Erklärung von Traumata, deren Auswirkungen auf das Gehirn und moderne Therapieansätze der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).
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Key Takeaways
- Traumata verändern das Gehirn und die Gedächtnisverarbeitung tiefgreifend.
- Nicht jedes Trauma führt zu einer Traumafolgestörung; Verarbeitung und Umfeld sind entscheidend.
- PTBS hat ein klar definiertes klinisches Bild mit spezifischen Symptomen und Diagnosekriterien.
- Amygdala und Hippocampus sind zentrale Gehirnstrukturen bei der Entstehung und Speicherung von Traumata.
- Moderne Therapien nutzen neurobiologische Erkenntnisse, um Traumafolgestörungen effektiv zu behandeln.
What the video covers
- Definition und Kategorien von Traumata, inklusive Unfälle, Naturkatastrophen und menschengemachte Traumata.
- Traumafolgestörungen entstehen nicht automatisch nach jedem Trauma, sondern bei Blockaden in der Verarbeitung.
- Unterschiedliche klinische Erscheinungsformen von Traumafolgestörungen, insbesondere die PTBS mit ihren sechs Diagnosekriterien.
- Typische Symptome der PTBS: Wiedererleben, Vermeidung, emotionale Entfremdung und Hyperarousal.
- Traumatische Erlebnisse verändern die Gedächtnisverarbeitung im Gehirn, insbesondere das Zusammenspiel von Amygdala und Hippocampus.
- Amygdala spielt eine zentrale Rolle bei der emotionalen Speicherung von Angst und Furcht und hemmt bei starker Aktivierung den Hippocampus.
- Das Gedächtnis besteht aus einem heißen Wahrnehmungsgedächtnis (Gefühle, Bilder) und einem kalten Kontextgedächtnis (Ort, Zeit).
- Moderne Traumatherapie profitiert von neuen Erkenntnissen zur neurobiologischen Verarbeitung von Traumata.
- Traumafolgestörungen sind keine Schande, sondern eine normale Reaktion auf überwältigende Erlebnisse.
- Therapeutische Ansätze zielen darauf ab, die blockierte Verarbeitung zu ermöglichen und die Integration der traumatischen Erinnerungen zu fördern.
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Speaker A
Guten Tag.
Speaker A
Mein Name ist Michael Franz, ich bin Professor für Psychiatrie und Psychotherapie und ärztlicher Direktor des Vitos Klinikums Gießen und Marburg.
Speaker A
Unser Thema heute ist die Frage, was sind psychische Traumata, woran erkennt man sie und wie verändern sie unser Gehirn und wie kann man sie therapeutisch wirksam behandeln?
Speaker A
Bei wenigen psychischen Erkrankungen und Therapien wurden in den letzten Jahren so viele Missverständnisse geklärt, Glaubenssätze widerlegt und therapeutische Möglichkeiten gefunden, wie bei der Traumatherapie.
Speaker A
Das macht mich als Arzt und Therapeuten demütig und gleichzeitig macht es Mut.
Speaker A
Es gibt viele Zugänge zum Thema Trauma.
Speaker A
Wir unterscheiden z.B. Kategorien von Traumata, wie Unfälle und Naturkatastrophen oder Menschen gemachte Traumata, Man-made Traumata.
Speaker A
Menschen gemachte Traumata führen häufiger zu Traumafolgestörungen.
Speaker A
Ist eine Traumastörung peinlich?
Speaker A
Muss man sich darüber schämen?
Speaker A
Das passiert leider, leider häufig und ist trotzdem nicht angebracht.
Speaker A
Traumafolgestörungen sind eine besondere Verarbeitungsform unseres Gedächtnisses.
Speaker A
dass sich in gewisser Weise selbstständig macht, dessen Folgen bis in den Körper reichen.
Speaker A
Und ist sofern was ganz normales, das jedem Menschen ab einer gewissen Dosis von Trauma passieren kann.
Speaker A
Das hängt von bestimmten Bedingungen ab.
Speaker A
Kriegt man also auf jedes katastrophale Ereignis eine Traumafolgestörung?
Speaker A
Nein, das ist nicht so, es ist mittlerweile gut gesichert, dass Traumata oft verarbeitet werden.
Speaker A
Wenn diese Verarbeitung blockiert wird, z.B. durch zu starke Schuldgefühle oder Schamgefühle oder äußere Umstände oder andere psychische Erkrankungen.
Speaker A
Oder wenn zu viele vorherige Traumata da sind, wird das Auftreten von Traumafolgestörungen wahrscheinlich.
Speaker A
Sie treten z.B. nach Verkehrsunfällen in 3 bis 11 % nach schwerem Missbrauch oder Vergewaltigung in 50 bis 60 % auf.
Speaker A
Selbst komplex in der Kindheit traumatisierte Menschen befreien sich in der weiteren Entwicklung oft so um das 14. Lebensjahr.
Speaker A
Oder sie bleiben darin, das kann an einem invalidierenden Umfeld, an mangelnder Sicherheit, fortgesetzten Täterkontakt liegen.
Speaker A
Und dann werden sie krank.
Speaker A
Wie sieht eine Traumafolgestörung klinisch aus?
Speaker A
Trauma heißt nicht automatisch PTSD.
Speaker A
Nach traumatischen Erlebnissen entwickeln sich Traumastörungen im engeren Sinne.
Speaker A
Das sind die akute Belastungsreaktion innerhalb von Stunden.
Speaker A
Die akute Belastungsstörung innerhalb von Tagen bis zu einem Monat.
Speaker A
Und die posttraumatische Belastungsstörung PTSD oder PTBS so um die sechs Monate nach dem Ereignis, manchmal früher, manchmal später.
Speaker A
Manchmal entwickeln sich nach Traumatisierungen aber auch Depressionen, Angststörungen, somatoforme Störungen, dissoziative Störungen oder eine emotionale Instabilität als dauerhaftes Merkmal.
Speaker A
Das sieht dann so aus, als hätte jemand z.B. plötzlich eine Borderline Störung bekommen.
Speaker A
Im Folgenden konzentrieren wir uns mal auf die posttraumatische Belastungsstörung.
Speaker A
Diese PTSD hat ein sehr typisches klinisches Bild.
Speaker A
Die Diagnose stellen wir durch sechs Kriterien.
Speaker A
Dazu gehört zunächst einmal ein Ereignis, dass man erlebt oder beobachtet hat.
Speaker A
Und neuerdings auch durch Mitteilung schwerwiegende Erlebnisse oder Ereignisse, die einen selbst oder die Familie oder Angehörige betreffen.
Speaker A
Das beinhaltet die potenzielle oder reale Todesbedrohung, ernsthafte Verletzungen, schwere Bedrohungen der körperlichen Unversehrtheit bei sich oder anderen.
Speaker A
Und dazu gehört immer eine Reaktion mit intensiver Furcht, Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit oder Schrecken.
Speaker A
Dazu gehört weiterhin das Wiedererleben.
Speaker A
Sogenannte Intrusionen.
Speaker A
Das sind z.B. belastende Träume oder Albträume.
Speaker A
Flashbacks.
Speaker A
In den Flashbacks erlebe ich bestimmte Aspekte des Traumas wieder, als würden sie gerade eben passieren.
Speaker A
Es sind Trigger, Trigger sind Auslöse Wahrnehmungen, bei denen eine besonders starke Belastung auftritt.
Speaker A
Und dabei ist immer eine körperliche Reaktion bei diesen Erinnerungen oder Protrusionen.
Speaker A
Zu der Diagnose posttraumatische Belastungsstörung gehört weiterhin die Vermeidung.
Speaker A
Vermieden wird alles, was assoziativ irgendwie mit dem Trauma zusammenhängt.
Speaker A
Gedanken.
Speaker A
Gefühle.
Speaker A
Aktivitäten.
Speaker A
Situationen.
Speaker A
Und auch eigene Gedächtnisinhalte.
Speaker A
Dadurch entstehen logischerweise Teilamnesien oder auch Gefühle werden.
Speaker A
Vermieden bei der Traumastörung geht's ja um Gefühl, das Trauma hat ja viel mit Gefühl zu tun.
Speaker A
So entstehen Gefühle, als ob man sich neben sich steht, Entfremdung von sich und von den anderen.
Speaker A
Ein weiteres typisches Beispiel ist Symptom ist das Hyperarousal, also die psychische oder vegetative Übererregung.
Speaker A
Die äußert sich typischerweise in Schlafstörungen, erhöhter Reizbarkeit und Schreckhaftigkeit.
Speaker A
Die Dauer sollte länger als einen Monat sein.
Speaker A
Und natürlich muss das klinische Bild auch bedeutsam und sehr einschränkend sein, so dass die Arbeits- und Liebesfähigkeit.
Speaker A
Die Fähigkeit am Alltag teilzuhaben, deutlich eingeschränkt ist.
Speaker A
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie entsteht so eine PTSD?
Speaker A
Und ich hatte ja gesagt, dass eine posttraumatische Belastungsstörung eine besondere Form von Gedächtnisverarbeitung ist.
Speaker A
Und dazu sollten Sie kurz wissen, wie Dinge überhaupt gespeichert, also gelernt werden.
Speaker A
Und woher sie wissen, dass Dinge, die sie denken oder erleben, hier und jetzt sind.
Speaker A
Und andere damals und dort.
Speaker A
Also ist das vielleicht alles nur ein Traum?
Speaker A
Woher wissen Sie eigentlich, dass Sie mich jetzt wirklich sehen und meine Stimme hier und jetzt hören?
Speaker A
Vielleicht ist das nur eine Erinnerung.
Speaker A
Wieso sind Sie sich so sicher?
Speaker A
Vielleicht ist die Wirklichkeit eine andere.
Speaker A
Traumareaktionen bewirken eine tiefgreifende Veränderung im Realitätserleben.
Speaker A
Und die Frage ist, wie kommt das?
Speaker A
Und um das zu verstehen, was gerade wirklich ist und was Vergangenheit, ein kurzer, grober Blick in die Neurobiologie.
Speaker A
Es gibt einen Grundsatz, what fires together, wires together.
Speaker A
Wenn zwei Zellen, zwei Gehirnzellen gleichzeitig aktiv sind, dann machen sie eine Verbindung untereinander.
Speaker A
Wenn Sie zwei Dinge gleichzeitig erleben, hören oder erinnern, Tätigkeiten machen, dann werden sie verbunden und später als Netzwerk gemeinsam aktiviert.
Speaker A
Und diese Netzwerkablagerung, diese Speicherung geschieht in zwei verschiedenen Gedächtnissen.
Speaker A
Wir haben zum einen das sogenannte heiße Wahrnehmungsgedächtnis, da legen sich alle Gefühle, Bilder, Gerüche, Körperreaktionen ab.
Speaker A
Detaillierte sensorische, perzeptuelle Abbilder, die eigentlich nur unwillkürlich abrufbar sind.
Speaker A
Die Basis von Flashbacks und Albträumen.
Speaker A
Und gleichzeitig gibt es das kalte, sogenannte Kontextgedächtnis.
Speaker A
Wo und wann?
Speaker A
Gehört das hin?
Speaker A
Wann war das?
Speaker A
Willkürlich und unwillkürlich abrufbar.
Speaker A
Und es schafft den räumlichen Kontext, ob das eine alte oder neue Information ist.
Speaker A
Dazu brauchen wir etwas, was 2014 den Nobelpreis gegeben hat, ein wunderbares, sensationelles Navigationssystem.
Speaker A
Der Hippocampus und der benachbarte entorhinale Kortex.
Speaker A
Hier liegt das Ortsgedächtnis.
Speaker A
Das Zeitgedächtnis.
Speaker A
Und die Gedächtnisbildung, also die aktuelle Vertratung von allem, was ich lerne und merke und wo das hingehört.
Speaker A
Und auch der Detektor, ob das eine neue oder alte Information ist.
Speaker A
Bei der Traumatisierung spielt ja der Hauptbahnhof der Gefühle.
Speaker A
Die Hauptrolle.
Speaker A
Der Hauptbahnhof der Gefühle im Gehirn sind die Amygdala.
Speaker A
Genau.
Speaker A
Die Funktion der Amygdala ist die Bildung von Emotionen.
Speaker A
Insbesondere Furcht und Angst.
Speaker A
Sie speichern diese Emotionen.
Speaker A
Sie sind an der Abspeicherung beteiligt.
Speaker A
Sie vermitteln die körperliche Antwort, die Flucht- und Angriffsreaktion, die hormonelle Stressantwort.
Speaker A
Und die Amygdala können andere Zentren hemmen und sie hemmen z.B. das Navigationssystem, den Hippocampus.
Speaker A
In Alarmreaktionen, im Angriff kann das sinnvoll sein, weil schnelles Handeln ja erstmal auch wichtig ist.
Speaker A
In der Evolution, als wir noch in Herden leben, lebten, haben wir damit vielleicht überlebt.
Speaker A
Wird in einer ganz schlimmen Aktivierung der Amygdala der Hippocampus gehemmt, werden die heißen Gedächtnisnetzwerke ohne Kontext gespeichert.
Speaker A
Das bedeutet, wenn sie aktiviert werden, feuern sie einfach los.
Speaker A
Die Wahrnehmung ist, als ob es hier und jetzt gerade passieren würde.
Speaker A
Weil es fehlt ja die Vertratung in die Erinnerungsspeicher, in das damals und dort, das kalte Gedächtnis.
Speaker A
Macht es Sinn?
Speaker A
Es ist also nicht peinlich.
Speaker A
Es sollte eigentlich nicht beschämen.
Speaker A
Das Gehirn macht einfach seinen Job.
Speaker A
Ich verdeutliche das noch mal an einer angenehmen Erinnerung.
Speaker A
Okay?
Speaker A
Sie stellen sich vor.
Speaker A
Sie fühlen kaltes Wasser.
Speaker A
Sie sehen eine Landschaft, sie hören Rauschen.
Speaker A
Meer, Meeresrauschen und sehen einen Fuß im Wasser.
Speaker A
Sie haben Eindrücke erfrischend und schön, sie spüren Freude.
Speaker A
Ihr Herz schlägt und sie atmen schneller.
Speaker A
Das ist schön.
Speaker A
Aber wo gehört es hin?
Speaker A
Dazu fehlt und gehört aus ihrem kalten Gedächtnis die wahrscheinlich gut vertratete Information.
Speaker A
Italienische Riviera, Abend am Meer, September 2018.
Speaker A
Das Ganze ist genauso, aber oft eben ohne die Vertratung in das damals und dort beim traumatisierten.
Speaker A
Ein Beispiel.
Speaker A
Ein Geflüchteter sieht Polizisten in der Stadt.
Speaker A
Er sieht die Uniform.
Speaker A
Das erinnert an Soldaten.
Speaker A
Und das Traumnetzwerk beginnt.
Speaker A
Das Traumnetzwerk wird auf einen einzigen Schlag aktiviert.
Speaker A
Nicht selektiv einzelne Erinnerungen, dazu bräuchten wir den kalten Kontext durch den Hippocampus.
Speaker A
Dann könnten wir das willkürlich abrufen.
Speaker A
Das aber ohne diese Vertratung überliegt, Wum geht es los.
Speaker A
So können wir auch die Dissoziation ganz gut verstehen.
Speaker A
Eine selektive Erinnerung ist vielleicht die Kerze, die ich an einem Christbaum anzünde.
Speaker A
Das Traumnetzwerk ist wie eine elektrische Christbaumbeleuchtung, wo ich auf einmal den Stecker reinstecke und es ist voll da.
Speaker A
Wenn ich dissoziiere, ziehe ich den Stecker raus.
Speaker A
Ich bekomme nichts mehr mit, ich habe weniger Schmerzempfindung.
Speaker A
Ich kriege meine Umgebung nicht mehr mit, aber ich spüre es auch nicht mehr.
Speaker A
Muss nicht mehr so viel Angst haben.
Speaker A
Und der Flashback ist Stecker wieder rein.
Speaker A
Kann man das Beispiel nachvollziehen?
Speaker A
Ich mach's noch mal.
Speaker A
Es geht auch mit einem Gedanken.
Speaker A
Ich kann meine Lebenssituation nicht verbessern.
Speaker A
Der Gedanke war schon mal da.
Speaker A
Ich kann nichts tun.
Speaker A
Damals im Schlauchboot.
Speaker A
Und jetzt ist sofort das ganze Netzwerk wieder aktiviert.
Speaker A
Okay?
Speaker A
Dazu kommt folgendes.
Speaker A
Mit einem einzigen Traumnetzwerk werden die meisten Menschen irgendwie fertig.
Speaker A
Passieren mehrere Traumata hintereinander, verbinden sich bei Ähnlichkeit oder starker Übererregung die Traumata.
Speaker A
Explosion, Bombensplitter, Feuer, Wut.
Speaker A
Vergewaltigung, Nachbarschaft, Scham, Angst bei beiden.
Speaker A
Angst auch bei dem Alkohol riechenden Atem des Stiefvaters und den Schlägen.
Speaker A
Und als wir mit dem Motorrad zu schnell fuhren mit der Verzweiflung.
Speaker A
Es sind vier Traumnetzwerke, die sich zu einem großen Netzwerk verbunden haben.
Speaker A
Wie sieht die Behandlung aus?
Speaker A
Es geht darum, auf irgendeinem Weg diese Traumnetzwerke wieder zu trennen.
Speaker A
Und ihren Kontext zum kalten Gedächtnis wiederherzustellen.
Speaker A
Und hier gibt es eine weitere gute Nachricht, das macht das Gehirn von selbst.
Speaker A
Wenn wir ihm dabei helfen.
Speaker A
Das sieht dann so aus.
Speaker A
Sie sehen das gleiche Traumnetzwerk von eben wieder.
Speaker A
Aber jetzt sehen Sie den zugehörigen kalten Kontext.
Speaker A
Die Explosion war damals in Zürich im Café im Herbst.
Speaker A
Die Vergewaltigung vor 20 Jahren beim Besuch bei der Tante.
Speaker A
Der Motorradunfall letzten Sommer im Urlaub mit dem Freund.
Speaker A
Und die Schläge des Vaters als Kind zu Hause.
Speaker A
Traumnetzwerke sind getrennt und sind eine Erinnerung.
Speaker A
Wenn auch eine traurige.
Speaker A
Es gibt verschiedene Formen von Psychotherapie, die dem Gehirn dies ermöglichen.
Speaker A
Wenn es gelingt, die traumatischen Anteile und das hier und jetzt gleichzeitig zu aktivieren.
Speaker A
Dann kann das Gehirn prinzipiell nicht anders.
Speaker A
Es diese Verbindung auch herzustellen.
Speaker A
What fires together, that wires together.
Speaker A
Dadurch wird das traumatische Erlebnis zu einer traurigen Erinnerung transformiert.
Speaker A
Und es ist etwas anderes, eine traurige Erinnerung zu haben, als sein Leben durch unkontrollierbare Gefühle und Bilder massiv einschränken zu müssen.
Speaker A
Zudem wird es manchmal nötig, die Verarbeitung des Traumas zu besprechen.
Speaker A
Manche Menschen schlussfolgern aus ihren Traumata, dass sie besonders schlecht oder wertlos sind.
Speaker A
Weil ihnen das passiert ist.
Speaker A
Oder sie schließen daraus, dass die Welt grenzenlos gefährlich ist und man niemand mehr vertrauen kann.
Speaker A
Sonst wäre es ihnen nicht passiert.
Speaker A
Selbst wenn Anspannung und Flashbacks wechseln, kann ich mit einer solchen Haltung schlecht lieben, leben und arbeiten.
Speaker A
Man wird depressiv.
Speaker A
Auch hier die gute Botschaft, es gibt wirksame Psychotherapie.
Speaker A
Zu jeder Psychotherapie von Traumata gehört das initiale Erlernen von Stabilisierungstechniken.
Speaker A
Und eine hinreichend gute und sichere Beziehung zum Therapeuten.
Speaker A
Die alleinige Anwendung von Stabilisierungstechniken ist keine wirksame Therapie.
Speaker A
Und stabilisiert höchstens den Spontanverlauf.
Speaker A
Alle international evidenzbasierten Psychotherapien der PTBS haben insgesamt sehr große Effektstärken.
Speaker A
Dabei unterscheiden wir verschiedene Verfahren.
Speaker A
Es gibt Verfahren mit hohem Expositionsanteil.
Speaker A
Und Verfahren, in denen eher über das Denken und die Haltung gesprochen wird.
Speaker A
Die durch das Trauma verändert wurden.
Speaker A
Also insofern die Folgen des Traumas.
Speaker A
Die meisten Therapien sind so Mischformen aus beidem.
Speaker A
Und was wichtig ist, alle Verfahren lassen sich sehr gut erlernen.
Speaker A
Die einzelnen Verfahren sehen Sie auf dieser Folie.
Speaker A
Zur Veranschaulichung einer Traumatherapie vergleichen wir jetzt mal sehr schematisch.
Speaker A
Den Zustand des Gehirns vor und nach einer erfolgreichen Traumatherapie.
Speaker A
Sie sehen zunächst ohne Traumatherapie.
Speaker A
Rechts oben die fragmentarischen Gedächtnisbruchstücke, die jetzt in dem Gehirn überall unvernetzt und unvertrautet liegen.
Speaker A
Sie sehen, wenn ein Trigger oder Reiz durch das Tor zum Bewusstsein, den Thalamus reinkommt.
Speaker A
Dann gibt es keine Verbindung über den Hippocampus, es wurde nicht vertratet mit dem damals und dort.
Speaker A
Es wird direkt das Netzwerk aktiviert, das Netzwerk feuert.
Speaker A
Es wird eine starke Angstreaktion geben, eine starke körperliche Reaktion.
Speaker A
Jetzt haben unsere Amygdala einen Gegenspieler, der sie sehr gut hemmen kann, wenn man ihm dazu 100 bis 300 Millisekunden Zeit gibt.
Speaker A
Das ist der mediale präfrontale Kortex.
Speaker A
Dazu muss er aber wissen und informiert werden, dass er das tut.
Speaker A
Etwas, was er während der Traumatherapie bei quasi allen Therapieformen implizit oder explizit lernt.
Speaker A
Da er das hier nicht tut.
Speaker A
Kann nichts passieren und es kommt zu einer sehr schwachen Hemmung der Amygdala.
Speaker A
Ein Patient.
Speaker A
Nach einer erfolgreichen Traumatherapie.
Speaker A
Erlebt wieder diesen Reiz.
Speaker A
Und jetzt hat er einen trainierten Hippocampus und die Dinge sind da, wo sie hingehören.
Speaker A
Nämlich vertratet in das damals und dort.
Speaker A
Also läuft die Reaktion wie eine Gedächtniserinnerung ab.
Speaker A
Der mediale präfrontale Kortex hat Zeit genug, die Amygdala zu hemmen.
Speaker A
Und es kommt zu einer traurigen, schwachen Reaktion im Rahmen einer Erinnerung.
Speaker A
Und nicht zu einem Flashback.
Speaker A
Macht es Sinn?
Speaker A
Dann haben wir es geschafft.
Speaker A
Die Konklusion, denke ich, ist klar.
Speaker A
Traumatherapie lohnt sich.
Speaker A
Eine Traumafolgestörung ist nichts Peinliches, sondern eine normale Reaktion des Gehirns.
Speaker A
Traumata können jedem passieren und sind kein Beweis, dass man wertlos oder die Welt grenzenlos gefährlich ist.
Speaker A
Traumatherapie hat hohe Effektstärken, es gibt verschiedene Formen.
Speaker A
Sie ist neurobiologisch gut nachvollziehbar.
Speaker A
Und sie ist für Menschen mit Empathie gut erlernbar und lohnt sich für Patienten und Therapeuten.
Speaker A
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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