Regisseur Fatih Akin: “Der Xatar-Film war total wichtig… — Transcript

Fatih Akin spricht über seine Herkunft, seinen Werdegang und die Bedeutung des Xatar-Films für seine Sicht auf Gesellschaft und Film.

Key Takeaways

  • Fatih Akin sieht sich primär als Geschichtenerzähler und Filmemacher, nicht als politischer Aktivist.
  • Seine biografischen Wurzeln und das Aufwachsen in einem sozialen Brennpunkt prägen seine Filme.
  • Der Xatar-Film war für ihn ein bedeutendes Projekt, das gesellschaftliche Themen und Diversität sichtbar macht.
  • Authentizität und funktionierende Geschichten sind für ihn wichtiger als Genre- oder Marktmechanismen.
  • Diversität im deutschen Film erfordert mehr als nur oberflächliche Maßnahmen, sondern echtes Engagement.

Summary

  • Fatih Akin beschreibt sich als Erzähler und Unterhalter, nicht als politischer Botschafter.
  • Er wurde 1973 in Hamburg geboren und lebt dort bis heute.
  • Seine Eltern stammen aus der Türkei und waren klassische Gastarbeiter.
  • Seine Mutter arbeitete als Lehrerin für türkische Kinder in Hamburg und prägte seine Kindheit stark.
  • Akin wuchs in einem sozialen Brennpunkt in Hamburg-Altona auf, erlebte ein Doppelleben zwischen Straße und Bildung.
  • Frühe Filmerfahrungen mit Super-8-Filmen und Disney prägten sein Interesse am Medium.
  • Er begann als Schauspieler und schrieb mit 18/19 Jahren sein erstes Drehbuch für 'Kurz und schmerzlos'.
  • Der Xatar-Film war für ihn ein wichtiges Projekt, das ihm half, gesellschaftliche Realitäten besser zu verstehen.
  • Er reflektiert über Diversität und die Herausforderungen im deutschen Film- und Kulturbetrieb.
  • Akin betont, dass Erfolg im Film nicht nur vom Verkauf abhängt, sondern von authentischem Erzählen.

Full Transcript — Download SRT & Markdown

00:00
Speaker A
Ich bin ein Erzähler. Ich bin Unterhalter. Das ist meine Bestimmung. Weißt du? Ich bin kein politischer Botschafter oder so was.
00:07
Speaker A
Und ich bin auch kein Vorbild und nichts. Ich bin ein Filmemacher und mehr oder weniger trivial.
00:12
Speaker A
Egal wie du es nennst, was du so, Arthouse-Unterhaltungsfilm. Ich trenne das gar nicht.
00:18
Speaker A
Es gibt gute und schlechte Filme. So, oder es gibt so Filme, die funktionieren, und es gibt Filme, die nicht funktionieren.
00:22
Speaker A
Sagen wir es mal so, das sind die Kategorien, in denen ich denke. Ich heiße Fatih Akin, oder Akin eingedeutscht.
00:56
Speaker A
Ich bin in Hamburg geboren, im August 1973, und seitdem lebe ich auch in Hamburg.
01:02
Speaker A
Und ich bin Filmemacher, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Meine Eltern sind aus der Türkei gekommen, mein Vater 1966 aus der Stadt Zonguldak am Schwarzen Meer.
01:15
Speaker A
Und meine Mutter 1968 aus Istanbul. Und es sind Türken. Und es waren klassische Gastarbeiter.
01:24
Speaker A
Also mein Vater war Fischer und er wollte Geld sparen für einen Motor. Und er dachte sich, wenn er zwei Jahre in so einer deutschen Fabrik arbeitet, die ihn seine Schwester connected hatte, den Arbeitsplatz, hat er so safe das Geld für den Motor.
01:41
Speaker A
Er wollte auch unbedingt nach Hamburg, weil er selber Seemann war. Und er wollte eine Hafenstadt.
01:46
Speaker A
Meine Mutter war eigentlich ganz unglücklich, weil sie war in der Türkei eine Lehrerin, eine Grundschullehrerin.
01:50
Speaker A
Und dann kam sie halt hierher und sie war eine Hausfrau und sie kannte die Sprache nicht.
01:55
Speaker A
Und sie war dann nur Mutter und sie wollte Deutsch lernen. Und dann war sie halt auch so Packerin und so bei Montblanc.
02:04
Speaker A
Und es hat sie halt gemacht, bis Deutschland, also Hamburg, als erstes Bundesland türkische Lehrkräfte eingestellt hat.
02:16
Speaker A
Für Schulkinder, die straight nach Deutschland kamen. Es war ja so, dass Gastarbeiter ihre Kinder oft hinterher gebracht haben und dann waren die schon so sechs, sieben, acht, neun Jahre alt in der Türkei.
02:30
Speaker A
Und als sie hierher kamen, damit sie nicht so völlig lost sind, hat Hamburg, so der Hamburger Senat, als erstes so ein Übergangssystem geschaffen, dass sie so halbtags Türkisch noch lernen, dass sie nicht so lost sind mit so Schulunterricht
02:42
Speaker A
und halbtags eben denselben Stoff auf Deutsch, so altersgerecht. Das ist die ehemalige Schule meiner Mutter.
02:48
Speaker A
Also das war so quasi da, wo sie gesagt hat: Ich bin jetzt angekommen in Deutschland.
02:54
Speaker A
Das war, als sie hier 1980 angefangen hat zu arbeiten. Dieses Gebäude, so eine kleine, ruhige Schule.
03:01
Speaker A
Das war so ihr Ding. Und sie war immer an einer Schule. Sie hat nicht gewechselt.
03:04
Speaker A
Sie war bis zur Rente hier. Es war halt immer streng. Meine Mutter kam mittags von der Schule, nachmittags. Deswegen waren wir Schlüsselkinder.
03:12
Speaker A
Und ich kam von der Schule und dann hat sie erst mal gepennt. Immer so straight, sie war immer fix und fertig.
03:19
Speaker A
Dann hat sie so Mittagsschlaf gemacht. Ich selbst war selten hier. Aber, die war halt so jeden Tag hier und hat Führerschein gemacht.
03:27
Speaker A
Das war auch eine große Nummer. Hatte sie so einen weißen VW Käfer. Und dann weiß ich manchmal, weil ich hing hier so rum, ich hatte einen Kumpel, der hat hier das hier gewohnt.
03:36
Speaker A
Nach der Schule ging ich immer vorbei und immer wenn ich hier einen weißen Käfer gesehen hab, wusste ich, sie ist noch bei der Arbeit.
03:41
Speaker A
Ich war schon immer bekannt. Ich war schon bekannt in der Nachbarschaft, bevor ich Filme gemacht habe.
03:45
Speaker A
Wegen meiner Mutter. Also, noch heute kommen Leute zu mir, so in meinem Alter und sagen: Hey, deine Mutter war meine Lehrerin, die hat mein Ohr gezogen und so was.
04:03
Speaker A
Ich bin in Altona aufgewachsen, und zwar aber auch in Altona Nord. Und da in so einem sozialen Brennpunkt, also mit sieben sind wir in so ein oder sechs, weiß ich gar nicht mehr, so 80, auf jeden Fall sind wir in so eine Hochhaussiedlung
04:19
Speaker A
gezogen und das war dann halt so schon eine Gegend in den 80er Jahren in Hamburg mit teilweise der höchsten Kriminalitätsrate, so Eckernförderstraße.
04:30
Speaker A
Und einerseits war so draußen auf der Straße so Gang-Land. Weißt du? Und dann war in der Schule aber so halt so Abitur, Bildung, was weiß ich.
04:42
Speaker A
Es war so ein bisschen so ein Doppelleben, obwohl das Gymnasium, wo ich war, auch so ein Kanak-Gymnasium war.
04:47
Speaker A
Das war nicht so, das war nicht so ein reines Alman-Gymnasium, wo nur so Whities abhängen.
04:52
Speaker A
Mein Bruder war auf so einer Schule und ich glaube, der hat auch ein bisschen darunter gelitten.
05:02
Speaker A
Mein Vater hat meinen Bruder und mich ins Kino mitgenommen, immer als wir noch Kinder waren.
05:07
Speaker A
Also ich glaube, das erste, was ich geguckt habe, war "Bernhard und Bianca" oder "Das Dschungelbuch", immer so Disney-Zeug.
05:13
Speaker A
Also immer wenn so ein neuer Zeichentrickfilm von Disney kam, hat mein Vater uns mitgenommen.
05:19
Speaker A
Bei mir gab es immer noch mal so ein besonderes Event, ich habe einen Cousin und der hat als Kind einen Autounfall gehabt, weißt du, und war deswegen so ein bisschen eingeschränkt in seiner Lebensqualität, sag ich mal, und eine Weile
05:37
Speaker A
halt viel zu Hause. Und seine Eltern, also meine Mutter ist die Schwester von meinem Vater.
05:45
Speaker A
Wir haben ihnen dann, da gab es noch keine VHS-Player und so Internet und so gab es ja so gar nicht.
05:51
Speaker A
Die haben ihnen einen Super-8-Projektor geschenkt mit den dazugehörigen Super-8-Filmen. Also wirklich so Filmspulen, die du so einlegst und dann so projiziert an die Wand.
06:03
Speaker A
Aber du musst dafür alles so dunkel machen. Du musst so ein kleines Kino zu Hause machen, weißt du.
06:08
Speaker A
Und die Filme, die es so damals gab, an Bruce Lee. Und das war eigentlich für mich so, die eine sehr frühe und eine sehr intensive Begegnung mit dem Medium.
06:19
Speaker A
Und das hat so den Samen gegeben. Damit hat das angefangen. Ja, Bruce Lee. Muss ich echt so sagen.
06:31
Speaker A
Also ich war so früh in dem Medium. Also, ich hab früh angefangen, Geld zu verdienen als Schauspieler.
06:40
Speaker A
Ich habe mich da natürlich, weil ich mich für Filme interessiert habe, wollte ich erst Schauspieler werden und dann vielleicht irgendwann Filmemacher, dachte ich.
06:45
Speaker A
Und da hatte ich so fünf Drehtage für so eine ARD-Serie im Studio Hamburg und so in Hamburg und habe dafür auch so eine echt so eine Klassenreise ausfallen lassen, weil es fiel genau auf diese Klassenreise, diese fünf Drehtage, da habe
07:02
Speaker A
ich das gemacht. Und dann passierte so was in meiner Nachbarschaft, so ein in meinem inneren Freundeskreis.
07:11
Speaker A
Und das hat mich dazu inspiriert, "Kurz und schmerzlos" zu schreiben. Da war ich 18 oder 19.
07:17
Speaker A
Seit ich mich kenne, habe ich Probleme, Alter. Früher kleine, heute große. Chapo. Hey! Das glaube ich ja nicht.
07:46
Speaker A
Okay gut. Das hier ist ein Hof. So ein typischer Ort, so ein Hinterhof, wo ich meinen ersten Film gedreht habe.
07:53
Speaker A
Den Schuss von meinem ersten Film von "Kurz und schmerzlos". Dieses vordere Tor war früher nicht da und hier hinter diesem Tor ist dieser Club, Magic Hintereingang, wo Mehmet zusammengeschlagen wird.
08:05
Speaker A
Das haben wir alles hier gedreht 1997, im November, in einer Nacht. Aber heute ist es alles sehr gentrifiziert und so Holzwerkstatt, Kampfschulen, Tontechniker, Ateliers und so was.
08:22
Speaker A
Früher war das alles ein bisschen abgerockter. Der Stadtteil, der früher ein bisschen verpönt war, ist jetzt heute so gentrifiziert.
08:31
Speaker A
Weil du hast halt diese Hinterhofskultur. Ich bin dann zur Wüste Film gekommen mit dem Drehbuch.
08:37
Speaker A
Das war damals noch so gelbe Seiten mäßig. Man macht die Gelben Seiten auf Filmproduktion und ich wusste, Wüste Film hatte "Schattenboxer" gemacht von Lars Becker mit Hussi Kutlukan unter anderem und dachte, okay, gut, da macht auch ein Kanake mit.
08:54
Speaker A
So, und das ist irgendwie doch so ein Streetfilm, vielleicht die. Dann sind wir zu Wüste Film.
09:01
Speaker A
Und die haben das Drehbuch dann gefeiert. Und dann haben mir dann einen Vertrag angeboten.
09:07
Speaker A
Und da war ich 19. Und der Lars Becker eben, der so ein bisschen so ein bisschen meine erste Mentorfigur war bei Wüste Film, der hatte eben an der HFBK visuelle Kommunikation studiert und ich dachte, bevor ich nach Berlin gehe,
09:24
Speaker A
versuche ich es an der HFBK. Ich habe einen Kurzfilm gemacht. Den fanden die gut und dann haben die mich genommen für das Studium.
09:32
Speaker A
Also ich glaube, dass es überall auf der Welt eine Faszination für Dunkelheit gibt. Das ist überall.
09:49
Speaker A
Es ist jetzt nicht so, dieses Ding: Ah, das verkauft sich, also mach ich's. Das ist so ein schöner Nebeneffekt.
09:55
Speaker A
Aber es interessiert mich auch selbst. Also, ich habe so eine Faszination für diese Menschen.
10:02
Speaker A
Und mich interessiert jetzt auch mal so ein ganz anthropologische Ansatz, der dahinter steht. Was macht andere Menschen aus?
10:11
Speaker A
Was bringt andere Menschen dazu, Gewalt einzusetzen. Ey, hör auf du Hurensohn. Lass ihn los. Bist du bescheuert?
10:20
Speaker A
Ey, du Wixxer. Hallo? Hilft jemand mal? Bitte! Was macht... Shirin, ich wusste gar nicht, dass du hier arbeitest.
10:49
Speaker A
Ich kenne Xatar gar nicht so lange. Und ich bin auch nicht so richtig in diesem deutschen Rap-Game gewesen.
10:57
Speaker A
Ich habe das so mitgekriegt. So hier und da, aber ich hatte das Gefühl, ich bin aus dem Rap-Game draußen, obwohl ich mit Hip Hop sozialisiert worden bin.
11:04
Speaker A
Also das amerikanische Hip Hop aus einer anderen Zeit. Und irgendwann, als es so Gangster, Gangster, Gangster wurde, habe ich es nicht mehr verstanden und bin ausgestiegen.
11:13
Speaker A
Und ich glaube, es war Moritz Bleibtreu, der uns irgendwie zusammengebracht hat, dass Moritz kannte G.
11:19
Speaker A
Und Moritz hat immer von ihm erzählt, weißt du. Man hat mich dann so ein bisschen neugierig gemacht, als Moritz mir ein bisschen die Lebensgeschichte von ihm erzählt hat.
11:27
Speaker A
Und da habe ich mir die Biografie besorgt und war geplättet. Und dann haben wir uns so gegenseitig so Props geschickt über Instagram.
11:36
Speaker A
Da habe ich ihn gefragt: Ey Bruder, gibt es eigentlich schon jemand, der dein Leben verfilmt und er so: Ey, noch nicht und so.
11:41
Speaker A
Da hab ich mir die Rechte gesichert, wusste aber nicht, ob ich es machen werde oder nicht.
11:45
Speaker A
Und irgendwann, als mir so was weggebrochen war, dachte ich: Ey ich mach das jetzt und ich kann das.
11:51
Speaker A
Und Gangster, Gangster und Kanaks und so. Das so meine Welt. Und ich hab das voll unterschätzt.
11:58
Speaker A
Ich dachte, es wird so der nächste Film. Aber ich habe es voll unterschätzt, wie groß und wie episch und wie viel das ist.
12:05
Speaker A
Und ich habe aber auch unterschätzt, was das mit mir gemacht hat. Für mich war das ganze Projekt dann auf einmal so ein back to the Roots.
12:11
Speaker A
Back to the essentials. Ey, wer bin ich, wo komme ich her und so eigentlich.
12:15
Speaker A
Das hatte ich total unterschätzt, wie viel das mit mir so emotional dann doch gemacht hat und zurückgeholt.
12:20
Speaker A
Es war eben doch nicht ein Plan B Film, sondern das war halt irgendwie so total wichtig!
12:26
Speaker A
Ich bin ganz dankbar, den Film gemacht zu haben. Wir sind jetzt nicht nur irgendwie im Sport oder in den Medien oder in der Politik angekommen oder in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
12:43
Speaker A
Was nicht heißt, dass es keinen Rassismus gibt. So, vielleicht gibt es den deswegen auch viel mehr.
12:47
Speaker A
Keine Ahnung. So, das weiß ich nicht genau. Wir sind halt auch in der Mythologie angekommen.
12:55
Speaker A
Das fand ich das Reizvolle an diesem Projekt. So was so zu 'New German Mythology'.
13:03
Speaker A
was aber nicht da ist. Der Film ist unterhaltsam, der Film ist lustig, der Film ist dramatisch, der Film ist Xatar.
13:10
Speaker A
Man musste jetzt nicht viel pitchen, wenn du sagst Xatar, Fatih Akin, XXX. Das waren so die Keys, die bei so was wie Warner gleich funktioniert haben.
13:20
Speaker A
Wir mussten viel mehr pitchen bei diesen ganzen Kultureinrichtungen, also Filmförderung, BKM. Also es gab so eine große Skepsis dem Projekt gegenüber.
13:36
Speaker A
Was ist das für ein Vorbild, oder? Was ist das denn für eine deutsche Geschichte?
13:43
Speaker A
Das interessiert doch niemanden. Dann müsste man viel Texte schreiben und Überzeugungsarbeit leisten und so das, dass es eigentlich um Deutschland geht und ein Porträt von Deutschland ist.
13:53
Speaker A
Weißt du? Und jetzt, wo sie den Film sehen, schnallen die das alle? Begreifen das.
14:04
Speaker A
Aber das war halt so vor, wenn du sagst Xatar, deutsch Gangsta-Rap, da kommt dir schon so eine Ablehnung und auch Feindschaft, offene Feindschaft gegenüber.
14:16
Speaker A
Und ich glaube auch Rassismus auf jeden Fall. Voll. Also wenn ich jetzt Film Dagobert machen würde, der so rum geklaut hat und Kaufhäuser in die Luft gesprengt hat und so was, da würde keiner sagen, was sind das denn für Vorbilder und so?
14:30
Speaker A
Aber weil er Kanak ist und weil die Leute rassistisch sind, kommen sie mit solchen Texten.
14:36
Speaker A
Also wenn es überhaupt so, wo Leute auch verweigern das zu sehen ist, wer kommt in dieses Land?
14:46
Speaker A
Und es müssen nicht Kurden oder Iraner oder sonst was sein. Können auch Leute aus der Ukraine sein.
14:51
Speaker A
Weißt du, so also irgendwo ist ein Krieg auf der Welt und die Leute kommen nach Deutschland.
14:59
Speaker A
Auch das ist austauschbar. Da wir in Deutschland leben und da die Sendung Germania heißt machen wir Deutschland.
15:03
Speaker A
So wir kommen hierher und das ist doch voll faszinierend. Das habe ich ja bei meinen eigenen Mutter auch gesehen, dass du warst halt so eine andere soziale Schicht.
15:15
Speaker A
Du warst eine andere Kaste. Du kamst aus einem ganz anderen System und kommst hier her und musst dich voll neu orientieren.
15:23
Speaker A
Was immer du warst, was immer du für eine große Nummer warst, von da, wo du herkommst.
15:27
Speaker A
Jetzt bist du hier und du bist so zero. Was du hast ein Musikinstrumente gelernt.
15:32
Speaker A
Geh mal eine Toilette putzen, damit du Geld verdienst. Deutschland kann voll hart sein. Also frag mal die ganzen Türken, die jetzt so abhauen, so new wave und so.
15:42
Speaker A
So irgendwelche Künstler, Filmemacher, Wissenschaftler, Lehrer, Ärzte. Komm hierher. Weißte? Und wenn du Geld mitgebracht hast, ist safe. Aber wenn du nicht genug hast, dann kann Deutschland so hart sein.
15:57
Speaker A
Dann spürst du echt so den Beton, aber so nah unter den Füßen, wo sie sich gleich hinlegen kannst.
16:02
Speaker A
So ein Land ist. Also von wegen jetzt so Chancengleichheitund das System fängt das schon auf oder so was.
16:08
Speaker A
Bullshit. Weißt du, es kommt auf dich selbst an und dann entsteht so eine Wandlung.
16:15
Speaker A
Was für einen Film immer interessant ist, wenn Figuren sich wandeln, so Schmetterlinge wandeln sich in Raupen, werden zu Schmetterlingen und umgekehrt.
16:24
Speaker A
So, das ist dann visuell und dann ist es interessant für mich. Aber das passiert.
16:30
Speaker A
Und darum geht es auch. Wer kommt hier her und was bedeutet das, das die hergekommen sind und was müssen sie machen?
16:37
Speaker A
Der Junge sieht seine Mutter putzen, damit sie ihm das Klavier finanzieren kann, Klavierunterricht bezahlen kann.
16:43
Speaker A
Das schmeckt ihm nicht. Also will er zu Geld kommen. Also, was macht er? Er verkauft Drogen, weißt du?
16:49
Speaker A
Für mich ist er dann doch so der Held, der mich durch die Geschichte führt.
16:54
Speaker A
So, Vorbild, lange im Gefängnis. Was Vorbild? Das System bestraft ihn. Der saß lange. Sitzt mal im Gefängnis.
17:03
Speaker A
Mach das mal so sechs, sieben, acht Jahre. Hat er gemacht. Also, er hat seinen Preis auch bezahlt.
17:25
Speaker A
Ich glaube, wenn es ums Kennenlernen geht, dann ist dieses Ding der Reflex mit Rassismus ist nah.
17:32
Speaker A
Habe ich auch bei dem Film auch erst richtig begriffen. Deswegen ist das gut, dass ich den auch gemacht habe, weil, wenn du berühmt bist und wenn weiß ich nicht rote Teppiche und bla bla bla bla bla und alle dich so feiern,
17:43
Speaker A
dann siehst du irgendwann den Rassismus nicht mehr so gut, weil alle finden dich ja so toll.
17:47
Speaker A
Aber wenn du mit solchen Leuten abhängst über die du einen Film machst, wenn du so deep gehst, wenn du so Method Directing machst, in deren Weltbild eintaucht.
17:55
Speaker A
Auf einmal siehst du die Welt auch durch deren Brille und du siehst den Rassismus.
17:59
Speaker A
Und dafür bin ich dankbar. Aber so der Rassismus von so Leuten, die mich so anlächeln oder die über mich schreiben, den sehe ich so nicht.
18:06
Speaker A
Und der Film hilft mir, das so ein bisschen besser zu sehen. Deswegen war das cool für mich, den Film gemacht zu haben.
18:11
Speaker A
Der Film ist ja auch so eine, so ein Portrait, Charakterstudie. Und so, wenn ich jetzt Xatar so erzähle, also der Typ, der nicht redet und so er ist noch härter und er hat die noch dickeren Eier.
18:21
Speaker A
Nein, nein, nein, nein, nein, er hat das von seiner Mutter und wir zeigen das im Film.
18:25
Speaker A
Sie ist gefoltert worden und hat nicht verraten, wo die Peschberger Dings sind. Ist das Stärke?
18:31
Speaker A
Es gibt Leute, die reden, und es gibt Leute, die nicht reden. Es gibt Leute, die machen sich gerade und es gibt Leute, die machen es nicht gerade.
18:36
Speaker A
Und die, die sich gerade machen, da fängt es dann an mystisch zu werden. Und da fängt dann an, so das dann in die Populärkultur zu gehen.
18:44
Speaker A
Aber diese Leute hat es immer gegeben, es hat Mandela gegeben. Wie lange war der im Knast und ist stabil geblieben, weißt du?
18:54
Speaker A
Also, so was hat es immer gegeben in der Geschichte. Es soll ja am Ende die Realität widerspiegeln, das war für mich wichtig.
19:02
Speaker A
Also so, wenn du jetzt in so einem Bus sitzt und die Hälfte von dem Bus oder mehr als die Hälfte von dem Bus sind, sind jetzt so Migranten oder People of Colour oder Kanaken, wie man man sie nennen will.
19:20
Speaker A
Dann finde ich, muss das ja nicht nur repräsentiert werden jetzt so mit Figuren auf der Bühne, also mit Schauspielern.
19:29
Speaker A
Man muss noch viel tiefer greifen. Also wenn Kuratoren nicht wegsehen, wenn Kuratoren, wenn alman Kuratoren uns was von Diversität erzählen wollen, das wird so nicht funktionieren.
19:41
Speaker A
Also Kuratoren, Redakteure, Filmlehrer, Lehrerinnen, das muss dahin greifen, weil sonst sehen wir nur die Reaktion, so dass das Ergebnis, die chemische das, was da am Ende bei rauskommt.
20:00
Speaker A
Wir müssen Teil der chemischen Substanz werden, der Formel werden. Wir haben es im Sack. Wir haben es im Sack.
20:13
Speaker A
Meine Heimat ist hier und hier und hier. Und hier im Holz. Das sind dann so Sachen, die kann ich dann nur so spirituell wirklich beantworten, weil es gibt das kleine Ich und das große Ich.
20:32
Speaker A
Und ich würde ganz gern das kleine Ich in das große Ich geht. Und daran arbeite ich gerade.
20:36
Speaker A
Es ist so geil. Es ist so geil. Danke. Es ist so geil. Yo, hier ist Fatih Akin.
20:43
Speaker A
Geht auf Facebook, was Facebook? Geht auf YouTube und guckt GERMANIA. Und wenn Euch das gefallen hat, das Programm, geht am 27.10 oder ab 27.10 ins Kino und guckt Rheingold.
20:58
Speaker A
Yo Facebook. Was Facebook? Bruders, Schwestern, gibt mir bitte gute Kommentare.
Topics:Fatih AkinXatar-Filmdeutscher FilmHamburgGastarbeiterDiversitätKurz und schmerzlosFilmregisseursozialer Brennpunktdeutscher Rap

Frequently Asked Questions

Wer ist Fatih Akin und wie beschreibt er sich selbst?

Fatih Akin ist ein in Hamburg geborener Filmemacher, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent mit türkischen Wurzeln. Er sieht sich primär als Erzähler und Unterhalter, nicht als politischer Botschafter.

Welche Bedeutung hat der Xatar-Film für Fatih Akin?

Der Xatar-Film war für Fatih Akin ein wichtiges Projekt, das ihm half, gesellschaftliche Realitäten besser zu verstehen und Diversität im deutschen Film sichtbar zu machen.

Wie prägte Fatih Akins Herkunft und Kindheit seine Arbeit?

Fatih Akin wuchs in einem sozialen Brennpunkt in Hamburg auf, erlebte ein Doppelleben zwischen Straße und Bildung. Seine türkischen Wurzeln und familiären Erfahrungen fließen stark in seine Filme ein.

Get More with the Söz AI App

Transcribe recordings, audio files, and YouTube videos — with AI summaries, speaker detection, and unlimited transcriptions.

Or transcribe another YouTube video here →