Speaker A
Hier haben wir den Gesichtsschädel. Hier seht ihr die Maxilla und die Mandibula. Das hier ist ein Schnitt durch das Os sphenoidale und das ist der Processus pterygoideus. Welche große Arterie interessiert uns jetzt? Die Arteria carotis interna. Wie kommt ihr eigentlich in den Schädel? Sie hat einen eigenen Kanal, den Canalis caroticus, der mündet oberhalb des Foramen lacerum. Und wir erinnern uns: Mit der Arteria carotis interna kommen auch die sympathischen Fasern wieder zurück in den Kopf- und Halsbereich. Was kam dann für eine wichtige Struktur in der mittleren Schädelgrube? Wir haben so oft darüber gesprochen, vor allem im Zusammenhang mit den Hirnnerven. Genau, der Sinus cavernosus. Die Arteria carotis interna durchdringt die Dura mater und schwimmt anschließend im Sinus cavernosus. Dabei biegt sie hier nach anterior ab, verläuft dann nach oben, durchstößt medial den Processus clinoideus anterior, das Dach des Sinus cavernosus, schwimmt dann im Ligamentum of the subarachnoidalraum und biegt dort dann wieder nach hinten ab. An dieser Stelle sehen wir jetzt alle Anteile der Arteria carotis interna: die Pars cervicalis, die Pars petrosa im Knochen, die Pars cavernosa und die Pars cerebralis. Bis hierhin gibt die Arteria carotis interna keinen Ast ab, erst ab der Pars petrosa geht's los. Wohin könnte sie da abgeben? Was befindet sich hier im Felsenbein? Ohne das könntet ihr mir jetzt nicht zuhören. Genau, Mittelohr und Innenohr. Die Arteria carotis interna gibt hier die Arteria caroticotympanica ab zum Mittelohr. Gehen wir weiter. Was befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Sinus cavernosus? Erinnert ihr euch noch an die gelbe Kulla hier? Das Ganglion trigeminale. Und was reitet dann medial davon in der Sella turcica? Die Hypophyse. Wir gehen jetzt nicht auf jeden Ast ein und ich werde jetzt auch nicht jeden kleinen Ast einzeichnen, aber ein paar einprägsame wie die Arteria hypophysialis inferior oder die Rami ganglionares trigeminales sind ja eigentlich nicht so schwer zu merken. Man muss ja auch nicht so wahnsinnig viel auswendig lernen, wenn man einfach nur weiß, wo man sich gerade anatomisch befindet. Also im Felsenbein ein Ast, Mittelohr, im Sinus cavernosus zum Ganglion trigeminale und auch einen Ast zur Hypophyse. Machen wir weiter. Pars cerebralis, wo fährt die vorbei? An der Orbita. Und da sitzt eine ziemlich wichtige Struktur, die auch eine Blutversorgung gebrauchen könnte: unser Auge. Dort zieht die Arteria ophthalmica hin, zusammen mit dem Nervus opticus durch den Canalis nervi optici. Die wiederum gibt mehrere kleine Äste ab, die die Strukturen hier versorgen. Aber einen wichtigen Ast merken wir uns schon mal an dieser Stelle: die Arteria centralis retinae. Die versorgt, wie der Name schon sagt, die Retina. Wenn sich ein Thrombus hierher verirrt, kommt es zur Erblindung des betroffenen Auges. Mehr dazu lernen wir dann im Kapitel Blutversorgung des Auges. Als nächstes geht eine Arterie nach hinten ab, die kommuniziert mit dem hinteren Stromgebiet: die Arteria communicans posterior. Und noch eine wichtige Arterie möchte ich erwähnen, bevor sich die Arteria carotis interna in ihre Endäste teilt: die Arteria choroidea anterior. In welche Richtung zieht die? Das sagt ja schon der Name, zu einem Plexus choroideus. Welcher Plexus choroideus wäre jetzt hier in der Nähe? Der des dritten Ventrikels. Aber das macht ja jetzt noch nicht so spannend, was sich alles um den dritten Ventrikel herum befindet. Und jetzt geht's los: die Arteria choroidea anterior, deren Name ja jetzt nicht so viel Spektakuläres vermuten lässt, versorgt auf ihrem Weg noch die hintere Hälfte des hinteren Schenkels der Capsula interna, einschließlich der Seh- und Hörstrahlung, dann mediale Anteile des Globus pallidus, den Tractus opticus, den Schwanz des Nucleus caudatus, den im Temporallappen gelegenen Uncus (Stichwort Unkushirndruckerhöhung), Anteile der Amygdala, Anteil des Hippocampus, die äußere Hälfte des Corpus geniculatum laterale und das mittlere Drittel der Crus cerebri. Ihr müsst euch das jetzt nicht so im Detail merken an dieser Stelle, aber im Hinterkopf behalten: Arteria choroidea anterior zieht zum dritten Ventrikel und da gibt es unterwegs viele wichtige Strukturen, an deren Versorgung sie beteiligt ist, grob zu höheren Basalganglien. Kommen wir zu den Endästen der Arteria carotis interna. Sie teilt sich dann auf in die Arteria cerebri anterior und in die Arteria cerebri media. Die Arteria cerebri anterior verläuft dann in Richtung Frontallappen, die Arteria cerebri media Richtung Parietallappen, also nach lateral. So, und da wir hoffentlich alle keinen Schlaganfall haben sollten, haben wir auf der anderen Seite auch eine Blutversorgung. Also das Ganze noch mal: Arteria carotis interna, Arteria cerebri media und die Arteria cerebri anterior. Und jetzt kommunizieren nicht nur die vordere Strombahn mit der hinteren, sondern auch die rechte Hälfte mit der linken. Ihr seht, das Gehirn ist offenbar sehr wichtig, weshalb die Evolution einige Sicherungssysteme eingebaut hat. Und das läuft dann über die Arteria communicans anterior. Natürlich haben wir auch auf der anderen Seite eine Arteria communicans posterior. Verbinden wir jetzt mal alle Stromgebiete miteinander. Wie heißen übrigens Verbindungen zwischen zwei Arterien auf medizinisch? Anastomosen. Hier haben wir noch einmal die Arteria vertebralis, die Arteria basilaris und die Arteria cerebri posterior. Die Arteria communicans posterior verbindet jetzt die Arteria carotis interna mit der Arteria cerebri posterior. Und haben wir uns damit jetzt nicht einen wunderschönen Ring gebastelt? Der heißt auf schlau Circulus arteriosus oder wer auf Eigennamen steht Circulus Willisii. Also noch mal kurz zusammengefasst: Der Circulus arteriosus cerebri, in diesem Fall, es gibt ja noch andere Arterienringe, ist ein arterieller Gefäßring, der die drei großen hirnversorgenden Arterien miteinander verbindet. Er befindet sich an der Gehirnbasis und diese Verbindungen sind bei Gesunden meist nicht so stark ausgeprägt. Das heißt, dass sie bei einem plötzlichen totalen Verschluss einer der Hauptarterien nicht viel helfen können. Aber bei chronischer Stenosierung verstärken sich diese Anastomosen so, dass im Extremfall eine einzige Hauptarterie ausreicht, um die Blutversorgung des gesamten Gehirns sicherzustellen. Schauen wir also noch mal genauer in unserer Standardabbildung an. Hier kommt die Arteria carotis interna von unten und teilt sich in die Arteria cerebri anterior und in die Arteria cerebri media auf. Wenn ihr den Verlauf so seht, was meint ihr, wo landen Thromben, die mit der Arteria carotis interna mitgeschwemmt werden, häufiger? Anterior oder media? In der media. Sie ist die direkte Fortsetzung der Arteria carotis interna. Um in die vordere Hirnschlagader ums Eck abbiegen zu müssen, abzubiegen, braucht es mehr Aufwand für den Thrombus. Dann haben wir hier die Arteria communicans anterior und die Arteria communicans posterior. Und die zwei hier vergessen wir auch nicht: die Arteria ophthalmica und die Arteria choroidea anterior. Was war klinisch noch interessant hier am Circulus arteriosus? Wir haben kurz darüber gesprochen, ich denke im Kapitel Meningenaneurysmen. Die meisten Aneurysmen im Gehirn finden wir hier im Circulus arteriosus und von diesen sitzen die meisten an der Arteria communicans anterior. Was war klinisch interessant bei der Arteria ophthalmica? Genau, Blindheit. Arteria choroidea anterior anteilig Sehen, Hören, Basalganglien. Arteria basilaris Hirnstamminfarkt und wenn man Pech hat und es überlebt, unter Umständen ein Locked-in-Syndrom. Dann Arteria labyrinthi, einfach mal logisch denken: Taubheit und Schwindel. Und man diskutiert, ob die nicht etwas mit einem Tinnitus zu tun haben könnte. Gut, die kleinen Arterien sind, denke ich, klar. Bewegungsstörung am häufigsten ist übrigens die PICA betroffen von einem Verschluss.