Speaker A
Habt ihr eine Vorstellung davon, wie viele Axone sich in einem tractus corticospinalis finales befinden? Schätzungen: Die Antwort ist etwa eine Million. Eine Million links, eine Million rechts und etwa 20.000 kommen von den Pyramiden. Zählen also 20.000 links und 20.000 rechts. Gut, wo geht es hin? Das hier ist die Corona Radiata und die konvergiert, oder die motorischen Fasern konvergieren dann hier in der Capsula Interna zwischen Pallium und Thalamus. Und man kann es gar nicht oft genug sagen: Wenn es zur Chemie oder Blutungen hier im Bereich der Capsula Interna kommt, kommt es in der Regel zu großen Ausfällen. Und diese Infarkte sind gar nicht so selten. Aber ein paar mehr Details dazu gibt es dann im entsprechenden Video zur Blutversorgung. Gut, was befindet sich dann unter dem Thalamus? Mesencephalon. Da müssen wir als Nächstes durch. Ein paar Landmarken hier: Dieses Gebiet hier ist mit einer häufigen neurodegenerativen Erkrankung vergesellschaftet. Ihr habt bestimmt alle schon einmal was davon gehört. Einige haben wahrscheinlich auch Großeltern, die daran leiden. Ich habe auch eine Oma, die daran leidet. Das ist wirklich relativ häufig. Auch der weltberühmte Boxer Muhammad Ali hatte das auch: Bingo, Morbus Parkinson. Wenn man einen Schnitt durch das Mesencephalon macht, sieht das hier tatsächlich schmerzlich aus. Und deshalb hat man das einfach Substantia Nigra genannt, also schwarze Substanz. Diese zwei Knüppel hier, das sind die Kollegen hier in diesem Schnitt, speziell die Crus Cerebri Superior. Es gibt dann noch zwei direkt darunter, die Kollegen Ferri Oris. Weiß noch jemand, wozu die Crus Cerebri Superior gut waren? Richtig, visuelle Reflexe. Und diese Bereiche, das hat mir auch schon mal kurz erwähnt, das ist das Tectum, also das Dach des Mittelhirns. Der Bereich in der Mitte ist das Tegmentum. Und jetzt kommen wir zu dem, was uns in diesem Kapitel interessiert: Dort verlaufen unsere motorischen Fasern nämlich hier. Das nennt man das Crus Cerebri, also übersetzt Hirnschenkel. Dort verläuft jetzt jeweils links und rechts ein dickes Bündel weiße Substanz. Also bei uns ist sehr gut, aber es ist weiße Substanz. Das sind also die Axone unserer Motoneuronen. Fahren wir also weiter durch den Crus Cerebri auf die nächste Etage, also in die Pons. Und hier fahren wir dann etwas Slalom. Eventuell ist der Anteil der Pons nämlich übersät mit lauter kleinen Kerngebieten, den Nukleus-Punkten. Einige Fasern unserer Bahn enden an diesen Kernen und von den Nuclei ziehen sie dann weiter zum Kleinhirn. Dazu aber dann im entsprechenden Kapitel mehr. Die Fasern hier drin nennt man Contigogrund. Ihre Fasern als Neurose. Echt so einfach. Ich weiß nicht, wieso manche so Schwierigkeiten haben, sich diese Namen zu merken. Sie sind nur schwer auszusprechen, sie sind aber nicht schwer zu merken. Wir fangen jetzt aber weiter auf der Hauptstraße, nächste Etage mit Medulla oblongata. Dort finden wir im ventralen Bereich auf jeder Seite jeweils zwei längliche Erhebungen oder Wülste. Hier sind sie angeschnitten. Die hier außen werden durch die Olivenkerne gebildet. Die beiden medialen werden Pyramiden genannt. Und Reimer dürfte haben, was hier dann durchzieht? Genau, unsere Pyramidenbahn. Im Medulla oblongata-Bereich der Medulla oblongata teilt sich die Bahn auf: Eine kleine Piste geht geradeaus weiter und eine große Bahn kreuzt an dieser Stelle. Das Ganze spiegelverkehrt natürlich auch auf die andere Seite. Und diese große Kreuzung heißt Pyramidenkreuzung oder auf schlau: Decussatio pyramidum. Ganz schön viel Verkehr so in der unteren Medulla. Die Autobahn von unten nach oben kreuzt hier nun die Autobahn von oben nach unten. Das ist auch ein riesiges Autobahnkreuz. 90 Prozent der motorischen Fasern kreuzen und zehn Prozent gehen weiter geradeaus. Was heißt das aber klinisch und wieso ist es jetzt interessant zu wissen, wo die Pyramidenkreuzung ist? Wenn ein Patient eine Läsion oberhalb dieser Kreuzung hat, welche Seite kann er dann nicht mehr bewegen? Richtig, die kontralaterale. Befindet sich die Läsion jetzt aber unterhalb dieser Kreuzung, dieser Degeneration, dann fällt die ipsilaterale Seite aus. Also die Pyramidenbahn hat sich in der Medulla oblongata aufgezeigt: 90 Prozent der Fasern kreuzen, 10 Prozent lateral. Die restlichen 90 Prozent kreuzen auf die Gegenseite und verlaufen dann im Rückenmark einmal hier ventral und werden lateral im Rückenmark gekreuzt. Somit heißen diese Trakte tractus corticospinalis finales internus und tractus corticospinalis finales lateralis. Auf dem Weg nach unten müssen dann irgendwie die Muskeln angesteuert werden, also die hier. Dafür sitzen sie nicht hier im Vorderhorn. Die zweite Motoneurone, die meisten Fasern der ersten Motoneurone werden über Interneurone verschaltet. Nur etwa zwei Prozent, eine Million Fasern, kommen von den sogenannten Riesen-Zellen und werden direkt auf die zweite Neurone verschaltet. Gut, aber was ist denn jetzt hier mit den anderen Fasern? Die sehen ja immer noch irgendwie auf der falschen Seite. Und ihr könnt es euch denken: Diese kreuzen erst auf der entsprechenden Ebene, von der es zum Zielmuskel geht, auf die andere Seite. Und auch hier seht ihr wieder die Schotterpisten von unten nach oben kreuzen schon auf demselben Rückenmarkssegment und die Schotterpisten von oben nach unten kreuzen auch erst auf dem entsprechenden Rückenmarkssegment. Und auch der tractus corticospinalis anterior ist für primitive Muskeln zuständig. Die Muskeln des Rumpfes und der Gliedmaßen kamen evolutionsbiologisch auch erst später dazu. Die werden über den tractus corticospinalis lateralis gesteuert. So, wir haben es also die Pyramidenbahn von Anfang bis Ende abgefahren. Aber wie jede Straße hat auch diese ein paar Abzweigungen und auf die wichtigsten gehen wir hier ganz kurz ein. Zuerst eine Hauptabzweigung geht zu den Basalganglien. In einem späteren Kapitel werden wir lernen, wie genau die Basalganglien Einfluss auf unsere Bewegung nehmen und wofür sie gebraucht werden. Nur kurz: Damit unsere Bewegung flüssig und kontrolliert ablaufen, müssen wir den Basalganglien unterwegs mitteilen, was wir vorhaben, sonst wird das nix. Für ähnliche Hintergrundtätigkeiten ist der Nukleus Ruber zuständig. Im Diagramm ist er nicht rot, sondern lila der Übersichtlichkeit halber, aber in echt ist der Bereich im Querschnitt wirklich rötlich. Auch der muss Bescheid bekommen. Dann, was war nochmal hier? Das diffuse neuronale Netzwerk, richtig, Formation Reticularis. Die wird auch aktiviert, wenn wir irgendwohin laufen oder nach der Bierflasche greifen. Sollten wir schon ein gewisses Mindestmaß an Aufmerksamkeit mitbringen, also Bewusstsein anschalten. Dann jetzt lernen wir eine neue Kerngruppe kennen: die Nucleus Vestibularis. Somit könnten die zusammenhängen. Ja, in erster Linie müssen sie irgendwas mit Gleichgewicht zu tun haben, aber sie sind auch zuständig für den Tonus der Extensoren, also der Streckmuskeln. Und zu guter Letzt noch eine wichtige Verbindung zu den Olivenkernen und über die Olivenkerne dann zum Kleinhirn. Das muss ja auch Bescheid wissen. Es muss ja unsere aktuelle Position melden, damit der richtige Bewegungsplan ausgepackt wird. Okay, wir wollen jetzt aber nicht abbiegen, wir wollen direkt einen Muskel ansteuern.