Detaillierte Erklärung des Mittelohrs mit Fokus auf das Trommelfell und die laterale Wand des Mittelohrs.
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Key Takeaways
- Das Trommelfell ist zentral für die Anatomie und Funktion des Mittelohrs und hat eine komplexe Struktur und Lage.
- Die Unterscheidung in Pars tensa und Pars flaccida ist wichtig für das Verständnis von Verletzungen und Perforationen.
- Die Innervation des Trommelfells erklärt Schmerzübertragungen und vegetative Reaktionen bei Reizungen.
- Der Lichtreflex des Trommelfells ist ein wichtiger diagnostischer Marker bei der Otoskopie.
- Klinische Erkrankungen wie die Ramsay-Hunt-Neuralgie können das Trommelfell betreffen und sollten erkannt werden.
What the video covers
- Das Mittelohr wird in drei Räume eingeteilt: Mesotympanon, Epitympanon und Hypotympanon.
- Das Trommelfell ist die wichtigste Struktur der lateralen Wand des Mittelohrs und hat eine konvexe Form mit einem Durchmesser von etwa 1 cm.
- Das Trommelfell ist in Pars tensa (straff gespannt) und Pars flaccida (locker) unterteilt, bedingt durch die Verbindung zum Hammer und die knöcherne Einbettung.
- Histologisch besteht das Trommelfell aus drei Schichten: Stratum cutaneum, Stratum fibrosum und Stratum mucosum.
- Der Lichtreflex auf dem Trommelfell ist ein wichtiger diagnostischer Hinweis bei Otoskopie und kann bei Pathologien verändert oder verloren gehen.
- Das Trommelfell wird von mehreren Hirnnerven innerviert: Ramus auriculotemporalis (N. mandibularis), Ramus auricularis (N. vagus und N. facialis) außen und N. glossopharyngeus innen.
- Nerveninnervation kann Schmerzen aus anderen Regionen (z.B. Zähne, Rachen) in das Ohr ausstrahlen und vegetative Reflexe auslösen.
- Klinisch relevant ist die Ramsay-Hunt-Neuralgie, bei der Herpesviren im Ganglion geniculatum das Trommelfell befallen können.
- Das Trommelfell wird zur Orientierung in vier Quadranten eingeteilt, mit dem Umbo als tiefstem Punkt.
- Praktische Hinweise zur Ohrspülung und Vorsicht vor Fremdkörpern im Gehörgang werden gegeben.
Chapters
- 00:00Einleitung und Einteilung des Mittelohrs
- 00:36Die laterale Wand des Mittelohrs und das Trommelfell
- 01:57Lage und Form des Trommelfells
- 02:32Praktische Hinweise zur Fremdkörperentfernung im Ohr
- 03:58Histologie des Trommelfells
- 05:23Anatomische Besonderheiten und Spannung des Trommelfells
- 05:52Pars tensa und Pars flaccida des Trommelfells
- 07:10Strukturen und Lichtreflex des Trommelfells
- 10:11Quadranten des Trommelfells und Otoskopische Ansicht
- 10:57Innervation des Trommelfells und klinische Relevanz
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Speaker A
Das Mittelohr können wir in drei Räume einteilen. Dazu können wir das Trommelfeld zur Hilfe nehmen. Alles, was auf der Höhe des Trommelfelds liegt, ist das Mesotympanon, alles darüber das Epitympanon und alles darunter das Hypotympanon. Jetzt sieht das auf meiner
Speaker A
Zeichnung natürlich alles riesig aus, aber wenn wir vom Mittelohr reden, reden wir über gewaltige 6 x 15 x 15 mm. So, jetzt kennen wir uns in der Umgebung des Mittelohres aus und wir kennen so grob seinen Aufbau. Jetzt gehen
Speaker A
wir ins Detail und wir fangen mit der lateralen Wand an. Was an der lateralen Wand dürfte so das Interessanteste sein? Genau, das Trommelfell. Das sehen wir in unserer Übersicht hier und hier unten stellen wir uns oder hier unten zeichnen wir uns das
Speaker A
Trommelfell mal etwas vergrößert. In Wirklichkeit hat es etwa einen Durchmesser von 1 cm und sie ist nicht so senkrecht eingespannt, wie wir es bis jetzt gezeichnet haben, sondern in einem bestimmten Winkel, also einem Winkel von etwa 55° zum Boden des äußeren
Speaker A
Gehörgangs. Außerdem ist es etwas um die Längsachse nach anterior gedreht, sodass wir hier etwas von der Oberfläche sehen können. Würde das Trommelfell direkt nach lateral zeigen, wäre das jetzt nicht der Fall, dass wir dann die Oberfläche sehen könnten und das
Speaker A
haben wir schon erwähnt, dass das Trommelfell nicht einfach flach ist, sondern die Fläche ist konvex. Wieso ist es so praktisch, über die Neigung des Trommelfells Bescheid zu wissen? Wenn wir einen Fremdkörper im Ohr hätten, wo würde dieser am ehesten stecken? Wahrscheinlich
Speaker A
im hintersten Eck, also hier. Wenn ich diesen herausspülen wollen würde, ginge das am einfachsten, wenn ich den Wasserstrahl der Spritze irgendwie hinter den Fremdkörper bringen könnte. Also versuche ich, den Strahl am oberen Bereich des Gehörgangs entlang zu spritzen, damit er hier herunterkommen
Speaker A
und von hinten diesen Fremdkörper vorspülen könnte. Histologisch besteht das Trommelfell aus drei Gewebeschichten. Außen sehen wir zuerst das Stratum cutaneum als einschichtiges Plattenepithel. Dabei handelt es sich schlicht um die Fortsetzung der Haut des äußeren Gehörgangs. Innen finden wir das
Speaker A
Stratum mucosum als einschichtiges Epithelgewebe der Paukenhöhle. Das ist quasi die Fortsetzung der tympanalen Schleimhaut und in der Mitte haben wir das Stratum fibrosum als Bindegewebsschicht mit radiär und zirkulär verlaufenden Kollagen- und elastischen Fasern. Dann schauen wir mal, was wir sehen, wenn
Speaker A
wir eine Ohrspiegelung durchführen, also mit einem Otoskop in den Gehörgang leuchten. Der Griff des Hammers ist fest mit dem Trommelfell verwachsen. Das dürften wir auf jeden Fall sehen und dabei zeigt der Griff nach unten und nach hinten. Noch eine
Speaker A
andere Besonderheit: Von unten bis zum Processus mallei laterales ist das Trommelfell sehr, sehr straff gespannt und jetzt muss ich überlegen, ob ich das ganz am Anfang richtig erzählt habe. Also das ist der Griff, dass der Processus lateral ist und
Speaker A
es gibt noch einen Processus anterior, der direkt auf uns zuzeigen würde. Ich hoffe, ich habe das richtig gesagt am Anfang, wenn nicht, habe ich es jetzt hiermit berichtigt. Kommen wir wieder zurück. Also der Teil ist straff gespannt bis zum
Speaker A
Processus mallei laterales und der Teil heißt daher auch Pars tensa. Oberhalb des Prozesses ist die Membran relativ locker, das wäre dann die Pars flaccida. Der Grund für die unterschiedliche Spannung ist zum einen, dass die Pars tensa mit dem Hammer
Speaker A
verwachsen ist und dieser das Trommelfell trichterförmig nach innen zieht und spannt und zum anderen ist das Trommelfell in eine knöcherne Rinne eingelassen, dem Sulcus tympanicus. Das heißt, welcher Teil des Trommelfells ist eher anfällig für Perforation? Eher der obere lockere
Speaker A
oder der untere feste? Eher der obere lockere. Okay, was wir auch noch durch die Membran schimmern sehen, ist der Processus laterales des Malleus. Dieser wirft am Übergang von Pars tensa zur Pars flaccida zwei Falten, die Striae membranae tympanicae anterior und
Speaker A
posterior. Etwas anderes, was wichtig ist, ist ein Lichtreflex, den wir physiologischerweise bei der normalen Otoskopie sehen. Durch die bestimmte Neigung und Drehung des Trommelfells tritt dieser Lichtreflex hier in Erscheinung. Bei Pathologien kann dieser Lichtreflex verändert sein oder verloren
Speaker A
gehen, z. B. wenn sich das Trommelfell durch Mittelohrentzündung und Ergüsse nach außen wölbt. Okay, was haben wir bis jetzt am Trommelfell? Unterscheiden wir die Pars tensa und die Pars flaccida, den Hammerstil sieht man als Stria mallearis und den Processus laterales als
Speaker A
Prominentia mallearis. Von der Prominentia mallearis gehen die zwei Falten ab, die Striae membranae tympanicae anterior und posterior. Der tiefste Punkt im Gel, also an der Spitze des Hammergriffs, den nennt man Umbo. Von ihm ausgehend kann man beim Gesunden den Lichtreflex im zweiten
Speaker A
Quadranten sehen. Das Trommelfell wird zur Orientierung nämlich in Quadranten eingeteilt. Es geht im Uhrzeigersinn: erster, zweiter, dritter und vierter Quadrant. Und hier sehen wir noch mal ein gesundes Trommelfell in echt. Welches Ohr ist das? Links oder rechts? Welche Seite
Speaker A
haben wir hier bis jetzt besprochen? Das ist rechts. Und was fällt hier auf? Der Lichtreflex zeigt nach links, statt wie bei uns nach rechts. Das ist also ein linkes Trommelfell. Was fehlt uns noch? Richtig, die Innervation des Trommelfelds. Die Außenseite wird von
Speaker A
Fasern aus gleich drei Hirnnerven versorgt, einmal dem Ramus auriculotemporalis. Das ist ja ein Ast des Nervus mandibularis, der ja dann wiederum ein Ast des Nervus trigeminus ist. Dann hat aber der Nervus vagus auch noch einen Ramus auricularis und in diesem Ramus
Speaker A
auricularis des Nervus vagus schleichen sich noch ein paar Fasern des Nervus facialis mit rein. Die Innenseite wird vom Nervus glossopharyngeus innerviert. Aber warum ist das wichtig zu wissen? Zum Beispiel versorgt der Nervus mandibularis mit seinen Ästen auch die untere
Speaker A
Zahnreihe. Bei starken Schmerzen können diese unter Umständen auch bis in den Gehörgang ausstrahlen. Und wenn ich den Nervus vagus hier ärgere, was könnte dann passieren? Ich kann dadurch auch vegetative Reaktionen auslösen. Wer beim Kinderarzt unbedingt eine Sauerei haben
Speaker A
möchte, der führt bei Kindern am besten eine Ohrspülung mit kaltem Wasser durch. Wenn ihr Pech habt, wird dem Kind übel und es muss sich übergeben. Aber eine Irritation des Nervus vagus kann z. B. auch zum Auslösen des Hustenreflexes oder Ähnliches führen. Grundsätzlich merkt
Speaker A
euch eins: Steckt nichts in den Gehörgang. Das Kleine ist das eure Faust und spült die nicht mit kaltem Wasser. Dann solltet ihr selbst vor Ohrproblemen, die den Gehörgang betreffen, verschont bleiben und eure Patienten brechen euch nicht vor die Füße. Okay, welcher klinische
Speaker A
Zusammenhang ist beim Nervus facialis interessant? Erinnert ihr euch noch an die fiesen Herpesviren, die sich im Ganglion geniculatum verschanzen können? Die können über diese Nervenfasern bis zum Trommelfell wandern und fiese schmerzhafte hämorrhagische, also blutige Bläschen dort verursachen. Das
Speaker A
nennt man dann Ramsay-Hunt-Neuralgie. Und was versorgt der Nervus glossopharyngeus hauptsächlich? Das hintere Drittel der Zunge und den Rachen. Wenn ihr also einen Patienten seht, der vergrößerte Halslymphknoten hat, über Schluckbeschwerden und stechende Ohrenschmerzen klagt und dann vielleicht noch Raucher ist, denkt auch an etwas
Speaker A
Bösartiges im Rachen, der irgendwo am Nervus glossopharyngeus knabbert.
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