Neuroanatomie: Was genau passiert bei Dopaminmangel bei… — Transcript

Erklärung der Dopaminmangelsymptome bei Morbus Parkinson und deren neuroanatomische Ursachen.

Key Takeaways

  • Dopaminmangel führt zu Bewegungsstartschwierigkeiten und Tremor bei Parkinson.
  • Der indirekte Weg im Gehirn reguliert und bremst überschießende Bewegungen.
  • Die Parkinson-Symptomatik besteht aus Bewegungsarmut, Muskelsteifheit und Zittern.
  • Das Gleichgewicht zwischen Dopamin und Acetylcholin ist entscheidend für die Bewegungssteuerung.
  • Therapeutische Ansätze müssen individuell auf die vorherrschenden Symptome abgestimmt werden.

Summary

  • Dopaminerge Neurone in der Substantia nigra degenerieren bei Morbus Parkinson.
  • Patienten haben Schwierigkeiten, Bewegungen zu starten, besonders den ersten Schritt.
  • Der direkte Weg zur Bewegungsinitiierung ist durch Dopaminmangel gestört.
  • Der indirekte Weg dient als Regulationsmechanismus, um überschießende Bewegungen zu verhindern.
  • Tremor entsteht durch fehlende Hemmung überschießender Bewegungen im Striatum.
  • Symptomtrias bei Parkinson umfasst Brady- oder Akinese, Rigor und Tremor.
  • Rigor zeigt sich als Muskelsteifheit mit dem Zahnradphänomen bei passiver Gelenkbewegung.
  • Ruhetremor entsteht durch relative Überaktivität von Acetylcholin im synaptischen Spalt.
  • Medikamentöse Therapie richtet sich nach dominierenden Symptomen und kann Dopamin erhöhen oder Acetylcholin senken.
  • Dopamin-Antagonisten können Parkinson-Syndrome als Nebenwirkung auslösen.

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Speaker A
Was ist, wenn das Dopamin nicht mehr da ist? Es gibt ein häufiges Krankheitsbild oder ein häufiges neurologisches Krankheitsbild, bei dem genau diese dopaminergen Neurone in der Substantia nigra degenerieren. Genau.
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Speaker A
Morbus Parkinson. Was ist das Problem dieser Patienten? Oder eins der Probleme? Gebt bei YouTube mal Parkinsonian Gait Demonstration oder Freezing of Gait ein und schaut mal, was euch beim Versuch aus dem Stand loszulaufen auffällt. Da seht ihr ganz
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Speaker A
klassisch, die haben richtig Mühe, den ersten Schritt zu machen. Es bedarf sogar mehrere Versuche, endlich zu starten. Wenn man als Gesunder daneben steht, denkt man sich: "Mein Gott, jetzt hebt doch endlich den Fuß an. Es läuft doch los, es kann doch nicht so schwer sein."
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Speaker A
Aber dadurch, dass das Dopamin hier fehlt, funktioniert die Zündung nicht. Wenn sie dann einmal laufen, dann laufen sie.
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Speaker A
Aber bis es einmal soweit ist, mühen sich die Patienten richtig ab. Gut, haben wir das verstanden. Aber wozu brauchen wir denn eigentlich eine zusätzliche Hemmung des hemmenden Weges, wenn es anscheinend so schon schwierig ist, eine Bewegung zu starten? Ihr
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Speaker A
merkt, ich stelle genau die Fragen, die ich mir am Anfang auch gestellt habe. Erstens, denkt daran, der Weg ist für die Gegenspieler, also die Antagonisten.
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Speaker A
Wenn ich meine Hand schließen will, sollten die keine Schwierigkeiten haben zu relaxieren. Das heißt, die Zündung muss in Sachen Kontraktion funktionieren, aber auch das Relaxieren muss ja gezündet werden, natürlich gleichzeitig. Zweitens, der Körper tendiert dazu, bei Bewegungen überzuschießen. Dieser indirekte Weg ist
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Speaker A
einer der vielen Regulations- und Fine-Tuning-Mechanismen, um dieses Überschießen einzudämmen und eine Bewegung flüssig ablaufen zu lassen.
01:56
Speaker A
Nehmen wir wieder den Parkinson-Patienten und ihr schaut mal auf YouTube unter Parkinson Deep Brain Stimulation und schaut auch mal die offensichtlichen Symptome vom David an. Das dürfte das erste Video gleich sein. Das ist natürlich ein extremer Fall, aber das
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Speaker A
passiert, wenn hier das Dopamin fehlt, um die überschießenden Bewegungen einzudämmen. Der Patient will eigentlich normal still sitzen, aber der Körper bekommt es nicht hin. Der zieht, der Agonist am Bein, zieht zu doll, dann checkt der Antagonist das, will es
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Speaker A
korrigieren, zieht wieder zurück, zieht aber zu doll, dann kommt der Agonist wieder, sagt: "Nein, das war zu viel," zieht wieder zurück und so weiter. Und das Ergebnis ist ein Tremor. Der Patient sieht aus, als würden zwei Leute an ihm
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Speaker A
hin und her zerren. Das heißt, die Startschwierigkeiten liegen daran, dass beim direkten Weg das Dopamin nicht erregen kann und der Tremor kommt daher, dass wir Bewegungen auch nicht wieder rechtzeitig über den indirekten Weg stoppen können. Ich hoffe, dass das so
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Speaker A
klar geworden ist, was die dopaminergen Neurone hier so treiben. Was passiert also, wenn diese Kreisläufe gestört werden? Kommt natürlich darauf an, wo das Problem liegt. Je nachdem, welcher Weg gestört ist, bewegen wir uns entweder zu wenig oder zu viel. Es kommt
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Speaker A
zu einer Hypo- oder Hyperkinesie oder insgesamt zu einer Dyskinesie, einer Störung im Bewegungsablauf. Wenn die Zündung nicht mehr funktioniert, das haben wir ja jetzt schon besprochen, kommt es zum Morbus Parkinson.
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Speaker A
Die Patienten zeigen eine Symptomtrias aus Brady- oder Akinese, also die Bewegungsarmut, einen Rigor, also Muskelsteifheit, und den Tremor, also das Muskelzittern.
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Speaker A
Die beiden haben wir gerade besprochen. Den Rigor könnt ihr euch eigentlich auch herleiten. Rigor bei Parkinson-Patienten müsst ihr euch so vorstellen, wenn ihr als Untersucher das Hand- oder Ellenbogengelenk passiv bewegt, fühlt es sich so an, als ob ihr versuchen würdet,
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Speaker A
ein Bleirohr zu biegen oder biegt man eine Büroklammer auseinander. Es geht, aber es geht langsam und mit Widerstand.
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Speaker A
Und so geht es euch auch mit Parkinson-Patienten, wenn ihr die Gelenke testet. Zusätzlich merkt ihr dabei noch ein anderes Phänomen. Während ihr das Gelenk bewegt, fühlt es sich so an, dass während der Bewegung das Gelenk ständig irgendwo einrastet. Es ist, als ob die
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Speaker A
Patienten ein Zahnrad eingebaut hätten und das Phänomen heißt auch tatsächlich Zahnradphänomen. Und es ist auch logisch erklärt, wenn die Antagonisten nicht loslassen können, dadurch dass der indirekte Weg ein Tick zu stark hängt, sind die Muskeln insgesamt sehr steif. Egal, in welche
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Speaker A
Richtung ihr die Gelenke bewegen wollt. Und auch insgesamt sind andere Strukturen, die für den Muskeltonus zuständig sind, aus dem Gleichgewicht, was auch noch zu dieser Muskelsteifheit beiträgt. Ihr erinnert euch, der Körper tendiert immer ein wenig dazu, überzuschießen. Und wenn irgendwo ein
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Speaker A
Regulationsmechanismus ausfällt, ist alles aus dem Gleichgewicht. So haben wir uns auch den Tremor erklärt. Aber der Tremor bei den Patienten ist ein Ruhe-Tremor. Die wollen sich gar nicht bewegen in dem Fall.
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Speaker A
Wieso tun sie das dann ungewollt, wenn sie doch selbst gewollt total Schwierigkeiten haben, eine Bewegung zu initiieren? Das liegt daran, dass Acetylcholin plötzlich keinen Gegenspieler mehr hat.
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Speaker A
Dadurch, dass die Dopaminkonzentration rapide abgenommen hat, ist die relative Acetylcholinkonzentration in den synaptischen Spalten viel zu hoch und das befeuert kreisende Bewegungen oder kreisende Erregungen im Striatum, die dann irgendwann so stark sind, dass sie ungewollte Bewegung auslösen können. Und
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Speaker A
ihr fragt euch wahrscheinlich, warum ich das so detailliert bespreche, aber in Pharma werdet ihr es mir dann danken, denn dann versteht ihr, warum, wann, welche Medikamentenkombination gegeben werden. Es kommt darauf an, welche Symptome bei den Patienten dominant sind. Der eine hat sein Hauptproblem in
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Speaker A
der Akinese, ein anderer kann sich durch den Tremor nicht einmal selbst anziehen, geschweige denn essen. Man kann ja nicht nur Dopamin geben und die Konzentration erhöhen, man kann auch die Konzentration des Acetylcholins senken und so weiter. Wir als Ärzte können aber Parkinson-Syndrome
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Speaker A
auch auslösen, indem wir Dopamin-Antagonisten geben und die Rezeptoren hier blocken. Das ist zwar nicht unser initiales Bestreben, normalerweise wollen wir die Patienten eigentlich von ihren Stimmen im Kopf befreien, aber einige Antipsychotiker haben dann die Nebenwirkung, dass die
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Speaker A
Stimmen zwar weg sind, aber der Patient sich dann nicht mehr richtig bewegen kann und durch den Tremor genervt wird.
Topics:Morbus ParkinsonDopaminmangelSubstantia nigraBewegungsstörungenTremorRigorAkineseZahnradphänomenAcetylcholinNeuroanatomie

Frequently Asked Questions

Warum haben Parkinson-Patienten Schwierigkeiten, eine Bewegung zu starten?

Bei Parkinson fehlt Dopamin im direkten Bewegungsweg, wodurch die 'Zündung' für die Kontraktion der Muskeln nicht funktioniert, was zu Startschwierigkeiten führt.

Wie entsteht der Tremor bei Morbus Parkinson?

Der Tremor entsteht durch überschießende Bewegungen, die nicht rechtzeitig über den indirekten Weg gehemmt werden, sowie durch ein Ungleichgewicht zwischen Dopamin und Acetylcholin im Striatum.

Was versteht man unter dem Zahnradphänomen bei Parkinson?

Das Zahnradphänomen beschreibt das Gefühl eines ruckartigen Einrastens bei passiver Gelenkbewegung, verursacht durch Muskelsteifheit und eine zu starke Hemmung des indirekten Bewegungswegs.

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