“Gnade ist grundlos” – Hartmut Leppin — Transcript

Hartmut Leppin erläutert die Bedeutung von Theodosius dem Großen, die Schlacht von Adrianopel und die christologischen Streitigkeiten im 4. Jahrhundert.

Key Takeaways

  • Theodosius der Große spielte eine zentrale Rolle in der christlichen Geschichte und politischen Stabilisierung des Römischen Reiches.
  • Die Schlacht von Adrianopel markierte einen Wendepunkt in der römischen Militärgeschichte und hatte tiefgreifende politische Folgen.
  • Christologische Streitigkeiten waren nicht nur theologische Debatten, sondern hatten auch politische und gesellschaftliche Auswirkungen.
  • Die Autorität im Christentum war im 4. Jahrhundert umkämpft zwischen Bischöfen, Mönchen und dem Kaiser.
  • Die Integration des Kaisertums in das Christentum veränderte die Machtstrukturen und das Selbstverständnis der Kirche.

Summary

  • Theodosius der Große wird ursprünglich als 'der Ältere' bezeichnet, später mit christlicher Bedeutung als Gastgeber eines ökumenischen Konzils.
  • Die Niederlage von Kaiser Valens bei Adrianopel 378 war eine überraschende und zerstörerische Niederlage für die Römer.
  • Die Goten waren mit römischer Zustimmung über die Donau gekommen, wurden aber aufgrund fehlender Versorgung unruhig und plünderten.
  • Valens starb in der Schlacht von Adrianopel, was christlich als Strafe Gottes für einen als Häretiker angesehenen Kaiser interpretiert wurde.
  • Die christologischen Streitigkeiten drehten sich um die Natur Christi und führten zu verschiedenen theologischen Fraktionen.
  • Valens verfolgte eine integrative Auffassung der Wesensgleichheit Christi, die jedoch vielen Zeitgenossen nicht überzeugend war.
  • Innerhalb des Christentums gab es Rivalitäten zwischen Bischöfen, Mönchen und dem Kaiser um die Autorität zur Glaubensdefinition.
  • Das Kaisertum war ursprünglich nicht mit dem Christentum vereinbar, wurde aber im 4. Jahrhundert Teil der religiösen Machtstruktur.
  • Theodosius wurde 379 vom Westkaiser Gratian als erfahrener Feldherr zum Kaiser des Ostens ernannt, um die Lage zu stabilisieren.
  • Theodosius schloss einen Friedensvertrag mit den Goten und legte den Grundstein für die spätere Abgrenzung Westroms.

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02:01
Speaker A
Theodosius der Große.
02:04
Speaker B
Ja.
02:06
Speaker A
So wird er genannt von den Christen.
02:08
Speaker B
Ja, ursprünglich ist der Beiname der Große ganz harmlos.
02:13
Speaker B
Das griechische Wort Megas bedeutet der Ältere.
02:16
Speaker B
Und der ist der Große im Vergleich zu seinem Enkel, Theodosius dem Zweiten, wie wir ihn sehen.
02:20
Speaker B
Und diese Bedeutung, der Große, Megas, wurde im Laufe des fünften Jahrhunderts, in den Jahrhunderten nach seiner Regierung, mit einer anderen Bedeutung gefüllt.
02:30
Speaker B
Und das war die christliche Bedeutung, weil er als einer der Gastgeber eines der großen Konzilien galt.
02:39
Speaker B
Der großen, später als ökumenisch bezeichneten Konzilien, in einer Reihe mit Konstantin.
02:46
Speaker B
Nicaea war Konstantin der Große und Konstantinopel war Theodosius der Große.
02:50
Speaker B
Und dann kam 451, Chalkedon unter Markian.
03:29
Speaker A
Die Umstände seines Herrschaftsantritts.
03:33
Speaker A
Da gibt es die Niederlage des Valens bei Adrianopel.
03:37
Speaker A
Kaiser Valens.
03:38
Speaker A
Was bedeutet das?
03:39
Speaker B
Das bedeutet für die Römer etwas völlig Überraschendes und etwas zutiefst Zerstörendes.
03:51
Speaker B
Die Römer haben große Feldschlachten gescheut, da sie knappere Ressourcen hatten im Hinblick auf die Soldaten.
03:58
Speaker B
Und wenn sie sie gewagt haben, haben sie normalerweise gewonnen.
04:03
Speaker B
Es ist noch etwas anderes als die Varusschlacht.
04:07
Speaker B
Die Varusschlacht war keine Feldschlacht.
04:09
Speaker B
Die Varusschlacht war Verrat.
04:10
Speaker A
Die war auch ungewollt.
04:11
Speaker B
Ungewollt.
04:12
Speaker A
Ja.
04:13
Speaker B
Die zur Schlacht bei Adrianopel ist der Kaiser Valens wahrscheinlich getrieben durch die Bevölkerung von Konstantinopel angetreten.
04:18
Speaker A
Die Goten bedrohen die Hauptstadt, die östliche Hauptstadt.
04:22
Speaker B
Ja.
04:23
Speaker B
Ja.
04:24
Speaker B
Es ist noch etwas komplizierter.
04:28
Speaker B
Die Goten waren mit Einverständnis der Römer über die Donau gekommen.
04:33
Speaker B
Die Römer hatten offenbar die Hoffnung, wir haben zeitgenössische Texte, dass man aus den Goten Soldaten machen könnte.
04:40
Speaker B
Und dann ist die Versorgung der Goten misslungen.
04:45
Speaker B
Sie hatten natürlich noch keine Felder, die sie bestellen konnten, sie waren angewiesen auf die römische Logistik.
04:52
Speaker B
Das misslang.
04:54
Speaker B
Und daraufhin wurden die Goten unruhig, haben angefangen zu plündern und näherten sich die der Hauptstadt.
05:00
Speaker B
Die sie nie hätten erobern können.
05:02
Speaker A
Die war auch gut.
05:03
Speaker B
Die war auch gut. Das waren die Mauern, das Gerät fehlte.
05:06
Speaker B
Aber es war natürlich eine ganz ungewohnte Situation.
05:09
Speaker B
Die standen also schon im Reich, als dann die Schlacht von Adrianopel kam.
05:15
Speaker B
Bei der der Kaiser versuchte sie zu stellen.
05:19
Speaker A
Und er wartet nicht ab, bis der Sukurs kommt.
05:26
Speaker A
Da ist ein Heer unterwegs zu ihm, ihn zu verstärken.
05:29
Speaker B
Ja.
05:30
Speaker A
Ja.
05:32
Speaker A
Er marschiert sozusagen einen ganzen Tag, ja?
05:36
Speaker A
Die Legionäre sind müde am Abend, ja?
05:40
Speaker A
Und jetzt bergauf ein Angriff.
05:42
Speaker B
Ja.
05:46
Speaker B
Ja.
05:48
Speaker B
Er wollte den Sieg für sich haben.
05:56
Speaker B
Das wollte er nicht.
06:49
Speaker A
Aber interessant, ja?
06:52
Speaker A
Nicht, und in dieser Schlacht stirbt er.
06:57
Speaker A
Oder unmittelbar danach, ja, er flüchtet wohl noch, ja, aber in einem Gehöft wird er ergriffen und betötet.
07:02
Speaker A
Und das gibt es ja nun nicht sonst, ja?
07:05
Speaker A
Nicht, es gibt bei Decius gibt es, ja?
07:08
Speaker A
Da der das ist auch ein Kaiser, ein Soldatenkaiser, der in der Schlacht fällt.
07:14
Speaker B
Heidenhaft fällt.
07:16
Speaker B
Und es gibt Kaiser Valerian, der von den Persern gefangen wurde.
07:20
Speaker B
Das war eine noch schlimmere Demütigung.
07:22
Speaker A
Unheldenhaft, ja, nicht, sucht er die Freiheit, sucht er zu verhandeln.
07:26
Speaker B
Genau.
07:27
Speaker B
Bei Valens bot sich dann für die Zeitgenossen, für die christlichen Zeitgenossen allerdings eine ganz andere Deutung an, indem sie ihn vor allem als Heretiker betrachteten.
07:36
Speaker B
Und der Tod des Heretikers war dann ein Zeichen Gottes gegen die Heretiker.
07:40
Speaker B
Aber nicht gegen Rom.
07:42
Speaker B
Dadurch war diese Niederlage politisch eher besser zu verdauen, Entschuldigung, als es vielleicht vorher der Fall gewesen wäre.
07:50
Speaker B
Als dieses christliche Interpretament nicht zur Verfügung stand.
07:53
Speaker A
Inwiefern war er Heretiker?
07:56
Speaker B
Es gibt die sogenannten christologischen Streitigkeiten darum, welchen Charakter Christus hatte.
08:03
Speaker B
In welchem Umfang er Mensch war und Gott war.
08:08
Speaker B
Dieser Streit war unter Konstantin dem Großen ausgebrochen.
08:14
Speaker B
Wenn man zu sehr das Menschliche betonte an Christus, war das Einzigartige gefährdet an Christus.
08:20
Speaker B
Wenn man zu sehr das Göttliche betonte, war das Leiden gefährdet.
08:25
Speaker B
Weil ein Gott eigentlich nicht leiden durfte nach antiker Vorstellung.
08:29
Speaker B
Es war eine ganz schwierige Situation und man rang um eine Lösung.
08:34
Speaker B
Die mit Formeln wie Wesensgleichheit am Ende bezeichnet wurde, die dann in die orthodoxe und in die katholische Kirche.
08:42
Speaker A
Homoousios machte den Unterschied, Homoousios oder Homoiousios.
08:46
Speaker B
Ja, und dann gab es noch Homoios und Anhomoios.
08:51
Speaker B
Eine Vielfalt von verschiedenen Gruppen.
08:56
Speaker B
Wahrscheinlich war das, was Valens anstrebte, eher eine integrative Auffassung.
09:02
Speaker B
Er hat gesagt:
09:03
Speaker B
Gleich, nicht Homoousios, nicht wesensgleich, nicht Homoiousios, nicht wesensähnlich, sondern gleich.
09:11
Speaker B
Und hat dadurch die Frage des Wesens in den Hintergrund gerückt.
09:15
Speaker B
Also eigentlich ganz raffiniert.
09:16
Speaker B
Aber das war theologisch vielen Zeitgenossen nicht überzeugend genug.
09:23
Speaker A
Woher kommt so ein fundamentalistischer Ansatz, dass sozusagen eine Gruppe des Christentums, die Mehrheit.
09:30
Speaker A
Fraktionen, ja?
09:34
Speaker A
So beharrlich in dieser Frage eine Definition, um eine Definition.
09:42
Speaker A
Fast bis an den Rand des Bürgerkriegs geht.
09:45
Speaker A
Ja.
09:47
Speaker A
Das muss doch irgendeine Bedeutung haben, wenn im Grunde ein Menschen von.
09:52
Speaker A
Im 21. Jahrhundert ist die Frage ja fast gleich.
09:57
Speaker B
Ja.
09:58
Speaker B
Mhm.
10:00
Speaker B
Es gab innerhalb des Christentums eine starke Rivalität um Autoritäten.
10:10
Speaker B
Wer darf definieren überhaupt, was Christentum ist, was der wahre Glauben sei.
10:15
Speaker B
Auf der einen Seite standen die Bischöfe, mehrere Bischöfe, die nicht in einer Kirche organisiert waren.
10:22
Speaker B
Sondern die als Rivalen nebeneinander standen.
10:26
Speaker B
Und diese Glaubenslehren haben oft auch mit persönlichen Loyalitäten zu tun.
10:32
Speaker B
Dann gab es die Mönche.
10:37
Speaker B
Die Mönche, die eine charismatische Autorität hatten.
10:43
Speaker B
Im Unterschied zu den Bischöfen, die oft ein sehr wohlhabendes Leben inzwischen im vierten Jahrhundert führten.
10:52
Speaker B
Und die eine besondere Nähe zu Lehren hatten, die Christus menschenähnlich machten.
11:00
Speaker B
Weil dann ihr eigenes Tun umso Christusgleicher wurde.
11:04
Speaker B
Und dann kam als neue Autorität der Kaiser hinzu.
11:11
Speaker B
Der als Veranstalter von Konzilien, als Gesetzgeber auch das Gefühl hatte.
11:20
Speaker B
In altrömischer Tradition in Dinge eingreifen zu können.
11:25
Speaker A
Und als vierter im Bunde, wenn es Gott, Heiligen Geist und Christus gibt.
11:30
Speaker A
Ist er der vierte.
11:34
Speaker A
Dafür ist ja auch nicht ganz unwichtig, ob die Lücke zu ihm, ja?
11:40
Speaker A
Durch Christus offen bleibt.
11:42
Speaker B
Ja.
11:44
Speaker A
Ja.
11:47
Speaker A
Wenn er wirklich Gott ist, ja?
11:50
Speaker A
Braucht man eigentlich keinen vierten.
11:52
Speaker B
Ja.
11:54
Speaker B
Oder der vierte ist wirklich nur Mensch.
11:55
Speaker B
Nichts als Mensch.
11:57
Speaker A
Auch nicht.
11:58
Speaker B
Kein besonderer Mensch.
11:59
Speaker A
Dann ist es besser, er kehrt wieder.
12:02
Speaker A
Als dass man einen Kaiser hat.
12:04
Speaker B
Ja, und das Kaisertum war ja gar nicht vorgesehen im Christentum.
12:09
Speaker B
Tertullian sagt um 200 noch, ein Kaiser kann mit dem kann gar nicht Christ sein.
12:16
Speaker B
Sonst würde er seine Funktion nicht erfüllen können.
12:20
Speaker B
Und plötzlich ist ein Kaiser Christ.
12:23
Speaker A
So, und jetzt dieser Valens ist tot.
12:26
Speaker A
Und wie wird jetzt Theodosius Kaiser?
12:31
Speaker B
Vieles ist unklar.
12:33
Speaker B
Wir wissen nicht mal genau, ob Theodosius vor Ort war oder nicht.
12:38
Speaker B
Ich vermute, er war vor Ort.
12:41
Speaker B
Und es bedurfte nun eines erfahrenen Feldherrn.
12:48
Speaker B
Das war Theodosius, der auch die Region kannte.
12:52
Speaker B
Er wurde deswegen vom verbleibenden Kaiser Gratian installiert.
13:00
Speaker B
War erfolgreich oder galt als erfolgreich.
13:03
Speaker A
Das ist jetzt der Westkaiser.
13:05
Speaker B
Das ist der Westkaiser.
13:08
Speaker B
Und deswegen im Januar 379 zum Herrscher erhoben.
13:16
Speaker B
Wahrscheinlich, weil man ihn nicht zutraute, dass er im Osten.
13:24
Speaker B
Verbindung aufbauen konnte.
13:28
Speaker B
Er kannte Konstantinopel nicht, er kannte Syrien nicht, Kleinasien nicht.
13:32
Speaker B
Er war eine ein unbeschriebenes Blatt.
13:36
Speaker B
Im Osten überhaupt nicht vernetzt.
13:39
Speaker B
Und deswegen scheinbar ungefährlich für Gratian.
13:43
Speaker A
Ach, das ist der Grund.
13:45
Speaker A
Ja, also Gratian nimmt den ungefährlichsten Magister Militum.
13:50
Speaker B
Mann.
13:51
Speaker B
Einen bewährten Feldherrn, der aber keine Chance hat aufgrund seiner sozialen Netzwerke gegen ihn aufzubegehren.
13:59
Speaker A
Und nun ist dieser Theodosius ja nun der ganz Große.
14:05
Speaker A
Der zu Ende seines Lebens, ja, praktisch Westrom erledigt.
14:10
Speaker A
Oder abgrenzt.
14:11
Speaker A
Nicht?
14:12
Speaker B
Ja.
14:14
Speaker B
Hat es nun wirklich nicht zu Ende gebracht, aber das ist die Folge seiner Leistung.
14:18
Speaker A
Ja.
14:19
Speaker B
Ja.
14:22
Speaker A
Jetzt gibt es einen Friedensvertrag mit den Goten.
14:26
Speaker A
Ja.
14:28
Speaker A
Ähm, wie wie macht man so etwas?
14:32
Speaker A
Äh, was äh das sind ja doch sozusagen, ist ein gotisches Gemeinwesen so.
14:39
Speaker A
Dass die Verträge einhalten.
14:43
Speaker B
Das gotische Gemeinwesen ist bestimmt durch Könige.
14:49
Speaker B
Es ist sehr stark personalisiert.
14:53
Speaker B
Und ein gewisses Vertrauen in die Ehrlichkeit der Könige herrschte.
15:01
Speaker B
In der Regel wurde es dadurch bestärkt, dass man Geiseln nahm.
15:08
Speaker B
In der Regel die Söhne, die Cousins, die Verwandten des Königs, um so eine Sicherheit zu schaffen.
15:13
Speaker B
Es war so stark auf die einzelnen Personen orientiert.
15:17
Speaker B
Die auch bei den Goten im Zentrum standen.
15:20
Speaker A
Welche Sicherheiten gibt Byzant, also das äh die äh die römische Seite?
15:26
Speaker B
Regelmäßige Versorgung.
15:29
Speaker B
Gelder in der Regel.
15:30
Speaker A
Also nicht auch Geiseln?
15:32
Speaker B
Nein.
15:34
Speaker B
Das wäre ganz unüblich.
15:36
Speaker A
Das Reich, weiß man, hält seine Verträge generell ein.
15:41
Speaker B
Ja, und wenn es das die Verträge nicht einhält, ist es für die Goten ein leichtes zu plündern.
15:46
Speaker B
Er hat also für kurze Zeit es akzeptiert, dass im Westen jemand herrschte, der nicht verwandt war.
15:54
Speaker B
Den er über eine Eheschließung hätte zu einem Verwandten machen können.
16:00
Speaker B
Aber dann eskalierte die Situation, indem Kaiser Valentinian in den Osten ausweichen muss oder ausweichen will.
16:07
Speaker B
Das wissen wir auch wieder nicht.
16:10
Speaker B
Und Theodosius zwingt gegen Maximus vorzugehen.
16:49
Speaker A
Und was geschieht mit dem Maximus?
16:52
Speaker A
Der wird besiegt.
16:54
Speaker B
Er wird besiegt.
16:56
Speaker B
Und dann wird er von den Soldaten gelyncht.
17:00
Speaker A
Nach dem Sieg.
17:02
Speaker A
Nach der Niederlage.
17:03
Speaker B
Nach der Niederlage, ja.
17:05
Speaker B
Das ist der stärkste Loyalitätsbeweis.
17:08
Speaker B
Interessanterweise werden die Soldaten nicht bestraft bei Usurpationen.
17:12
Speaker B
Sondern sie werden in das reguläre Heer überführt.
17:16
Speaker B
Gelegentlich in andere Provinzen versetzt.
17:20
Speaker B
Aber sie werden nicht dezimiert, allenfalls hohe Offiziere werden hingerichtet.
17:25
Speaker B
Und sie zeigen ihre Loyalität gegenüber dem neuen dem neuen Kaiser.
17:30
Speaker B
Indem sie den alten hinrichten.
17:33
Speaker B
Und gleichzeitig ist der Kaiser Theodosius von der Pflicht entbunden.
17:39
Speaker B
Die er als Römer und als Christ hatte, Gnade walten zu lassen.
17:44
Speaker B
Es heißt auch, er habe eigentlich Gnade walten lassen wollen.
17:50
Speaker B
Sei aber durch die Soldaten daran gehindert worden.
17:54
Speaker A
Worauf er ihnen gegenüber Gnade walten lässt.
17:58
Speaker A
Wenn Sie mir mal die Gnadenordnung, also die Abkömmlinge der Clementia.
18:03
Speaker A
Nicht?
18:04
Speaker A
Die ja Bürgerkriege verhindert.
18:08
Speaker A
Ja?
18:09
Speaker A
Der ist der Grundgedanke Caesars, ja?
18:14
Speaker A
Mit Amnestie, ja, was immer Clementia heißt.
18:20
Speaker A
Nicht?
18:21
Speaker A
Kann ich Bürgerkriege verhindern und deswegen bin ich Autorität.
18:25
Speaker A
Deswegen bin ich Caesar.
18:27
Speaker A
Weil ich rechtskundig bin und Bürgerkriege verhindern kann.
18:30
Speaker A
Das ist die Ur das ist die Wurzel.
18:32
Speaker A
Ja?
18:33
Speaker A
Nicht?
18:34
Speaker A
Außerdem muss ich noch Siege erringen.
18:36
Speaker A
Aber nicht so wie Napoleon, ja, dass ich sofort abgesetzt werde.
18:40
Speaker A
Und für mein Ende fürchten muss, wenn ich meine Niederlage habe.
18:44
Speaker A
Ja?
18:45
Speaker A
Wenn die anderen zwei Sachen sind fast gleich wichtig.
18:49
Speaker A
Mhm.
18:50
Speaker A
Und jetzt sagen Sie mir mal.
18:53
Speaker A
Dieses äh das gibt Deditio.
18:57
Speaker A
Was bedeutet das?
18:59
Speaker B
Das bedeutet die Bereitschaft zur totalen Unterwerfung.
19:05
Speaker B
Verbunden mit der Erwartung, dass Gnade.
19:08
Speaker A
Und diese Gnade muss aber gegeben werden.
19:10
Speaker A
Ja?
19:11
Speaker A
Nicht?
19:12
Speaker A
Also man kann nicht übel nehmen und sagen.
19:15
Speaker B
Aber nicht.
19:16
Speaker A
Ich sag, ja, du bleibst liegen.
19:18
Speaker A
Ja?
19:19
Speaker A
Ich geb's dir nicht.
19:19
Speaker B
Aber sie wird immer inszeniert als etwas Ungewöhnliches, Sensationelles.
19:24
Speaker B
Zeichen der Tugendhaftigkeit des Kaisers.
19:28
Speaker A
Überraschend, der Herrscher die Unterwerfung an.
19:31
Speaker B
Ja.
19:34
Speaker A
Das weitere ist.
19:35
Speaker A
Wie kann ich noch kapitulieren?
19:39
Speaker B
Sie können kapitulieren durch Symbolhandlung.
19:44
Speaker B
Indem sie eben einen Kommandeur lynchen.
19:48
Speaker B
Und es gab auch Zeichen, die etwas ähnlich gewesen sein müssen, wie unsere weißen Fahnen schon.
20:00
Speaker B
Wir wissen auch von Truppen, die während Schlachten übergelaufen sind, weil es schwierig ist.
20:07
Speaker B
Und die haben bestimmte Zeichen erhoben, die haben ihre Schilder umgekehrt, waren also ungeschützt.
20:14
Speaker B
Demonstrativ ungeschützt und haben eine Art von Fahne gehabt.
20:18
Speaker B
Um dann ihren Übergang zu kennzeichnen.
20:21
Speaker A
Ach, sie laufen zum Feind über.
20:25
Speaker A
Ja?
20:26
Speaker A
Indem sie sich wehrlos zeigen.
20:29
Speaker B
Genau.
20:31
Speaker A
Ja.
20:32
Speaker A
Schilder umkehren heißt was?
20:34
Speaker B
Dass die Schilder nicht mehr den Körper beschützen, sondern dass sie vermutlich mit gebeugter Hand.
20:41
Speaker B
Vor den Vordermann von den anderen Mann gehalten werden.
20:45
Speaker B
Aber da können sie nicht mehr schützen wirken.
20:47
Speaker A
Sie schützen sich nicht.
20:48
Speaker B
Weil ja die konkave Form den einen großen Schutz ausmachte.
20:54
Speaker A
Und dann wird die Fahne oder eine andere Fahne als normal, ja, gehalten.
20:59
Speaker A
Sonst gibt's ja Standarten.
21:01
Speaker A
Nicht Fahnen.
21:02
Speaker B
Ja.
21:03
Speaker A
Ja.
21:04
Speaker A
Und dieses hier eine Fahne, die flattert.
21:06
Speaker B
Es ist eine Fahne ist vielleicht unvorsichtig ausgedrückt gewesen von mir.
21:10
Speaker B
Ein Tuch.
21:11
Speaker A
Ein Tuch.
21:12
Speaker B
Etwas Ähnliches.
21:13
Speaker A
Aber ist nicht weiß.
21:15
Speaker B
Es ja.
21:17
Speaker B
Es ist schwierig mit Farben in antiken Texten.
21:20
Speaker B
Es könnte es spricht manches dafür, dass es weiß war.
21:25
Speaker B
Aber ich bin mir nicht sicher.
21:27
Speaker B
Es war auf jeden Fall klar erkennbar.
21:30
Speaker A
Und damit nähert man sich jetzt in der Hoffnung, dass es kein Missverständnis gibt, ja, der gegnerischen Kolonne.
21:39
Speaker A
Wenn dies nicht versteht.
21:41
Speaker A
Ja?
21:42
Speaker A
Ist man tot.
21:44
Speaker B
Ja, läuft man Gefahr zu sterben.
21:46
Speaker B
Wobei es eine gewisse Sicherung gab.
21:51
Speaker B
Üblicherweise wurden Gegner dadurch empfangen, dass man Pfeile auf sie schoss.
21:59
Speaker B
Weil ja die Heere in größerem Tanz zueinander standen.
22:03
Speaker B
Und wenn das ausblieb, war das schon einmal ein Zeichen.
22:07
Speaker B
Es konnte eine Finte sein.
22:08
Speaker B
Das konnte man nie ausschließen.
22:10
Speaker B
Das Risiko war groß.
22:12
Speaker B
Aber wir hören ganz selten von solchen Missverständnissen.
22:17
Speaker B
Das heißt, die Signale müssen sehr deutlich gewesen sein.
22:22
Speaker B
Und die Soldaten, die in Bürgerkriegen einander gegenüber standen, kannten sich ja zum Teil.
22:29
Speaker B
Die hatten zum Teil gemeinsam gedient und hatten ein gemeinsames Ethos.
22:34
Speaker B
Und von daher war das Interesse, den Gegner zu töten, aus irgendwelchen nationalen Gefühlen, patriotischen Aufladungen, überhaupt gar nicht gering.
22:42
Speaker A
Und wie ist das jetzt, wenn die Centurionen, ja?
22:47
Speaker A
Müssen die eingeweiht sein, damit so ein Manöver gemacht werden kann?
22:53
Speaker A
Oder kann es sein, dass die Truppe das macht, ja, und der Centurio einfach beseitigt wird oder was immer?
23:00
Speaker B
Wir hören von beidem.
23:02
Speaker B
Beides ist vorgekommen.
23:04
Speaker A
Ambrosius von Mailand.
23:07
Speaker A
Da ist jetzt jemand, der nicht militärisch ist.
23:12
Speaker A
Ja?
23:13
Speaker A
Nicht, aber eine geistliche Macht ist.
23:17
Speaker A
Ja.
23:18
Speaker A
Und der jetzt den Westen mit verkörpert.
23:22
Speaker A
Ja.
23:24
Speaker A
Und äh wenn Sie mal das Verhältnis Theodosius der Große und Ambrosius von Mailand mir beschreiben.
23:29
Speaker B
Ja.
23:30
Speaker B
Ambrosius wäre schon interessant, wenn er nie Theodosius begegnet wäre.
23:35
Speaker B
Er ist nämlich der erste Bischof, der nicht aus den lokalen Eliten, aus den städtischen Eliten stammt.
23:42
Speaker B
Sondern aus der senatorischen Elite.
23:44
Speaker B
Sein Vater war Prätorianerpräfekt.
23:48
Speaker B
Das heißt, er hat das höchste Verwaltungsamt unterhalb des Kaisers inne in Trier übrigens.
23:54
Speaker B
Sodass Ambrosius durch seine Sozialisation auch wusste, wie man in den besten Kreisen kommunizierte.
24:00
Speaker B
Wie man mit dem Kaiser sprach.
24:03
Speaker B
Wie man mit Senatoren umging.
24:05
Speaker B
Auch mit Soldaten umging.
24:08
Speaker B
Das war ihm geläufig.
24:10
Speaker B
Und aus dieser Situation heraus wurde er, der ursprünglich Statthalter war, Bischof.
24:17
Speaker B
Ohne getauft zu sein.
24:21
Speaker B
Und er bedurfte noch einer theologischen Unterweisung.
24:26
Speaker B
Die er sehr schnell bekommen hat.
24:28
Speaker A
Richtig, der Erwachsenenbildung jetzt.
24:30
Speaker A
Sagen.
24:31
Speaker A
Sagen.
24:32
Speaker A
Ein Schliff.
24:34
Speaker B
Ja.
24:35
Speaker B
Ja.
24:36
Speaker B
Er hat sich den Stoff sehr schnell angeeignet.
24:40
Speaker B
Er wurde zu einem kreativen Theologen.
24:43
Speaker B
Zu einem wichtigen Theologen.
24:46
Speaker B
Der heute mehr geschätzt wird noch als früher.
24:50
Speaker B
Und er war nun in Mailand.
24:54
Speaker B
Und hatte eine Macht über oder hatte großen Einfluss gegenüber der Bevölkerung Mailands.
25:00
Speaker B
Und nun kam ein Kaiser zu ihm.
25:03
Speaker B
Was selten geschah.
25:05
Speaker B
Überraschend war.
25:08
Speaker B
Und zunächst einmal war es ein Kaiser, der dieselbe Glaubensrichtung vertrat wie er.
25:15
Speaker B
Sodass man damit rechnen konnte, dass die Dinge friedlich entwickeln würden.
25:20
Speaker B
Allerdings war der Vorgänger Valentinian ein Gegner, ein theologischer Gegner des Ambrosius gewesen.
25:29
Speaker B
Sodass Ambrosius kampferfahren war, sozusagen, gegenüber dem Kaiser.
25:36
Speaker B
Auch gezeigt hatte, dass er sich durchsetzen konnte.
25:40
Speaker B
Es ging um einen Streit in einem Streit mit Valentinian um eine Kirche.
25:44
Speaker B
Valentinian wollte für seine Gruppe, er war auch ein sogenannter Arianer.
25:50
Speaker B
Wir sagen heute eher Homoer.
25:52
Speaker B
Eine Kirche Mailands beanspruchen.
25:56
Speaker B
Was sie ein Gesetz.
25:57
Speaker A
Was sagen wir heute?
25:58
Speaker B
Heute sagen wir Homoer von Homoios gleich.
26:01
Speaker A
Ach so.
26:02
Speaker A
Bei Arianer.
26:03
Speaker B
Bei Arianer zu sehr auf die Figur Arius.
26:05
Speaker A
Ach so.
26:06
Speaker A
Arianer.
26:07
Speaker B
Ja.
26:09
Speaker B
Also er hat diese homöische Richtung, wollte eine Kirche beanspruchen.
26:14
Speaker B
Was sogar den Gesetzen des Theodosius entsprach.
26:19
Speaker B
Eine.
26:20
Speaker B
Das verweigerte ihm Ambrosius.
26:23
Speaker B
Indem er seine Gemeinde in die Kirche strömen ließ und sie protestieren ließ.
26:28
Speaker B
Und dort verweilte die Gemeinde.
26:31
Speaker B
Tag und Nacht, darunter die Mutter Augustins.
26:36
Speaker B
Dann ließ der Kaiser Soldaten aufmarschieren.
26:39
Speaker A
Wie des Kirchenvaters Augustinus Mutter, ja?
26:43
Speaker A
Nimmt hier teil.
26:45
Speaker B
Nimmt daran teil.
26:46
Speaker B
Ist da drin.
26:47
Speaker B
Ist enthusiastisch.
26:48
Speaker B
Es gibt gemeinsame Gesänge, gemeinsame Gebete die ganze Nacht durch.
26:53
Speaker B
Es muss eine ungeheuer eindrucksvolle Atmosphäre gewesen sein.
26:58
Speaker B
Und dann ließ Valentinian sogar Soldaten aufmarschieren.
27:02
Speaker B
Die Bedrohung eines Massakers, die letztlich nicht realistisch war.
27:07
Speaker B
Und diese Soldaten haben am Ende auch wieder ihre Schilder umgekehrt.
27:12
Speaker B
Oder sich umgedreht.
27:13
Speaker B
Und statt sich auf die Kirche zuzubewegen, haben sich vor die Kirche gestellt.
27:20
Speaker B
Ihre Schützer.
27:22
Speaker B
Und das war das Signal, an dem Valentinian aufgeben musste nach zwei Versuchen.
27:30
Speaker B
Und so hat Ambrosius gezeigt, dass er mit geistlichen Mitteln in der Lage war.
27:37
Speaker B
Den Kaiser in seinen Schranken zu weisen.
27:40
Speaker A
Das ist aber die erste Fassung, ja, des Papst-Kaiser-Problems.
27:45
Speaker A
Ja, das später bis zu den Staufern.
27:48
Speaker A
Ja.
27:49
Speaker A
Diese Rolle spielt.
27:50
Speaker A
Aber das hochinteressant.
27:51
Speaker A
Ja.
27:52
Speaker A
Nicht.
27:53
Speaker A
Dass hier in der Antike, ja, nicht, also plötzlich die Schwerter des Geistes.
27:59
Speaker A
Ja?
28:00
Speaker A
Sich als schärfer erweisen.
28:02
Speaker A
Durch Gesänge, durch Anwesenheit, ja, durch wertvolle Personen.
28:07
Speaker A
Hochinteressant.
28:10
Speaker A
Und jetzt kommt Theodosius.
28:13
Speaker A
Ja?
28:14
Speaker A
Äh in Verbindung mit diesem Mann.
28:17
Speaker A
Ja?
28:18
Speaker A
Und der ist auch ihm gegenüber nicht einfach.
28:21
Speaker B
Ja.
28:24
Speaker B
Theodosius.
28:26
Speaker B
Muss als Kaiser Ordnung stiften, Ruhe stiften im römischen Reich.
28:30
Speaker B
Der Konflikt mit Ambrosius beginnt bei einer Kleinigkeit.
28:36
Speaker B
Bei der man denken aus bürokratischer Sicht.
28:41
Speaker B
Eine von den vielen brutalen Taten, die im römischen Reich geschehen sein müssen.
28:49
Speaker B
In dem Fall war eine Synagoge niedergebrannt worden und ein Gebäude einer christlichen Sekte.
28:55
Speaker B
Das übliche Verfahren im römischen Reich war.
29:00
Speaker B
Dass derjenige, der das begangen hatte, Ersatz leisten musste.
29:04
Speaker B
Und vielleicht bestraft wurde.
29:08
Speaker B
Das wollte Theodosius auch verfügen.
29:11
Speaker B
Ambrosius bekam davon Wind und hat eine ganz andere Interpretation vorgelegt.
29:17
Speaker B
Er hat es allein vom Geistlichen her interpretiert.
29:21
Speaker B
Er hat allein von dem Konflikt mit Juden bzw. Heretikern her die Sache gesehen.
29:27
Speaker B
Und erklärt, es sei unzumutbar für Christen eine Synagoge aufzubauen.
29:33
Speaker B
Was innerhalb der christlichen Logik seiner Zeit durchaus nachvollziehbar war.
29:39
Speaker B
Was aber der pazifizierenden Herrschaftslogik des Theodosius widersprach.
29:46
Speaker B
Und jetzt war eine schwierige Situation entstanden.
29:50
Speaker B
Theodosius durfte sein Gesicht nicht verlieren.
29:54
Speaker B
Und Ambrosius wollte sein Gesicht nicht verlieren.
29:57
Speaker B
Und Theodosius wusste sicherlich, was Ambrosius alles konnte.
30:03
Speaker B
Am Ende treffen sie in der Kirche aufeinander.
30:09
Speaker B
In einer Predigt spricht Ambrosius den Kaiser direkt an.
30:14
Speaker B
Der Kaiser beklagt sich darüber.
30:18
Speaker B
Aber am Ende gibt der Kaiser nach.
30:22
Speaker B
Und das Ganze wird gestärkt dann wieder unter den Gedanken der Milde.
30:27
Speaker A
Jetzt noch einmal.
30:28
Speaker A
Äh der Ambrosius hält eine Predigt.
30:31
Speaker A
Spricht den Kaiser anklagend an.
30:35
Speaker B
Ja.
30:36
Speaker A
Der Kaiser antwortet in der Kirche.
30:38
Speaker B
Anscheinend nach dem Gottesdienst.
30:40
Speaker A
Ach, nach dem Gottesdienst.
30:41
Speaker B
Nach dem Gottesdienst.
30:43
Speaker A
Denn das ist nicht möglich, dass der Kaiser die Predigt unterbricht.
30:46
Speaker A
Ja?
30:47
Speaker B
Das wäre nicht möglich gewesen.
30:49
Speaker A
Nein.
30:50
Speaker B
Es gab Applaus in Predigten damals.
30:53
Speaker B
Aber Widerspruch nicht.
30:57
Speaker B
Und man einigt sich darauf, dass man Milde walten lässt und zwar Milde gegenüber den Christen.
31:04
Speaker B
Von den jüdischen Opfern, den heretischen Opfern ist gar keine Rede mehr.
31:09
Speaker B
Sondern den Christen gegenüber, die die Synagoge hätten aufbauen müssen, wird Gnade walten gelassen.
31:16
Speaker B
Durch den Kaiser.
31:18
Speaker B
Was seine Rolle entspricht.
31:20
Speaker B
Und so kann der Kaiser sein Gesicht wahren.
31:24
Speaker B
Das widerspricht ganz elementar unseren Vorstellungen von Gerechtigkeit.
31:31
Speaker B
Aber er kann so konsistent handeln.
31:34
Speaker A
Es bleibt bei dem, was geschehen ist.
31:36
Speaker A
Ja?
31:37
Speaker A
Die Synagoge ist niedergerissen, sie wird nicht wieder aufgebaut.
31:42
Speaker A
Der Wille des Kaisers nicht ausgeführt.
31:45
Speaker A
Ja?
31:46
Speaker A
Und die Form davon ist, dass er sozusagen das Geschehen amnestiert.
31:52
Speaker B
Ja.
31:53
Speaker B
Mhm.
31:54
Speaker B
Aufgrund der Intervention des Bischofs, was auch man auch anerkennen kann vom Kaiser her.
32:02
Speaker B
Weil es verschiedene Mediatoren der Gnade immer gegeben hatte.
32:06
Speaker B
Das konnten die Frauen sein.
32:08
Speaker B
Das konnten andere sein.
32:09
Speaker B
Jetzt ist es der Bischof.
32:10
Speaker B
Der Kaiser hat sich also nicht blamiert.
32:13
Speaker A
Ein britisches Parlament ist ja ein Kirchenraum, ja, in dem sich zwei Parteien gegenübersetzen, die argumentieren.
32:20
Speaker A
Warum ist das eigentlich in der Kirche nie möglich geworden?
32:29
Speaker B
Man könnte die Konzilien vergleichen.
32:31
Speaker B
Dort gab es auch eine ähnliche Sitzordnung wie im Parlament.
32:35
Speaker A
Ja.
32:36
Speaker B
Das tatsächlich die verschiedenen Gruppen einander gegenüber saßen und stritten.
32:40
Speaker A
Aber nicht zwei.
32:41
Speaker B
Gab es auch.
32:42
Speaker A
Ach.
32:43
Speaker B
Das kam sogar vor.
32:45
Speaker B
Ähm, das ist für 451 recht gut, also das Konzil von Chalkedon recht gut belegt.
32:51
Speaker B
Dass die zwei Gruppen einander gegenüber saßen, an der Front saß dann auch der Vertreter des Kaisers, damals Markian.
32:59
Speaker B
Und da wurde disputiert.
33:01
Speaker B
Wir haben Protokolle.
33:03
Speaker B
Es war nicht.
33:05
Speaker B
Es gab wenig starke Argumente.
33:09
Speaker B
Es war mehr bekenntnishaft.
33:11
Speaker B
Wie dann sich geäußert wurde.
33:12
Speaker B
Plakativ.
33:14
Speaker B
Aber es gab die Auseinandersetzung.
33:17
Speaker A
Aber in der Kirche sozusagen eine Predigt ist ja auch nicht wirklich Gottesdienst.
33:20
Speaker A
Ja?
33:21
Speaker A
Das ist ja nicht das Abendmahl selbst.
33:24
Speaker A
Ja?
33:25
Speaker A
Aber dass da die Gemeinde respondiiert, ja?
33:31
Speaker A
Äh kann nur immer dasselbe sein, was vorher verordnet ist.
33:35
Speaker A
Ja?
33:36
Speaker A
Sie kann nicht.
33:37
Speaker A
Wie im Zirkus, ja?
33:40
Speaker A
Dem Priester widersprechen.
33:43
Speaker B
Genau.
33:44
Speaker B
Das ist.
33:45
Speaker A
Und auch.
33:46
Speaker A
Eine andere Autorität, die des Kaisers.
33:50
Speaker A
Die ja nur auch von Gott kommt.
33:51
Speaker A
Ja?
33:52
Speaker A
Kann nicht in der Kirche den Priester widersprechen.
33:56
Speaker B
Ja, und das war das völlig Neues in Rom.
34:00
Speaker B
Dass ein öffentlicher Raum für den Kaiser nicht kontrollierbar war.
34:05
Speaker A
Jetzt gibt es hier die einen Massaker.
34:08
Speaker A
Das Massaker von Thessaloniki.
34:11
Speaker A
Was ist das?
34:12
Speaker A
390.
34:14
Speaker B
Ja.
34:15
Speaker B
Es ist eine.
34:18
Speaker B
Die Vorgeschichte äh zur Vorgeschichte ist es wichtig.
34:23
Speaker B
Sich daran zu erinnern, dass die Goten.
34:27
Speaker B
Eben auf dem Balkan lebten.
34:30
Speaker B
Einer ihrer führenden Männer war zum Heermeister sogar geworden und war gelyncht worden.
34:39
Speaker B
Bei der ein bedeutenden Wagenlenker dem Volk entzogen hatte.
34:44
Speaker B
Und das war natürlich ein schlimmes Vergehen gegenüber dem Kaiser.
34:51
Speaker B
Und ein schlimmes Vergehen gegenüber den Goten, die Rache forderten.
34:57
Speaker B
Und der Kaiser musste jetzt einen Weg finden.
35:00
Speaker B
Und er hat einen klassischen römischen Weg gewählt.
35:04
Speaker B
Er hat nämlich gesagt, die Bestrafung wird anonym durchgeführt.
35:08
Speaker B
Durch Dezimierung.
35:10
Speaker A
Dezimierung ist sowas wie eine.
35:12
Speaker B
Dass jeder Zehnte.
35:13
Speaker A
Jeder Zehnte.
35:14
Speaker B
Getötet.
35:15
Speaker A
Getötet.
35:16
Speaker A
Wer bestimmt diese Aufstellung?
35:19
Speaker B
Die Soldaten, die das durchführen.
35:22
Speaker A
Das heißt, die das durchführen.
35:25
Speaker A
Also nicht die äh die Exekutierten.
35:28
Speaker A
Die zu Exekutierenden.
35:30
Speaker B
Die nicht.
35:31
Speaker B
Nein.
35:32
Speaker B
Sondern es bedeutet letztlich, dass die Soldaten, Goten in dem Fall, sich auf die Bevölkerung stürzen.
35:39
Speaker B
Sich jeden Zehnten, den sie zählen, herausgreifen.
35:45
Speaker B
Und es gibt viele Indizien, die dafür sprechen, dass Theodosius diesen Befehl verhängt hat.
35:52
Speaker B
Und dann ähnlich wie bei der Synagoge, das des zerstörten Synagoge, danach Gnade walten lassen wollte.
36:00
Speaker B
Und der Gnadenbrief war allerdings nicht rechtzeitig angekommen.
36:05
Speaker B
Ein Gnadenbrief, auf den Theodosius wahrscheinlich Ambrosius gedrängt hatte.
36:11
Speaker B
Dadurch war das Massaker zustande gekommen.
36:14
Speaker B
Und das war für das Bild des Kaisers grauenvoll.
36:19
Speaker B
Er hatte die Goten zurückgewonnen.
36:22
Speaker B
Aber er stand nun das Übel Tyrann da, der die Bevölkerung der eigenen Stadt zu hunderten hatte umbringen lassen.
36:31
Speaker B
Und Ambrosius wiederum musste sich sagen lassen.
36:35
Speaker B
Auf einer Synode, die zufällig stattfand, dass er seinen Einfluss nicht hinreichend habe geltend machen können.
36:41
Speaker B
Um das Massaker zu verhindern.
36:43
Speaker B
Er war also auch unter Druck.
36:46
Speaker B
Und dann gibt es die berühmte, dann immer weiter ausgeschaltete Szene.
36:50
Speaker B
Dass er Theodosius nicht zum Gottesdienst zugelassen habe.
36:55
Speaker B
In der literarischen Gestaltung ist es so.
36:58
Speaker B
Dass er.
37:00
Speaker A
Die Vorform des Banns.
37:02
Speaker B
Die Vorform des Banns, genau.
37:05
Speaker B
Und das war für Theodosius, der getauft war, eine dramatische Situation.
37:12
Speaker B
Und jetzt musste man einen Ausweg finden aus der Situation.
37:19
Speaker B
Und das war eine sehr schwierige Lage.
37:23
Speaker B
Wieder sollte der Bischof nicht das Gesicht verlieren.
37:27
Speaker B
Und der Kaiser nicht.
37:29
Speaker B
Und dann kommt interessanterweise ein Text zu einer Bedeutung, der hunderte von Jahren alt war.
37:35
Speaker B
Nämlich das Alte Testament.
37:38
Speaker B
Das Neue Testament kannte ja nicht die Rolle des Herrschers.
37:42
Speaker B
Aber das Alte Testament kannte die Rolle des jüdischen Königs.
37:47
Speaker B
Und zwar eines Königs mit Fehlern.
37:52
Speaker B
David, Salomon, sie hatten Fehler gemacht.
37:56
Speaker B
Von daher war die Vorstellung, dass ein christlicher Kaiser sündhaft sein könne, schon vorgegeben.
38:03
Speaker B
Schon legitim, bekannt.
38:06
Speaker B
Und da setzt dann Ambrosius an, indem er sich in einem Brief.
38:12
Speaker B
Mit dem Propheten Nathan gleichsetzt.
38:18
Speaker B
Und Theodosius höchst ehrenvoll mit König David.
38:24
Speaker B
Und dadurch Theodosius dazu veranlasst, Buße zu tun.
38:29
Speaker B
Und zwar in dem Aufzug, der im Alten Testament für David beschrieben wird.
38:35
Speaker A
Sie führen ein Theater auf.
38:38
Speaker A
Ja.
38:39
Speaker A
Ja.
38:40
Speaker A
Und zwar also bewusst, ja?
38:44
Speaker A
Dass die geistliche Autorität ein Angebot macht.
38:50
Speaker A
Ja?
38:51
Speaker A
Es sieht für jeden dritten, der da Zeuge ist, ja, feindlich aus, es ist aber freundlich, versöhnlich gemeint.
38:59
Speaker A
Ja?
39:00
Speaker A
Weil jetzt diese Rolle des König David.
39:04
Speaker A
Mhm.
39:05
Speaker A
Ja, und nicht schlechtes.
39:07
Speaker A
Ja?
39:08
Speaker A
Nicht?
39:09
Speaker A
Der Kaiser sagen kann, ich habe mich geirrt, ich habe einen Fehler gemacht.
39:13
Speaker B
Ja, und er kann dann auch von diesen Sünden entbunden werden.
39:18
Speaker B
Und das war also es wurde früher sehr stark als eine Niederlage des Kaisers interpretiert.
39:25
Speaker B
Aber das ist völlig unangemessen.
39:27
Speaker A
Nein, aber es ist etwas ganz Gewaltiges.
39:30
Speaker A
Staatsrechtlich.
39:31
Speaker A
Ja?
39:32
Speaker A
Dass hier ein Herrscher nicht recht haben muss, um seine Autorität zu halten.
39:40
Speaker A
Sondern Autorität gewinnt, indem er zugibt.
39:44
Speaker A
Dies habe ich nicht beherrscht.
39:47
Speaker B
Ja.
39:48
Speaker B
Und das korrespondiert mit einer neuen Kaisertugend der Demut.
39:50
Speaker B
Humilitas.
39:51
Speaker B
Die ganz wesentlich wird für die spätantiken Kaiser.
39:57
Speaker B
Die auch immer wieder öffentlich inszeniert wird.
40:00
Speaker B
Indem der Kaiser im Härenen Gewand durch die Stadt schreitet.
40:05
Speaker B
Indem er sich von Mönchen demütigen lässt sogar.
40:09
Speaker B
Das zeigt aber seine die Intensität seines christlichen Glaubens.
40:14
Speaker A
Das wird jetzt bis zur Canossa reichen können.
40:16
Speaker A
Ja?
40:17
Speaker B
Ja.
40:18
Speaker A
Ja.
40:19
Speaker B
Bloß.
40:20
Speaker B
Ja.
40:21
Speaker B
Mit einem wesentlichen Unterschied.
40:23
Speaker B
Ähm in der Antike stand nie zur Debatte, dass der Kaiser sein Amt verlieren könne.
40:30
Speaker B
Es gab keine Gegenkaiser oder derartiges aus christlichen Motiven heraus.
40:36
Speaker B
Diese Frage, die in Canossa diskutiert wurde.
40:39
Speaker B
Wurde in der Antike nicht diskutiert.
40:42
Speaker B
Theodosius hätte im Amt bleiben können.
40:45
Speaker B
Hätte aber als Tyrann gewollt.
40:48
Speaker A
Blutrünstiger Tyrann.
40:50
Speaker A
Ja.
40:51
Speaker A
Und dieses Image kann er mit Hilfe jetzt des Bischofs, ja, abwaschen.
40:57
Speaker A
Ja?
40:58
Speaker A
Nicht, ohne ihn eigentlich auch nicht.
41:00
Speaker A
Ja?
41:01
Speaker B
Ohne ihn geht es nicht.
41:02
Speaker A
Er könnte viel Propaganda machen.
41:04
Speaker A
Das würde ihm nichts nützen.
41:06
Speaker A
Das wären nur die eigenen Leute.
41:10
Speaker A
Aber interessante Spiegel, ja, nicht?
41:14
Speaker A
Dass die Macht sich dichotomisiert.
41:18
Speaker A
Ja?
41:20
Speaker A
Und jetzt in diesen Beleuchtungen, ja?
41:25
Speaker A
Politik stattfindet.
41:27
Speaker A
Nicht?
41:29
Speaker A
Ja.
41:30
Speaker A
Also unmögliche Situationen.
41:33
Speaker A
Misslungene Situationen.
41:35
Speaker A
Korrigiert werden können.
41:37
Speaker A
Wann wird die Bibliothek in Alexandria zerstört?
41:41
Speaker B
Ähm, teilweise schon unter Caesar.
41:44
Speaker B
Und später dann irgendwie im Zusammenhang der islamischen Eroberung.
41:50
Speaker B
Aber nicht unmittelbar durch Einwirken der Eroberer.
41:53
Speaker B
Sie verschwindet aus der Tradition.
41:55
Speaker A
Und dieses Serapeum.
41:57
Speaker A
Ja.
41:58
Speaker A
Nicht?
42:00
Speaker A
Das ist ein.
42:02
Speaker A
Da ist Heilkunde.
42:05
Speaker A
Da ist äh heidnische Tradition drin.
42:08
Speaker A
Ja?
42:10
Speaker A
Und das wird jetzt von dem Christen.
42:15
Speaker A
Patriarchen oder vom Pöbel zerstört oder wem?
42:20
Speaker B
Es wird unter Begleitung durch den Pöbel durch den Bischof selbst zerstört.
42:26
Speaker B
Es gibt dann eine Legende, dass keiner gewagt habe.
42:30
Speaker B
Die Statue anzugreifen.
42:33
Speaker B
Weil man ja auch als Christ nicht wusste, ob nicht vielleicht der Gott auch mächtig sei.
42:39
Speaker B
Und man hat nicht mal den antiken Göttern.
42:42
Speaker B
Ihr Vorhandensein bestritten.
42:44
Speaker B
Man hat sie für Dämonen gehalten.
42:46
Speaker B
Also durchaus für gefährliche Wesen.
42:48
Speaker B
Es haben sich keine getraut, sich dem zu nähern.
42:52
Speaker B
Bis der Bischof gekommen sei, der Patriarch.
42:57
Speaker B
Mit seiner eigenen Axt begonnen habe draufzuschlagen.
43:02
Speaker B
Dann seinen Ratten herausgesprungen.
43:06
Speaker B
Als äußerste Demütigung des Gottes dann wieder.
43:13
Speaker B
Und das war eine Handlung, die möglicherweise gar nicht im kaiserlichen Interesse lag.
43:20
Speaker B
Denn die Gefahr von Aufständen bei nach solchen Unruhen natürlich groß.
43:26
Speaker B
In dem Fall konnte es unter Kontrolle gebracht werden.
43:30
Speaker B
Aber es war ein Fanal in Ägypten für das Christentum, das sehr leicht auch ganz ein Bürgerkrieg hätte auslösen können.
43:38
Speaker B
Denn die Zahl der Heiden in Alexandria war noch sehr groß.
43:43
Speaker A
Die Reichsteilung des Theodosius.
43:47
Speaker A
Sie teilt noch heute den Balkan.
43:51
Speaker B
Die Grenze.
43:52
Speaker B
Die war schon vorher gegeben.
43:54
Speaker B
Valens hatte mit seinem Bruder Valentinian den ersten das Reich geteilt.
44:00
Speaker B
Und diese Grenze wurde später immer wieder auch überschritten.
44:05
Speaker B
Sie war also keineswegs fix in der Antike.
44:08
Speaker B
Sie wurde wahrscheinlich befestigt letztlich dadurch, dass die Regionen kirchlich dann.
44:16
Speaker B
Verschiedenen Oberherren zuneigten, Rom mit der lateinischen Tradition.
44:22
Speaker B
Oder Konstantinopel mit der griechischen.
44:27
Speaker A
Aber die diese Zeit, ja, des Theodosius.
44:30
Speaker A
Ja.
44:31
Speaker A
Die Stärke seiner seines Regimes.
44:35
Speaker A
Ja.
44:36
Speaker A
Schafft zwischen Osten und Westen diese Spaltung.
44:40
Speaker A
Ja.
44:42
Speaker B
Ja.
44:44
Speaker A
Nicht.
44:45
Speaker A
Ja.
44:47
Speaker B
Wobei ich vermute.
44:50
Speaker B
Aber es ist reine Spekulation, dass er das Reich wieder geteilt hätte.
44:55
Speaker B
Ich vermute, dass er seine beiden Söhne neben sich selbst als Herrscher eingesetzt hätte.
45:02
Speaker B
Und eine Dreiteilung vorgenommen hätte.
45:06
Speaker B
Um die eine dichtere Kontrolle des Reiches zu ermöglichen.
45:11
Speaker B
Denn das war das Normale.
45:13
Speaker B
Diese Teilung des Reiches.
45:15
Speaker B
Das wirklich ein Herrscher, wie es Theodosius für zwei Jahre tat.
45:20
Speaker B
Mehr war es auch nicht.
45:22
Speaker B
Das ganze Reich unter seiner Kontrolle hatte, war absolut ungewöhnlich.
45:27
Speaker B
Und hat auch die Kommunikationsmöglichkeiten.
45:31
Speaker B
Überfordert.
45:32
Speaker B
Man brauchte ja Wochen, um von Syrien bis nach Mailand.
45:36
Speaker B
Eine Botschaft zu schicken.
45:38
Speaker B
Dann wieder zurück.
45:40
Speaker B
So konnte man nicht reagieren auf feindliche Einfälle.
45:42
Speaker A
Die waren schon schnell, also die die Straßen, die Wege, die Raststationen, die Reiter.
45:46
Speaker A
Und so weiter.
45:47
Speaker A
Aber trotzdem ist es dauert endlos.
45:49
Speaker A
Ja.
45:50
Speaker B
Und im Winter noch viel länger.
45:53
Speaker A
Und man braucht im Grunde kleine Gefäße, ja?
45:58
Speaker A
Um stabile Herrschaft herzustellen.
46:01
Speaker A
Ja?
46:03
Speaker B
Gerade weil so viel auch an der kaiserlichen Präsenz hing.
46:05
Speaker B
Wenn der Kaiser da war, ordneten sich die Dinge leichter.
46:09
Speaker B
Waren die Soldaten motivierter.
46:11
Speaker B
Und deswegen musste er erreichbar sein.
46:16
Speaker A
Man kann doch sagen, dass dieses römisch-byzantinische Reich, ja?
46:23
Speaker A
Eigentlich relativ frei von Korruption lange Zeit ist.
46:31
Speaker B
Das.
46:33
Speaker B
Glaube ich nicht sagen zu können.
46:37
Speaker B
Wir hören viele Klagen über Korruption.
46:40
Speaker B
Wir haben einen Text, der etwas später liegt, wo ein Römer, der zu den Hunnen übergegangen war.
46:47
Speaker B
Über die Verhältnisse in Rom klagen.
46:50
Speaker B
Das Korruption eines der zentralen Themen ist.
46:52
Speaker B
Es war üblich, dass man Beamten.
46:56
Speaker B
Gerichtsherren eine gewisse Summe zukommen ließ.
47:01
Speaker B
Ähm nicht als Bestechung.
47:04
Speaker B
Sondern das war etwas, was zu ihren Einkünften gehörte.
47:08
Speaker B
Später hat Kaiser Justinian versucht, das zu unterbinden.
47:11
Speaker B
Hat es aber nicht wirklich geschafft.
47:13
Speaker B
Das heißt, die Reichen hatten Vorteile.
47:18
Speaker B
Und es gab kein Gerichtsethos, kein Richterethos, wie wie es mit Preußen assoziieren würden.
47:24
Speaker A
Und der Zugang zum Kaiser ist der auch mit Bakschisch verbunden?
47:30
Speaker B
Das kann ein großer Vorteil sein.
47:33
Speaker B
Wenn sie nicht gerade Bischof sind oder Mönch.
47:38
Speaker B
Was mir wichtig erscheint beim römischen Reich sind vor allem zwei Dinge.
47:43
Speaker B
Das ein ganz starkes, eine ganz starke Bereitschaft sich in persönlichen Verbindungen.
47:51
Speaker B
Auf persönliche Verbindung verpflichten zu lassen.
47:56
Speaker B
Und durch aufgrund von solchen persönlichen Verbindungen und Nähen zu handeln.
48:01
Speaker B
So wurden die hohen Beamten.
48:06
Speaker B
Die hohen Offiziere an den Kaiser gebunden.
48:10
Speaker B
Das andere ist, dass jeder Bürger im Reich eine Chance hatte.
48:15
Speaker B
Seine Situation zu verbessern.
48:20
Speaker B
In der Verwaltung, im Heerwesen, anderswo aufzusteigen.
48:25
Speaker B
Es gab insofern zwar viel so eine ganz starke soziale Ungleichheit.
48:31
Speaker B
Aber nicht das Gefühl der Perspektivlosigkeit.
48:36
Speaker B
Zumindest nicht bei den Menschen, die überhaupt in der Lage waren.
48:40
Speaker B
Waffen in die Hand zu nehmen.
48:43
Speaker B
Und das hat das Reich sehr stark integriert.
48:48
Speaker B
Und hat auch bewirkt, dass die Verwaltung relativ schwach besetzt war.
48:53
Speaker B
Für unsere Verhältnisse.
48:56
Speaker B
Wie bei uns die Verwaltung einer größeren Stadt.
49:00
Speaker B
Das war ungefähr die Zahl der römischen Beamten.
49:04
Speaker B
Die es gab.
49:05
Speaker A
Wenn Sie diese Situation einmal vergleichen mit der EU.
49:10
Speaker A
Die ja auch über Rechtsverordnungen eine Massenproduktion von Recht.
49:16
Speaker A
Ja?
49:17
Speaker A
Herrscht.
49:18
Speaker A
Und weniger über militärische Macht.
49:21
Speaker A
Ja?
49:23
Speaker A
Wenn Sie das mal vergleichen würden.
49:25
Speaker A
Ja, gibt es da entfernte Ähnlichkeiten, außer dass wir kein römisches Reich bilden?
49:34
Speaker B
Es gibt entfernte Ähnlichkeiten.
49:37
Speaker B
Weil man eine wie eine doppelte Identität haben.
49:41
Speaker B
Als Deutsche und als Europäer, Franzosen, Europäer und so weiter.
49:46
Speaker B
Dass man also in zwei Einheiten leben kann.
49:50
Speaker B
Was aber deutlich anders ist.
49:53
Speaker B
Es fehlt diese Legitimationsressource eines Kaisers.
49:57
Speaker B
Die die Römer hatten, die wir nicht haben wollen in der EU.
50:00
Speaker B
Aber der ganz wichtig war an den Reich.
50:04
Speaker B
Der Kaiser stand als Person für das gesamte Reich.
50:09
Speaker B
Und die Treue, die Loyalität bezog sich zunächst mal auf den Kaiser.
50:14
Speaker A
Könnten die Menschenrechte und die Verfassung so etwas sein.
50:19
Speaker A
Wie ein papierener Kaiser.
50:25
Speaker B
Das setzt einen hohen Grad der Reflexion voraus.
50:27
Speaker B
Aber wenn die EU deutlich machen würde, dass sie in der Lage ist, die zu schützen.
50:34
Speaker B
Zu bewahren.
50:35
Speaker B
Im Unterschied zu anderen.
50:36
Speaker B
Was ja zum Teil der Fall ist.
50:37
Speaker A
Die Grundrechte zu wahren.
50:39
Speaker A
Also selbstverständlich.
50:40
Speaker B
Dann wäre das eine Grundlage für eine Art ja fast schon Verfassungspatriotismus.
50:44
Speaker B
In der EU.
50:47
Speaker B
Den haben wir ja im Grunde für etwas realisierbares hält.
50:51
Speaker A
Ja.
50:52
Speaker A
Ja.
50:53
Speaker A
Das Interessante an Rom.
50:55
Speaker A
Ja, und solchen äh äh Monographien.
50:59
Speaker A
Wie Sie sie schreiben.
51:01
Speaker A
Ja.
51:02
Speaker A
Ist ja, dass da eine enorme Menge an politischem Laboratorium sichtbar wird.
51:07
Speaker A
Ja?
51:08
Speaker A
Wo ausprobiert wird.
51:10
Speaker A
Ja, wie kann man Frieden erhalten?
51:13
Speaker A
Es geht ja gar nicht um bloße Machterhaltung.
51:16
Speaker A
Es ist eigentümlich nicht funktional.
51:20
Speaker A
Sondern sachlich.
51:22
Speaker A
Ja, in der hier gearbeitet wird.
51:25
Speaker B
Von dem Ambrosius genauso viel mit von dem Theodosius.
51:28
Speaker B
Und die Rivalen steigern sich.
51:30
Speaker A
Mhm.
51:31
Speaker A
Ja.
51:33
Speaker B
Und wir haben beides.
51:35
Speaker B
Wir haben Macht ohne Christentum und Macht mit Christentum.
51:40
Speaker B
Und die Römer müssen lernen, mit dem Christentum als Machtfaktor umzugehen.
51:46
Speaker B
Das ist hochspannend.
51:48
Speaker B
Dieses Experimentieren mit dem Christentum zu verfolgen.
51:53
Speaker A
Wenn Sie den Theodosius beschreiben würden.
51:57
Speaker A
Äh körperlich, geistig, äh seiner historischen Statur nach.
52:02
Speaker A
Wie würden Sie ihn beschreiben?
52:06
Speaker B
Er war jemand, der körperlich.
52:10
Speaker B
Offenbar kräftig war.
52:13
Speaker B
Eine gewisse einen gewissen Eindruck hinterlassen hat.
52:18
Speaker B
Durch seine körperliche Präsenz.
52:22
Speaker B
Er war wenig gebildet.
52:25
Speaker B
Aber aufgeschlossen.
52:27
Speaker B
Offenbar auch von einer hohen Aufnahmefähigkeit im Gespräch.
52:32
Speaker B
Das hören wir aus verschiedenen Quellen.
52:35
Speaker B
Und er war jemand, der keine Visionen hatte.
52:39
Speaker A
Keine Visionen.
52:40
Speaker B
Keine Visionen hatte.
52:41
Speaker B
Sondern der ein Praktiker.
52:43
Speaker B
Der immer wieder Probleme löste in einer Grundhaltung, dass er es anscheinend als seine Aufgabe ansah.
52:50
Speaker B
Das Reich zu integrieren.
52:54
Speaker B
Zusammenzuhalten und zu befrieden.
52:57
Speaker B
Und insofern ist er ein.
53:01
Speaker B
Schon ein eindrucksvoller Diener seines Reiches.
53:04
Speaker A
In Indien der Macht.
53:06
Speaker B
Ja.
53:07
Speaker A
Ja.
Topics:Theodosius der GroßeKaiser ValensSchlacht von Adrianopelchristologische StreitigkeitenRömisches ReichGotenökumenisches KonzilKaisertum und Christentumdctp-FanHartmut Leppin

Frequently Asked Questions

Warum wird Theodosius als 'der Große' bezeichnet?

Ursprünglich bedeutete 'der Große' (Megas) 'der Ältere' im Vergleich zu seinem Enkel Theodosius dem Zweiten. Später erhielt der Titel eine christliche Bedeutung, da Theodosius als Gastgeber eines wichtigen ökumenischen Konzils galt.

Was war die Bedeutung der Schlacht von Adrianopel für das Römische Reich?

Die Schlacht von Adrianopel 378 war eine überraschende und zerstörerische Niederlage für die Römer gegen die Goten. Sie markierte einen Wendepunkt in der römischen Militärgeschichte und führte zu politischen Umbrüchen.

Welche Rolle spielten die christologischen Streitigkeiten im 4. Jahrhundert?

Die Streitigkeiten drehten sich um die Natur Christi und führten zu verschiedenen theologischen Fraktionen. Sie hatten nicht nur religiöse, sondern auch politische Bedeutung, da sie die Autoritätsverhältnisse innerhalb des Christentums beeinflussten.

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