Trauma - Wie Traumata das Gehirn verändern und ihre moderne Therapie

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00:15
Speaker A
Guten Tag.
00:17
Speaker A
Mein Name ist Michael Franz, ich bin Professor für Psychiatrie und Psychotherapie und ärztlicher Direktor des Vitos Klinikums Gießen und Marburg.
00:28
Speaker A
Unser Thema heute ist die Frage, was sind psychische Traumata, woran erkennt man sie und wie verändern sie unser Gehirn und wie kann man sie therapeutisch wirksam behandeln?
00:40
Speaker A
Bei wenigen psychischen Erkrankungen und Therapien wurden in den letzten Jahren so viele Missverständnisse geklärt, Glaubenssätze widerlegt und therapeutische Möglichkeiten gefunden, wie bei der Traumatherapie.
00:57
Speaker A
Das macht mich als Arzt und Therapeuten demütig und gleichzeitig macht es Mut.
00:59
Speaker A
Es gibt viele Zugänge zum Thema Trauma.
01:02
Speaker A
Wir unterscheiden z.B. Kategorien von Traumata, wie Unfälle und Naturkatastrophen oder Menschen gemachte Traumata, Man-made Traumata.
01:09
Speaker A
Menschen gemachte Traumata führen häufiger zu Traumafolgestörungen.
01:12
Speaker A
Ist eine Traumastörung peinlich?
01:15
Speaker A
Muss man sich darüber schämen?
01:17
Speaker A
Das passiert leider, leider häufig und ist trotzdem nicht angebracht.
01:20
Speaker A
Traumafolgestörungen sind eine besondere Verarbeitungsform unseres Gedächtnisses.
01:25
Speaker A
dass sich in gewisser Weise selbstständig macht, dessen Folgen bis in den Körper reichen.
01:30
Speaker A
Und ist sofern was ganz normales, das jedem Menschen ab einer gewissen Dosis von Trauma passieren kann.
01:35
Speaker A
Das hängt von bestimmten Bedingungen ab.
01:37
Speaker A
Kriegt man also auf jedes katastrophale Ereignis eine Traumafolgestörung?
01:40
Speaker A
Nein, das ist nicht so, es ist mittlerweile gut gesichert, dass Traumata oft verarbeitet werden.
01:43
Speaker A
Wenn diese Verarbeitung blockiert wird, z.B. durch zu starke Schuldgefühle oder Schamgefühle oder äußere Umstände oder andere psychische Erkrankungen.
01:50
Speaker A
Oder wenn zu viele vorherige Traumata da sind, wird das Auftreten von Traumafolgestörungen wahrscheinlich.
01:54
Speaker A
Sie treten z.B. nach Verkehrsunfällen in 3 bis 11 % nach schwerem Missbrauch oder Vergewaltigung in 50 bis 60 % auf.
01:58
Speaker A
Selbst komplex in der Kindheit traumatisierte Menschen befreien sich in der weiteren Entwicklung oft so um das 14. Lebensjahr.
02:03
Speaker A
Oder sie bleiben darin, das kann an einem invalidierenden Umfeld, an mangelnder Sicherheit, fortgesetzten Täterkontakt liegen.
02:08
Speaker A
Und dann werden sie krank.
02:10
Speaker A
Wie sieht eine Traumafolgestörung klinisch aus?
02:12
Speaker A
Trauma heißt nicht automatisch PTSD.
02:16
Speaker A
Nach traumatischen Erlebnissen entwickeln sich Traumastörungen im engeren Sinne.
02:20
Speaker A
Das sind die akute Belastungsreaktion innerhalb von Stunden.
02:23
Speaker A
Die akute Belastungsstörung innerhalb von Tagen bis zu einem Monat.
02:26
Speaker A
Und die posttraumatische Belastungsstörung PTSD oder PTBS so um die sechs Monate nach dem Ereignis, manchmal früher, manchmal später.
02:32
Speaker A
Manchmal entwickeln sich nach Traumatisierungen aber auch Depressionen, Angststörungen, somatoforme Störungen, dissoziative Störungen oder eine emotionale Instabilität als dauerhaftes Merkmal.
02:37
Speaker A
Das sieht dann so aus, als hätte jemand z.B. plötzlich eine Borderline Störung bekommen.
02:40
Speaker A
Im Folgenden konzentrieren wir uns mal auf die posttraumatische Belastungsstörung.
02:43
Speaker A
Diese PTSD hat ein sehr typisches klinisches Bild.
02:46
Speaker A
Die Diagnose stellen wir durch sechs Kriterien.
02:49
Speaker A
Dazu gehört zunächst einmal ein Ereignis, dass man erlebt oder beobachtet hat.
02:53
Speaker A
Und neuerdings auch durch Mitteilung schwerwiegende Erlebnisse oder Ereignisse, die einen selbst oder die Familie oder Angehörige betreffen.
02:57
Speaker A
Das beinhaltet die potenzielle oder reale Todesbedrohung, ernsthafte Verletzungen, schwere Bedrohungen der körperlichen Unversehrtheit bei sich oder anderen.
03:03
Speaker A
Und dazu gehört immer eine Reaktion mit intensiver Furcht, Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit oder Schrecken.
03:08
Speaker A
Dazu gehört weiterhin das Wiedererleben.
03:10
Speaker A
Sogenannte Intrusionen.
03:11
Speaker A
Das sind z.B. belastende Träume oder Albträume.
03:14
Speaker A
Flashbacks.
03:15
Speaker A
In den Flashbacks erlebe ich bestimmte Aspekte des Traumas wieder, als würden sie gerade eben passieren.
03:20
Speaker A
Es sind Trigger, Trigger sind Auslöse Wahrnehmungen, bei denen eine besonders starke Belastung auftritt.
03:24
Speaker A
Und dabei ist immer eine körperliche Reaktion bei diesen Erinnerungen oder Protrusionen.
03:28
Speaker A
Zu der Diagnose posttraumatische Belastungsstörung gehört weiterhin die Vermeidung.
03:31
Speaker A
Vermieden wird alles, was assoziativ irgendwie mit dem Trauma zusammenhängt.
03:35
Speaker A
Gedanken.
03:36
Speaker A
Gefühle.
03:37
Speaker A
Aktivitäten.
03:38
Speaker A
Situationen.
03:39
Speaker A
Und auch eigene Gedächtnisinhalte.
03:42
Speaker A
Dadurch entstehen logischerweise Teilamnesien oder auch Gefühle werden.
03:46
Speaker A
Vermieden bei der Traumastörung geht's ja um Gefühl, das Trauma hat ja viel mit Gefühl zu tun.
03:51
Speaker A
So entstehen Gefühle, als ob man sich neben sich steht, Entfremdung von sich und von den anderen.
03:55
Speaker A
Ein weiteres typisches Beispiel ist Symptom ist das Hyperarousal, also die psychische oder vegetative Übererregung.
04:00
Speaker A
Die äußert sich typischerweise in Schlafstörungen, erhöhter Reizbarkeit und Schreckhaftigkeit.
04:03
Speaker A
Die Dauer sollte länger als einen Monat sein.
04:05
Speaker A
Und natürlich muss das klinische Bild auch bedeutsam und sehr einschränkend sein, so dass die Arbeits- und Liebesfähigkeit.
04:10
Speaker A
Die Fähigkeit am Alltag teilzuhaben, deutlich eingeschränkt ist.
04:14
Speaker A
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie entsteht so eine PTSD?
04:17
Speaker A
Und ich hatte ja gesagt, dass eine posttraumatische Belastungsstörung eine besondere Form von Gedächtnisverarbeitung ist.
04:21
Speaker A
Und dazu sollten Sie kurz wissen, wie Dinge überhaupt gespeichert, also gelernt werden.
04:26
Speaker A
Und woher sie wissen, dass Dinge, die sie denken oder erleben, hier und jetzt sind.
04:31
Speaker A
Und andere damals und dort.
04:32
Speaker A
Also ist das vielleicht alles nur ein Traum?
04:35
Speaker A
Woher wissen Sie eigentlich, dass Sie mich jetzt wirklich sehen und meine Stimme hier und jetzt hören?
04:40
Speaker A
Vielleicht ist das nur eine Erinnerung.
04:42
Speaker A
Wieso sind Sie sich so sicher?
04:44
Speaker A
Vielleicht ist die Wirklichkeit eine andere.
04:47
Speaker A
Traumareaktionen bewirken eine tiefgreifende Veränderung im Realitätserleben.
04:51
Speaker A
Und die Frage ist, wie kommt das?
04:54
Speaker A
Und um das zu verstehen, was gerade wirklich ist und was Vergangenheit, ein kurzer, grober Blick in die Neurobiologie.
05:01
Speaker A
Es gibt einen Grundsatz, what fires together, wires together.
05:06
Speaker A
Wenn zwei Zellen, zwei Gehirnzellen gleichzeitig aktiv sind, dann machen sie eine Verbindung untereinander.
05:10
Speaker A
Wenn Sie zwei Dinge gleichzeitig erleben, hören oder erinnern, Tätigkeiten machen, dann werden sie verbunden und später als Netzwerk gemeinsam aktiviert.
05:16
Speaker A
Und diese Netzwerkablagerung, diese Speicherung geschieht in zwei verschiedenen Gedächtnissen.
05:21
Speaker A
Wir haben zum einen das sogenannte heiße Wahrnehmungsgedächtnis, da legen sich alle Gefühle, Bilder, Gerüche, Körperreaktionen ab.
05:26
Speaker A
Detaillierte sensorische, perzeptuelle Abbilder, die eigentlich nur unwillkürlich abrufbar sind.
05:31
Speaker A
Die Basis von Flashbacks und Albträumen.
05:33
Speaker A
Und gleichzeitig gibt es das kalte, sogenannte Kontextgedächtnis.
05:37
Speaker A
Wo und wann?
05:38
Speaker A
Gehört das hin?
05:39
Speaker A
Wann war das?
05:40
Speaker A
Willkürlich und unwillkürlich abrufbar.
05:42
Speaker A
Und es schafft den räumlichen Kontext, ob das eine alte oder neue Information ist.
05:47
Speaker A
Dazu brauchen wir etwas, was 2014 den Nobelpreis gegeben hat, ein wunderbares, sensationelles Navigationssystem.
05:54
Speaker A
Der Hippocampus und der benachbarte entorhinale Kortex.
05:57
Speaker A
Hier liegt das Ortsgedächtnis.
06:00
Speaker A
Das Zeitgedächtnis.
06:01
Speaker A
Und die Gedächtnisbildung, also die aktuelle Vertratung von allem, was ich lerne und merke und wo das hingehört.
06:08
Speaker A
Und auch der Detektor, ob das eine neue oder alte Information ist.
06:12
Speaker A
Bei der Traumatisierung spielt ja der Hauptbahnhof der Gefühle.
06:15
Speaker A
Die Hauptrolle.
06:17
Speaker A
Der Hauptbahnhof der Gefühle im Gehirn sind die Amygdala.
06:20
Speaker A
Genau.
06:21
Speaker A
Die Funktion der Amygdala ist die Bildung von Emotionen.
06:24
Speaker A
Insbesondere Furcht und Angst.
06:26
Speaker A
Sie speichern diese Emotionen.
06:28
Speaker A
Sie sind an der Abspeicherung beteiligt.
06:30
Speaker A
Sie vermitteln die körperliche Antwort, die Flucht- und Angriffsreaktion, die hormonelle Stressantwort.
06:35
Speaker A
Und die Amygdala können andere Zentren hemmen und sie hemmen z.B. das Navigationssystem, den Hippocampus.
06:40
Speaker A
In Alarmreaktionen, im Angriff kann das sinnvoll sein, weil schnelles Handeln ja erstmal auch wichtig ist.
06:46
Speaker A
In der Evolution, als wir noch in Herden leben, lebten, haben wir damit vielleicht überlebt.
06:51
Speaker A
Wird in einer ganz schlimmen Aktivierung der Amygdala der Hippocampus gehemmt, werden die heißen Gedächtnisnetzwerke ohne Kontext gespeichert.
07:01
Speaker A
Das bedeutet, wenn sie aktiviert werden, feuern sie einfach los.
07:05
Speaker A
Die Wahrnehmung ist, als ob es hier und jetzt gerade passieren würde.
07:10
Speaker A
Weil es fehlt ja die Vertratung in die Erinnerungsspeicher, in das damals und dort, das kalte Gedächtnis.
07:14
Speaker A
Macht es Sinn?
07:17
Speaker A
Es ist also nicht peinlich.
07:20
Speaker A
Es sollte eigentlich nicht beschämen.
07:23
Speaker A
Das Gehirn macht einfach seinen Job.
07:26
Speaker A
Ich verdeutliche das noch mal an einer angenehmen Erinnerung.
07:29
Speaker A
Okay?
07:32
Speaker A
Sie stellen sich vor.
07:34
Speaker A
Sie fühlen kaltes Wasser.
07:37
Speaker A
Sie sehen eine Landschaft, sie hören Rauschen.
07:40
Speaker A
Meer, Meeresrauschen und sehen einen Fuß im Wasser.
07:43
Speaker A
Sie haben Eindrücke erfrischend und schön, sie spüren Freude.
07:47
Speaker A
Ihr Herz schlägt und sie atmen schneller.
07:50
Speaker A
Das ist schön.
07:51
Speaker A
Aber wo gehört es hin?
07:53
Speaker A
Dazu fehlt und gehört aus ihrem kalten Gedächtnis die wahrscheinlich gut vertratete Information.
08:00
Speaker A
Italienische Riviera, Abend am Meer, September 2018.
08:05
Speaker A
Das Ganze ist genauso, aber oft eben ohne die Vertratung in das damals und dort beim traumatisierten.
08:12
Speaker A
Ein Beispiel.
08:14
Speaker A
Ein Geflüchteter sieht Polizisten in der Stadt.
08:17
Speaker A
Er sieht die Uniform.
08:19
Speaker A
Das erinnert an Soldaten.
08:22
Speaker A
Und das Traumnetzwerk beginnt.
08:25
Speaker A
Das Traumnetzwerk wird auf einen einzigen Schlag aktiviert.
08:30
Speaker A
Nicht selektiv einzelne Erinnerungen, dazu bräuchten wir den kalten Kontext durch den Hippocampus.
08:35
Speaker A
Dann könnten wir das willkürlich abrufen.
08:37
Speaker A
Das aber ohne diese Vertratung überliegt, Wum geht es los.
08:42
Speaker A
So können wir auch die Dissoziation ganz gut verstehen.
08:44
Speaker A
Eine selektive Erinnerung ist vielleicht die Kerze, die ich an einem Christbaum anzünde.
08:48
Speaker A
Das Traumnetzwerk ist wie eine elektrische Christbaumbeleuchtung, wo ich auf einmal den Stecker reinstecke und es ist voll da.
08:55
Speaker A
Wenn ich dissoziiere, ziehe ich den Stecker raus.
08:58
Speaker A
Ich bekomme nichts mehr mit, ich habe weniger Schmerzempfindung.
09:02
Speaker A
Ich kriege meine Umgebung nicht mehr mit, aber ich spüre es auch nicht mehr.
09:05
Speaker A
Muss nicht mehr so viel Angst haben.
09:06
Speaker A
Und der Flashback ist Stecker wieder rein.
09:09
Speaker A
Kann man das Beispiel nachvollziehen?
09:11
Speaker A
Ich mach's noch mal.
09:12
Speaker A
Es geht auch mit einem Gedanken.
09:14
Speaker A
Ich kann meine Lebenssituation nicht verbessern.
09:17
Speaker A
Der Gedanke war schon mal da.
09:18
Speaker A
Ich kann nichts tun.
09:20
Speaker A
Damals im Schlauchboot.
09:21
Speaker A
Und jetzt ist sofort das ganze Netzwerk wieder aktiviert.
09:26
Speaker A
Okay?
09:27
Speaker A
Dazu kommt folgendes.
09:29
Speaker A
Mit einem einzigen Traumnetzwerk werden die meisten Menschen irgendwie fertig.
09:35
Speaker A
Passieren mehrere Traumata hintereinander, verbinden sich bei Ähnlichkeit oder starker Übererregung die Traumata.
09:41
Speaker A
Explosion, Bombensplitter, Feuer, Wut.
09:45
Speaker A
Vergewaltigung, Nachbarschaft, Scham, Angst bei beiden.
09:51
Speaker A
Angst auch bei dem Alkohol riechenden Atem des Stiefvaters und den Schlägen.
09:58
Speaker A
Und als wir mit dem Motorrad zu schnell fuhren mit der Verzweiflung.
10:02
Speaker A
Es sind vier Traumnetzwerke, die sich zu einem großen Netzwerk verbunden haben.
10:07
Speaker A
Wie sieht die Behandlung aus?
10:10
Speaker A
Es geht darum, auf irgendeinem Weg diese Traumnetzwerke wieder zu trennen.
10:16
Speaker A
Und ihren Kontext zum kalten Gedächtnis wiederherzustellen.
10:21
Speaker A
Und hier gibt es eine weitere gute Nachricht, das macht das Gehirn von selbst.
10:26
Speaker A
Wenn wir ihm dabei helfen.
10:30
Speaker A
Das sieht dann so aus.
10:32
Speaker A
Sie sehen das gleiche Traumnetzwerk von eben wieder.
10:36
Speaker A
Aber jetzt sehen Sie den zugehörigen kalten Kontext.
10:42
Speaker A
Die Explosion war damals in Zürich im Café im Herbst.
10:47
Speaker A
Die Vergewaltigung vor 20 Jahren beim Besuch bei der Tante.
10:53
Speaker A
Der Motorradunfall letzten Sommer im Urlaub mit dem Freund.
10:59
Speaker A
Und die Schläge des Vaters als Kind zu Hause.
11:03
Speaker A
Traumnetzwerke sind getrennt und sind eine Erinnerung.
11:07
Speaker A
Wenn auch eine traurige.
11:11
Speaker A
Es gibt verschiedene Formen von Psychotherapie, die dem Gehirn dies ermöglichen.
11:16
Speaker A
Wenn es gelingt, die traumatischen Anteile und das hier und jetzt gleichzeitig zu aktivieren.
11:22
Speaker A
Dann kann das Gehirn prinzipiell nicht anders.
11:27
Speaker A
Es diese Verbindung auch herzustellen.
11:30
Speaker A
What fires together, that wires together.
11:33
Speaker A
Dadurch wird das traumatische Erlebnis zu einer traurigen Erinnerung transformiert.
11:39
Speaker A
Und es ist etwas anderes, eine traurige Erinnerung zu haben, als sein Leben durch unkontrollierbare Gefühle und Bilder massiv einschränken zu müssen.
11:48
Speaker A
Zudem wird es manchmal nötig, die Verarbeitung des Traumas zu besprechen.
11:53
Speaker A
Manche Menschen schlussfolgern aus ihren Traumata, dass sie besonders schlecht oder wertlos sind.
11:59
Speaker A
Weil ihnen das passiert ist.
12:01
Speaker A
Oder sie schließen daraus, dass die Welt grenzenlos gefährlich ist und man niemand mehr vertrauen kann.
12:06
Speaker A
Sonst wäre es ihnen nicht passiert.
12:09
Speaker A
Selbst wenn Anspannung und Flashbacks wechseln, kann ich mit einer solchen Haltung schlecht lieben, leben und arbeiten.
12:15
Speaker A
Man wird depressiv.
12:17
Speaker A
Auch hier die gute Botschaft, es gibt wirksame Psychotherapie.
12:21
Speaker A
Zu jeder Psychotherapie von Traumata gehört das initiale Erlernen von Stabilisierungstechniken.
12:27
Speaker A
Und eine hinreichend gute und sichere Beziehung zum Therapeuten.
12:31
Speaker A
Die alleinige Anwendung von Stabilisierungstechniken ist keine wirksame Therapie.
12:37
Speaker A
Und stabilisiert höchstens den Spontanverlauf.
12:41
Speaker A
Alle international evidenzbasierten Psychotherapien der PTBS haben insgesamt sehr große Effektstärken.
12:49
Speaker A
Dabei unterscheiden wir verschiedene Verfahren.
12:53
Speaker A
Es gibt Verfahren mit hohem Expositionsanteil.
12:57
Speaker A
Und Verfahren, in denen eher über das Denken und die Haltung gesprochen wird.
13:02
Speaker A
Die durch das Trauma verändert wurden.
13:06
Speaker A
Also insofern die Folgen des Traumas.
13:09
Speaker A
Die meisten Therapien sind so Mischformen aus beidem.
13:14
Speaker A
Und was wichtig ist, alle Verfahren lassen sich sehr gut erlernen.
13:19
Speaker A
Die einzelnen Verfahren sehen Sie auf dieser Folie.
13:22
Speaker A
Zur Veranschaulichung einer Traumatherapie vergleichen wir jetzt mal sehr schematisch.
13:28
Speaker A
Den Zustand des Gehirns vor und nach einer erfolgreichen Traumatherapie.
13:34
Speaker A
Sie sehen zunächst ohne Traumatherapie.
13:38
Speaker A
Rechts oben die fragmentarischen Gedächtnisbruchstücke, die jetzt in dem Gehirn überall unvernetzt und unvertrautet liegen.
13:44
Speaker A
Sie sehen, wenn ein Trigger oder Reiz durch das Tor zum Bewusstsein, den Thalamus reinkommt.
13:51
Speaker A
Dann gibt es keine Verbindung über den Hippocampus, es wurde nicht vertratet mit dem damals und dort.
13:58
Speaker A
Es wird direkt das Netzwerk aktiviert, das Netzwerk feuert.
14:02
Speaker A
Es wird eine starke Angstreaktion geben, eine starke körperliche Reaktion.
14:07
Speaker A
Jetzt haben unsere Amygdala einen Gegenspieler, der sie sehr gut hemmen kann, wenn man ihm dazu 100 bis 300 Millisekunden Zeit gibt.
14:14
Speaker A
Das ist der mediale präfrontale Kortex.
14:17
Speaker A
Dazu muss er aber wissen und informiert werden, dass er das tut.
14:20
Speaker A
Etwas, was er während der Traumatherapie bei quasi allen Therapieformen implizit oder explizit lernt.
14:26
Speaker A
Da er das hier nicht tut.
14:29
Speaker A
Kann nichts passieren und es kommt zu einer sehr schwachen Hemmung der Amygdala.
14:34
Speaker A
Ein Patient.
14:35
Speaker A
Nach einer erfolgreichen Traumatherapie.
14:39
Speaker A
Erlebt wieder diesen Reiz.
14:42
Speaker A
Und jetzt hat er einen trainierten Hippocampus und die Dinge sind da, wo sie hingehören.
14:48
Speaker A
Nämlich vertratet in das damals und dort.
14:52
Speaker A
Also läuft die Reaktion wie eine Gedächtniserinnerung ab.
14:55
Speaker A
Der mediale präfrontale Kortex hat Zeit genug, die Amygdala zu hemmen.
15:01
Speaker A
Und es kommt zu einer traurigen, schwachen Reaktion im Rahmen einer Erinnerung.
15:08
Speaker A
Und nicht zu einem Flashback.
15:12
Speaker A
Macht es Sinn?
15:15
Speaker A
Dann haben wir es geschafft.
15:17
Speaker A
Die Konklusion, denke ich, ist klar.
15:20
Speaker A
Traumatherapie lohnt sich.
15:22
Speaker A
Eine Traumafolgestörung ist nichts Peinliches, sondern eine normale Reaktion des Gehirns.
15:28
Speaker A
Traumata können jedem passieren und sind kein Beweis, dass man wertlos oder die Welt grenzenlos gefährlich ist.
15:33
Speaker A
Traumatherapie hat hohe Effektstärken, es gibt verschiedene Formen.
15:38
Speaker A
Sie ist neurobiologisch gut nachvollziehbar.
15:42
Speaker A
Und sie ist für Menschen mit Empathie gut erlernbar und lohnt sich für Patienten und Therapeuten.
15:47
Speaker A
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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