Gespräch über Glück: Was es ausmacht, wie es erlebt wird und welche Rolle Hoffnung, Sinn und soziale Bindung spielen.
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Key Takeaways
- Glück ist multidimensional und umfasst materielle, soziale und sinnstiftende Aspekte.
- Hoffnung und Perspektive sind zentrale Elemente, um auch in schweren Zeiten Glück zu empfinden.
- Glück ist keine dauerhafte Konstante, sondern ein flüchtiges und wiederkehrendes Erlebnis.
- Soziale Gemeinschaft und Natur spielen eine wichtige Rolle beim Erleben von Glück.
- Depression ist eng mit dem Verlust von Glücksgefühl und Hoffnung verbunden.
What the video covers
- Glück besteht aus drei wesentlichen Komponenten: materieller Absicherung, sozialer Einbindung und Sinnhaftigkeit.
- Glück ist ein Wechselspiel zwischen der äußeren Umgebung und der subjektiven Bewertung.
- Menschen brauchen Glück als Überlebens- und Wachstumsinformation, auch in schwierigen Lebensumständen.
- Hoffnung auf ein besseres Leben kann selbst in extremen Situationen als Glück empfunden werden.
- Depression wird als Zustand beschrieben, in dem das Glücksgefühl und die Hoffnung fehlen.
- Glück kann situativ sein, z.B. durch Gemeinschaftserlebnisse oder Naturerfahrungen.
- Philosophische Perspektiven verbinden Glück mit Geborgenheit, Umfangen sein und Freude am Unsinn.
- Glück ist flüchtig und muss immer wieder neu erlebt und hergestellt werden.
- Erinnerungen an Glück fokussieren sich oft auf Höhepunkte und Endpunkte, was das Gedächtnis beeinflusst.
- Glückserfahrungen sind eng mit Lernprozessen verbunden, die das Bewältigen von Situationen fördern.
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Speaker A
Hilke Brockmann, herzlich willkommen. Ist Glück Glückssache?
Speaker B
Nicht nur, aber manchmal fällt einem das Glück auch zu.
Speaker A
Wann nicht?
Speaker B
Wann wann es einem nicht zufällt, wenn man Pech hat.
Speaker A
Ist das Gegenteil von Glück Unglück?
Speaker B
Ich würde sagen, ja.
Speaker A
Und was ist mit dem einfach nicht Glück haben?
Speaker B
Wenn ich nicht Glück habe, dann habe ich ja Unglück gehabt.
Speaker A
Welche Voraussetzung braucht es denn eigentlich für das Glück?
Speaker B
Also, was empirische Forschungen zeigen, ist, dass man eigentlich so drei verschiedene Komponenten braucht.
Speaker B
Und zwar jeder Mensch überall, das ist so eine gewisse materielle Absicherung.
Speaker B
Das ist in jedem Fall die soziale Einbindung.
Speaker B
Und das ist auch eine gewisse Sinnhaftigkeit, in der man sich selber irgendwie verortet.
Speaker A
Braucht man alle drei oder kann man Glück empfinden nur auf der einen Ebene ohne die anderen?
Speaker B
Ja, also man braucht wohl alle drei, aber man kann sozusagen unterschiedlich gewichten.
Speaker B
Jedenfalls machen das Leute.
Speaker A
Ich kenne Menschen, die materiell nicht gesichert sind und jedenfalls von sich behaupten,
Speaker A
dass sie sehr viel Glück empfinden und dass sie glücklich sind.
Speaker A
Widerspruch?
Speaker B
Ja, ist kein Widerspruch, weil man natürlich in der empirischen Forschung sehen würde,
Speaker B
die bewerten eben das materielle Glück als sehr niedrig an.
Speaker B
Das ist für sie nicht so einschneidend.
Speaker B
In ihrem Umfeld ist es wahrscheinlich auch nicht hoch bewertet.
Speaker B
Und dann kann man natürlich irgendwie andere Dinge mehr in den Vordergrund rücken.
Speaker A
Ist Glück eine Konstruktion oder dem Menschen immanent?
Speaker B
Ich glaube, der Mensch und nicht nur der Mensch, sondern jegliche Form von mobilem Leben
Speaker B
braucht so eine Form der Rückkopplung und der Bewertung von äußeren Umgebung
Speaker B
oder von äußeren Einflüssen oder von Informationen.
Speaker B
Und insofern ist es immer ein Wechselspiel zwischen der Umgebung, in der ich mich befinde,
Speaker B
und der Bewertung, die ich als Subjekt auch vornehme.
Speaker A
Können Menschen ohne Glück leben und überleben?
Speaker B
Ich glaube, nein.
Speaker A
Braucht also ein Mensch glücklich sein, um zu sein?
Speaker B
Ja.
Speaker A
Warum?
Speaker B
Weil es ihm weil es ihm eine eine Information gibt, dass das, wo er sich befindet,
Speaker B
dass das ein Umfeld ist, in dem er überleben kann und in dem er auch wachsen kann
Speaker B
und dem er sich entfalten kann.
Speaker A
Es gibt aber Orte, wo das alles nicht vorhanden ist, wo Menschen tief unglücklich sind,
Speaker A
wo Menschen sogar geschlagen, gedemütigt werden.
Speaker A
Und sie können trotzdem überleben.
Speaker A
Gibt es selbst in den schlimmsten Umständen ein Glück?
Speaker B
Ja.
Speaker A
Welches?
Speaker B
Das Glück zum Beispiel, sich vorzustellen, dass es ein anderes eine ein anderes Leben geben kann
Speaker B
in der Zukunft, also eine Hoffnung auf ein besseres Leben.
Speaker B
Das kann Glück sein.
Speaker B
Das können wir uns ja vorstellen.
Speaker B
Und danach streben.
Speaker B
In jedem Fall ist aber dieses unmittelbar erlebte Glück für uns ein Motivator,
Speaker B
sich aus dieser Situation zu entfernen.
Speaker A
Ist derjenige, der überhaupt kein Glück mehr fühlt, der der sich depressiv fühlt?
Speaker B
Ja.
Speaker A
Ist da die Hoffnung nicht mehr denkbar, fühlbar?
Speaker B
Ja, offenbar, das ist ja offenbar das Problem der Depressiven,
Speaker B
dass sie eben kein Licht am Ende des Tunnels sehen
Speaker B
und sich das sehr schlecht vorstellen können.
Speaker B
Und das ist so eine genau, da fehlt einfach die Perspektive auf das Glück.
Speaker B
Und das muss man halt versuchen wiederherzustellen.
Speaker A
Ist das Gegenteil dessen Naivität, Menschen, die eigentlich im Glück baden wollen,
Speaker A
sind?
Speaker B
Ich weiß nicht, ob das unbedingt naive Menschen sind, aber vielleicht sind sie sich
Speaker B
sie irritieren lassen sich von vielen Sachen vielleicht nicht so viel irritieren.
Speaker A
Der Philosoph Adorno sagt, Glück ist nichts anderes als das Umfangen sein.
Speaker A
Nachbild der Geborgenheit in der Mutter.
Speaker A
Hat er recht?
Speaker B
Ich finde das ein ganz schönes Bild, ja.
Speaker B
Ich glaube, es ist dieses Umfangen sein.
Speaker B
Glaube ich, ist dieser dritte Aspekt, in dem Glück.
Speaker B
Oder vielleicht ist es ist auch wirklich alle drei.
Speaker B
Denn die Mutter versorgt einen mit dem materiellen, was man braucht.
Speaker B
Sie gibt einem den sozialen Austausch.
Speaker B
Und sie gibt einem vielleicht auch dieses wohlige Gefühl, dass das alles Sinn macht.
Speaker B
Dass man da ist, wo man ist.
Speaker B
Vielleicht sind es auch alle drei.
Speaker A
Das mit dem Sinn machen, würde ich ganz gerne noch mal ein bisschen mit Ihnen diskutieren.
Speaker A
Was macht denn eigentlich Sinn?
Speaker B
Das ist sehr variabel zwischen den verschiedenen Menschen.
Speaker B
Erstaunlicherweise macht eben Religion für viele Menschen Sinn.
Speaker B
Für andere Menschen ist es das Stiften, das Teilen.
Speaker B
Das gemeinsam etwas unter Unternehmen.
Speaker B
Etwas, was größer ist, was über das eigene die eigene Begrenztheit
Speaker B
und auch die ja, die eigene begrenzte des eigenen Lebens hinaus.
Speaker A
Viele Menschen sind aber sehr glücklich, wenn es gar nicht so hohe Ziele, die sie gerade formulieren,
Speaker A
Religion und ähnliches gibt.
Speaker A
Sie sind einfach glücklich, wenn ihre Fußballmannschaft gewinnt.
Speaker A
Sie sind glücklich, weil sie in einem schönen Konzert waren.
Speaker A
Was ist das dann?
Speaker B
Ja, das ist ein sehr situatives empfundenes Glück.
Speaker B
Und ich glaube übrigens auch, dass da ganz im Vordergrund steht diese Gemeinschaft.
Speaker B
Also, ich bin glücklich, weil meine Mannschaft gewinnt und ich bin in diesem Verein.
Speaker B
Oder ich bin in dem Stadion und alle empfinden es gleichzeitig.
Speaker B
Und das ist ein doch ein ganz erhebendes Gefühl, dass wir jetzt alle dieses schöne Erlebnis zusammen teilen können.
Speaker B
Das glaube ich.
Speaker A
Dann nehmen wir jetzt das Gegenteil.
Speaker A
Es gibt Menschen, die gehen spazieren.
Speaker A
Sie sehen Bäume, sie sehen Licht und sind zutiefst glücklich.
Speaker A
Mit wem teilen Sie das?
Speaker B
Ich glaube, das teilen Sie auch mit ganz vielen Leuten.
Speaker B
Denn erstaunlicherweise ist, wenn man Bilder anschaut von Glück, ganz oft die Natur spielt schon eine ganz große Rolle.
Speaker B
Und auch da ist es doch, das ist der Kosmos.
Speaker B
Ich würde sagen, das ist auch ein ganz großes Gefühl dahinter, dass das irgendwie, dass man sich in diesem ganzen Umfeld
Speaker B
zufrieden, aufgehoben oder dass man ja, befriedigt, glaube ich, ist.
Speaker B
Also.
Speaker A
Der Philosoph Nietzsche sagt, fast überall, wo es Glück gibt, gibt es Freude am Unsinn.
Speaker A
Ist Glück eine entfesselnde Erfahrung, muss es etwas gegeben haben, was nicht sinnvoll war?
Speaker A
Also das Gegenteil, was Sie eben gesagt haben.
Speaker A
Es gibt Freude am Unsinn.
Speaker A
Ich fand dieses Bild eigentlich ein sehr schönes.
Speaker B
Also, dass man dass es so spielerisch ist und dass man Sachen gemacht hat.
Speaker B
Ja, aber da ist es vielleicht die Erfahrung dieser Unsinn,
Speaker B
die man macht, ist doch ganz oft auch etwas, wo man sich gegenüber Normen und Erwartungen von anderen darüber erhebt.
Speaker B
Dass man das bricht, dass man Leute überrascht mit Dingen, weil sie das nicht erwartet haben.
Speaker B
Und das ist dann der Unsinn, den man machen kann.
Speaker B
Und man trotzdem das Gefühl hat, man wird man man man kann sich das auch erlauben.
Speaker B
Man kann da auch aussteigen.
Speaker B
Man kann sich da auch befreien.
Speaker A
Fühlen Sie Glück, während wir hier sitzen?
Speaker B
Ich fühle zunehmend Glück.
Speaker B
Ich lerne mit der Situation umzugehen und sie ist weniger einschüchternd, als ich am Anfang dachte.
Speaker A
Macht es Sie glücklich, dass Sie mit der Situation lernen umzugehen?
Speaker A
Oder der Zustand, der daraus entsteht, dass sie leichter werden?
Speaker B
Ja.
Speaker B
Das ist, glaube ich, das.
Speaker B
Ganz erstaunlich ist ja, dass wir das offenbar so eine so eine Phase ist.
Speaker B
Das Glück ist ja etwas sehr flüchtiges.
Speaker B
Das lässt sich nicht konservieren einen ganzen Tag lang.
Speaker B
Oder man muss das eigentlich immer wieder herstellen.
Speaker B
Und diese Glückserfahrung schließt oft an an eben an eine Lernerfahrung.
Speaker B
Wenn man dann glücklich war, dann prägt sich das eben ein.
Speaker B
Und man lernt davon.
Speaker B
Und insofern ist dieses diese Erfahrung, die man macht, dass man Situationen beherrscht
Speaker B
und kontrollieren kann oder dass man sie irgendwie mitsteuern kann.
Speaker B
Etwas, was einen glücklich macht.
Speaker A
Das Gedächtnis ist trotzdem der größte Schwindler der Welt.
Speaker A
Die Erinnerungen sind immer markiert in der jeweiligen Gegenwart.
Speaker A
Wenn Sie sich erinnern oder Menschen sich daran erinnern, dass sie glücklich waren.
Speaker A
An was erinnern Sie sich wirklich?
Speaker B
An Höhepunkte.
Speaker B
Erinnern Sie sich gerne.
Speaker B
An Endpunkte und Höhepunkte.
Speaker B
Und das macht ja man kann es als Schwindel bezeichnen.
Speaker B
Man kann es aber auch als eine ganz sinnvolle Gedächtnisleistung definieren oder empfinden.
Speaker B
Weil das für uns neuralgische Punkte waren.
Speaker B
Man erinnert sich auch an negative Sachen.
Speaker B
Wir haben auch eine gewisse natürliche Präferenz für negative Abweichungen,
Speaker B
weil wir von denen auch lernen wollen, um das eben zu vermeiden.
Speaker B
Und eben auch diese positiven Höhepunkte, die wir im Leben haben.
Speaker A
Henry Ibsen schreibt in seinem Theaterstück die Wildente.
Speaker A
Nehmen Sie einen Durchschnittsmenschen, die Lebenslüge.
Speaker A
Und Sie nehmen ihm zur gleichen Zeit das Glück.
Speaker A
Braucht der Mensch die Illusion zum glücklich sein?
Speaker B
Ja.
Speaker B
Ich glaube, die braucht er, weil das Glück eine ganz wichtige Rolle ist
Speaker B
als Handlungsmotor, als Antriebsmotor für Verhalten.
Speaker B
Wenn er diese nicht hat und wir hatten das mit der Depression,
Speaker B
dann so das ist dann ja ganz üblich, dass depressive Menschen dann also in so einer Lethargie verfallen.
Speaker B
Weil wirklich das Ziel und die Richtung fehlt.
Speaker A
Aber ist Glück etwa eine Illusion?
Speaker B
Nein, sie ist keine Illusion.
Speaker B
Sie ist sozusagen unsere Beurteilung, unsere subjektive Einschätzung von Dingen, die wir erleben.
Speaker B
Und diese Dinge können wir zum Teil imaginieren.
Speaker B
Wir können sie uns vorstellen oder wir gleichen sie ab mit gewissen Vorstellungen.
Speaker B
Aber sie ist ganz wichtig, weil sie uns eigentlich einen Kompass gibt in dieser Welt zu bestehen.
Speaker B
Und unsere Richtung auch.
Speaker A
Wenn wir uns über das ob ein bisschen jetzt unterhalten haben und geeinigt haben, würde ich ganz gerne doch ein Augenblick mit Ihnen so eine kleine Reise nach dem
Speaker A
wie viel, wovon, wozu auch noch mal diskutieren.
Speaker A
In den Kulturen gibt es ganz unterschiedliche Ansätze.
Speaker A
Wie viel Glück muss man eigentlich haben, um glücklich zu sein?
Speaker A
Wie viel Glückserlebnisse Momente muss man haben?
Speaker A
Ist es unbescheiden, unbescheiden zu sein oder ist es klug, bescheiden zu sein, wenn es uns Glück geht?
Speaker B
Na ja, also es ist jedenfalls nicht besonders klug, ständig das Glück zu maximieren.
Speaker B
Das sieht man beispielsweise ja bei Drogenabhängigen,
Speaker B
die eigentlich permanent diesen Zustand irgendwie dann herstellen und dann in so eine Spirale kommen,
Speaker B
aus der sie gar nicht besonders befriedigend herauskommen.
Speaker A
Aber Glück produziert Dopamin.
Speaker A
Man braucht dazu gar keine äußeren Drogen, weil der Körper da eine Droge,
Speaker A
eine eine Glücksbestätigung hervorruft, die nach mehr schreit.
Speaker A
Aber ich wollte noch mal die Frage stellen im Sinne auch der kulturellen und der der gesellschaftspolitischen Gestaltung.
Speaker A
Wir leben ja auch in einer Zeit, in der Glück, Maximierung an Glück,
Speaker A
Momente, wo man glücklich sein kann, ein sehr positives Reflexionsbild von einem gelungenen Leben darstellt.
Speaker A
Was passiert da mit mit dem Menschen?
Speaker A
Ist die Sehnsucht danach zurecht zu steigern?
Speaker A
Ist ein gutes Leben ein maximal glückliches Leben?
Speaker A
Wie stehen da die Zusammenhänge?
Speaker B
Also zunächst einmal gibt es so eine Anspruchsspirale.
Speaker B
Natürlich und oder so eine Inflationierung von bestimmten Bedürfnissen.
Speaker B
Und da insofern ist es sinnvoll, vielleicht bescheiden zu sein.
Speaker B
Oder sich auch mal zurückzunehmen.
Speaker B
Auf der anderen Seite ist es gar nicht so, dass immer die gleichen Sachen einen glücklich machen.
Speaker B
Man sieht ja schon in der Modernisierung, dass es da auch Trends gibt von so einer materiellen Befriedigung
Speaker B
hin zu so einer postmateriellen Befriedigung.
Speaker B
Und insofern könnte man jetzt sagen, dass die Maximierung von Glück in so einer Gesellschaft
Speaker B
natürlich ein ganz legitimes Ziel ist, was auch Politiker sozusagen
Speaker B
unterstützen sollten und fördern sollten.
Speaker B
Die Frage ist aber, welche Angebote an Glücksbefriedigung eigentlich so eine Gesellschaft zur Verfügung stellt.
Speaker B
Ist das jetzt immer noch mehr von bestimmten Dingen zu konsumieren?
Speaker B
Oder könnten auch andere Ereignisse glücklich machen?
Speaker B
Und da glaube ich, sind wir sehr flexibel.
Speaker A
Ich will es ganz gerne noch mal fokussieren.
Speaker A
Gibt es maßvolles Glück?
Speaker A
Oder verlangt das Glück das Maßlose?
Speaker B
Also dieser dieser Glückszustand ist natürlich einer,
Speaker B
der sich auch sozusagen nicht nicht konservieren lässt.
Speaker B
Also wird man permanent nach dem Glück suchen.
Speaker B
Aber die Frage ist eben,
Speaker B
glaube ich, wo man Anleitung braucht, ist, dass man die richtigen nach den richtigen Sachen sucht.
Speaker A
Aber was sind die richtigen Sachen?
Speaker B
Ja, ich glaube, die richtigen Sachen sind schon.
Speaker B
Ja, das ist gut, also, was sind die richtigen Sachen?
Speaker B
Ich glaube, die richtigen Sachen sind natürlich schon die Sachen, wo man nicht anderen Leuten das Glück beschneidet.
Speaker B
Beispielsweise.
Speaker A
Aber ist nicht immer mein Glück teilweise auch auf Kosten anderer?
Speaker B
Ja, das ist eben erstaunlicherweise, würde ich sagen,
Speaker B
der Unterschied zu so einem utilitaristischen Ansatz, der sehr egoistisch orientiert ist.
Speaker B
Es scheint nicht nur, es scheint so, sondern die empirische Forschung zeigt das ganz deutlich.
Speaker B
Wir schätzen eigentlich das soziale Miteinander.
Speaker B
Und dazu können wir auch angehalten werden.
Speaker B
Und ich glaube, wichtig ist, dass wir nicht in so eine in so einen permanenten Wettstreit miteinander treten.
Speaker B
Denn dann sind wir relativ maßlos und unbescheiden.
Speaker B
Also es ist schon so, dass wir ein gewisses Interesse haben, gegenüber dem anderen überlegen zu sein.
Speaker B
Was das Unglück des anderen ja eigentlich bedeutet.
Speaker B
Also wir sind gerne Sieger und nicht Verlierer.
Speaker B
Das ist vielleicht nicht so überraschend.
Speaker A
Das ist eine sehr interessante Idee, die Sie gerade aussprechen.
Speaker A
Menschen, die glücklich sind, wenn ich sie richtig verstehe, fühlen sich erhaben gegenüber Menschen,
Speaker A
die nicht oder gar nicht glücklich sind.
Speaker A
Ist das richtig?
Speaker B
Ja, sie sind zumindest es ist ja, es ist doch eine eine gewisse Genugtuung offenbar.
Speaker B
Wenn ich unter bestimmten Bedingungen also mehr Geld habe als der andere.
Speaker B
Es ist also bei dem Geld ist es wirklich so, dass Leute eigentlich gar nicht so viel absolut brauchen.
Speaker B
Aber wenn sie schauen, ob derjenige, der ein bisschen mehr hat als der andere glücklicher ist, dann ist das so.
Speaker B
Also, wenn sie zwei Menschen zwei Welten zur Auswahl geben würden.
Speaker B
Und in der einen Welt hätte er absolut mehr, aber er hätte weniger als die anderen.
Speaker B
Und in der zweiten Welt hätte er relativ mehr als die anderen, aber absolut weniger.
Speaker B
Dann ist er immer für die Welt, wo er eigentlich
Speaker B
relativ mehr hat als die anderen.
Speaker B
Also man ist gerne.
Speaker A
Also der soziale Vergleich spielt eine ganz der soziale Vergleich ist eine eine wichtige Frage,
Speaker A
um das glücklich sein auch zu generieren.
Speaker B
Ja.
Speaker B
Das spielt schon eine Rolle.
Speaker B
Und die Frage ist, ob man diesen sozialen Vergleich sozusagen extrem fördert
Speaker B
und und stimuliert und in in über überdehnt.
Speaker B
In einer Art und Weise.
Speaker B
Es gibt auch andere soziale Erlebnisse,
Speaker B
wo man glücklich ist, wo man sich nicht so stark vergleicht.
Speaker B
Wo es eben nicht so ein Nullsummenspiel gibt.
Speaker B
Ist z.B. dieses Gemeinschaftserleben mit Freunden im Fußballstadion.
Speaker B
Oder mit Freundinnen beim Shoppen, wenn man das mal geschlechtsspezifisch unterscheidet.
Speaker B
Aber dieses gemeinsam etwas zu unternehmen,
Speaker B
da gibt es keine Knappheit in dem Sinne.
Speaker B
Und nicht, weil der eine jetzt mehr, sondern es ist wirklich unbegrenzt.
Speaker B
Und insofern ist das produziert das keinen Neid
Speaker B
oder keinen relativen Vorteil gegenüber dem anderen, aber trotzdem Glück.
Speaker B
Wenn man aber solche Ereignisse oder sozialen Konstruktionen
Speaker B
wie im Wettbewerb konzipiert und entwirft und anbietet,
Speaker B
dann sind die Leute in erster Linie daran interessiert, dann doch eher lieber die Goldmedaille
Speaker B
als die Silbermedaille zu gewinnen.
Speaker B
Und das produziert, glaube ich, extrem stark
Speaker B
eventuell auch falsche.
Speaker B
Man kann also Menschen man kann Menschen dazu schon auch verführen
Speaker B
oder konditionieren mit ganz bestimmten Verhaltensweisen, Glück zu empfinden.
Speaker B
Beispielsweise im Wettbewerb.
Speaker B
Sie haben das ja gerade angedeutet.
Speaker B
Der also der Wettbewerb hat ja neben ökonomischen Erfolgsmomenten
Speaker B
auch etwas tief archaisches.
Speaker B
Ich habe den anderen besiegt, unsere Firma ist stärker als die andere Firma.
Speaker B
Wir haben wieder mehr Geld gemacht.
Speaker B
Kann es sein, dass z.B. so etwas wie Alkohol die Sehnsucht ist,
Speaker B
in also auszusteigen, das Gehirn ein Stück zu lähmen,
Speaker B
weil zu viel Unglück empfunden ist und das vergessen und das verdrängen
Speaker B
die einzige Möglichkeit zu sein scheint, dieses Glück einzuholen.
Speaker B
Ja, ich glaube schon.
Speaker B
Dass das und man sieht das sozusagen an so einem wie wie der Alkoholismus
Speaker B
auch verteilt wird und verteilt ist in einer Gesellschaft.
Speaker B
Und Leute, die besonders viel Unglück erlebt haben, auf in verschiedensten Art und Weise.
Speaker B
Natürlich eher diesem verführt sind eventuell dieses zu in in Alkohol zu ertränken.
Speaker B
Also der Alkoholismus ist keine sozial gleich verteilte.
Speaker B
Kein sozial gleich verteiltes Risiko am Alkoholismus zu erkranken.
Speaker B
Leute, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, rauchen stärker und trinken stärker.
Speaker B
Das sind schon das sind schon Ereignisse,
Speaker B
die glaube ich, dann auch diese Langfristperspektive einfach auch gar nicht mehr sinnvoll machen.
Speaker B
Sie beschreiben und das fand ich ganz spannend.
Speaker B
Zitat, wir sind besonders glücklich im jungen Erwachsenenleben und auch im jüngeren Alter.
Speaker B
Und besonders unglücklich in der Mitte des Lebens.
Speaker B
Warum ist das so?
Speaker B
Ja, die Mitte des Lebens wieder im im Durchschnitt ist aber ist davon gekennzeichnet,
Speaker B
dass wir eigentlich eine ganze Menge Verpflichtungen haben.
Speaker B
Zum einen, wir sind sehr eingebunden.
Speaker B
Unsere Freiheit, unser Glück zu suchen ist sehr beschnitten.
Speaker B
Wir sind in diesem z.B. im Rentenkontrakt eingebunden.
Speaker B
Wir müssen jetzt die Beiträge zahlen.
Speaker B
Wir müssen auch die Aufzucht für die jüngere Generation gewährleisten.
Speaker B
Und auf der anderen Seite haben wir viele Lebensentscheidungen gefällt,
Speaker B
die eventuell gar nicht mehr so passend sind.
Speaker B
Also wir heiraten in der Regel ja sehr früh.
Speaker B
Beispielsweise.
Speaker B
Wir wählen auch unseren Beruf sehr früh.
Speaker B
Und Adjustierung lassen sich dann nicht so leicht mehr durchsetzen.
Speaker B
Und das ist eben so ein gewisses Zwangskorsett, in dem wir uns befinden.
Speaker B
In den mittleren Jahren und deshalb gibt es die mittlere Krise.
Speaker A
Aber kann es auch sein, dass z.B. das Versprechen, du liebst, du heiratest, das macht dich glücklich.
Speaker A
Das all diese Konstruktionen von Gefühlen und gesellschaftlich akzeptierten ja gewollten Konsequenzen,
Speaker A
auch religiösen, dass das alles ebenfalls nur
Speaker A
ganz ganz kurz wirkt, wie das Glück an sich.
Speaker A
Und man dabei spürt, ich bin da gerade auch ein bisschen veräppelt worden.
Speaker A
Von mir und all dem, was um mich herum ist.
Speaker B
Ja, vielleicht empfindet man das gerade im mittleren Leben.
Speaker B
Also diese großen Glücks oder romantischen Versprechungen,
Speaker B
die die an die Institution Ehe geknüpft sind, irgendwie
Speaker B
sind dann vielleicht stärker abgenutzt,
Speaker B
als man das irgendwie wünschte.
Speaker B
Und man kann eben man kommt aus diesen Verbindungen und Verbindlichkeiten nicht so leicht heraus.
Speaker B
Die Frage ist aber, ob das sozusagen langfristig sich nicht dann wiederum
Speaker B
durchaus bewährt.
Speaker B
Weil man sich dann am Ende des Lebens oder da geht es ja sozusagen der Glückskurve auch wieder hoch.
Speaker B
Sich dann die Rechnung noch mal wieder anders aufmacht.
Speaker B
Wenn man sieht, also dieser Partner, mit dem man jetzt so lange die Zeit schon geteilt hat.
Speaker B
Der kann mich irgendwie auffangen, der versteht das viel mehr.
Speaker B
Mit dem habe ich eben diese gemeinsame Lebensgeschichte.
Speaker B
Und das ist eine andere Form von Verständnis oder Innigkeit,
Speaker B
die ich mit niemandem mehr haben kann.
Speaker B
In der Mitte des Lebens, glaube ich, ist man da so ein bisschen gespalten.
Speaker B
Jedenfalls sehe ich das auch in meinem Bekannten sehr stark.
Speaker B
Zwischen dieser soll es das jetzt gewesen sein.
Speaker B
Das war also alles.
Speaker B
Und diesen vielen vielen Verpflichtungen, denen man doch nachkommen muss.
Speaker A
Gandhi würde jetzt das Thema von einer ganz anderen Perspektive aus diskutieren.
Speaker A
Und uns zuhören und sagen, Leute, ihr ihr macht das alles wirklich falsch.
Speaker A
Das Geheimnis eines glücklichen Lebens, sagt Gandhi, liegt in der Entsagung.
Speaker A
Nach dem Motto, je weniger, desto besser.
Speaker B
Also, ich glaube, auch das ist interessant.
Speaker B
Dass diese Form der Kontrolle es vor allen Dingen ist.
Speaker B
Bei der Entsagung, dass ich Triebe oder oder Bedürfnisse einfach unterdrücken kann.
Speaker B
Wie viel Macht ich auch beispielsweise über meinen Körper habe.
Speaker B
Das weiß man bei anorektischen Kindern auch.
Speaker B
Die ja das Essen aufgeben.
Speaker B
Die finden das super, ich muss also jetzt bin nicht mehr abhängig von diesem permanenten.
Speaker B
Wir permanenten Kalorienzufuhr.
Speaker B
Muss da nicht mehr dran denken.
Speaker B
Ich bin völlig befreit.
Speaker B
Das ist das eine.
Speaker B
Ich nehme an, sowas empfindet man auch, wenn man wahnsinnige Strecken läuft.
Speaker B
Oder ich schwimme gerne.
Speaker B
Also wahnsinnige Strecken schwimmt und dann sozusagen man sich einfach aus diesem ganzen heraus.
Speaker B
Und man man merkt so, ich kann ich kann ein Ziel stecken.
Speaker B
Und ich kann das erreichen.
Speaker B
Beim Sport, glaube ich, ist das sehr schön, wenn man das sehr schön kontrollieren kann und auch erreichen kann.
Speaker B
Das glaube ich, ist.
Speaker B
Ist das Erleben dieser Entsagung, wo man also Kontrolle
Speaker B
über sein über sich selbst und über auch sein Umfeld,
Speaker B
glaube ich, ausstrahlen kann.
Speaker B
Und sagen kann, das hättest du nicht gedacht.
Speaker B
Dass ich nicht also mein Egoismus und meine Selbstbezogenheit überwinden kann.
Speaker B
Und.
Speaker A
In welchem Verhältnis steht Glück und Moral?
Speaker B
Ja, ich glaube, in einem ganz wichtigen.
Speaker B
Natürlich, dass man sich schon überlegt, wenn man sein Glück maximieren will.
Speaker B
Was heißt das sozusagen für für das größere soziale Umfeld,
Speaker B
in dem ich mich befinde.
Speaker B
Welche Effekte hat das?
Speaker B
Wie ist das?
Speaker B
Wie kann so ja, wie kann so eine Gesellschaft sozusagen
Speaker B
aussehen, in der alle Menschen ihr Glück maximieren.
Speaker B
Und da muss ich mir dann schon überlegen.
Speaker B
Ist das, wie ich mich verhalte, ist das sozusagen sozial verträglich?
Speaker B
In Bhutan ist das Glück als Staatsziel festgeschrieben.
Speaker B
Halten Sie sowas für sinnvoll?
Speaker B
Das ist keine Demokratie, ne?
Speaker B
Soweit ich das weiß.
Speaker B
Bhutan.
Speaker B
Ich glaube übrigens, es ist durchaus auch in unserer Verfassung eingeschrieben.
Speaker B
Auch da gibt es ich denke schon, die Würde des Menschen ist unantastbar.
Speaker B
Ist eine Festsetzung, dass es eine Wertschätzung für jeden Einzelnen gibt.
Speaker B
Bei aller Diversität.
Speaker B
Ist es wichtig jeden Einzelnen irgendwie zu achten.
Speaker B
Das ist ja schon ganz wichtig in diesem sozialen Miteinander.
Speaker B
Also jeder ist Teil einer sozialen sozusagen Wertschätzungsgemeinschaft.
Speaker B
Und das zweite ist das Freiheitsrecht.
Speaker B
Jeder hat natürlich auch Freiheiten sein Glück zu suchen.
Speaker B
Denn das muss man ja suchen.
Speaker B
Es findet in der Regel fällt es einem nicht irgendwie vor die Füße.
Speaker A
Wenn man sucht.
Speaker A
Nach was und wo will man eigentlich suchen?
Speaker A
Denn es gibt ja auch den Begriff Glück gehabt.
Speaker B
Genau, da fällt es einem vor die Füße.
Speaker A
Das eine ist jeder ist seines Glückes Schmied und das andere ist Glück gehabt.
Speaker A
Ist Glück jetzt Zufall oder Schicksal, schwer erarbeitet, leicht daher geflogen?
Speaker B
Sowohl als auch.
Speaker B
Also natürlich in einer meritokratischen Gesellschaft, wie sozusagen
Speaker B
die Geschichte über unsere Gesellschaft immer noch erzählen mag.
Speaker B
Also Leistung lohnt sich.
Speaker B
Ist es natürlich auch eine Frage, es ist natürlich auch ein ein ein Ausdruck der Leistung,
Speaker B
die man erbracht hat.
Speaker B
Und dann hat man sozusagen sein Glück da.
Speaker B
Ähm ähm ähm selber gesucht.
Speaker B
Und sein Glück selber geschafft.
Speaker B
Mein Haus gebaut, mein Auto gekauft.
Speaker B
Ähm die Familie großgezogen, die ich wollte.
Speaker B
Oder was weiß ich.
Speaker B
Ähm das andere ist natürlich.
Speaker B
Es passieren natürlich auch Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat.
Speaker B
Ähm der Lotto Gewinn ist vielleicht sozusagen das, was einem als erstes einfällt.
Speaker B
Aber natürlich auch Ereignisse, Begegnungen mit Menschen,
Speaker B
die einen auf Dinge aufmerksam gemacht hat, an die man dann selber zunächst erstmal gar nicht dachte.
Speaker B
Und das Leben hat dann eine ganz wunderbare neue Wendung genommen.
Speaker A
Wenn man am Lebensende ist.
Speaker A
In welcher Beziehung steht dann noch Glück zum Sein?
Speaker A
Was ist dann Glück?
Speaker B
Also, ich denke, dann ist dieses dieses Sinnhaftigkeit.
Speaker B
Diese diese Bedeutung, dass das, was man gemacht hat oder warum man auf dieser Erde war,
Speaker B
dass das in sich schlüssig ist und dass man sozusagen
Speaker B
einfach auch mit einer guten Bilanz, vielleicht muss man das wirklich so sehen.
Speaker B
Irgendwie von dieser Erde scheiden kann.
Speaker A
Aber das ist ja ein sehr idealtypisches Bild, dass Sie zeichnen.
Speaker A
Viele Menschen, die ich kenne, würden das in dieser Eindeutigkeit
Speaker A
für ihr Leben nicht beschreiben können.
Speaker A
Aber welches Glück gibt es denn noch im Zwischenbereich zwischen sehr alt sein und nicht tot sein?
Speaker A
Gibt es da Glücksmomente?
Speaker B
Also ganz stark gibt es da Glücksmomente.
Speaker B
Ähm dass man und und zwar ist ja erstaunlich, dass gerade die älteren Leute, obwohl sie beispielsweise gesundheitlich viel eingeschränkter sind und so.
Speaker B
Oder im Vergleich zu den mittelalten Menschen viel weniger Geld haben oder soziale Kontakte haben.
Speaker B
Glücklicher sind.
Speaker B
Das heißt, sie können sehr wohl durch eine Umgewichtung ihrer Komponenten,
Speaker B
die sie dafür ihr Glücks Glücksrezept brauchen, sehr wohl
Speaker B
Glück noch empfinden.
Speaker A
Also, ich habe jetzt gerade ein ganz kleines Stück vom Glück empfunden.
Speaker A
Herzlichen Dank für dieses Gespräch.
Speaker A
Danke schön.
Speaker B
Gerne.
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