaftstheorie denken. Marx spricht in seinen Kapitalbänden ja auch primär über die kapitalistische Produktionsweise, also darüber, dass der Kapitalismus ungerecht sei, weil er der Bourgeoisie erlaube, den vom Proletariat ja der Arbeit Mehrwert abzuschöpfen.
11:08
Speaker A
Also, wie passt jetzt nun die Bezeichnung des Marxismus als Theologie damit zusammen, wenn Marx ja selbst behauptete, ein rein wissenschaftlicher Materialist zu sein, der die Metaphysik ablehnte? So, um diesen Zusammenhang zu verstehen, muss man den Grund verstehen, warum Marx überhaupt die politische
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Speaker A
Ökonomie kritisierte, denn er tat das auch, aber eben aus einem ganz bestimmten Grund und der ist wirklich der entscheidende, nämlich Marx meinte, dass durch das Privateigentum und die kapitalistische Arbeitsweise die Menschen von ihrem wahren Wesen entfremdet werden. In seinen
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Speaker A
ökonomisch-philosophischen Manuskripten von 1844 schreibt er: "Die entfremdete Arbeit macht also das Gattungswesen des Menschen sowohl die Natur als ist ein geistiges Gattungsvermögen zu einem ihm fremden Wesen, zum Mittel seiner individuellen Existenz. Sie entfremdet die Menschen seinem eigenen Leib, wie die Natur außer
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Speaker A
ihm, wie sein geistiges Wesen, sein menschliches Wesen. Eine unmittelbare Konsequenz davon, dass der Mensch dem Produkt seiner Arbeit, seiner Lebenstätigkeit, seinem Gattungswesen entfremdet ist, ist die Entfremdung des Menschen von dem Menschen.
12:27
Speaker A
Die positive Aufhebung des Privateigentums als menschlicher Selbstentfremdung und daher die reale Aneignung des menschlichen Wesens durch den Menschen und für den Menschen. Kommunismus ist die vollständige Rückkehr des Menschen zu sich selbst als gesellschaftlichen, das heißt menschlichen Wesen. Eine
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Speaker A
Rückkehr, die bewusst vollzogen wird und den gesamten Reichtum der bisherigen Entwicklung umfasst. Kommunismus ist das Rätsel der Geschichte gelöst und er weiß sich als diese Lösung." Also dieses Menschenbild von Marx ist wirklich absolut essentiell für seine gesamte Philosophie und auch vor allem für das,
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Speaker A
was wir später im queeren Marxismus wiederfinden, denn Marx' Anthropologie geht eben davon aus, dass der Mensch ein Gattungswesen ist. Also, was ist jetzt ein Gattungswesen? Bei Marx ist ein Gattungswesen, dass der Mensch sein menschliches Wesen gerade erst durch
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Speaker A
bewusste, durch freie und gesellschaftliche Tätigkeit Arbeit verwirklicht. Das Tier ist unmittelbar eins mit seiner Lebenstätigkeit. Es unterscheidet sich nicht von ihr, es ist sie. Der Mensch macht seine Lebenstätigkeit selbst zum Gegenstand seines Wollens und seines Bewusstseins. Er hat bewusste Tätigkeit.
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Speaker A
Es ist nicht eine Bestimmtheit, mit der er unmittelbar zusammenfließt. Also anders als die Tiere, die einfach passiv an ihre Umgebung andocken und rein instinktiv handeln, zeichnet sich der Mensch für Marx primär erst durch seine freie und bewusste Arbeit aus.
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Speaker A
Also erst durch diese produktive Tätigkeit, erst durch den Akt des Arbeitens verwirklicht der Mensch sein menschliches Wesen, also wird erst dadurch zum Menschen bei Marx.
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Speaker A
Marx vergleicht dann im folgenden Beispiel eine Biene mit einem Baumeister. Eine Biene beschämt durch den Bau ihrer Wachszelle manchen menschlichen Baumeister. Was aber den schlechtesten Baumeister von der besten Biene von vornherein auszeichnet, ist, dass er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor
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Speaker A
er sie in Wachs baut. Also was heißt das jetzt? Also ein Baumeister, der hat ja, bevor er anfängt zu bauen, zuerst einmal eine Vorstellung im Kopf. Sagen wir mal, er will jetzt ein Haus bauen. Da entwirft er dieses
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Speaker A
Haus zunächst in seinem Bewusstsein und er materialisiert diese Vorstellung anschließend, indem er tatsächlich dieses Haus baut. Also er verändert gezielt seine Umgebung. Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt, er verändert nicht nur seine Umgebung, sondern durch diesen Prozess verändert er schließlich auch es sich
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Speaker A
selbst, sein eigenes Bewusstsein. Er verändert sein eigenes Bewusstsein und wenn man das auf eine gesellschaftliche Ebene überträgt, letztlich auch das Bewusstsein der Gesellschaft als Ganzes.
15:19
Speaker A
Mit Bewusstsein meint Marx jetzt nicht einfach nur Bewusstsein im Sinn von, ich bin wach und nehme irgendwas wahr, sondern damit ist die gesamte Art und Weise gemeint, wie ein Mensch denkt.
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Speaker A
Also, wie er die Welt sieht, welche Werte, Moralvorstellungen, welche Ängste er hat. Also, grob gesagt, alles Geistige.
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Speaker A
Und dafür können wir einfach jetzt bei dem Baumeister bleiben, damit es klarer wird. Also, ein Baumeister, der eben in der Steinzeit gelebt hat, der konnte ja keine Hochhäuser bauen, etwa aus Stahl und Glas, weil es einfach faktisch gesehen in seinem in seiner Umwelt weder
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Speaker A
Stahl noch die notwendigen notwendigen Werkzeuge, Produktionsverfahren oder mathematischen Kenntnisse gab. Also, sein Denken entsteht nicht losgelöst von seiner gesellschaftlichen und materiellen Umwelt. Und genau das meint Marx mit seinem berühmten Satz: "Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein
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Speaker A
bestimmt, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt." Also, das heißt, der Mensch ist gleichzeitig Produkt und Produzent seiner gesellschaftlichen Verhältnisse.
16:27
Speaker A
Er schafft also durch eine bewusste Tätigkeit seine gesellschaftliche Umgebung. Diese Umgebung prägt dann wiederum sein Bewusstsein und die darauf folgende Tätigkeit kann dann diese Umgebung wieder erneut verändern. Das ist sozusagen dieser Kreislauf und das absolute Fundament seiner Theorie, bei
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Speaker A
dem der Mensch eben als stark formbar betrachtet wird. Und wenn sich die gesellschaftliche Ordnung, die eben nicht naturgegeben, menschengemacht ist, wenn die sich diese ändert, dann ändert sich auch der Mensch.
16:56
Speaker A
Das ist sozusagen diese Logik dahinter. Dieses Verständnis ist wichtig. Man muss nicht alles im Detail verstanden haben.
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Speaker A
Man könnte auch noch viel tiefer gehen, aber eben darauf aufbauen können wir jetzt die Kritik der politischen Ökonomie von Marx auf ein bestimmtes Grundgerüst herunterbrechen.
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Speaker A
Das Betriebssystem des Marxismus. Die Grundstruktur des klassischen Marxismus besagt, dass die historische Einführung von Privateigentum an den Produktionsmitteln also Produktionsmittel, das ist sowas wie Fabriken, Grund, aber auch Boden, also, dass diese Einführung von Privateigentum der ähm eigentliche Sündenfall der
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Speaker A
Menschheitsgeschichte ist, weil sie spaltet die Menschen eben in zwei antagonistische Klassen. So steht auf der einen Seite die kleine Minderheit, das ist die Bourgeoisie, also die Kapitalistenklasse, die das Monopol und auch das Privileg über diese Form von Eigentum besitzen, und auf der anderen
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Speaker A
Seite steht das Proletariat, das ist die Arbeiterklasse, die von diesem Zugang an den Produktionsmitteln ausgeschlossen ist. Und [schnauben] da der Arbeiter von dem Privateigentum am Kapital ausgeschlossen ist, kann er somit, laut Marx, keine freie Praxis betreiben.
18:15
Speaker A
genau gesagt, er ist von der Möglichkeit ausgeschlossen, selbstbestimmt über seine Arbeitskraft zu verfügen und muss stattdessen seine Arbeit an den Kapitalisten verkaufen.
18:28
Speaker A
Und wenn wir jetzt halt an das Menschenbild vorher von ähm Marx denken, also, dann erkennen wir auch, dass das Bewusstsein per se nicht das Problem ist, dass es irgendwie von gesellschaftlichen Umständen beeinflusst wird, weil das findet so oder so statt,
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Speaker A
sondern für Marx ist das Problem, dass unter kapitalistischen Herrschaftsverhältnissen, laut ihm, die Menschen ein falsches Bewusstsein haben.
18:53
Speaker A
Also, das falsche Bewusstsein ist, dass ähm die Menschen, die anscheinend eigentlich menschengemachte historische Ordnung als selbstverständlich wahrnehmen und auch als unveränderlich.
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Speaker A
Also, das, was eigentlich veränderbar ist, erscheint wie ein starres Naturgesetz. Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen.
19:26
Speaker A
Und daher stellt sich für Marx die entscheidende Frage, also warum revoltieren die Menschen eben nicht permanent gegen diese eigentliche, legitime Verteilung von Macht und Eigentum? Und das beantwortet er eben mit diesem falschen Bewusstsein, also dass es daran liegt, dass die
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Speaker A
herrschende Klasse bestimmt, wie die Gesellschaft auszusehen hat und wie sie organisiert ist, aus dem Grund, dass sie so eben ihre Privilegien wahren können.
19:55
Speaker A
Also die herrschende Klasse kontrolliert demnach nicht nur die Produktionsmittel, sondern auch den ideologischen Überbau.
20:03
Speaker A
Also was ist jetzt seit dieser ideologische Überbau? Also damit ist Rechtssystem gemeint, damit ist die Politik gemeint, die Kultur, das Bildungssystem, aber auch die Religion.
20:13
Speaker A
Also kurz gesagt, das Bewusstsein der Menschen, das was sie denken, was ihr gesunder Menschenverstand ist, ähm was sie für dominante, ähm normale Narrative halten, das alles sei eben im Marxismus nicht neutral, sondern jede herrschende Ideologie der Zeit dient einzig und
20:31
Speaker A
allein dem Zweck, die bestehenden Machtverhältnisse abzusichern. Also etwa z.B. der Glaube an Meritokratie oder die Vorstellung, dass die Wirtschaft durch die Magie geregelt wird. Also all diese ganzen Narrative, die tun die Menschen gehirnwaschen, damit sie die eigentlich illegitime
20:48
Speaker A
Ordnung halt nicht hinterfragen, sondern als gerecht und naturbedingt wahrnehmen. Marx und Engels formulierten dies in der deutschen Ideologie wie folgt: "Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken.
21:05
Speaker A
Das heißt, die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht. Und genau hier schlägt sich jetzt auch nach dem Langexkurs zum klassischen Marxismus auch die Brücke zum queeren Marxismus.
21:22
Speaker A
Denn was nannte ja David Halperin queer? Also wir erinnern uns an seine Definition, da nannte er ja queer alles, was in Opposition zum normalen, dominanten und zum legitimierten steht.
21:34
Speaker A
Und genau das sind eben jene herrschenden Narrative, von denen wir gerade gesprochen haben. Und das, wenn ihr jetzt auch an den Kulturmarxisten Antonio Gramsci denkt, also von dem ich in meinem vorletzten Video gesprochen habe, dann wird sofort klar, dass die
21:48
Speaker A
Queer Theory exakt die Funktion dieser Gegenhegemonie darstellt, die er damals beschrieben hat und die dann auch die Neomarxisten der Frankfurter Schule, wie dann etwa Herbert Marcuse und später die 68er Bewegung mit dem Marsch durch die Institution übernommen haben. Falls
22:06
Speaker A
ihr da tiefer einsteigen wollt, schaut euch gerne das Video an. Da habe ich darüber gesprochen, warum Unis und Medien so links es sind. Aber in Kurzform, also die westlichen Marxisten, die haben ja nach der ausbleibenden Revolution ihre Strategie ändern müssen. Also sie sahen
22:24
Speaker A
ein, dass man mit der Arbeiterklasse keine Revolution mehr machen könne, weil sie eben zu stabil geworden sind. Sie haben sich zunehmend in dieses kapitalistische System integriert und konnten daher nicht mobilisiert werden.
22:37
Speaker A
Herbert Marcuse, der Gründervater und das theoretische Idol der neuen Linken, der schrieb dazu in seinem Essay "Versuch über die Befreiung": "Durch ihre Teilhabe an den stabilisierenden Bedürfnissen des Systems ist sie eine konservative, ja konterrevolutionäre Kraft geworden. Objektiv an sich sind
22:58
Speaker A
die Arbeiter noch die potenzielle revolutionäre Klasse, subjektiv für sich sind sie es nicht. Und da sich die Arbeiter eben nicht mehr für eine Revolution eignen, verlagerten die Neomarxisten bzw. eben die Kulturmarxisten den Fokus von der Ökonomie auf die Kultur und das
23:17
Speaker A
revolutionäre Potenzial von der Arbeiterklasse auf die Intelligenzia, also Studenten und auf Minderheiten, wie eben sexuelle Minderheiten. Also die Neomarxisten, wie Marcuse, haben erkannt, dass man den Sozialismus nicht errichten kann, wenn die Menschen noch im kapitalistischen Bewusstsein leben.
23:35
Speaker A
Also, wenn die Menschen noch Familie, wenn sie Leistung, Eigentum, Wohlstand, wenn sie all das aus tiefstem Herzen begehren, dann werden sie weiterhin die kapitalistische Ordnung stützen. Und daher sagte Marcuse, müsse man erst das Bewusstsein der Menschen in ein
23:51
Speaker A
sozialistisches umwandeln, damit man daraufhin eben den Sozialismus errichten kann. Also die Revolution müsste zuerst in der Psyche, bzw. genau gesagt in der Biologie der Menschen stattfinden und dann könne eben ein Sozialismus folgen.
24:06
Speaker A
Und daher forderte Marcuse, müsse man eben die Sehnsucht nach Sozialismus zu einem organisch unbewussten Trieb mutieren lassen, also zu einer künstlich erzeugten zweiten Natur, die nun antagonistisch gegenüber der bestehenden kapitalistischen Gesellschaft ist.
24:25
Speaker A
So wird in der Triebstruktur der Ausgebeuteten ein handfestes Interesse am bestehenden System befördert und der Bruch mit dem Kontinuum der Repression eine notwendige Vorbedingung der Befreiung findet nicht statt. Hieraus ergibt sich, dass der radikale Wandel, der die bestehende Gesellschaft in eine
24:46
Speaker A
freie transformieren soll, in eine Dimension der menschlichen Existenz hineinreichen muss, in die der Marxschen Theorie kaum berücksichtigt wurde, die biologische Dimension, in der die vitalen Bedürfnisse und Befriedigungen des Menschen sich geltend machen. Soweit diese Bedürfnisse und Befriedigungen ein
25:06
Speaker A
Leben in Knechtschaft reproduzieren, setzt eine Befreiung Veränderungen in dieser Dimension voraus, das heißt andere Triebbedürfnisse, andere Aktionen des Körpers wie des Geistes.
25:19
Speaker A
Und wenn man also die fundamentalsten Baustelle der menschlichen Realität attackiert und den Menschen einredet, dass Familie, dass Biologie, dass Geschlecht, Sprache, all das nur soziale Konstrukte der Unterdrückung sind, dann hat man genau diese zweite Natur geschaffen. Man denkt, dass man all das
25:40
Speaker A
beliebig ändern könnte und dass das eben nur ein Produkt der gerade Mächtigen ist, um eben diese Ordnung zu bewahren.
25:50
Speaker A
Und genau das macht die Queer Theory. Das ist die Funktion von Queer Theory. Also, es geht nicht um Homosexuelle selbst, es geht auch nicht um Vielfalt oder Toleranz oder Diversität oder was sie sonst als immer anbringen. Das sind
26:02
Speaker A
alles nur schöne Verkaufsargumente, die wie ein Trojanisches Pferd wirken. Denn die Rechte und die Akzeptanz von sexuellen Minderheiten sind vollkommen irrelevant. Die sind nur interessant für linke Bewegungen, weil sie sich strategisch nutzen lassen, weil sie aufgrund ihrer Existenz bereits
26:19
Speaker A
außerhalb der etablierten Norm stehen und weil sie außerhalb der etablierten Norm stehen, können sie zur Mobilisierung, Agitation nutzen.
26:28
Speaker A
Also, man will gar nicht, dass sie integriert sind. Man will auch nicht, dass sie in das System aufgenommen werden.
26:36
Speaker A
Sie sollen ja systemkritisch bleiben. Also, in der Queer Theory gibt es sogar einen ähm bestimmten Begriff dafür. Das ist nämlich Homonormativität.
26:46
Speaker A
Also, das heißt, ähm wenn sich homosexuelle Menschen ähm eben in das bestehende System integrieren, wenn sie gesellschaftliche Akzeptanz bekommen, dann wird das negativ gewertet.
27:00
Speaker A
Vorher hat ein Video hoch, das relativ viral geht, indem er sagt, dass ihr Homosexuellen nicht queer seid und aus wirklich guten Gründen rechts wählt. Und dann kommt eine offizielle Queer-Organisation Queer Bayreuth und schreibt dich einen solchen Kommentar.
27:13
Speaker A
Ich sei internalisiert, queer-feindlich und homonormativ. Was für homonormativ? Früher war es doch die heteronormative Gesellschaft, die bekämpft werden sollte, weil sie angeblich die Minderheiten unterdrückt.
27:26
Speaker A
Jetzt bin ich als homosexueller Mann auch das Problem. Es zeigt für mich eines ganz gut. Wenn du dich nicht zum linksgrünen Konglomerat zählst und nicht die sozialistische Revolution durchdrücken willst mit deinem Opferstatus, dann bist du Feind. Feind der eigenen
27:40
Speaker A
Ideologie. Und das ist das große Problem mit der linken Denke. Du bist entweder Schoß-Homo und spiel bei ihren Ideologien oder du bist der [räuspern] Feind.
27:49
Speaker A
Und das ist bei allen marxistisch-kommunistischen Bewegungen der Fall. Also der Doktrin sind die Leute völlig egal. Man wird sie wegschmeißen, wenn sie ihren Job erledigt haben. Und wenn man jetzt all das zusammen denkt, merkt man, Marx ist eigentlich weniger ein
28:08
Speaker A
klassischer Ökonom, sondern vielmehr der Begründer eines Glaubenskults. Er bezog sich primär auf die kapitalistische Wirtschaftsweise, um seine Anthropologie des Gattungswesens abzubilden. Also es gibt eigentlich nichts Exklusives an der reinen wirtschaftlichen, materiellen Produktion, dass das innerste Wesen des Marxismus definiert. Und das ist äh ähm
28:32
Speaker A
das ist die entscheidende Erkenntnis. Also es gibt keinen Grund, warum nicht auch andere Arten von exklusiven oder privatem Eigentum als Kapital in diese marxistische Maschine eingespeist werden könnte. Und so kommen wir nun zum queeren Marxismus.
28:49
Speaker A
Man muss im Grunde Marx Analyse kaum verändern, um sie auf die Ziele und Bestrebungen der Queer Theory anzuwenden. Wenn man etwa einfach einzelne Variablen tauscht, haben wir den Queermarxismus, der es Marxisten heute erlaubt, ihre Politik je nach System anzupassen. Also während ja für
29:08
Speaker A
den klassischen Marxismus das materielle Privateigentum am Kapital, also an Produktionsmitteln, die absolute Wurzel aller Unterdrückung darstellt, ist es für den Queermarxismus die gesellschaftliche Normalität selbst.
29:22
Speaker A
Also diese gesellschaftliche Normalität selbst, die wird nun zum unrechtmäßigen Privateigentum deklariert, das es zu enteignen gilt. Denn Queermarxisten, die gehen jetzt nun davon aus, dass dies ähm die Gesellschaft in zwei antagonistische Klassen trennt, also die Normalität. Und auf der einen Seite steht die
29:44
Speaker A
vermeintlich privilegierte Klasse der Cis-Heteronormativen. Damit sind Menschen gemeint, deren gelebtes Geschlecht mit ihrem biologischen Geschlecht übereinstimmt und die der gesellschaftlichen Norm der Heterosexualität folgen. Diese Gruppen, die besitzen quasi die alleinige Deutungsmacht über dieses Privateigentum der Normalität, das es sie sich aber zu
30:08
Speaker A
Unrecht angeeignet hätten, um sich an die Spitze der Machthierarchie zu positionieren. [räuspern] Auf der anderen Seite steht nun dieses unterdrückte queere Kollektiv, das laut der Queer Theory von jenem Zugang zu legitimer gesellschaftlicher Anerkennung und echter freier Subjektwerdung ausgeschlossen wird, da ihm eben jetzt
30:31
Speaker A
so ein Bewusstsein aufgedrückt wird, das gar nicht sein Bewusstsein ist. Also ein Bewusstsein, eine Normalität, die sie von ihrem wahren Selbst entfremdet.
30:42
Speaker A
Michel Foucault, der sprach auch davon, ähm, also er sagte, die Seele ist das Gefängnis des Körpers, das hat dann ähm Judith Butler in ihrem Werk das Unbehagen der Geschlechter aufgegriffen.
30:54
Speaker A
Ähm, da geht man davon aus, dass die Gesellschaft eben so ein unsichtbares Gefängnis erschaffen hat, dass die Seele der Menschen ähm bzw. das Bewusstsein gefangen hält. Also die herrschende Klasse der Normalen, die stabilisieren dieses unsichtbare Gefängnis mithilfe der Ideologie. Ähm, und die Ideologie
31:13
Speaker A
ist die Cis-Heteronormativität. Judith Butler nannte es die heterosexuelle Matrix. Ähm, das bedeutet, dass die Normalen ihre unrechtmäßige Ordnung durchsetzen, indem sie den ideologischen Überbau kontrollieren. Das heißt etwa, das Rechtssystem zwingt Menschen durch Geburtsurkunden, durch Pässe in diese binäre Ordnung. Die Sprache zwingt uns
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Speaker A
in das binäre Korsett der Grammatik, also wir können ja nur sie oder er benutzen, Mann oder Frau sagen. Ähm, das Bildungssystem erklärt Kindern Fortpflanzung und Partnerschaft ausschließlich anhand von Cis-männlichen und Cis-weiblichen Paaren. Noch wenn man in die Kulturindustrie, in zu Filmen,
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Speaker A
Werbung schaut, dann reproduzieren sie nach dieser Logik auch die herrschende Norm von der bürgerlichen Kernfamilie aus Vater, Mutter und zwei Kindern. Also all diese ganzen Sachen, die werden auch in der Queer also in der im Queermarxismus jetzt analog jetzt auch
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Speaker A
zum klassischen Marxismus auch nicht neutral gesehen, sondern als ideologisch ähm ideologischer Überbau, als Institution, die von der herrschenden Klasse der Heterosexuellen gekapert wurden.
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Speaker A
All dies diene letztlich zu deren Privilegien Erhaltung, um ihre Macht zu reproduzieren und ihre Deutungshoheit über die gesellschaftliche Strukturen nicht infrage zu stellen.
32:46
Speaker A
So und das etwas zu veranschaulichen, also wir haben eben ganz oben diesen ideologischen Überbau und dieser greift direkt bei der Geburt, also wenn jetzt halt ein Kind neugeboren wird, dann stellt der Arzt ja aufgrund der Sexualorgane fest, ist das jetzt ein
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Speaker A
Junge oder ein Mädchen. Das ist ein ganz neutraler, ein ganz wissenschaftlicher Akt, aber für Queer-Theoretiker ist das ein deterministischer Eingriff, also ein Gewaltakt.
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Speaker A
So wird das gewertet. So warum? Nämlich aus dieser Perspektive ist nämlich so, dass die Kategorie Junge oder Mädchen dem Kind bereits ein fertiges gesellschaftliches Bewusstsein von oben auf erlegt, das aber nicht sein eigenes ist. Also ihm wird vorgeschrieben, wie es zu denken, zu
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Speaker A
fühlen, zu arbeiten, zu begehren hat, aber auch welche spezifische Verhaltensmuster es annehmen wird, also männlich oder weiblich, welchen Kleidungsstil, welche sexuellen Präferenzen es annimmt und weil das Kind nun in diese Schublade gesteckt wird, kommt es zu einer Inversion der Praxis. Also eben es kann
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Speaker A
nicht frei entscheiden, es kann sich nicht frei schöpferisch entfalten, sondern genau das Gegenteil. Also eine völlige Verkehrung des menschlichen Handelns.
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Speaker A
Wenn wir uns also eben an Marx Anthropologie erinnern, an sein Menschenbild von diesem freien Gattungswesen, dann wird das Kind hier davon abgehalten, sich und seine Welt selbst zu gestalten. Also das System des Überbaus hat bereits entschieden, was dieses Kind zu sein hat und man hat ihm
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Speaker A
seine Essenz auferlegt. Es ist keine Identität mehr ohne Essenz, sondern es ist eine Identität mit Essenz, also einer Bestimmung. Das Kind wird gezwungen, die ihm zugewiesene Rolle täglich zu wiederholen, zu performen.
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Speaker A
Perform ist ein ganz wichtiger Begriff in der Queer-Theorie. Das hat vor allem Judith Butler geprägt. Nämlich sie hat dieses Konzept der Gender-Performativität hervorgebracht.
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Speaker A
[musik] [gelächter] [musik] Was heißt das jetzt? Also Butler sagte, dass Männlichkeit oder Weiblichkeit gar nicht real existieren, sondern das ist eine erzwungene Performance, die erst durch ständige Wiederholung wirkt. Also es ist eigentlich gar nichts Reales. Also Geschlecht ist demnach nichts, was man
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Speaker A
ist, sondern für Butler ist es eher was man macht. Und diese Kategorien von Mann, von Frau, diese fühlen sich deshalb nur so real und naturgegeben an, weil sie permanent wiederholt werden.
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Speaker A
Wir glauben also, ein Mann verhält sich männlich, weil er als Mann geboren wurde, oder eine Frau verhält sich weiblich, weil sie als Frau geboren wurde. In Wahrheit ist es laut Butler aber umgekehrt, also weil diese Männer, weil diese Frauen diese
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Speaker A
Performance jeden Tag abliefern, erzeugen wir erst überhaupt diese Illusion der Kategorie. Also demnach wird bei dem Kind, bei der Geburt durch diese Zuweisung seines Geschlechts, durch diese Kategorisierung unrechtmäßig ein vorgegebenes Bewusstsein aufgedrückt, das aber nicht sein eigenes ist. Das ist die Logik dahinter.
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Speaker A
Deshalb wird es auch als Gewaltakt bezeichnet und nicht einfach als neutrale ja Bestimmung, dass man sieht, okay, das hat eben diese Geschlechtsorgan, deshalb ist es ein Mann oder Frau. Also da steckt bei diesem Weltbild ganz viel mehr dahinter.
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Speaker A
Und deshalb sind auch Kategorien in der Queer-Figur der allergrößte Feind von ähm für sie. Sie sprechen auch von Gender Nonconforming, von Nonbinary, von Queer eben, anstatt sich eben einem Geschlecht zuzuordnen, weil eben nach dieser ganzen Prämisse, nach diesem
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Speaker A
Weltbild, jede einzelne Schublade, die diese binäre Ordnung stützt, eben bereits eine Entfremdung von diesem wahren fluiden Selbst, von dem wahren Ich, also von dem, dem wir eigentlich im Kern sind, wenn wir nicht dieses falsche Bewusstsein übergestülpt bekommen. Ähm
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Speaker A
Es würde uns davon entfremden, wenn wir so eine Kategorie uns geben würden. Also am Ende dieser Kette ähm steht dann am Ende eben dieses internalisierte Gefängnis, ähm, das ich ja vorhin schon erwähnt hatte, also das System sei so
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Speaker A
perfide, dass es keine offene Gewalt braucht, um uns zu kontrollieren, sondern wir sind selbst die Gefängniswärter in einem unsichtbaren Gefängnis, das unser Denken und Handeln formt, also wir merken es gar nicht. Wir denken, wir würden frei und selbstbestimmt handeln, aber wir bewegen
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Speaker A
uns immer in vorgegebenen Grenzen. Das ist diese Gefängnismetapher, die stammt ähm, wie gesagt, auch von Foucault ähm, und bei Marx ist es vom Prinzip her sehr ähnlich mit seinem falschen Bewusstsein.
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Speaker A
Also im klassischen Marxismus geht man, ähm, ja auch davon aus, dass ja die Arbeiter sozusagen in einem unsichtbaren Gefängnis sind, ähm, dass sie ihre eigene Ausbeutung nicht erkennen, weil sie eben diese Ideologie der herrschenden Klasse für die natürliche Realität hält. Also es ist
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Speaker A
eigentlich ganz oft so diese Gefängismetapher, dass man nicht weiß, dass man im Gefängnis ist. Das findet man immer wieder. Und bei Queer Theory passiert exakt dasselbe, also dass halt eben dann diese cis-heteronormative Ordnung diese unsichtbaren Schranken sind, die schon so tief verankert sein,
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Speaker A
dass sie für uns wie normaler Menschenverstand und Biologie wirken und daher müssen wir uns laut der Queer Theory auch davon befreien, also müssen unsere eigenen fluiden, freien Gedanken, ähm, ja haben. Wir müssen uns gegen diese Hegemonie wehren, indem wir sie
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Speaker A
negieren und uns in Opposition stellen. Also kurz gesagt, queer werden. Das Vermischen von Wahrheit und Lüge.
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Speaker A
[musik] Und genau das ist die Krux am Queermarxismus bzw. am Marxismus generell, denn er verbindet immer eine Wahrheit mit einer Lüge. Also es sie lügen ja logischerweise nicht nur, sonst hätte diese Ideologie auch über Jahrhunderte so eine immense
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Speaker A
Anziehungskraft und würde auch nicht so viele Leute durchaus so schlaue Leute an sich binden, sondern sie docken durchaus immer auch an reale Beobachtungen an, die stimmen und deuten diese dann aber mit einer umfassenden höchst spekulativen Erklärung, die vielmehr
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Speaker A
einer Totalerklärung auch schon Verschwörungstheorie gleicht. Denn ja, die Wahrheit ist, die Queer Theory hat durchaus richtig erkannt, dass ich viele Menschen eben in diesen starren gesellschaftlichen Rollen unwohl fühlen, dass dies Druck ausübt. Es ist ja auch eben wissenschaftlich
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Speaker A
nicht haltbar, dass eben es einen biologischen Determinismus gibt, also das aufgrund des Geschlechts eben bestimmte Rollen oder bestimmte Essenzen, bestimmte Verhaltensweisen folgt für das Individuum. Man kann eben für die Geschlechter durchaus statistische Unterschiede feststellen, aber diese Schwankungen innerhalb eines Geschlechts sind viel zu
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Speaker A
groß, dass man eben auf das einzelne Individuum daraus schließen könnte, dass man jetzt daraus bestimmte Verhaltensweisen oder Rollen eben ja, vorgibt. Also, das ist eben auch nicht haltbar. Und es ist auch eine Tatsache, die die Queer Theory erkannt hat, dass
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Speaker A
vor allem Menschen, die von der gesellschaftlichen Norm abweichen, wie ja eben Homosexuelle, durchaus reale Diskriminierung erfahren und es auch immer noch tun. So viele Sachen, reale reales Leid, was viele wohl auch so empfinden und sich davon dann noch
42:00
Speaker A
angezogen fühlen, wenn sie sich unsicher im Körper fühlen, wenn sie gerade in der Jugend sind und ja, grundsätzlich irgendwie Zweifel haben, ob der Weg der richtige ist, den sie gehen, sich vielleicht auch einsam fühlen und nach Halt suchen, nach
42:18
Speaker A
jemanden, der sagt, was richtig und was falsch ist. Das sind ganz viele Aspekte, die dazu führen, dass Leute von dieser Ideologie, vor allem junge Leute, durchaus auch, ja, dafür offen sind.
42:30
Speaker A
Die fundamentale Lüge ist auch, ist aber die, dass die Queer Theory nun in diese Beobachtungen durch diese und nur durch die Linse der Herrschaft interpretiert und so dann folgert, dass alles, was wir über Geschlecht, Gender und Sex Sexualität meinen zu
42:52
Speaker A
wissen, vollständig ein soziales Konstrukt sei, zugunsten der Machterhaltung dieser sogenannten Cis-Heteronormativen Klasse. Also, das ist natürlich auch eine selbsterfüllende Prophezeiung, dass diese Leute, die halt eben diesem Kult folgen, durchaus mit höheren Psycho, also psychischen Krisen zu kämpfen haben, dass sie im Schnitt unzufriedener
43:18
Speaker A
sind, weil eben solche Fundamente, wie Familie, Beziehungen, all das, was einem Menschen Halt gibt, geschwächt werden. Kinder werden ermutigt, sich zu fragen, ob sie nicht doch ein anderes Geschlecht sind.
43:36
Speaker A
Man wird man bekommt gesagt, dass eben, wenn man ja, ganz normale Sprache anwendet, schon diskriminiert, ganz normal eben weibliches oder männliches Verhalten folgt, schon unterdrückt oder andere Menschen einengt. Das verunsichert Menschen massiv, vor allem junge Menschen, wenn dann der normale Menschenverstand
43:59
Speaker A
aufgelöst werden. Es ist wirklich eine permanente Kriegsführung gegen den normalen Menschenverstand, gegen die Familie und gegen biologische Realitäten selbst. Da hat die Queer Theory grundsätzlich den Boden der Wissenschaft verlassen und ist zu einem pseudo-religiösen Kult mutiert. Denn wäre die Queer Theory tatsächlich an
44:20
Speaker A
Wahrheit interessiert, dann würden sie nicht auch jedes Mal von Hassrede oder ähm irgend sprechen oder Demonstrationen machen, wenn jetzt irgendeine Professorin oder irgendein öffentlicher Sprecher da Kritik ausübt.
44:36
Speaker A
Mir ging es immer nur um die Vermittlung von Grundlagenwissen der Biologie. Dieses Grundlagenwissen für die Referentin konkret, naturwissenschaftlich gesehen, gäbe es eben nur zwei Geschlechter. Vor allem queere Aktivisten sehen darin eine Diskriminierung von Menschen, die sich keinem oder eben dem anderen zugehörig
44:54
Speaker A
fühlen. Außerdem veröffentlichte die Biologin einen umstrittenen Gastbeitrag für Welt zu dem Thema. Proteste wurden angemeldet, der Vortrag abgesagt. Beim Nachholtermin blieb es aber ruhig.
45:05
Speaker A
Und das kann man auch nur erklären, weil der Marxismus in jeglichen Ausprägungen eben einer eigenen Erkenntnistheorie folgt, eigenen moralischen Maßstäben.
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Speaker A
Und die sind ganz einfach, da ist nämlich alles, was den Marxismus die Revolution voranbringt, das ist wahr und alles andere ist falsch. So sind die moralischen Maßstäbe vorhinein gesetzt.
45:29
Speaker A
Und ganz genau das ist aber auch die Grundstruktur, die wir hier bei der Queer Theory finden, die aber die ganzen woken Ideologien eigentlich im Kern her ausmacht. Je nachdem sie natürlich irgendwie mehr neomarxistisch, postmodernistisch oder von anderen Philosophien geprägt, aber im Grunde ist
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Speaker A
dieses Grundgerüst bei den ganzen Theorien, die auf Intersektionalität aufbauen, sehr, sehr ähnlich. Also das findet man beim modernen Feminismus, bei der Critical Race Theory, aber auch bis hin zu Fat Studies.
46:01
Speaker A
Also die ganzen absurden Auswüchse, die wir die letzten Jahre von der ganzen Body Positivity Bewegung mit bekommen durften. Es ist immer dasselbe marxistische Betriebssystem, nur eben auf andere Bereiche abgewandt. Also, wir können sie mal durchgehen. Beim modernen Feminismus ist dann diese
46:23
Speaker A
besondere Form von Eigentum das Mannsein, also Männer seien die strukturellen Unterdrücker, Frauen die strukturellen Opfer. Frauen daraus entsteht dann eine Gesellschaft namens Patriarchat, die durch eine Ideologie, das wäre dann diese männliche Dominanz und durch Misogynie aufrechterhalten wird.
46:42
Speaker A
Auch bei der Critical Race Theory ist es ja ähnlich, da geht man davon aus, dass auch das gesamte System inhärent rassistisch sei, jeder Weiße sei aufgrund seiner Hautfarbe ein Rassist.
46:54
Speaker A
Die Form von Eigentum sei Whiteness, also die Weißen, die hätten dann eben dieses Eigentum unrechtmäßig an sich gerissen, während die People of Color die Unterdrückten sind und das ganze System funktioniert deshalb, weil es eben ja systemisch rassistisch ist und
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Speaker A
jeder einzelne Mensch eben auch ja diesen Rassismus schon so internalisiert hat, dass man dieses System reproduziert. Bei Fat Studies, und ich mache keine Witze, das ist tatsächlich ein Forschungsbereich, ähm, da geht es darum, dass Dicke nicht aufgrund ihres ja Übergewichts gesehen
47:37
Speaker A
werden, dass die halt einfach zuviel haben, dass das ungesund ist, sondern das wird als eine politische Identität angesehen. Also so gibt es eben Menschen, die dünn, fit und ähm konventionell schön sind, also diesen konventionellen Maßstäben von Attraktivität entsprechen, also was den
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Speaker A
Körper angeht, und diese Gruppe besitzt dann den besonderen Zugang zu dieser gesellschaftlichen Norm, nämlich der Finn Normativity wird es genannt.
48:07
Speaker A
Gibt es keine perfekte deutsche Übersetzung dazu, so diese dünne Normalität sozusagen, und die dünnen Menschen, die gelten in diesem Modell als die privilegierte Gruppe, während die dicken Menschen die unterdrückte Unterklasse sind. Was will der queere Marxismus?
48:28
Speaker A
Die Frage ist ganz einfach zu beantworten, nämlich das, was der Marxismus immer will, nämlich die Revolution, um dann am Ende des Regenbogens zum Kommunismus zu gelangen.
48:38
Speaker A
Und Marx sagte, eine Revolution schafft man, indem man ein Klassenbewusstsein etabliert, also dass die Menschen zu den wahren Strukturen der Gesellschaft aufwachen, erkennen, dass die bestehende Gesellschaft die bestehende Ordnung eigentlich vollkommen illegitim ist, dass die ungerecht sei und aber auch
48:58
Speaker A
veränderbar. Beim Queermarxismus ist es nichts anderes. Da ist eben es kein Klassenbewusstsein, sondern man will ein queeres Bewusstsein bei der Masse etablieren, das heißt, dass man erkennt, dass eben Gender, dass alles, was wir über Geschlecht, Sexualität wissen, über soziale Normen,
49:23
Speaker A
dass das soziale Konstrukte sind. Und dass die auch eben auch menschengemacht sind, und weil sie menschengemacht sind, kann man sie auch verändern. Also ganz nach dem Motto, es geht nicht darum, die Welt zu verstehen, sondern sie zu verändern. Und daher ist
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Speaker A
das Ziel, alles, was zu dieser Offenbarung beiträgt, also dazu, zu diesem queeren Bewusstsein zu erwachen, also woke, erwacht, das kommt ja auch davon. Ähm Alles, was zu diesem Ziel beiträgt, das bestehende System, also diese ganzen Institutionen, die ganzen
49:58
Speaker A
Wahrheitskategorien ins Wanken zu bringen, ja, das ist förderlich. Das wird angestrebt. Und dieses dieser Akt, der kann ganz viele Formen annehmen. Also alles was das sozusagen ins Wanken bringt, das ist förderlich.
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Speaker A
Da gibt's in der Queer Theory auch so den Begriff des Genderfuckings. Das ist tatsächlich ein Fachbegriff. Da das auch bewusst provozierend, also es meint eben eine bewusste, provokante, aber durchaus spielerische und auch übertriebene Verletzung von so diesen ganzen herkömmlichen
50:37
Speaker A
Geschlechtererwartungen. Also etwa indem sich ein Mann übertrieben weiblich kleidet, könnte eine Form sein. Oder dass man eine bestimmte Verhaltensweise eben sehr parodiert.
50:49
Speaker A
Im Grunde kann's wirklich alles sein, was diese Funktion des Störens, des Provozieren erfüllt. Auch Gendern gehört dazu.
50:59
Speaker A
Ähm, der Pudel des Pudels Kern, natürlich die Frage, wieso haben Penisträgerinnen in dieser Stadt einen privilegierten Zugang zu Pissoirs, Stehpissoirs und Sitzpinklerinnen haben eben diesen privilegierten Zugang nicht.
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Speaker A
Das Pronomen ens entdeckt. Warum ens? Wo kommt das her? Aus dem Wort Mensch. Es ist die Mitte aus dem Wort Mensch. So, und jetzt können Sie sich ansatzweise vorstellen, wie das klingen könnte. Ens gehört das Rad. Es ist ens Rad. Haben alle solche
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Speaker A
Räder? Ja, alle aktiven Radfahrens aus ens WG haben so ein Rad. Eines anderer Mitbewohnens hat sogar zwei Räder.
51:47
Speaker A
Um dann eben diese vermeintliche Selbstverständlichkeit von diesen Kategorien zu zerstören. Und das muss sich aber nicht ausschließlich auf Kleidung und Verhalten beziehen, sonst kann wirklich ganz viele Ebenen einnehmen, also z.B. Sprache selbst, ich habe schon Gendern erwähnt, Sexualität
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Speaker A
oder eben auch wissenschaftliches Arbeiten wird in der Queer-Theory genannt, also, dass man sich da eben nicht an diese formalen Regeln ähm ja hält, sondern dass man eben bewusst schreibt oder diese Normen queert, also queer ist wirklich alles eben, was in
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Speaker A
Opposition zum Normalen, zum Legitimem steht und ja, alles, was dem halt sozusagen ja, widerspricht, das ist förderlich in diesem ähm Konzept.
52:34
Speaker A
Nova ist fast vier und wächst nicht als Mädchen oder Junge auf. uns auch so ein bisschen geschlechtsoffen bekleiden, dass wir so alle Pronomen, alle Geschlechter anbieten.
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Speaker A
wirklich rein destruktiv. Es ist ähm alles, was auf der Negation aufbaut, auf der reinen Zerstörung, bei dem man denkt, je mehr man kaputt macht, je mehr man auflöst, je mehr man dekonstruiert, desto freier, desto besser wird das, was danach dem
52:59
Speaker A
Zerstörten folgt. Wer aber dann was aufbaut, wie dieses danach aussieht, ja, das kann keiner beantworten.
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Speaker A
Das war der queere Marxismus. Wir befinden uns mitten in einer kulturellen Revolution, deren primäres Ziel die Kinder sind, die jungen Leute. Also, beschäftigt euch mit dem Thema, das ist nicht nur irrsinnig, ich weiß, ganz viele Auswüchse sind wirklich zum
53:27
Speaker A
Beschmunzeln man man will es auch nicht ernst nehmen, aber es hat tatsächlich reale Konsequenzen, die wirklich massiven Schaden bei jungen Menschen anrichten, bei der ganzen Generation und das dass vor allem auch eben wirklich ausweitet.
53:42
Speaker A
Also, lasst mich gerne auch eure Ansichten in den Kommentaren wissen. Nehmt das durchaus auch ernst, aber lasst euch auch von auch nicht zu stark beeinflussen. Und damit vielen Dank fürs Zuschauen [musik] und bis zum nächsten Mal im Literaturcafé.
Topics:Queer TheoryKulturmarxismusGenderSexualitätJudith ButlerSimone de BeauvoirDavid HalperinPostmoderneNormkritikAktivismus

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